Raupenschlepper Ost

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Raupenschlepper Ost beim Einsatz im „Unternehmen Zitadelle“, 21. Juni 1943
Raupenschlepper Ost im Auto- und Technikmuseum Sinsheim
Raupenschlepper Ost (Gebirgsausführung) im Heeresgeschichtlichen Museum Wien

Der Raupenschlepper Ost (RSO) war ein Kettenfahrzeug für die deutsche Wehrmacht, das speziell für die schwierigen Boden- und Witterungsverhältnisse des Krieges gegen die Sowjetunion entwickelt wurde.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Seine Notwendigkeit wurde erstmals durch die immensen Nachschubprobleme der Wehrmacht im Winter 1941/42 deutlich. In aller Eile wurde bei der Steyr Daimler Puch AG (deren Generaldirektor Meindl auch Chef des dafür eingerichteten Sonderausschusses im Reichsministerium für Bewaffnung und Munition war) ein Vollkettenfahrzeug nach dem Beispiel des russischen Stalinez 65 entworfen, das Hitlers Anerkennung fand. Allerdings forderte er eine Bodenfreiheit in der Größenordnung von 60 bis 70 Zentimetern.

Wesentliche Bauteile stammten vom Steyr-LKW 1500, was die Produktion des neuen Fahrzeuges wesentlich erleichterte. Der Raupenschlepper Ost wurde sogar auf dem gleichen Band im Werk produziert.

Basierend auf dem Steyr-LKW 1500 wurde auch noch der so genannte „Radschlepper Ost“ mit übergroßen Eisenrädern konstruiert, der aber nicht sehr überzeugte. Hier verlangte Hitler wesentliche Verbesserungen.

Im September 1942 begann die Serienproduktion des Raupenschleppers Ost, der auch bei anderen Firmen (Klöckner-Deutz, Gräf & Stift, Auto Union) in Lizenz gebaut wurde.

Prototypen und Einsatz[Bearbeiten]

Raupenschlepper Ost (RSO) mit angehängter PaK 40 (Soldaten auf PaK sitzend) und PKW beim Durchqueren eines Gewässers, 1944 in der Sowjetunion
Raupenschlepper Ost 1942

1943 wurden Versuche unternommen, den RSO als Selbstfahrlafette für die 7,5-cm-PaK 40 zu verwenden. Eine Plane schützte und tarnte das Geschütz während der Fahrt; der Fahrersitz war notdürftig gepanzert. Anfang Oktober 1943 wurde Hitler diese Konstruktion vorgeführt. In großen Stückzahlen wurde diese Version allerdings nicht gefertigt. Ein Problem hierbei war, dass diese RSO häufig als Sturmgeschütze verwendet wurden, wofür sie allerdings nicht gedacht waren.

Aber es gab auch noch andere Versuche mit dem Raupenschlepper Ost:

Schwimmfähige Prototypen wurden ebenso erprobt wie RSO-Fahrzeuge mit Krankentransportaufbauten. Fotos belegen, dass einige dieser RSO an die Ostfront gebracht wurden. Es gab auch Versuche, den RSO als Sattelschlepper zu verwenden. Als Fahrgestell für den Sattelauflieger diente ebenfalls ein RSO-Fahrgestell (unmotorisiert). Unter anderem gab es hier einen Mannschaftstransporter für etwa 50 Soldaten.

Auch die Gebirgstruppen fanden Gefallen an diesem Fahrzeug. Auf ihr Drängen hin wurde eine kleinere Version konstruiert, der Gebirgsraupenschlepper (RSG). Der RSG trug eine 1940 erbeutete belgische 7,5-cm-Gebirgshaubitze 34. Allerdings wurden hiervon nur wenige Prototypen gebaut.

Die bewaffneten Versionen des Raupenschleppers Ost zeigten aber bald, dass der Motor für solche Zwecke zu schwach war; so wurde eine RSO-Version mit zwei nebeneinander eingebauten Motoren konstruiert. Über das Stadium eines Prototyps kam diese Konstruktion allerdings nicht hinaus.

Die Lizenz-RSO von Klöckner-Deutz wurden ab 1944 mit neu entwickelten Dieselmotoren mit Luftkühlung ausgerüstet, um den harten Minustemperaturen des russischen Winters besser standhalten zu können.

Inklusive aller Sonderarten des RSO wurden von allen beteiligten Firmen insgesamt etwa 28.000 Stück gebaut.

1956 baute die Steyr Daimler Puch AG eine Weiterentwicklung des Raupenschleppers Ost, den Steyr Muli, der auch bei der Österreichischen Post eingesetzt wurde.

Nach dem Krieg gab es auch Bestrebungen, die Produktion des Raupenschleppers Ost für die deutsche Land- und Forstwirtschaft wieder aufzunehmen. Tatsächlich wurden 1947/48 von Klöckner-Deutz etwa 1000 Halbkettenfahrzeuge mit luftgekühltem Motor als „Waldschlepper“ ausgeliefert, die vom RSO abgeleitet waren.

Technische Daten[Bearbeiten]

  • Hersteller: Steyr, später auch Klöckner-Humboldt-Deutz und Gräf & Stift
  • Leergewicht: 5500 kg
  • Nutzlast: 1500 kg
  • Länge/Breite/Höhe : 4,425 m/1,99 m/2,53 m
  • Motorisierung: 8-Zylinder-Steyr-Benzinmotor (85 PS) oder 4-Zylinder-Deutz-Dieselmotor (66 PS)
  • Geschwindigkeit: 17 km/h, bzw. 14 km/h bei RSO/3
  • Fahrbereich: ca. 300 km
  • Tankinhalt: 180 l

Varianten[Bearbeiten]

Für den RSO wurden neben den diversen Versuchsmodellen drei Varianten in nennenswerter Serie gefertigt.

  • RSO/1 Grundvariante, mit geschlossener Fahrerkabine
  • RSO/2 in einigen Fällen auch als RSO/PaK40 geführt, Variante mit 7,5-cm-PaK40
  • RSO/3 vereinfachte Variante mit halboffener Fahrerkabine

Museale Rezeption[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • OKW: Vorschrift D 638/1 Raupenschlepper Ost, Steyr Daimler Puch A.G. Typ RSO/01 Gerätebeschreibung und Bedienungsanweisung 1943
  • OKW: Vorschrift D 638/2 Raupenschlepper Ost, Typ RSO/01, Steyr Daimler Puch A.G., Auto Union (Nachbau), Gräf u. Stift (Nachbau), Klöckner-Humboldt-Deutz (Nachbau), Ersatzteilliste 1943
  • Die Geschichte des deutschen LKW-Baus. Weltbild Verlag 1994 ISBN 3-89350-811-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 82.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Raupenschlepper Ost – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien