Sachsens Glanz und Preußens Gloria

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Originaltitel Sachsens Glanz und Preußens Gloria
Produktionsland DDR
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1985 und 1987
Länge 373 Minuten
Stab
Regie Hans-Joachim Kasprzik
Drehbuch Albrecht Börner
Produktion Horst Dau
Musik Karl-Ernst Sasse
Kamera Horst Hardt
Schnitt Thea Richter, Ursula Rudzki
Besetzung

Grafin Cosel:

Brühl:

Aus dem Siebenjährigen Krieg:

Sachsens Glanz und Preußens Gloria ist ein sechsteiliger Fernsehfilm, der auf historischen Ereignissen der Jahre 1697 bis 1763 basiert. Zusammen mit dem Mehrteiler Die gläserne Fackel von 1989, der die Chronik der Firma Carl Zeiss wiedergibt, gehört die Großproduktion am Ende der DDR zu den wenigen positiv auslegbaren Darstellungen des „Feudalismus“ bzw. des „Imperialismus“ der DDR-Filmgeschichte. Die Ausstattungsqualität und die Zahl der Darsteller übertraf alles vorherige an DEFA-Filmen.

Produktion und literarische Vorlage[Bearbeiten]

Produziert wurde Sachsens Glanz und Preußens Gloria in den Jahren 1983 und 1984 durch das Fernsehen der DDR, die ersten beiden Teile über Gräfin Cosel erst 1987. Zahlreiche Aufnahmen entstanden an den tatsächlichen Schauplätzen der Handlung oder an historischen Orten, die als Ersatz für ähnliche, aber nicht mehr existierende oder über die Jahrhunderte zu stark veränderte Bauten dienten. Zu den Drehorten zählten unter anderem das Dresdner Schloss, der Dresdner Zwinger, die Burg Stolpen, die Festung Königstein, die Görlitzer Altstadt, das Schloss Moritzburg, das Bautzener Domstift und das Schloss Albrechtsburg in Meißen. Die Dreharbeiten wurden dadurch erschwert, dass manche Bauten noch von Kriegszerstörungen gezeichnet und erst teilweise wiederaufgebaut waren, z. B. das Dresdner Residenzschloss. Ein Kuriosum sind verschiedene Einstellungen, bei denen unabsichtlich Gegenstände zu sehen sind, die es zum Zeitpunkt der Handlung noch gar nicht gab wie z. B. Straßenbahnschienen, Gullydeckel oder Glühlampen. Ähnlich verhält es sich teilweise mit der Filmmusik, so wird beispielsweise die Krönung Augusts des Starken im Jahr 1697 von dem im Jahre 1825 komponierten Te Deum des erst 1770 geborenen Komponisten Anton Reicha begleitet.

Als literarische Vorlage für Sachsens Glanz und Preußens Gloria dienten drei Romane des polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski (Gräfin Cosel, Brühl und Aus dem Siebenjährigen Krieg), die auch als Sachsentrilogie bekannt sind. Die detailreichen und in mancher Hinsicht stark von den tatsächlichen historischen Geschehnissen abweichenden Romane wurden jedoch für die Drehbücher erheblich gestrafft und verändert, so dass die Verfilmung eine recht freie Umsetzung der Romanmotive darstellt. Auch inhaltlich gibt es mehrere Fehler, so wurde zum Beispiel Heinrich von Brühl erst 1737 in den Grafenstand erhoben, wird aber im Film bereits 1733 als Graf und damit im Adelsrang auf einer Ebene mit Graf Sulkowski stehend bezeichnet.

Handlung[Bearbeiten]

1. Gräfin Cosel (1)[Bearbeiten]

Der durch die Niederlage im Großen Nordischen Krieg gegen Schweden gedemütigte Kurfürst August der Starke kehrt nach Sachsen zurück, im Nacken seinen jungen schwedischen Widersacher und seine Soldaten. Der Sieger verlangt den Verlierertribut von Sachsen und seinem Volk. Verletzt und missgestimmt sucht August der Starke Abwechslung in unbändigen Festen und Gelagen. Eines dieser Gelage endet mit einer Wette in deren Ausgang Anna Constantia von Hoym, geborene von Brockdorff – die Frau des sächsischen Akzisedirektors – an den Hof beordert wird, um zu zeigen, ob ihr Gatte seine Wette – sie sei die schönste Frau in Sachsen – gewinnen kann. Vom ersten Moment an ist August fasziniert von dieser Frau, die er später zur Gräfin Cosel machen wird. Die Fürstin Teschen ist vergessen, Hoym in die Lausitz geschickt und August beginnt ein zähes Werben um seine schönste und langjährigste Mätresse. Sie ringt ihm ein Eheversprechen ab und zeigt damit ihrem Schicksal den Weg…

2. Gräfin Cosel (2)[Bearbeiten]

Gräfin Cosel regiert Sachsen und seinen Herrscher. Aber sie mischt sich ein in die Politik, will mehr sein als Bettgespielin für den launischen sächsischen Herrscher. Und wiederum nehmen die Intrigen ihren Lauf. Man weiß es am Hof geschickt zu lancieren, dass Anna in Ungnade fällt und August – letztlich ihrer überdrüssig – sie nach Burg Stolpen schickt. Mehrfach versucht sie, ihn um Gnade anzuflehen, mehrfach versucht sie mit Hilfe verschiedener Kavaliere, wie Rittmeister von Rosen, zu fliehen. August indessen vergnügt sich mit neuen Mätressen und neuen Festen. Und neue Gesichter beginnen ihre Rollen am sächsischen Hof zu spielen. Darunter ein Page namens Heinrich von Brühl, der August wiederholt in die polnische Residenz nach Warschau begleitet …

3. Brühl – Die große Karriere[Bearbeiten]

Heinrich von Brühl bringt August III. und seiner Frau die Nachricht vom Tode August des Starken, der in Warschau verstorben ist. Im Gepäck einen Brief, der ihn – den inzwischen zum besten Mitarbeiter des Königs gewordenen Grafen von Brühl – dessen Sohn empfiehlt. Aber August III. tut sich schwer mit der Entscheidung zwischen Brühl und dem Grafen Sulkowski, seinem besten Freund. Und so beginnt hinter seinem Rücken ein erfolgreiches Ränkespiel, das Heinrich von Brühl einige Zeit später zum teuersten ersten Minister seiner königlichen Majestät machen soll.

4. Brühl – Der Zweikampf[Bearbeiten]

August III. ist inzwischen polnischer König wie sein Vater. Aber das Regieren fällt dem unentschlossenen Schöngeist schwer. Er überlässt die Staatsgeschäfte seinen Höflingen. Brühl intrigiert sich erfolgreich an die Spitze. August III. ist gezwungen, Alexander von Sulkowski, mit dem ihn eine innige Freundschaft verbindet, aus dem Dienst zu entlassen und zu verbannen. Der Aufstieg des Heinrich von Brühl ist unvermeidlich.

5. Aus dem Siebenjährigen Krieg (1)[Bearbeiten]

Zwei hoffremde Kavaliere, der Schweizer Lebenskünstler Simonis und der Pole Maszlowski, machen auf unterschiedlichen Wegen Bekanntschaft mit den sich verhärtenden Fronten des Siebenjährigen Krieges. Der eine auf der Seite des preußischen Königs, der andere auf der Seite von dessen erklärtem Feind – Sachsen, seinem König und dessen erstem Minister im Besonderen. Preußen marschiert in Sachsen ein, König und Gefolge ziehen sich auf die Festung Königstein zurück und versuchen von dort aus, sich der preußischen Belagerung zu erwehren.

6. Aus dem Siebenjährigen Krieg (2)[Bearbeiten]

Die Bemühungen der Sachsen, sich des Preußenkönigs und seiner marodierenden Übermacht zu entledigen, nehmen ihren Lauf. Friedrich II. jedoch entgeht nicht nur den Anschlägen, er setzt sich in Sachsen fest. Seine Truppen plündern und brandschatzen. Er lässt seine Wut auf Brühl an der sächsischen Bevölkerung aus. Königin Maria Josepha stirbt erschöpft in Dresden, während ihr Mann und sein erster Minister die Folgen ihrer jahrelangen Misswirtschaft zu spüren bekommen. Beide fliehen nach Warschau.

Über die Fernsehserie[Bearbeiten]

Im Jahr 2011 legten die Dresdner und die Chemnitzer Morgenpost die gesamte Fernsehserie in sechs Teilen als DVD ihren Ausgaben bei. Gleichzeitig startete sie eine 25-teilige Zeitungsserie, welche sich mit der DDR-Verfilmung beschäftigte. So wurden die Dreharbeiten in Dresden unter die Lupe genommen, die Probleme während der Produktion beleuchtet, Schauspieler und Regisseur vorgestellt. Außerdem wurde die historische Geschichte August des Starken und seiner Gegenspieler aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet. Die Reaktion der Leser war überwältigend. Ein zweiter Teil der Reihe erschein unter dem Motto: „Was vom Glanze übrig blieb“. Autor Jens Jungmann begab sich dafür auf Spurensuche in Warschau, Krakau, Dresden, Pretzsch, Hubertusburg und vielen anderen Wirkungsstätten der beiden großen Kurfürsten, brachte viele noch völlig unbekannte Details und Geheimnisse ans Licht. Dabei standen die Direktoren und Experten der Museen der Staatlichen Kunstsammlungen zu Dresden, des Sächsischen Hauptstaatsarchivs, der Schlösser und Gärten Sachsens, des Heimatvereines Pretzsch, des Königlichen Schlosses in Warschau und des Wawels in Krakau stets hilfreich und mit tiefem Wissen zur Seite. Beide Serien brachten der Morgenpost ein Auflagenplus von 25 Prozent, weshalb sich das Dresdner Druck- und Verlagshaus (DD+V) entschied, die Serie in komplett überarbeiteter Form im Mai 2012 als Buch mit Fotos, Gemälden und Skizzen unter dem Titel Sachsens Glanz und Preußens Gloria in den Handel zu bringen.

Einen Gag baute man in die Serie ein, indem man für die Rolle des jungen Grafen Brühl den Regisseur Leander Haußmann verpflichtete. Er ist der Sohn von Ezard Haußmann, der den Brühl in den restlichen 4 Teilen spielt. Leander Haußmann konnte auch seinen Freund Uwe Dag Berlin in der Rolle des jungen Sulkowski in die Produktion einbringen. Die beiden Haußmanns trennt im wahren Leben ein Alter von 24 Jahren. Im Film selbst beträgt der Altersunterschied nur 3 Jahre. So spielt Leander Haußmann den Brühl um 1730, während sein Vater den Brühl ab 1733 spielt.

Gert Fröbe zeigte sich sehr begeistert als er von der Planung des Mehrteilers hörte und wollte die Rolle August des Starken spielen, bot sogar an sich mit einer unbekannten Millionensumme an dem Projekt zu beteiligen. Letztendlich wurde der Vorschlag abgelehnt. Fröbe war sehr enttäuscht darüber und leitete selbst ein Projekt in die Wege. In dem Fernsehspiel August der Starke von 1984 übernimmt er seine Wunschrolle dann doch. Auf der DVD Sachsens Glanz und Preußens Gloria aus der Reihe Große Geschichten findet sich diese Fernsehproduktion als Bonusmaterial wieder.

Literatur[Bearbeiten]

  • Józef Ignacy Kraszewski: Gräfin Cosel. Ein Frauenschicksal am Hofe August des Starken. Historischer Roman (Originaltitel: Hrabina Cosel). Deutsch von Hubert Sauer-Žur. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7466-1307-8, 305 S.
  • Józef Ignacy Kraszewski: Graf Brühl. Historischer Roman (Originaltitel: Bruehl). Deutsch von Alois Hermann. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7466-1306-X, 301 S.
  • Józef Ignacy Kraszewski: Aus dem Siebenjährigen Krieg. Historischer Roman (Originaltitel: Z siedmioletniej wojny). Deutsch von Liselotte und Alois Hermann. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7466-1308-6, 310 S.
  • Sabine Spindler: Preußen in den DDR-Medien, dargestellt am Beispiel von „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“. In: Der Wandel des Preußenbildes in den DDR-Medien (Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Medienberatung, Heft 1). 2. Aufl. Bonn 1997, S. 11–18.
  • Dirk Jungnickel: Werkstattgespräch mit Albrecht Börner. In: ebd., S. 19–35.
  • DVD-Edition (6 Teile) der Morgenpost Sachsen, 2011
  • Jens Jungmann. In: Morgenpost Sachsen (Dresden, Chemnitz), Serie von, 2011
  • Jens Jungmann: Sachsens Glanz und Preußens Gloria. 1. Auflage. SZ-Edition, Dresden 2012
  • Machtkampf am Hofe. In: Berliner Zeitung, 13. Januar 2003; zu Sachsens Glanz und Preußens Gloria
  • Gestern ein König. In: FAZ, 19. Juni 2010; zu Sachsens Glanz und Preußens Gloria

Weblinks[Bearbeiten]