Rolls-Royce Armoured Car

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Rolls-Royce Armoured Car
Rolls-Royce Armoured Car, Ausführung 1920
Allgemeine Eigenschaften
Besatzung 3 Mann
Länge 4,93 m[1]
Breite 1,93 m[1]
Höhe 2,54 m[1]
Masse 4,7 Tonnen [1]
Panzerung und Bewaffnung
Panzerung 12 mm Stahl
Hauptbewaffnung Vickers-MG 7,65 mm (0,303 Zoll) [1]
Beweglichkeit
Antrieb 6-Zylinder-Benzinmotor (Rolls-Royce)[1]
80 PS (59 kW)[1]
Federung Blattfedern[1]
Höchstgeschwindigkeit 72 km/h[1]
Leistung/Gewicht 19 PS/Tonne
Reichweite 240 km[1]

Der Rolls-Royce Armoured Car war ein britischer Panzerwagen, der 1914 entwickelt und im Ersten Weltkrieg und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges eingesetzt wurde.

Fertigung[Bearbeiten]

Der Royal Naval Air Service stellte im Ersten Weltkrieg die erste britische Panzerwagendivision auf[2]. Im September 1914 wurden alle verfügbaren Fahrgestelle des Silver Ghost einschließlich ihrer zwischenzeitlich auf 80 bhp (59 kW) verstärkten Motoren requiriert und bildeten die Basis für die neuen Panzerwagen. Im Folgemonat konstruierte eine Spezialabteilung des Air Department der britischen Admiralität, darunter auch Flight Commander T. G. Hetherington, einen Aufbau für diese Fahrgestelle, der aus einer gepanzerten Karosserie und einem Geschützturm zur Aufnahme eines einzelnen Vickers-Maschinengewehres bestand.

Die ersten drei Fahrzeuge wurden am 3. Dezember 1914 ausgeliefert, obwohl zu diesem Zeitpunkt der mobile Krieg an der Westfront, bei dem die einfachen Vorläufer des Rolls-Royce eingesetzt waren, bereits beendet war[2]. Die Fertigung der Fahrgestelle wurde 1917 beendet, damit Rolls-Royce sich auf die Produktion von Flugmotoren konzentrieren konnte[3].

1920 und 1924 wurde das Fahrzeug modernisiert, was im Rolls-Royce Panzerwagen Ausführung 1920 und im Rolls-Royce Panzerwagen Ausführung 1924 resultierte. 1940 wurde bei 34 Fahrzeugen, die in Ägypten beim 11. Husarenregiment der britischen Armee eingesetzt waren, der „alte“ Geschützturm durch einen oben offenen ersetzt, der mit einer Panzerbüchse Boys, einem 0,303 Zoll-Bren-Maschinengewehr und einem Rauchgranatenwerfer ausgerüstet war.

Einige Fahrzeuge in Ägypten bekamen ein neues Fahrgestell von Fordson-LKWs und wurden als Fordson Armoured Car bekannt. Fotos[4] zeigen, dass sie mit einer Panzerbüchse Boys, einem Maschinengewehr und zwei leichten Maschinengewehren zur Flugabwehr ausgerüstet waren.

Insgesamt wurden während des Ersten Weltkrieges 120 Exemplare gefertigt.

Einsatz[Bearbeiten]

Ein Rolls-Royce Panzerwagen Ausführung 1924 mit “neuem” offenen Geschützturm in der Nähe von Bardia in Nordafrika (1940)

Es wurden sechs RNAS-Rolls-Royce-Schwadronen mit je 12 Fahrzeugen gebildet: Eine ging nach Frankreich, eine ging nach Afrika für den Kampf in den deutschen Kolonien und zwei wurden im April 1915 in der Schlacht von Gallipoli eingesetzt. Ab August 1915 wurden sie alle aufgelöst und ihr Material an die British Army überantwortet, die sie in den leichten, gepanzerten Motorbatterien einsetzte. Für die schlammigen, mit Gräben durchzogenen Schlachtfelder der Westfront waren die Panzerwagen denkbar schlecht geeignet, zeigten sich aber als ideal für den Einsatz im Nahen Osten. So wurden die Schwadronen aus Frankreich nach Ägypten verlegt.

Lawrence von Arabien setzte ein solches Fahrzeug in seinen Operationen gegen die türkischen Truppen ein[1]. Er nannte die Einheit von neun Rolls-Royce-Panzerwagen für den Sieg der „Revolte in der Wüste“ “wertvoller als Rupien”[1]. Diese Auffassung vertrat er sein ganzes weiteres Leben lang, und als ihn ein Journalist einmal fragte, was für ihn das Wertvollste sei, antwortete er: „Ich hätte gerne meinen eigenen Rolls-Royce und dazu genügend Reifen und Benzin für mein ganzes Leben.“[1].

Im irischen Bürgerkrieg (1922–1923) überließ die britische Regierung 13 Rolls-Royce-Panzerwagen dem Freistaat Irland, um sie gegen die IRA einzusetzen[1]. In Straßenkämpfen und beim Schutz von Konvois waren die Panzerwagen von großem Vorteil und leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Rückeroberung der Städte Cork und Waterford. Erstaunlicherweise blieben sie trotz massiver Wartungsprobleme und Schwierigkeiten mit dem irischen Wetter bis 1944 im Einsatz und wurden erst außer Dienst gestellt, als keine neuen Reifen mehr zu bekommen waren. 12 dieser bei der irischen Armee eingesetzten Wagen wurden 1954 zerlegt und verkauft. Einen mit dem amtlichen Kennzeichen ARR-2 und dem Namen Sliah na mBan behielt die Armee und man nimmt allgemein an, dass er am 22. August 1922 Teil der Kolonne des IRA-Führers Michael Collins war, als dieser in einem Feuergefecht starb[1]. Dieser Rolls-Royce Armoured Car ist einer von nur noch zwei heute existierenden und wird regelmäßig bei Paraden und Tagen der offenen Tür gezeigt; meistens fährt er aus eigener Kraft. Er wird vom Logistikcorps der Armee im Curragh Camp gewartet. Einer der 12 verkauften Wagen (ARR-1 Danny Boy/Tom Keogh) überlebte bei einem Sammler in England.

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren 76 Fahrzeuge im Einsatz. Sie wurden im Wüstenkrieg in der Westlichen Wüste (11. Juni 1940 – 4. Februar 1943), im britisch-irakischen Krieg (2. – 31. Mai 1941) und in der syrisch-libanesischen Kampagne (8. Juni – 14. Juli 1941) eingesetzt. Ende 1941 wurden sie außer Dienst gestellt, da neuere Panzerwagen verfügbar waren. Einige Rolls-Royce Panzerwagen Ausführung Indien wurden auf dem indischen Subkontinent und in Birma eingesetzt.

Varianten[Bearbeiten]

  • Ausführung 1920 Mk I – dickere Kühlerpanzerung und neue Räder
  • Ausführung 1920 Mk IA – Panzerturm für den Kommandanten.
  • Ausführung 1924 Mk I – Geschützturm mit Panzerturm für den Kommandanten
  • Ausführung Indien – basiert auf der Ausführung 1920. Hatte eine erweiterte Karosseriepanzerung mit mehr Platz im Inneren und einen Geschützdom mit vier Kugellagerungen für Maschinengewehre
  • Fordson – basiert auf der Ausführung 1914. Einige Fahrzeuge in Ägypten bekamen ein neues Fahrgestell von Fordson-LKWs

Bei einem einzelnen Versuchsfahrzeug wurde der Geschützturm abgebaut und durch ein automatisches 1-Pfünder-Flugabwehrgeschütz ersetzt. Einige Fahrzeuge hatten Maxim-Maschinengewehre anstatt der Vickers-Maschinengewehre.

Heute[Bearbeiten]

  • Ein Rolls-Royce Armoured Car Ausführung 1920 Mk. I ist im Bovington Tank Museum in Bovington ausgestellt. Das Fahrzeug ist auf der Galerie der Zwischenkriegszeit zu sehen.
  • Ein anderes solches Fahrzeug wird von David Willey, Kurator des Panzermuseums in Dorset, „eines unserer wichtigsten Ausstellungsstücke“ genannt[1].

Weblinks[Bearbeiten]

Quelle[Bearbeiten]

Moschanskiy, I. Armoured vehicles of the Great Britain 1939–1945 part 2, Modelist-Konstruktor, Bronekollektsiya (1999–2002) (И. Мощанский - Бронетанковая техника Великобритании 1939–1945 часть 2, Моделист-Конструктор, Бронеколлекция 1999–2002)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p Motavalli, Jim: The Bulletproof Ghost, Military History Heft 26, Weider History Group, Leesburg VA (04-05/2009), SS. 58-63
  2. a b Willmott, H.P. & Kindersley, Dorling: First World War, (2003), S. 59
  3. Pugh, Peter: The Magic of a Name – The Rolls-Royce Story: The First 40 Years, Icon Books (2001), ISBN 1-84046-151-9
  4. Foto eines Fordson Armoured Car.web.archive.org Version vom 16. Mai 2011