Sherman Firefly

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Sherman Firefly
ShermanFirefly.jpg
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 4 (Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze/Funker, Fahrer)
Länge 5,89 m ( Gesamtlänge 7,82 m)
Breite 2,67 m
Höhe 2,74 m
Masse 33 Tonnen
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 51 mm (Front Panzerwanne) – 25 mm (Turm- und Wannendach)
Hauptbewaffnung 1 × 76,2 mm Kanone (QF 17 pounder)
Sekundärbewaffnung 1 × koaxiales 7,62 mm MG Browning M1919
Beweglichkeit
Antrieb
425 PS
Höchstgeschwindigkeit 40 km/h
Leistung/Gewicht 12,88 PS/t
Reichweite 201 km (Straße) bzw. 145 km (Gelände)

Der Sherman Firefly (Leuchtkäfer) war ein alliierter Kampfpanzer, dessen Entwicklung als Reaktion auf die zunehmende technische Dominanz deutscher Panzerkampfwagen – besonders durch den PzKpfw VI Tiger (Sd.Kfz 181) – zu verstehen ist. Ausgehend vom Design des US-amerikanischen M4 Sherman, führte der Einbau der QF 17-pounder Panzerabwehrkanone zu einer britischen Modellvariante mit hoher Kampfkraft. Und obwohl auf Umwegen bzw. ohne offizielle Genehmigung entwickelt, wurde der Sherman Firefly durch die 17-pdr zu einem wirkungsvollen Kampfpanzer auf dem westeuropäischen Kriegsschauplatz. Das Konzept des Sherman Firefly entpuppte sich als so überzeugend, dass einige Kampfpanzer sogar noch in den 1970er Jahren im Libanon zum Einsatz kamen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Bis zur Entwicklung des Sherman Firefly bzw. A30 Cruiser Mk VIII Challenger fehlte es den britischen Panzereinheiten an einem Gegenstück zum kampfstarken Panther und Tiger, die ab 1943 in wachsender Zahl auf den europäischen Schlachtfeldern anzutreffen waren. Eines der Probleme bestand in der Tatsache, dass die Durchschlagskraft der britischen Panzer nicht mit der ihrer deutschen Gegenstücke mithalten konnte. Allerdings besaßen die britischen Streitkräfte eine potente Panzerabwehrkanone – die Ordnance Quick-Firing 17-pounder. Letztere war in der Lage, mithilfe von APDS-Geschossen (Armour-piercing discarding sabot) selbst die Panzerung deutscher Kampfwagen zu durchschlagen.

Diese 17-pdr Kanone wurde seitens der britischen Armeeführung als Bewaffnung für eine Neuentwicklung – den A30 Cruiser Mk VIII Challenger – vorgesehen, die im Zug ihrer ersten Erprobung allerdings deutliche Defizite offenbarte und seitens der Truppe kritisiert wurde. In der Royal Armoured Corps Gunnery School Lulworth/Dorset begann Major George Brighty auf eigene Faust mit der 17-pdr Kanone und dem M4 Sherman zu experimentieren. Obwohl sich diese Kombination in der Praxis als machbar herausstellte, untersagte das DTD (Department of Tank Design) weitere Experimente. Erst über Umwege gelang es Brighty und im weiteren Verlauf Lt. Col. George Witheridge, die Entwicklung des Firefly voranzutreiben.

Ein großes Problem konnten beide allerdings nicht lösen – den enormen Rückstoß der 17-pdr Kanone. Letzterer war mit ca. 1 Meter zu viel für den Turm des Sherman. Erst durch die Arbeit eines ehemaligen Vickers-Ingenieurs – W. G. K. Kilbourn – ließ sich dieses Problem durch die Konstruktion eines neuen Rückholsystems für die 17-pdr Kanone lösen. Zusätzlich wurden am ursprünglichen Design weitere Veränderungen vorgenommen, wie Veränderungen an der Position der Funkausrüstung. Darüber hinaus musste der Lademechanismus der Kanone entscheidend verändert werden – um das Laden zu erleichtern. Das Ergebnis war die 17-pounder Mk IV. Abgesehen von den Modifikationen im Zusammenhang mit der Aufnahme einer größeren Kanone blieb das Design des M4 unverändert – sowohl in Bezug auf die Panzerung wie auch die Motorisierung.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Die Hauptbewaffnung des Sherman Firefly bestand in der modifizierten 17 pounder Mk IV Kanone mit einem Kaliber von 76,2 mm und einer Länge von knapp 4,20 Metern (55 Kaliber). Obwohl für eine Gesamtkapazität von 78 Schuss Munition für die 17-pdr Kanone ausgelegt, führten Besatzungen des Firefly in der Regel nur 77 Schuss mit. Links der 17-pdr Kanone war ein koaxiales Maschinengewehr vom Kaliber .30-in. (Browning M1919A4) angebracht. Zusätzlich konnte ein Sherman Firefly mit Maschinengewehren auf dem Turmdach ausgerüstet werden (historische Aufnahmen zeigen beispielsweise Panzer mit Vickers-Zwillings-MGs) und verfügte über 2-Inch-Nebelwerfer. Das Bug-MG eines Standard-Sherman fehlte im Firefly genauso wie der Funker als fünftes Besatzungsmitglied.

Hauptsächlich kamen im Firefly folgende Munitionstypen zum Einsatz:

  • APC (Armour Piercing Capped; panzerbrechend, mit Kappe)
  • APCBC (Armour Piercing Capped Ballistic Capped; panzerbrechend, mit Kappe und ballistischer Kappe)
  • HE (High Explosive; Hochexplosivgeschoss)
  • APDS (Armor Piercing Discarding Sabot; ab August 1944, konnten erst nach einer Modifikation der eiförmigen Mündungsfeuerbremse eingesetzt werden)

Im Normalfall führte ein Sherman Firefly eine Munitionszuladung bestehend aus 50 Prozent panzerbrechenden Geschossen und 50 Prozent Hochexplosivgeschossen im Einsatz mit.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Die Serienfertigung des Sherman Firefly begann Anfang 1944 unter Beteiligung von vier Royal Ordnance Factories – Woolwich, Hayes, Radcliffe und Nottingham. Seitens des britischen War Office wurden 2.100 modifizierte Sherman-Panzer geplant (in der Hauptsache kamen für die Modifikationen Sherman der Variante M4A4 zum Einsatz). Damit löste der Firefly den A30 Cruiser Mk VIII Challenger in seiner geplanten Rolle ab. Dessen Einsatz sollte sich auf jene Panzerregimenter beschränken, die von Haus aus mit britischen Cromwell-Panzern ausgerüstet waren.

Bis zum 31. Mai 1944 standen den britischen und ihren alliierten Streitkräften bereits 342 der neuen Sherman Firefly zur Verfügung. In Vorbereitung auf die Landung der Alliierten in der Normandie unter Dwight D. Eisenhower vornehmlich der 21. Armeegruppe (Field Marshal Bernard Law Montgomery) zugeteilt, reichte diese Zahl aus, um jeden Zug/Troop (die britischen Panzerstreitkräfte wurden während des Zweiten Weltkriegs vom Regiment abwärts in Squadrons bzw. Troops eingeteilt, wobei jeder Troop aus vier Kampfwagen bestand) mit je einem Firefly auszurüsten.

Zum ersten Mal in Kampfhandlungen eingesetzt wurde der Sherman Firefly am D-Day in der Normandie – unter anderem im Panzerregiment Staffordshire Yeomanry (ein ehemaliges Freiwilligen-Kavallerieregiment) am Landungsabschnitt Sword. In den folgenden Wochen war der Sherman Firefly in diverse Einzelgefechte zwischen deutschen und alliierten Einheiten verwickelt. Die Behauptung, dass deutsche Einheiten den Sherman Firefly als Ziel höherer Priorität ansahen, lässt sich anhand von Zahlen bis zum 23. Juni 1944 nicht ohne Weiteres bestätigen. So kommt ein britischer Bericht zu dem Schluss, dass bis zum 23. Juni in vier alliierten Brigaden 29 Prozent der Standardpanzer verloren gingen – aber nur 19 Prozent der eingesetzten Fireflies.

Durch die im Gegensatz zur 75 mm Kanone des Standard-Sherman erheblich längere 17-pdr waren die Firefly auch für ihre deutschen Gegner leicht auszumachen. Panzerbesatzungen griffen daraufhin zu teils einfachen Mitteln, um die 4,20 m lange Kanone „einzukürzen“ – etwa durch den Einsatz von Farbe und Pinsel. Aufgrund der Tatsache, dass sich die wesentlichen Modifikationen auf Bewaffnung und Turm beschränkten, blieben die Sherman Firefly gegen Feindbeschuss aber gleichermaßen empfindlich wie die anderen Sherman-Panzer britischer Einheiten. Trotz dieser Tatsache und dem Umstand, dass viele Besatzungen ohne umfangreiches Training in den Einsatz geschickt wurden, machten verschiedene Einzelgefechte das Potenzial des Sherman Firefly deutlich.

Eines dieser Gefechte entwickelte sich am 14. Juni 1944 im Zuge der Einnahme von Lingèvres durch die 9th Durham Light Infantry. Begleitet wurde das anschließende defensive Gefecht von Panzern der A Squadron 4th/7th Dragoon Guards, zu denen auch der Firefly von Sgt. Wilfred Harris gehörte. Harris schaltete in dessen Verlauf zuerst 2 Panther (PzKpfw V; Sd.Kfz 171) auf 800 Meter Entfernung aus. Nach einem Wechsel der Feuerposition konnte Sgt. Wilfred Harris noch drei weitere Panther-Panzer ausschalten.

Zu einer der bekanntesten Episoden, in denen der Firefly eine Rolle spielte, gehört der Abschuss des deutschen Panzer-As Michael Wittmann am 8. August 1944. Im Zuge der Operation Totalize stießen britische Einheiten – darunter das 1. Northamptonshire Yeomanry – auf St. Aignan vor. Dessen A Squadron nahm eine defensive Position in einem Obstgarten ein. SS-Hauptsturmführer Wittmann führte mit mehreren Tiger-Panzern einen Gegenstoß in Richtung vordringender britischer Verbände, der ihn genau seitlich an der Stellung der A Squadron/1. Northamptonshire Yeomanry vorbeiführte. In einer nur wenige Minuten dauernden Aktion gelang dem Richtschützen Joe Ekins des Sherman Firefly „Velikiye Luki“ die Zerstörung mehrerer der Tiger – unter denen auch der Kampfwagen (Wittmanns Tiger Nr. 205 befand sich in der Instandhaltung, weshalb er den Tiger Nr. 007 von Battalionskomandeur Heinz v. Westernhagen für den Vorstoß entlang der Straße Cean – Falaise nutzte) von SS-Hauptsturmführer Wittmann war.

Neben britischen und kanadischen Truppen operierten auch in den Reihen der neuseeländischen, polnischen und südafrikanischen Kontingente Panzer vom Typ Sherman Firefly bei den Vorstößen in Westeuropa und Italien. So waren mit dem Firefly ausgerüstete Verbände an den Gefechten der 1. Polnischen Panzerdivision während des Kampfes um den Kessel von Falaise beteiligt.

Einsatz in der Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Insgesamt rollten zwischen Januar 1944 und Mai 1945 zwischen 2.139 bis 2.239 Sherman Firefly vom Band. Deren Einsatz nach Kriegsende lässt sich nur begrenzt nachvollziehen. Allerdings setzten in den Nachkriegsjahren Italien, Belgien und die Niederlande beispielsweise Sherman-Panzer mit 17-pdr Kanone ein. Zu einem letzten Einsatz des Firefly soll es Ende der 1970er Jahre im Libanon gekommen sein.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • David Fletcher: New Vanguard 141 – Sherman Firefly, Osprey Publishing, Oxford 2008, ISBN 978-1-84603-277-6.
  • Stephen A. Hart: Duel 2 – Sherman Firefly vs. Tiger Normandy 1944, Osprey Publishing, Oxford 2007, ISBN 978-1-84603-150-2.