Samuel de Champlain

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Samuel de Champlain, wie man sich ihn im 19. Jahrhundert vorstellte; Théophile Hamel, 1870

Samuel de Champlain (* um 1567 in Brouage nahe Rochefort, Frankreich; † 25. Dezember 1635 Québec, Kanada) war ein französischer Forschungsreisender und Kolonisator. Er ist der Gründer von Französisch Kanada (Neufrankreich) und wurde erster Gouverneur der Kolonie.

Leben[Bearbeiten]

Champlain bereiste vor 1600 in spanischem Auftrag die Karibik und Mittelamerika. 1601 wurde er von König Heinrich IV. von Frankreich zum Hofgeographen ernannt. Seit 1603 unternahm de Champlain mehrere Erkundungsreisen in Nordamerika und leitete die französische Kolonialisierung Kanadas (damals Neufrankreich genannt) ein, dessen erster Gouverneur er war („Vater von Neufrankreich“).

Auf seiner ersten Reise gelangte er 1603 bis in das Gebiet des heutigen Montreal. Die zweite Reise führte ihn in den Jahren 1604 bis 1606 zur Halbinsel Gaspé, nach Nova Scotia, an die Bay of Fundy, zum Cape Cod bis zur Insel Martha’s Vineyard. 1608 gründete er Québec und entdeckte 1609 den (später nach ihm benannten) Lake Champlain in Vermont und im heutigen Bundesstaat New York. 1611 gründete er den Handelsposten Place Royale, aus dem sich das spätere Montreal entwickelte. Seine letzte große Reise unternahm Champlain von 1613 bis 1616 entlang des Ottawa River zum Lake Nipissing und zur Georgian Bay des Lake Huron, den er 1615 erreichte, weiter zum Lake Simcoe und zum Lake Ontario. Die Reise endete mit der Teilnahme an einem Überfall auf ein Lager der Irokesen am Oneida Lake.[1]

Im Juli 1616 nach Québec zurückgekehrt, arbeitete Champlain an der Auswertung seiner Reisen sowie ab 1627 als Gouverneur von Neufrankreich. Als „Generalstatthalter in Neufrankreich“ beanspruchte er Anfang des 17. Jahrhunderts viele Gebiete nördlich der englischen Kolonie Neuengland für Frankreich. Er verstärkte auf Veranlassung von Kardinal Richelieu die französischen Siedlungsbestrebungen in Akadien. 1632 kam es dann dank Champlain zum Vertrag von Saint-Germain-en-Laye, der Bestätigung des französischen Anspruches auf Akadien und Québec. Kurz vor seinem Tod entsandte er noch 1634 Jean Nicolet auf eine Erkundungsreise zu den Großen Seen. Bekannt wurde de Champlain auch für seine Erkundung des Sankt-Lorenz-Stroms an der heutigen Grenze zwischen den USA und Kanada.

Ehrungen[Bearbeiten]

Mehrere Orte in Kanada, aber auch in New York und Vermont, wurden nach ihm benannt, siehe dazu Champlain. Auch Seen, Berge und Bauwerke tragen seinen Namen. In vielen Städten errichtete man Champlain-Denkmäler. Eines der bekanntesten steht in Québec gegenüber dem Château Frontenac.

Karte von Neufrankreich nach den Reisen Champlains

Literatur[Bearbeiten]

Denkmal für Samuel de Champlain am Lake Champlain in Vermont
  • Samuel Eliot Morison: Samuel de Champlain. Father of New France. Little Brown, New York 1972, ISBN 0-316-58399-5.
  • Raymonde Litalien, Denis Vaugeois (Hrsg.): Champlain. The Birth of French America. McGill-Queen's University Press, Montreal 2004, ISBN 0-7735-2850-4.
  • Marcel Trudel: Champlain, Samuel de. In: Dictionary of Canadian Biography, Band 1 (1000–1700). 1979 (korrigierter Nachdruck der Auflage von 1966, siehe Weblinks) .
  • Cicero T. Ritchie: The First Canadian. The Story of Champlain. St. Martin's Press, New York 1962.
  • Hans-Otto Meissner: Kundschafter am St.-Lorenz-Strom. Die Abenteuer des Samuel de Champlain Cotta, Stuttgart 1966.
  • Otto Ermersleben: Zu fernen Ufern / Urania-Verlag 1984

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Samuel de Champlain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Champlains Route 1615, nach Orsamus H. Marshall, 1878