Politischer Status der Arktis

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Vorgeschlagene Sektorenaufteilung der Arktis

Der politische Status der Arktis ist bis heute ungeklärt.

Nach dem Seerechtsübereinkommen (SRÜ) der Vereinten Nationen von 1982 haben Staaten mit ozeanischer Küste das Recht auf begrenzte Kontrolle der Wasserfläche bis zu einer Entfernung von 200 Seemeilen (sm) (~370 km) von der Basis-Küstenlinie (sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone).[1] Das bedeutet, dass die fünf Anrainerstaaten des Nordpolarmeers mit Gebiet nördlich des Polarkreises, Norwegen, Dänemark, Russland, die USA sowie Kanada, territoriale Ansprüche auf Teile des Nordpolarmeeres erheben dürfen.

Der (geografische) Nordpol und das ihn bis zu einer Entfernung von mindestens 300 km umgebende Gebiet sind aber so weit vom Festland entfernt, dass sie nach derzeitigem Recht nicht im Besitz eines Staates sind. Allerdings hat jeder Staat die Möglichkeit, innerhalb von zehn Jahren nach Ratifizierung des SRÜ unter bestimmten Bedingungen eine Ausweitung seiner Kontrolle auf den Kontinentalschelf und somit auf mehr als 200 sm Entfernung vom Festland zu beantragen.[2]

Aufgrund dieser Regelung beantragten bisher Norwegen (SRÜ ratifiziert 1996), Russland (1997), Kanada (2003) und Dänemark (2004)[3] eine solche Ausweitung ihres Gebietes. Darüber hinaus gibt es vor allem in der kanadischen und russischen Politik und Rechtswissenschaft Stimmen, die die SRÜ für nicht anwendbar auf die Arktis halten und stattdessen eine so genannte "Sektorenlösung" vorschlagen.

Besitzfrage[Bearbeiten]

Situation im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Eine Postkarte aus den Zeiten des Kalten Krieges, die die sowjetische Dominanz im Arktischen Raum feiert.

1925 erweiterte Kanada als erster Staat seine Grenzen nach Norden zum Pol hin. Der Anspruch auf den Meeressektor zwischen 60° w. L. und 141° w. L. wurde aber international nicht anerkannt (der kürzeste Abstand zwischen kanadischem Land und dem Nordpol beträgt knapp 770 km). Dennoch folgten andere Staaten dem kanadischen Beispiel und beanspruchten jeweils bestimmte Sektoren des Nordpolarmeeres für sich (analog zur „Aufteilung“ der Antarktis): Russland (35° ö. L. bis 170° w. L.), Norwegen (5° ö. L. bis 35° ö. L.) sowie die USA (170° w. L. bis 141° w. L.), deren Sektor allerdings nur einige wenige Inseln beinhaltete, weshalb die Hoheit nicht mit Nachdruck eingefordert wurde. Nach der Anerkennung der Souveränität Dänemarks über Gesamt-Grönland durch die USA 1916 und durch den Ständigen Internationalen Gerichtshof 1933 konnte außerdem Dänemark den arktischen Sektor zwischen 60° w. L. und 10° w. L. für sich beanspruchen.[4]

Am 15. April 1926 wurde das Gebiet zwischen 35° ö. L. und 170° w. L. durch einen Beschluss des Allrussischen Sowjetkongresses als der Sowjetunion zugehörig festgelegt. Dies entspricht einem Dreieck zwischen Murmansk, dem Nordpol und der Tschuktschen-Halbinsel und somit einem Großteil des Nordpolarmeeres.[5]

In den 1950er Jahren, im Kontext des Kalten Krieges, schickte die kanadische Regierung im Rahmen einer Umsiedlung (High Arctic Relocation), Inuit-Familien in den hohen Norden, teilweise um territoriale Ansprüche zu begründen.[6]Zusätzlich erhebt Kanada Anspruch auf das Wasser im kanadisch-arktischen Archipel als Binnengewässer.

Eine bindende internationale Entscheidung bezüglich des betroffenen Gebiets gab es allerdings nie. Der Nordpol selbst und der größte Teil des Nordpolarmeeres wurden bis zum Jahre 1999 von denjenigen Staaten, die die Sektoreneinteilung ablehnten, als internationale Gewässer angesehen. Am Ende des 20. Jahrhunderts begann der polare Eisschild aufgrund der globalen Erwärmung immer schneller (und vor allem schneller als erwartet) zu schmelzen. Somit schien die Nutzung des sonst von ewigem Eis bedeckten Meeres für kommerzielle und Forschungszwecke immer näher zu rücken. Einige Staaten griffen ihre alten Ansprüche wieder auf oder erarbeiteten neue Vorschläge zur Aufteilung des Polargebietes. Auch die immer konkreter werdenden Hinweise auf eine möglicherweise bevorstehende globale Rohstoffknappheit führten zu einer Intensivierung der Arbeit an entsprechenden Projekten: Man vermutet, dass bis zu 25 % der globalen Erdöl- und Erdgasvorräte unter dem arktischen Meeresgrund lagern könnten. Ebenso wird mit Zinn-, Mangan-, Gold-, Nickel-, Blei-, Platin- und Rohdiamantenvorkommen gerechnet.[7] Von wirtschaftlicher Bedeutung sind auch die Fischvorkommen der Arktis.

Ansprüche auf ausgedehnten Festlandsockel[Bearbeiten]

Laut dem Seerechtsübereinkommen haben Staaten nach der Ratifizierung des Vertrages zehn Jahre Zeit, um Ansprüche auf einen ausgedehnten Festlandsockel einzulegen. Darauf basierend, sollen die fünf Anrainerstaaten des Arktischen Ozeans – Kanada, Dänemark, Norwegen, die Russische Föderation und die Vereinigten Staaten – ihre Ansprüche bis 2013, 2014, 2006 bzw. 2007 erheben. Da die Vereinigten Staaten das Seerechtsübereinkommen noch nicht bestätigt haben, ist das Vorlagedatum des Vertrages nicht festgelegt.

Ansprüche auf ausgedehnte Festlandsockel – wenn sie rechtmäßig sind – geben den Antrag stellenden Staaten Sonderrechte auf den Meeresboden und die Rohstoffquellen unterhalb des Bodens. Gültige Ansprüche werden sich nicht über die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) des Staates erstrecken, weil die AWZ nur durch die Zeichnung einer 200-Seemeilen-Linie mittels Küstenmeer Basislinien als Ausgangspunkte entsteht. Darauf wird Wert gelegt, weil Pressebeiträge die Fakten oft durcheinander bringen. Sie stellen fest, dass Ansprüche auf ausgedehnte Festlandsockel weiten die AWZ eines Staates aus, damit der Staat Sonderrechte nicht nur auf den Meeresboden und die Rohstoffquellen unterhalb dessen, sondern auch auf Ressourcen in der Wassersäule bekommt.

Russland[Bearbeiten]

Am 20. Dezember 2001 beantragte Russland offiziell bei der UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels (CLCS) in Übereinstimmung mit dem Seerechtsübereinkommen (Art. 76 Satz 8)[2] die Festlegung neuer Außengrenzen für den russischen Kontinentalschelf jenseits der 200 Seemeilen weiten ausschließlichen Wirtschaftszone, allerdings innerhalb des russischen arktischen Sektors. Das hierdurch von Russland beanspruchte Gebiet mit einer Fläche von etwa 1,2 Millionen Quadratkilometern stellt einen großen Teil der Arktis inklusive des Nordpols dar.[8][9]

Der Antrag wurde unter anderem damit begründet, dass sowohl der Lomonossow- als auch der Mendelejew-Rücken unterseeische Fortsetzungen der eurasischen Landmasse seien. 2002 wurde der Antrag von den Vereinten Nationen weder angenommen noch zurückgewiesen; stattdessen wurde weitere Nachforschung empfohlen[8]. Diese Forschungen sollen in den Jahren 2007 und 2008 als Teil des russischen Beitrags zum 4. Internationalen Polaren Jahr durchgeführt werden. Durch die Arktika 2007 genannte Expedition sollen Struktur und Entstehung der Erdkruste in der Arktis nahe Eurasien, unter anderem durch Forschung am Mendelejew-, am Lomonossow- und am Alpha-Rücken, geklärt und die vermutete Verbindung zum sibirischen Schelf bestätigt werden.[10][11] Eine Gruppe von 50 russischen Wissenschaftlern kam dabei auf dem Schiff Russia zu der Überzeugung, dass zumindest der Lomonossow-Rücken mit zur Russischen Föderation gehöriger Landmasse verbunden ist. Unter dem Meeresboden der fraglichen Gebiete könnten laut Auskunft der Wissenschaftler bis zu zehn Milliarden Tonnen Öl und Gas lagern. Der russische Präsident Wladimir Putin nutzte diese Meldung, um an den Antrag von 2001 zu erinnern.[12][13]

Anfang August 2007 tauchten zwei russische U-Boote vom Typ Mir in eine Tiefe von 4261 Metern unter dem Meeresspiegel und setzten am geografischen Nordpol eine russische Flagge in den Erdboden. Während die kanadische Regierung die russischen Handlungen scharf kritisierte, sieht die dänische Regierung dies nur als „bedeutungslosen Gag für die Medien“. Der Sprecher des dänischen Außenministeriums, Peter Taksøe-Jensen, sagte: „Das nehmen wir sehr gelassen und mit Humor. Für die juristische Durchsetzung völkerrechtlicher Ansprüche hat das nicht die geringste Bedeutung.“[7] Putin hielt eine Rede am 3. Mai 2007 auf dem nuklearen Eisbrecher 50 Let Pobedy[14], darin drängte er zu größeren Bestrebungen, um die „strategischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und Schutzinteressen“ Russlands im arktischen Raum zu schützen.[15]

Kanada[Bearbeiten]

Die Nordwestpassage im Norden Amerikas

Eine Sondersituation stellt der Teil des Nordpolarmeeres um die kanadische Küste und den kanadisch-arktischen Archipel dar. Obwohl diese Gewässer laut internationalem Seerecht zum Teil tatsächlich kanadisch sind, erkennen die USA, die Europäische Union und einige andere Staaten die kanadische Hoheit nicht an, sondern behandeln sie wie internationale Gewässer. So wurden bereits mehrfach amerikanische U-Boote durch kanadisches Hoheitsgebiet nahe an den Inseln vorbei geführt, ohne vorherige Anfrage auf Erlaubnis bei der Regierung.

Zwar sind die betroffenen Gewässer, zu denen auch die Nordwestpassage zählt, aufgrund der weitgehenden Vereisung über neun Monate des Jahres momentan nicht sehr attraktiv für die zivile und militärische Schifffahrt, doch sollte die globale Erwärmung anhalten, würde die Nordwestpassage für viele Schiffe eine deutliche Abkürzung – bis zu 7000 Seemeilen – gegenüber der Fahrt über den gebührenpflichtigen mittelamerikanischen Panamakanal darstellen. Kanadas Bemühungen um diesen Landesteil mit derart hohem ökonomischem Potenzial waren aber über lange Zeit nicht sehr intensiv. Obwohl die Arktis 40 Prozent der Landmasse des Staates ausmacht und zudem eine riesige Rohstofflagerstätte ist, beginnt die kanadische Regierung erst jetzt einzusehen, dass der Besitz gegen andere Staaten gesichert werden muss. Eine Verteidigung gegen im schlimmsten Fall feindliche Inbesitznahme wäre derzeit unmöglich; einzig die Küstenwache besitzt insgesamt sechs schwere Eisbrecher, auf dem Festland sind nur wenige Soldaten stationiert.

Im Juli 2007 hat die kanadische Regierung den Beschluss gefasst, sechs bis acht Überwachungsschiffe bauen zu lassen, um die Ansprüche sichern zu können, doch dürfte dies nur Abschreckungszwecken genügen. Weiterhin gibt es Pläne zum Bau eines Tiefsee-Militärhafens in Resolute Bay, die aber bis jetzt noch wenig konkret sind. Premierminister Stephen Harper rückte außerdem von seinem Wahlversprechen ab, die Nordwestpassage das ganze Jahr über durch Eisbrecher der Marine schiffbar zu halten.[16][17]

Dänemark[Bearbeiten]

Dänemark bestätigte dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen seinen Anspruch auf den erweiterten Festlandsockel am 16. November 2004. Das dänische autonome Gebiet Grönland kommt geografisch dem Nordpol mit seiner Küstenlinie am nächsten. Dänemark behauptet, dass der von Russland beanspruchte Lomonossow-Rücken in Wahrheit eine Fortsetzung der Insel Grönland sei. Die dänischen Forschungen hierzu begannen mit der Expedition LORITA-1 im Frühjahr 2006.[18] Sie werden im Rahmen des Internationalen Polaren Jahres ab August 2007 mit dem Unternehmen LOMROG fortgesetzt. Am 12. August 2007 begaben sich 40 Wissenschaftler, darunter zehn aus Dänemark, an Bord des schwedischen Eisbrechers Oden, der von Tromsø aus in Richtung Nordpol auslief. Während die dänischen Messungen die Kopenhagener Auffassung belegen sollen, dass der Kontinentalsockel am Pol mit der Insel Grönland verbunden ist, untersuchen die schwedischen Teilnehmer an der Expedition die Klimageschichte der Arktis. Das Anbringen einer russischen Flagge unter dem Nordpol bezeichnete der dänische Wissenschaftsminister Helge Sander als „Provokation“.[19][20] Dennoch nimmt an der Expedition auch der russische Atomeisbrecher 50 Let Pobedy (50. Jahrestag des Sieges) teil.[21]

USA[Bearbeiten]

Für die US-Regierung spielen mögliche Gebietsgewinne durch den Anrainerstatus des nördlichsten Bundesstaats Alaska eine untergeordnete Rolle, weil ihr durch die vergleichsweise kurze Küstenlinie bei sämtlichen Verfahren nur eine geringe Fläche zufallen würde. Der Blickpunkt der US-amerikanischen Arktispolitik ist vielmehr auf die Nordost- und die Nordwestpassage gerichtet. Diese Gewässer sollten nach Ansicht der Regierungen unter Bill Clinton und George W. Bush so weit wie möglich internationalisiert werden, um eine möglichst ungehinderte Schifffahrt und weitere wirtschaftliche Nutzung auf ihnen zu eröffnen. Damit stießen sie auf Widerstand in Kanada, Russland und dem amerikanischen Senat, der eine Ratifizierung des SRÜ ablehnte.

Norwegen[Bearbeiten]

Norwegen hielt sich zunächst weitestgehend aus Diskussionen über den Status des Gebiets um den Nordpol herum heraus. Es konzentrierte sich vielmehr auf seine Auseinandersetzung mit Russland über einen Teil der Barentssee und den Status von Spitzbergen.

Am 27. November 2006 reichte Norwegen jedoch ebenfalls einen Antrag bei der CLCS ein, in dem vorgeschlagen wird, die norwegische 200-Meilen-Zone in drei Gegenden des Nordost-Atlantiks sowie des Nordpolarmeeres zu erweitern: dem Loophole in der Barentssee, dem westlichen Nansen-Becken sowie dem sogenannten „Banana Hole“ im Europäischen Nordmeer. Es wird angemerkt, dass ein weiterer Antrag betreffend der Ausweitung des Kontinentalschelfs in anderen Gegenden nachgereicht werden könne.[22]

Europäische Union[Bearbeiten]

Auch die Europäische Union hat damit begonnen, ihre eigenen Interessen an der Arktis zu definieren. Sie verweist besonders auf die Bedeutung der Handelsschifffahrt in eisfreien Gebieten und erhofft sich „stärkere Mitwirkungsmöglichkeiten der Europäischen Kommission an der Arbeit des Arktischen Rates durch Zuerkennung des Status eines ständigen Beobachters“.[23]

Sektorenlösung[Bearbeiten]

Kanada sowie einige Politiker und Wissenschaftler in Russland fordern, die Arktis nicht nach dem Seerechtsübereinkommen als internationales Gewässer zu behandeln, sondern sie vollständig in nationale Sektoren aufzuteilen, ähnlich wie es zu Anfang des 20. Jahrhunderts bereits vorgeschlagen wurde. Mit ihr würde die Arktis in Winkel aufgeteilt, die vom Nordpol entlang der Längengrade bis zu den westlichsten und östlichsten Punkten der Nordküsten der Anrainerstaaten verlaufen würde.

Bereits heute gibt es verschiedene Konflikte zwischen Staaten, die nach der Seerechtstheorie argumentieren und Kanada und Russland andererseits. So stritten Russland und Norwegen bis 2010 über einen Abschnitt der Barentssee [24]

Hans-Insel[Bearbeiten]

Der Streit zwischen Kanada und Dänemark um die Hans-Insel in der Nares-Straße ist nur vorläufig beigelegt. 1984, 1988, 1995 und 2003 wurden dänische Fahnen auf der Hans-Insel gehisst. Die kanadische Regierung protestierte ausdrücklich gegen diese Aktivitäten. Im Juli 2005 schließlich besuchte der damalige kanadische Verteidigungsminister Bill Graham während einer Fahrt durch die Arktis die Insel unangemeldet. Das hat einen neuen diplomatischen Streit zwischen den beiden Regierungen ausgelöst, welcher im September des gleichen Jahres jedoch beigelegt werden konnte. Kanada beanspruchte das Gebiet, da nach Karten, die bei der Koordinatenbestimmung der Inseln benutzt worden waren, die gesamte Insel an der kanadischen Seite der Abgrenzungslinie lag. Allerdings überprüften Bundesbeamte die letzten Satellitenbilder von Juli 2007 und gestanden ein, dass die Linie ungefähr quer über die Mitte der Insel führt. Seitdem ist der territoriale Status der Insel umstritten. Ansprüche auf Fischgründe und zukünftiger Zugang zur Nordwestpassage stehen dabei auch auf dem Spiel.[25]

Beaufortsee[Bearbeiten]

Es gibt einen Streit über ein keilförmiges Stück der Grenze in der Beaufortsee zwischen dem kanadischen Territorium Yukon und dem US-amerikanischen Bundesstaat Alaska.[26] Nach Meinung Kanadas soll die Seegrenze der Landgrenze folgen. Aus US-amerikanischer Sicht soll die Seegrenze sich entlang einer Linie ausdehnen, die von den Küsten beider Nationen gleich weit entfernt ist. Das umstrittene Gebiet sei reich an Kohlenwasserstoffreserven. Die USA mietete schon acht Stücke des Meeresbodens, um nach Ölreserven zu suchen und diese eventuell zu vermarkten. Kanada protestierte diplomatisch dagegen. Bislang wurde keine Vereinbarung getroffen, weil, obwohl die USA das Seerechtsübereinkommen unterzeichneten, sie stimmten es nicht zu. Sobald der Vertrag ratifiziert ist, wird diese Angelegenheit wahrscheinlich vor Gericht geklärt.[27]

Am 20. August 2009 kündigte der US-amerikanische Handelsminister Gary Locke ein Moratorium für die Fischerei in der Beaufortsee nördlich von Alaska samt den umstrittenen Gewässern an.[28][29] Nach Randy Boswell von Canada.com erstreckt sich das umstrittene Gebiet über einen 21.436 Quadratkilometer großen Abschnitt der Beaufortsee. Kanada habe im April 2009 einen Protestbrief an die Vereinigten Staaten geschrieben als diese ihre Pläne für das Moratorium veröffentlichten.

Nordwestpassage[Bearbeiten]

Der Rechtsstatus der Nordwestpassage ist ebenso umstritten. Kanada hält es für einen Teil seiner internen Gewässer gemäß dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen.[30] Die Vereinigten Staaten und andere Seefahrernationen[31] betrachten es als eine internationale Meeresstraße,[32] das heißt, fremde Schiffe haben das Recht auf Durchfuhr. Nach einem solchen Regelwerk hätte Kanada das Recht Fischerei- und Umweltschutzregelungen zu beschließen, ferner Steuer- und Schmuggelgesetze, aber Kanada hätte kein Recht die Passage zu schließen.[33] Zudem sind die zugelassene Umweltschutzregelungen im Seerechtsübereinkommen nicht so streng wie wenn die Nordwestpassage zu den internen Gewässern von Kanada zählen würde.[34]

Die USA lehnen eine Sektorenaufteilung ab, haben allerdings auch das SRÜ nicht ratifiziert.

Weitere politische Fragen[Bearbeiten]

Angesichts weiterer, offener Fragen betreffend des politischen Status der Arktis wurde 1996 der Arktische Rat gegründet. Der 1993 gegründete Euro-Arktische Barents-Rat hat dagegen nur geringe Bedeutung, da die USA und Kanada hierbei lediglich als Beobachter vertreten sind. Neben den territorial-völkerrechtlichen Fragen bleibt vor allem die Umweltschutzpolitik ein umstrittenes Thema. Kanada hat für seine Arktisgebiete spezielle Umweltschutzgesetze erlassen. Für die übrigen Staaten fehlen vergleichbare Gesetze weitgehend. Diskutiert wird auch eine Ergänzung der Seerechtskonvention um Bestimmungen zum Umweltschutz und zum Fischfang für die internationalen Arktis-Gewässer, die dann von der Internationale Seeschifffahrts-Organisation der UNO oder vom Arktisrat überwacht werden könnten. Auch die Seenotrettung in arktischen Gewässern ist nicht juristisch geregelt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Brill: Machtdemonstrationen im Eismeer. Die Arktis und die Interessen der Anrainerstaaten, In: Österreichische militärische Zeitschrift, Mai/Juni 2008.
  • Christoph Humrich: Ressourcenkonflikte, Recht und Regieren in der Arktis. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, 5-6/2011, S. 6-13, online bei der Bundeszentrale für Politische Bildung (PDF; 5,3 MB).
  • Sinah Marx: Die Macht am Nordpol. Warum ein Krieg wahrscheinlich ist. In: Internationale Politik und Gesellschaft (IPG), 1/2010, S. 96–111. pdf online
  • Eberhard Sandschneider: Die Zukunft der Arktis, DGAP aktuell, Deutsche Gesellschaft für auswärtige Politik, April 2009.
  • Matthias Hannemann: Pole Position - Wo bleibt die europäische Debatte zur künftigen Arktis-Politik, In: Vierteljahreshefte Liberal, 2/2009, S. 46–50, ausführlicher ders., Der neue Norden. Die Arktis und der Traum vom Aufbruch, Bad Vilbel 2010, ISBN 3-942-07302-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Art. 55 des SRÜ
  2. a b Art. 76 Satz 8 des SRÜ, Anhang 2, Art. 4 des SRÜ
  3. Ratifizierungs-Status des SRÜ nach Staaten
  4. T. E. M. McKitterick: The Validity of Territorial and Other Claims in Polar Regions. In: Journal of Comparative Legislation and International Law, Third Series. Jg. 21, Nr. 1 (1939), S. 89–97.
  5. George Ginsburgs: The Soviet Union and International Cooperation in Legal Matters. Martinus Nijhoff, Dordrecht 1988, ISBN 0792330943.
  6.  Canada. Royal Commission on Aboriginal Peoples. (René George Erasmus): The High Arctic Relocation- A Report on the 1953–55 Relocation (Royal Commission on Aboriginal Peoples). Canadian Government Publishing, Ottaw 1994, ISBN 0660155443, S. 190.
  7. a b DIE ZEIT online, Russen unter dem Nordpol, 2. August 2007.
  8. a b CLCS: Submissions to the Commission: Submission by the Russian Federation, 20. Dezember 2001.
  9. Karte der von Russland vorgeschlagenen Erweiterung des Kontinentalschelfs. Die Grenze der ausschließlichen Wirtschaftszone ist rot markiert, weiterhin von Russland beanspruchtes Gebiet schwarz schraffiert.
  10. geplante Expeditionen im 4.Internationalen Polarjahr (.doc, russ.; 274 kB)
  11. Karte zur Arktika-Expedition
  12. Russia Claims the North Pole. TIME, 12. Juli 2007
  13. Kremlin lays claim to huge chunk of oil-rich North Pole. Guardian Unlimited, 28. Juli 2007
  14. www.newsru.com
  15. ITAR-TASS (English) 0602 GMT 3. Mai 2009
  16. Canada plans ships to assert Arctic sovereignty. Reuters, 9. Juli 2007
  17.  Bernadette Calonego: Die machtlosen Hüter der Nordwestpassage. In: Süddeutsche Zeitung. Nr. 181, 7. August 2007, S. 6.
  18. a76.dk
  19. SF Tagesschau, Streit um die Schätze der Arktis, 12. August 2007.
  20. Neue Zürcher Zeitung, Wettstreit um Arktis-Ansprüche, 12. August 2007.
  21. LOMROG/APEX – Lomonosov Ridge off Greenland 2007, a76.dk
  22. CLCS: Submissions to the Commission: Submission by Norway
  23. zitiert nach: Liberal. Vierteljahreshefte für Politik und Kultur, 2/2009, S. 49 (PDF; 99 kB)
  24. Russland und Norwegen legen Streit um Barentssee bei
  25. Satellite imagery moves Hans Island boundary: report, Canadian Press. 26. Juli, 2007. 
  26. Transnational Issues CIA World Fact Book. Cia.gov. Abgerufen am 17. Oktober 2013.
  27. Transnational Issues CIA World Fact Book. Cia.gov. Abgerufen am 17. Oktober 2013.
  28. Fehler beim Aufruf der Vorlage:cite news: Die Parameter archiveurl und archivedate müssen beide vorhanden sein oder müssen beide fehlen.Secretary of Commerce approves fisheries plan for ArcticSecretary of Commerce approves fisheries plan for Arctic, World of fishing. 20. August 2009. 
  29. Fehler beim Aufruf der Vorlage:cite news: Die Parameter archiveurl und archivedate müssen beide vorhanden sein oder müssen beide fehlen.Randy Boswell: Canada protests U.S. Arctic fishing ban, Canada.com. 4. September 2009. 
  30. Todd P. Kenyon: Unclos Part Iv, Archipelagic States. Admiraltylawguide.com. Abgerufen am 17. Oktober 2013.
  31. Northwest Passage gets political name change - Ottawa Citizen
  32. Climate Change and Canadian Sovereignty in the Northwest Passage
  33. Todd P. Kenyon: Unclos Part III, Straits Used For International Navigation. Admiraltylawguide.com. Abgerufen am 17. Oktober 2013.
  34. The Northwest Passage and Climate Change from the Library of Parliament - Canadian Arctic Sovereignty. Parl.gc.ca. Abgerufen am 17. Oktober 2013.