Staffelberg

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Dieser Artikel behandelt den Staffelberg in der Fränkischen Alb. Für den gleichnamigen Berg in Niederbayern siehe Staffelberg (Niederbayern).
Staffelberg
Blick aus der Luft von Westen auf den Staffelberg

Blick aus der Luft von Westen auf den Staffelberg

Höhe 539 m
Lage Bad Staffelstein, Oberfranken, Deutschland
Gebirge Fränkische Alb
Koordinaten 50° 5′ 32″ N, 11° 1′ 29″ O50.09222222222211.024722222222539Koordinaten: 50° 5′ 32″ N, 11° 1′ 29″ O
Staffelberg (Bayern)
Staffelberg
Normalweg vom Parkplatz Romansthal: ca. 1 Kilometer

Der Staffelberg ist ein 539 m ü. NN[1] hoher, der Fränkischen Alb vorgelagerter Zeugenberg im sogenannten Gottesgarten am Obermain. Er ist der Hausberg von Bad Staffelstein im oberfränkischen Landkreis Lichtenfels. Der Name der Erhebung leitet sich von den ausgeprägten Geländestufen („Staffeln“) ab, die einen aufschlussreichen Einblick in die Erdgeschichte der Jurazeit geben. Von der Jungsteinzeit (um 5000 v. Chr.) bis zur Römischen Kaiserzeit (ca. 350 bis 420 n. Chr.) war der Berg mehrfach besiedelt. Während der La-Tène-Zeit lag das keltische Oppidum Menosgada auf dem Hochplateau des Staffelbergs. Heute befinden sich dort die Staffelbergklause mit Biergarten und die 1653 errichtete Adelgundiskapelle.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Staffelberg liegt im Nordwesten der Fränkischen Schweiz, dem Nordteil der Fränkischen Alb, die wiederum Teil des Süddeutschen Schichtstufenlandes ist. Er ist Teil des Naturparks Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst.

Der Berg erhebt sich rund zwei Kilometer ostsüdöstlich der Innenstadt von Bad Staffelstein. Etwa in dieser Richtung befindet sich jenseits der Stadt etwa 290 m niedriger als die Bergkuppe der dort südwestwärts fließende Main im Bereich der Einmündung (ca. 250 m ü. NN) des den Berg südlich und südwestlich passierenden Lauterbachs. Rund um den Berg liegen neben Bad Staffelstein dessen Stadtteile Romansthal im Norden, Uetzing im Osten, Stublang im Südosten sowie Loffeld und Horsdorf im Süden.

Der Staffelberg liegt inmitten des als Gottesgarten bezeichneten Abschnitts des Obermaintals zwischen Ebensfeld und Lichtenfels. Nordöstlich des Staffelberges steht die barocke Basilika Vierzehnheiligen am Hang. Auf der gegenüberliegenden Talseite thront Kloster Banz mit seiner doppeltürmigen Kirche auf einem Hügel. Das Hochplateau ermöglicht eine umfassende Rundsicht auf den Trauf der Jura-Schichtstufe, die Rhön, den Thüringer Wald, den Steigerwald und die Haßberge.

Blick vom Staffelberg in Richtung Lichtenfels mit dem Kloster Banz (links) und der Basilika Vierzehnheiligen (rechts), 2010

Geologie[Bearbeiten]

Staffelberg von Nordwesten, 2008

Der Staffelberg gehört zu den Geotopen in Bayern. Am 25. September 2008 verlieh ihm der leitende Regierungsdirektor Christian Tausch vom Bayerischen Landesamt für Umwelt im Rahmen einer Feierstunde das Gütesiegel Bayerns schönste Geotope.[2]

Die Hänge des Staffelbergs zeigen besonders ausgeprägte Schichtstufen vom Braunen Jura (Aalenium) bis in den Oberjura (Kimmeridgium). Die weichen Tongesteine sind meist von jüngeren Hangablagerungen überdeckt und bilden Verebnungen. Die weithin sichtbaren Steilstufen des Berges bestehen aus härteren Sandsteinschichten. Der markante Gipfelkranz setzt sich aus Riffkalk und verkarstetem Riffdolomit des Oberjura zusammen. Der Staffelberg ist auch durch Fossilfunde bekannt, außerdem wurden dort früher aus Eisensandstein und Werkkalk Bausteine gewonnen. Zeitweise hat man auch Eisenerz aus dem Braunen Jura abgebaut.[3]

Gipfelfelsen mit fränkischer Flagge, im Hintergrund das Kloster Banz, Mai 2010

Seine Erhaltung verdankt der Zeugenberg, dessen Gipfelkranz vom flächenhaften Riffplateau des Albkörpers isoliert ist, seiner Lage in einem tektonischen Graben, dem Staffelsteiner Graben. Im Nordflügel des Grabens bedeckt Sandstein des Schwarzen Jura, im Südflügel Werkkalk des Oberjura (Ober-Oxfordium) die Landschaft. Trotz seiner erosionsgeschützten Lage veränderten besonders eiszeitliche Abtragungsvorgänge die Gestalt des Bergmassives, das ursprünglich noch etwas höher über das Maintal ragte.[4]

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Der Staffelberg befindet sich im Norden des vielteiligen Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Albtrauf im Landkreis Lichtenfels (FFH-Nr. 5932-371), das deckungsgleich mit dem Vogelschutzgebiet Felsen- und Hangwälder im nördlichen Frankenjura (VSG-Nr. 5933-471) ist. Er gehört zudem zum Nordteil des 2001 gegründeten und 1021,64 km² großen Landschaftsschutzgebiets Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst (LSG-Nr. 322697). Das Hochplateau und Kleinteile der Flanken des Bergs sind bereits seit 1985 als 41 Hektar großes Naturschutzgebiet Staffelberg (NSG-Nr. 165640) ausgewiesen.[1]

Besiedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Frühe Besiedelung[Bearbeiten]

Das markante Staffelbergplateau war bereits um 5000 v. Chr. besiedelt; dies belegen Steinbeile und Geräte aus Feuerstein und einige kleine Gefäßscherben. Der Berg wurde in den folgenden Jahrtausenden immer wieder aufgesucht und war besiedelt. Aus der frühen Urnenfelderzeit wurden Waffen und Schmuck aus Bronze gefunden. Ob die Siedlung in diesen frühen Zeiten befestigt war, wie es etwa für die Heunischenburg zutrifft, ist unklar. In der späten Hallstattzeit, ab ca. 600 v. Chr., setzte nach einer Unterbrechung erneut eine Besiedlung ein, die den Kelten zugerechnet wird. Aus dieser Zeit ist erstmals eine Befestigung nachgewiesen.

Das keltische Oppidum[Bearbeiten]

Rekonstruierte Pfostenschlitzmauer auf dem Hochplateau, 2010

Die Kelten nutzten das markante Gipfelplateau zur Anlage eines befestigten Siedlungsplatzes, eines sogenannten Oppidums. Derartige stadtähnliche Siedlungen lassen sich in Bayern auch bei Manching, Kelheim (Michelsberg) und Weyarn (Fentbachschanze) nachweisen.

Ausgrabungen in jüngerer Zeit haben die wissenschaftliche Vermutung zu einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit erhärtet, dass es sich um die keltische Stadt Menosgada handelte, die in der Geographie des römischen Imperiums und der angrenzenden Gebiete des Griechen Claudius Ptolemäus (85–160 n. Chr.) erwähnt wurde. Menosgada ging um zirka 30 v. Chr. aus unbekannter Ursache zugrunde.

Die keltische Besiedlung des Berges begann bereits während der späten Hallstattzeit. Schon damals wurde die Siedlung mit einer Steinmauer umgeben, deren genaue Konstruktionsweise noch unklar ist. Diese älteste keltische Ansiedlung lag auf einer unteren Geländestufe um den Himmelsteich, wohl eine antike Zisterne.

Das etwa drei Hektar umfassende oberste Hochplateau (125×350 Meter) wurde während der frühen La-Tène-Zeit durch eine Pfostenschlitzmauer gesichert. Ein kurzes Stück dieser Befestigungsanlage konnte aus dem originalen Steinmaterial rekonstruiert werden. Warum die Besiedlung am Ende der frühen La-Tène-Zeit wie überall im nördlichen Franken plötzlich abbrach, ist noch ungeklärt.

Der felsige Gipfelaufbau überragt um etwa 50 Meter in der Art einer Akropolis die etwa 49 Hektar große Hochfläche des Bergs (700×900 Meter). Dort entstand gegen Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr. das spätkeltische Oppidum. Das untere Areal dieses nördlichsten Oppidums Bayerns wurde etwas später wiederbesiedelt und neu befestigt. Die ausgedehnten Befestigungsanlagen des jüngeren Siedlungsteiles waren von zwei Toren unterbrochen. Die zu Wällen zerfallenen Wehrmauern lassen sich auf weite Strecken noch gut im Gelände verfolgen. Der nordöstliche Zugang war durch einen sehr gut erhaltenen Sperrwall vom anschließenden Geländerücken abgetrennt. Der große, gerade verlaufende Abschnittswall ist etwa 320 Meter lang, rund 16 Meter breit und noch ungefähr 3,6 Meter hoch.

Neben Keramik, Werkzeugen, Fibeln und Münzen konnten auf der „Akropolis“ auch zwei eiserne Münzstempel geborgen werden.

Die keltischen Befestigungsanlagen[Bearbeiten]

Die Befestigung der frühen La-Tène-Zeit bestand aus einer zweischaligen Steinmauer mit einer Füllung aus Erde und Steinbrocken. Die Nordostfront wurde zusätzlich durch eine ähnlich konstruierte Vormauer bewehrt. Die obere Mauer war zusätzlich durch stützendes Balkenwerk verstärkt.

Das spätlatènezeitliche Oppidum übernahm dieses gestaffelte Befestigungsprinzip. Die obere Mauer wurde wieder mit einer Front aus Kalksteinen und Pfosten verblendet. Auf der Rückseite schüttete man eine Erdrampe an. Die Vormauer wurde ebenfalls wieder hergestellt.

In Zusammenhang mit dem Ausbau des Oppidums entstand der gut erhaltene Abschnittswall auf der Hochfläche. Er wurde auf eine natürliche, etwa 0,8 Meter hohe Geländestufe aufgesetzt. Dem von innen rampenartig ansteigenden Wall war ein breiter Sohlgraben von etwa 1 Meter Tiefe vorgelegt. Der aus dem anstehenden Fels geschlagene Graben beginnt erst etwa 2,5 Meter vor der Wallfront. Diese Front war wohl durch eine Holzverblendung verstärkt, die den Wehrgang als Brustwehr überragte. Eine steinerne Verblendung ist hier nicht nachweisbar. Die Stützpfosten waren rückwärtig im Wall verankert. Insgesamt dürfte dieser Befestigungsabschnitt auf der Feindseite etwa 4,5 Meter hoch gewesen sein. Die spätlatènezeitliche Datierung der Abschnittsbefestigung wird durch einen Münzfund aus einem Grabungsschnitt betätigt. 1974 konnte hier eine um 170 v. Chr geprägte Drachme des Königs Ariarathes IV. von Kappadokien geborgen werden.

Die sonstige Wallbefestigung des Oppidums bestand aus einer etwa 3 Meter hohen und 5 Meter breiten Pfostenschlitzmauer mit hölzerner Brustwehr. Am steilen Nordhang wurde hierzu eine ungefähr 1,5 Meter tiefe Geländestufe aus dem Fels gemeißelt. Die Stützpfosten waren wieder rückwärtig durch Querbalken im Wall verankert.

Antike und Frühmittelalter[Bearbeiten]

Nach der keltischen Besiedlung um 30 v. Chr. wurden aus der Zeit um Christi Geburt ebenfalls Geräte und Schmuck aus Eisen und Bronze germanischer Herkunft gefunden. In der Späten Kaiserzeit im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. befand sich auf dem Gipfelplateau eine germanische Burganlage, wohl eine Häuptlingsburg. Die steinerne Ringmauer dieser Wehranlage saß auf einem aufgeschütteten Planierungshorizont über den dreiphasigen keltischen Befestigungsanlagen. Einige Geräte und Schmuck aus Eisen, Bronze und Glas lassen auch auf eine kleine Siedlung im frühen Mittelalter zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert schließen.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten]

Die Adelgundiskapelle auf dem Staffelberg, 2009

Im Mittelalter wurde auf dem Plateau eine Kirche zu Ehren der heiligen Adelgundis (auch Aldegundis) errichtet. Ein spätgotischer Kirchenbau wurde im Bauernkrieg von 1525 zerstört. Unter Verwendung der Ruine wurde die Kirche nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder aufgebaut und 1654 geweiht.

Neben der Kirche wohnten von 1696 bis 1929 Eremiten. Der bekannteste Eremit war Ivo Hennemann (1823–1900), der als „Einsiedelmann“ in Joseph Victor von Scheffels Gedicht Wanderfahrt (heute bekannt als Frankenlied) vorkommt. Heute steht dort die Staffelbergklause, die Wanderern eine Einkehr ermöglicht.

Die Querkel vom Staffelberg[Bearbeiten]

Eine Höhle am Staffelberg ist mit der Staffelbergsage verbunden. Hier sollen einst die Querkel gehaust haben, die der Bevölkerung im Maintal viel Gutes taten. Ähnlich wie die bekannteren Heinzelmännchen wurden sie jedoch von einer geizigen Bäuerin vertrieben. Die Wichtel stahlen gelegentlich einige der von ihnen heiß begehrten Klöße aus den Kochtöpfen der Hausfrauen. Als man deshalb begann, die Klöße vor dem Einlegen in die Töpfe abzuzählen, verließen die gekränkten Zwerge den Staffelberg und ließen sich von einem Fährmann über den Main bringen. Als Lohn gaben sie ihm nur einige gute Ratschläge mit auf den Weg, so etwa: „Esst Steinobst und Pinellen, dann wird euch das Herz nicht schwellen“. Den verschwundenen Querkeln vom Staffelberg wurde vor dem Eingang zur Obermain-Therme in Bad Staffelstein ein Brunnen als Denkmal gesetzt.

Klettern[Bearbeiten]

Am Staffelberg wurden für Sportkletterer einige Routen am sonst gesperrten Riffkranz freigegeben. Ein kurzer ungefährlicher Abstieg führt vom westlichen Plateau hinunter zu einer kleinen Höhle (der o.g. Querkel-Höhle), deren Decke sich in einem Schacht teilweise nach oben öffnet. Auf dem weitgehend ungesicherten Hochplateau des Bergs besteht im Bereich der Felsformationen erhöhtes Absturzrisiko.

Bildergalerie[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kartendienste des BfN
  2. Christine Schweßinger: Geologie ist spannend wie ein Krimi. Der Staffelberg erhielt das Gütesiegel „Bayerns schönste Geotope“ / Infotafel enthüllt. (PDF; 100 kB) Obermain-Tagblatt. 26. September 2008. Stand 11. Juni 2010.
  3. Informationstafel Juraprofil Staffelberg des Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit. Stand 31. Mai 2010.
  4. Abt. Geologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf: Der Staffelberg-Lehrpfad. Stand 11. Juni 2010.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Björn-Uwe Abels: Führer zu archäologischen Denkmälern in Bayern, Franken Band 2: Archäologischer Führer Oberfranken. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-8062-0373-3, S. 171–176.
  • Günter Dippold: Der Staffelberg. 2. Bde. Lichtenfels 1992/94.
  • Konrad Radunz: Der Staffelberg, eine antike Befestigung am Obermain. Bayreuth 1971.
  • Georg Stark: Kleiner Staffelberg-Führer durch die Erd- und Landschafts-, sowie Besiedlungsgeschichte d. Berges. Lichtenfels 1963.

Weblinks[Bearbeiten]