Reiterstandbild Friedrichs des Großen

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Das Reiterstandbild Friedrichs des Großen

Das monumentale Reiterstandbild Friedrichs des Großen, von den Berlinern auch kurz der „Alte Fritz“ genannt, erinnert an König Friedrich II. von Preußen. Es steht in der historischen Mitte von Berlin am Ende des Lindenforums auf dem Mittelstreifen des Boulevards Unter den Linden. Das Hauptwerk Christian Daniel Rauchs ist eine der bedeutendsten Skulpturen des 19. Jahrhunderts und markiert den Übergang zu einer realistischen Darstellung in der Bildhauerei.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwurf, Guss und Aufstellung[Bearbeiten]

Denkmalsfigur Friedrichs des Großen

Der Auftrag zum Entwurf eines Großdenkmals für den fünfzig Jahre zuvor verstorbenen Herrscher wurde am 29. Februar 1836 vergeben. Eigentlich hatte Johann Gottfried Schadow das Standbild fertigen wollen, wozu er bereits Studien über Form- und Gießtechnik im Ausland (Kopenhagen, Stockholm und Petersburg) betrieben hatte.[1] Jedoch beauftragte Friedrich Wilhelm III. Christian Daniel Rauch, einen Schüler Schadows, mit Entwurf und Ausführung. Das mag nicht zuletzt daran gelegen haben, dass sich die Kunstauffassung Schadows von der des Königs unterschied, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Friedrich Wilhelm II., der Schadows Gönner war. Tatsächlich kam es zu einem gewissen Abstieg Schadows bei einem gleichzeitigen Aufstieg von dessen Schülern, hier vor allem von Rauch. Schadow vermochte sich den neuen gestalterischen Prinzipien nicht anzupassen, was diesen Abstieg erklärt. Zur Bedeutungslosigkeit war er jedoch nicht herabgesunken. Von Schadow ist der Spruch überliefert: „Mein Ruhm ist in Rauch aufgegangen.“

Westseite des Denkmals von links: Graf von Finckenstein, von Schlabrendorf, Graf von Carmer (mit Buch), Graun (mit Notenrolle), Lessing und Kant

Das Modell eines monumentalen Reiterstandbilds auf einem geschmückten Postament, das den Herrscher gleichzeitig als volkstümliche Persönlichkeit darstellt, fand die Zustimmung einer eigens gebildeten Regierungskommission. Diese traf auch die Auswahl und Anordnung der Persönlichkeiten, die im Sockelbereich neben allegorischen Figuren verewigt werden sollten. Das waren vor allem bedeutende Zeitgenossen der Ära Friedrichs des Großen wie seine Generäle und Geistesgrößen jener Zeit beispielsweise Kant oder Lessing. Insgesamt sind hier 74 Männer dargestellt, davon 21 als lebensgroße Vollplastiken. Rauchs Mitarbeiter bei der Erstellung der Modelle waren Albert Wolff, Gustav Bläser, Eduard Julius Gebhard, Hugo Hagen, Carl Wolgast, Christian Genschow, Adolph Bräunlich, Bernhard Afinger, Julius Franz und Rudolph Piehl. Bei der Gestaltung des Pferdes richtete sich Rauch nach Abbildungen von Friedrichs Lieblingspferd Condé. Die Grundsteinlegung erfolgte am 1. Juni 1840, dem 100. Jahrestag der Thronbesteigung Friedrichs II.

Enthüllung des Denkmals 1851, (spiegelverkehrte Daguerreotypie)

Für die mehrere Jahre dauernde Herstellung der Bronzefiguren nach modernsten und effizienten Verfahren wie der Teilformerei in Sand hatte sich Rauch persönlich eingesetzt – nach einigen Probearbeiten unter seiner Oberaufsicht in der Kunst- und Glockengießerei Lauchhammer holte er dessen Ziseleur und Gießmeister Karl Ludwig Friebel nach Berlin. Friebel führte den Guss in einer vorhandenen aber baulich erweiterten Werkstatt aus und hatte auch in Abstimmung mit dem Bildhauer große Werkstätten für die Modell- und Ziselierarbeiten eingerichtet. Zu Beginn des Jahres 1851 waren alle Teile, Nebenfiguren und Reliefs gegossen und wurden noch vor der Zusammenfügung ausgestellt. Am 31. Mai 1851 wurde das Monument schließlich feierlich enthüllt.[1] Seine Maße werden in einem zeitgenössischen Dokument mit 43 Fuß Gesamthöhe, davon 18 Fuß für die Reiterfigur, angegeben.[2]

Schicksal des Denkmals zwischen 1945 und 1980[Bearbeiten]

Beseitigung der Schutz-Ummantelung im Mai 1950

Im Zweiten Weltkrieg erhielt das Denkmal zum Schutz vor Luftangriffen eine gemauerte Hülle. Es überstand den Krieg unbeschadet. Der gewaltige Klotz diente in den Nachkriegsjahren der Anbringung politischer Plakate. Nach der Spaltung Berlins erklärte der Leiter des „Amtes Museen“ des Ost-Berliner Magistrats am 1. Oktober 1949: „Der königliche Reiter muss weg, […] weil er gegen Osten reitet“. Im Zusammenhang mit der programmatischen Sprengung des Berliner Stadtschlosses, der Vernichtung des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals und dem Abbau der ebenfalls von Rauch geschaffenen Statuen der Generäle Bülow und Scharnhorst an der Neuen Wache beschloss der Magistrat im Mai 1950 die Versetzung des Reiterstandbildes Friedrichs in den Park von Sanssouci. Die Entfernung der Schutzhülle Ende Mai 1950 hatte Buntmetalldiebe angelockt, die nun erhebliche Beschädigungen verursachten. Zwischen dem 13. und 19. Juli 1950 erfolgten die Abtragung und Zerlegung des Denkmals und der Transport der Einzelteile nach Potsdam.[3]

Zwischenlagerung in Potsdam (hier: ein Detail vom Sockel)

Sie erhielten auf dem Lagerplatz der Berliner Baufirma Stuck und Naturstein gegenüber dem Neuen Palais ein mit Stroh abgedecktes und eingezäuntes Versteck. Ein zuverlässiger Mitarbeiter wurde dafür verantwortlich gemacht, dass die Teile des Monuments sicher und unbemerkt von der Öffentlichkeit gelagert werden sollten. Nach zehn Jahren fragte dieser Mitarbeiter im Ministerium für Kultur der DDR an, ob es seine Richtigkeit habe, dass das Denkmal nun zu einer Schmelze gebracht werden solle, ein Tieflader sei schon bestellt. Der Minister Hans Bentzien, der bis dahin nicht einmal gewusst hatte, wo das Bronzestandbild verblieben war, brachte in Erfahrung, dass Paul Verner, damals Erster Sekretär der Berliner Bezirksleitung der SED und Mitglied des Politbüros, der Regierungsspitze mit der Beseitigung des Symbols einer „reaktionären Politik“ den Weg zur Neugestaltung des Lindenforums frei machen wollte. Bentzien, Lehrer, Geschichtswissenschaftler und hoher Politiker konnte mit Hilfe einiger Gleichgesinnter die Schmelze offiziell verhindern und trotzdem eine „Vollzugsmeldung“ mit der Vorlage eines Schrottscheines organisieren. In dem entsprechenden Interview zu diesem Vorgang heißt es wörtlich: „Der König kam auf den Tieflader, Eberhard Bartke (ein Abteilungsleiter für Kunst im Ministerium) saß im Fahrerhaus, die weißen Mäuse (umgangssprachlich für „Verkehrspolizisten“) sicherten ab. Dann fuhren sie dort in Potsdam in einer regnerischen Nacht einmal ums Karree und luden die Pracht an anderer Stelle im Park wieder ab.“ Der in den Rettungsplan eingeweihte Generaldirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Sanssouci veranlasste seinen Schlossgärtner, die Denkmalteile an einem neuen Ort im Park abzuladen und wieder gut zu verstecken.[4]

Das im Potsdamer Hippodrom aufgestellte Denkmal, um 1962

Wie es schließlich dazu kam, dass bereits 1962 das wieder zusammengefügte Denkmal im Hippodrom des Parks Charlottenhof einen neuen Platz erhielt, ist nicht bekannt. Es geschah aber auch wieder ohne Aufsehen in den Medien. Die Berliner Politikprominenz hatte es nicht erfahren oder nicht zur Kenntnis genommen.

Wiederaufstellung Unter den Linden[Bearbeiten]

Die Zuwendung und teilweise Neubewertung der eigenen deutschen Geschichte, vor allem durch die Veröffentlichung einer Biografie Friedrich II. und die Preußen durch die DDR-Schriftstellerin und Historikerin Ingrid Mittenzwei und durch Aktivitäten in West-Berlin – 1981 fand beispielsweise eine Ausstellung Preußen – Versuch einer Bilanz statt – wirkten sich nun in einer neuen Haltung der DDR-Regierung aus. Es darf außerdem angenommen werden, dass die gemeinsamen Vorbereitungen zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahr 1987 und die nur schleppend vorangehende Umgestaltung der Straße Unter den Linden ebenfalls dazu beitrugen, dass 1980 Erich Honecker persönlich die Order zur Wiederaufstellung des Reitermonuments gegeben hat. Eine Abteilung Sondervorhaben unter der Leitung des Stadtarchitekten Erhardt Gißke und unter Mitwirkung der Baudirektion der Staatlichen Schlösser und Gärten Sanssouci organisierte nun die Rückführung. Nach einer umfassenden Restaurierung erhielt das komplette Denkmal in den späten 1980er Jahren rund sechs Meter östlich von seinem historischen Standort einen dauerhaften neuen Platz. Die Ost-Berliner Tageszeitungen machten die Aktion weltweit bekannt.[4]

Für das Jahr 2001 hatte die Berliner Senatsbauverwaltung eine gründliche Restaurierung des Monuments ausgeschrieben. Die Arbeiten wurden an die Firma Betina Roß GmbH vergeben, die sie in ihrer Berliner Werkstatt sachgerecht und unter Aufsicht der Denkmalschutzbehörde erledigte. In der Zwischenzeit wurde das Stützfundament erneuert, neue Kandelaber und ein neues Ziergitter angefertigt.[5] Bereits fünf Jahre später musste eine neue Grundreinigung erfolgen, nach der das Standbild eine Schutzschicht aus Wachs gegen Graffiti erhielt.[6]

Ehrentafeln[Bearbeiten]

An dem Sockel des Reiterdenkmals sind Ehrentafeln angebracht, die an wichtige Persönlichkeiten im Umfeld von Friedrich II. erinnern.

Rechte Ehrentafel (Nordansicht – links nach rechts)
Linke Ehrentafel (Südansicht – links nach rechts)
Rückwärtige Ehrentafel (Westansicht – links nach rechts)

Weitere Bronzefiguren Friedrich des Großen[Bearbeiten]

Schadow hatte bereits zuvor ein Standbild des preußischen Königs mit zwei Windspielen modelliert und fertigen lassen, das in Sanssouci aufgestellt wurde und nur 88 cm hoch ist.[1]

Im Park von Sanssouci befindet sich eine 1865 von zwei Schülern von Daniel Rauch (Aloisio Lazzerini und Carlo Baratta) angefertigte verkleinerte Kopie des hier beschriebenen Berliner Monuments.

Vor dem Neuen Flügel des Schlosses Charlottenburg steht eine Bronzefigur, die nach fotografischen Vorlagen des „verlorenen Originals in Marmor“ von Johann Gottfried Schadow für den Paradeplatz in Stettin geschaffen wurde.[7]

Im Gutspark von Dehlitz, Ortsteil der Stadt Lützen, befand sich von 1858 bis nach Kriegsende 1945 ein verkleinertes Modell des Reiterstandbildes Friedrich II., welches in Berlin, Unter den Linden, steht. Es erinnert an den Aufenthalt des preußischen Königs vor der Schlacht bei Roßbach vom 5. November 1757. Die Reiterfigur befindet sich heute im Museum im Schloss Lützen.[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Im Jahr 1987 besang Gisela May seine Rückaufstellung am ursprünglichen Ort.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Denkmal König Friedrichs des Großen. Enthüllt am 31. Mai 1851, Berlin 1851 (Reprint Leipzig 1987) books.google.de
  • Jutta von Simson: Das Berliner Denkmal für Friedrich den Großen. Die Entwürfe als Spiegelung des preußischen Selbstverständnisses. Mit einem Beitrag von Friedrich Mielke. Ullstein/Propyläen, Frankfurt am Main / Berlin / Wien 1976, ISBN 3-549-06619-8
  • Frank Pieter Hesse (Red.), Gesine Sturm (Red.): Ein Denkmal für den König. Das Reiterstandbild für Friedrich II. Unter den Linden in Berlin. Schelzky & Jeep, 2001, ISBN 978-3-89541-158-8, deutsch/englisch (= Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, Heft 17) Bildband
  • Wieland Giebel (Hrsg.): Das Reiterdenkmal Friedrichs des Großen. Berlin Story Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-929829-69-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reiterstandbild Friedrichs des Großen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Reiterstandbild Friedrichs des Großen (Potsdam) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Lüeß: Metallkunst. S. 550–554
  2. Standbilder, Denkmäler und ornamentale Bauten. In: Berliner Adreßbuch, 1875, Teil 4, S. 170.
  3. Karl Rodemann (Hrsg.): Das Berliner Schloss und sein Untergang. Ein Bildbericht über die Zerstörung Berliner Kulturdenkmäler. Im Auftrage des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen. Tauber Verlag, Berlin 1951, S. 24, Abbildungen S. 68/69
  4. a b Rudolf Hempel: Der Ritt in die falsche Richtung. Interview mit Hans Bentzien über die Rettung des Reiterstandbilds von Friedrich II. In: Neues Deutschland, 22./23. November 1997
  5. Restaurierung des Bronzestandbildes Friedrich II. wurde fachtechnisch einwandfrei ausgeführt. Presseinformation des Senats vom 14. Juni 2001: „Entgegen den jüngsten Presseveröffentlichungen über Restaurierungsmaßnahmen am Reiterstandbild Friedrich der Große Unter den Linden bestätigt das Landesdenkmalamt die fachtechnisch einwandfreie Ausführung der Restaurierungsarbeiten am Bronzestandbild Friedrich II.“ Abgerufen am 26. März 2010
  6. Alter König frisch gereinigt. (Version vom 10. März 2007 im Internet Archive) In: Berliner Morgenpost, 19. Oktober 2006
  7. Guido Hinterkeuser, Margarete Kühn et al.: Schloss Charlottenburg. Amtlicher Führer. Potsdam 2002, S. 176
  8. Stadt Lützen abgerufen am 21. März 2013
  9. Textausschnitt

52.51722222222213.392777777778Koordinaten: 52° 31′ 2″ N, 13° 23′ 34″ O