Starogard Gdański

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Starogard Gdański
Wappen von Starogard Gdański
Starogard Gdański (Polen)
Starogard Gdański
Starogard Gdański
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Starogard Gdański
Fläche: 25,27 km²
Geographische Lage: 53° 58′ N, 18° 32′ O53.96722222222218.5325Koordinaten: 53° 58′ 2″ N, 18° 31′ 57″ O
Höhe: 70 m n.p.m
Einwohner: 48.690
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 83-200 bis 83-202
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GST
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 22: (Berlin-) Kostrzyn nad Odrą-Grzechotki
Schienenweg: PKP-Linien 203 (Tczew-Küstrin-Kietz)
243 (Skórcz-Starogard Gdański)
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 48.690
(30. Jun. 2013)[2]
Gemeindenummer (GUS): 2213031
Verwaltung (Stand: 2009)
Stadtpräsident: Edmund Stachowicz
Adresse: ul. Gdańska 6
83-200 Starogard Gdański
Webpräsenz: www.starogard.pl

Starogard Gdański [sta'rɔgard 'gdaɲski]?/i (deutsch Preußisch Stargard) ist eine Stadt im Powiat Starogardzki der polnischen Woiwodschaft Pommern.

Marktplatz

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt in Pommerellen an dem kleinen Fluss Ferse, etwa 21 Kilometer südwestlich von Tczew (Dirschau), 40 Kilometer südlich von Danzig und 67 Kilometer nordöstlich von Chojnice (Konitz).

Geschichte[Bearbeiten]

Stadtwappen um die Mitte des 14. Jahrhunderts
Preußisch Stargard südlich von Danzig (im Bild rechts, durch Anklicken vergrößerbar) und westlich von Marienburg (am rechten Bildrand unten) auf einer Landkarte von 1910.
Rathaus in nächtlicher Beleuchtung
Front des Rathauses
St.-Katharinen-Kirche
Katholische St.-Matthäus-Kirche (ehemalige Pfarrkirche St. Marien, 14. Jh.)

Vom 8. bis zum 12. Jahrhundert existierte eine Burg an der Stelle der heutigen Stadt.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung an der Stelle des heutigen Starogard Gdański stammt vom 11. November 1198 als Starigrod. Die Urkunde erwähnt die angeblich 24 Jahre zuvor erfolgte Schenkung der Burg und ihrer Umgebung durch den pommerschen Herzog Grzymisław an den Johanniterorden.[3] Die Johanniterburg lag am linken Ufer der Ferse an der Stelle der 1655 zerstörten St.-Johannis-Kirche. Am Ort der Burg führte die „Kaufmannsstraße“ über die Ferse.[3] 1269 wurde der Ort als Stargarde (slawisch alte Burg) erwähnt. 1305 eroberte der Deutsche Orden den Ort. Unmittelbar südlich der Burg entstand nach 1309 die Stadt Preußisch Stargard als Gründung des Deutschen Ritterordens.[3] Um 1338 begannen die Einwohner mit dem Bau einer Befestigungsanlage für die Siedlung, ein Jahr später erhielt der Ort sein eigenes Wappen. Das Stadtrecht nach Kulmer Recht erhielt Starogard 1348 vom Hochmeister Heinrich Dusemer. Im Nordwesten erhebt sich über dem Fluss die katholische Pfarrkirche zu St. Marien, später auch »St. Mathaei Apostoli« genannt, eine dreischiffige Basilika aus dem 14. Jahrhundert.

1465 wurde die Stadt von der polnischen Armee belagert, ein Jahr später wurde sie Teil Polens. Ein großes Feuer vernichtete 1484 die Hälfte der Stadt. Aus 1525 stammen die ersten Anzeichen der Anwesenheit von Lutheranern. 1557 wurde die St.-Katharinen-Kirche evangelisch und blieb es auch, als 1599 alle übrigen Kirchen den Katholiken ausgeliefert werden mussten. Sie wurde 1792 Opfer des großen Stadtbrandes und anschließend an ihrem heutigen Standort wieder aufgebaut.[3] 1566 wurde die Stadt erstmals Starogard genannt. Der Lauf der Ferse bildete bis in die Neuzeit hinein die Nordgrenze der Stadt, obwohl der Johanniterbesitz bereits 1370 vom Deutschen Orden erworben wurde.[3] 1624 wurde der nördliche und 1749 der südliche Stadtteil gänzlich durch Feuer zerstört.[4]

Während des Zweiten Nordischen Kriegs wurde die Stadt 1655 von den Schweden eingenommen und zwei Jahre lang besetzt.

Nach der ersten polnischen Teilung 1772 wurde Stargard Teil Preußens. 1792 wüteten mehrere Feuer in der Stadt und zerstörten sie nahezu vollständig. 1789 hatte Preußisch Stargard, das von einer Stadtmauer umgeben war, innerhalb der Ringmauer 102 Häuser, »größtenteils nach alter Art mit Vorlauben« erbaut, und die Bürgerschaft mitsamt dem Magistrat bestand  »fast durchgehends aus Deutschen und Protestanten«, während die Bewohner der Vorstadt größtenteils Polen und Katholiken waren.[4] Mitten auf dem großen viereckigen Marktplatz stand das 1766 errichtete Rathaus »mit einem sehr alten Turme«, auf dem sich die Stadtuhr befand. An allen vier Ecken des Marktplatzes befanden sich öffentliche Brunnen, die mittels einer Wasserkunst aus der Ferse gespeist wurden.[4] Die Anlage einer Wasserkunst mit kupfernen Röhren wird bereits 1514 erwähnt.[3] Mit Hilfe derselben Wasserkunst wurde auch Wasser in das Stadt-Brauhaus geleitet.[4]

1807 besetzten Truppen unter Dąbrowski kurzzeitig die Stadt. Der Beginn des 19. Jahrhunderts bedeutet für den Ort eine zunehmende Industrialisierung und die Stadt, die seit 1818 Kreissitz des Landkreises Preußisch Stargard war, wurde zu einem wichtigen Zentrum für die Getreide-, Tabak-, Leder-Produktion. 1862 erhielt der Ort als einer der ersten im heutigen Polen eine Feuerwehr und zwei Jahre später wurde die Wodka-Fabrik Winkelhausen eröffnet. 1871 erfolgte der Anschluss an das Schienennetz und 1900 wurde ein Wasser- und Gasnetz in der Stadt errichtet.

Bis 1920 war Preußisch Stargard Kreisstadt des Landkreises Preußisch Stargard im Regierungsbezirk Danzig der preußischen Provinz Westpreußen.

Als nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im Januar 1920 die Bestimmungen des Versailler Vertrags in Kraft traten und der Polnische Korridor durch deutsches Reichsgebiet verlegt wurde, wurde die Stadt ohne Volksabstimmung in die Zweite Polnische Republik eingegliedert. Die deutschen Einwohner wurden aufgefordert, entweder die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen oder die Stadt zu verlassen.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Preußisch Stargard am 2. September 1939 von der Wehrmacht besetzt. Im Verlauf der Besetzung kamen etwa 7.000 Menschen ums Leben. Von 1939 bis 1945 gehörte die Stadt zum Landkreis Preußisch Stargard im Regierungsbezirk Danzig der neuen Provinz Reichsgau Danzig-Westpreußen.

Am 6. März 1945 erreichte die Rote Armee die Stadt.

1950 entschied sich die Stadt, dem Ortsnamen Starogard das Anhängsel Gdański hinzuzufügen. 1980 streikten die Arbeiter mehrerer Fabriken. Am 3. Mai 1981 fand auf Initiative der Solidarność auf dem Marktplatz eine „Messe für das Vaterland“ statt, an welcher etwa 15.000 Menschen teilnahmen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner-
zahl
Bemerkungen
1772 1.103[4]
1782 1.410 ohne die hier seit 1776 stationierte Garnison (fünf Kompanien eines 1774 gegründeten Infanterie-Regiments)[4]
1831 3.145 meist Evangelische[5]
1875 6.022[6]
1880 6.253[6]
1890 7.080 davon 3,212 Evangelische, 3.366 Katholiken und 454 Juden[6]
1905 10.485 davon 4.252 Protestanten und 352 Juden[7] (6.297 mit deutscher Muttersprache)[3]
1921 13.360 davon 1.780 Deutsche[8]
1943 17.895 [3]
2012 49.072

Politik[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die zwei größten Unternehmen des Ortes sind Polpharma SA und Destylarnia Sobieski SA.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Gmina (Landgemeinde)[Bearbeiten]

Starogard Gdański ist auch Sitz einer Landgemeinde. Dieser gehört die Stadt aber nicht an. Sie hat 14.598 Einwohner.[9] Zur Gemeinde gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name kaschubischer Name deutscher Name (bis 1920 und 1939–45)
Barchnowy Bôrchnòwë Barchnau
Brzeźno Wielkie Wiôlgié Brzézno Brzezno (1867–1942 Bresnow, 1942–45 Bressen)
Ciecholewy Cécholewë Czechlau (1942–45 Zechlau)
Dąbrówka Dãbrówka Dombrowken (1942–45 Damerau)
Helenowo Helenowo
Jabłowo Groß Jablau (1942–45 Großgabel)
Janin Janin (1942–45 Hahnsfelde)
Janowo Janowo
Klonówka Klonowken (1942–45 Treugenhof)
Kochanka Kochankenberg
Kokoszkowy Kòkòszkòwë Kokoschken (1942–45 Hennenfelde)
Kolincz Kollenz (1942–45 Benkendorf)
Koteże Kottisch
Krąg Krangen
Kręgski Młyn Krangener Mühle (1861–1945 Hermannsrode)
Linowiec Lienfitz
Lipinki Szlacheckie Lippinken (1942–45 Leipnersdorf)
Marywil
Najmusy Neumuß (1942–45 Neubrück)
Nowa Wieś Rzeczna Neudorf
Okole Okollen (1942–45 Kollen)
Owidz Owidz (1942–45 Olwitz)
Owidz-Młyn
Płaczewo Placzewo (1874–1945 Seewalde)
Rokocin Ròkòcénò Rokoschin (1942–45 Reicheneck)
Rywałd Rëwôłd Riewalde (1940–42 vorübergehend Rehwalde)
Siwiałka Schiwialken (1942–45 Schwabenheim)
Stary Las Alt Busch
Sucumin Sùcùmënò Suzemin (1942–45 Sutzmin)
Sumin Somino Summin
Szpęgawsk Spengawsken (1942–45 Pangau)
Trzcińsk Labuhnken
Żabno Saaben
Zduny Zdùnë Zduny (1942–45 Scharfendorf)
Żygowice Zygowitz

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Udo Arnold (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981 (unveränderter Nachdruck der von Erich Weise herausgegebenen Erstauflage von 1966), ISBN 3-520-31701-X, S. 181.
  • Bernhard Stadie: Geschichte der Stadt Stargard. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Kreises. Preußisch Stargard 1864 (Volltext)
  • Bernhard Stadié: Der landräthliche Kreis Stargard in Westpreußen in historischer Beziehung von den ältesten Zeiten bis jetzt. Teil II: Historische Notizen über die einzelnen Ortschaften des Kreises. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 72, Königsberg 1869, S. 699–726, insbesondere 709-710 (Volltext).
  • Martin Steinkühler: Preußisch Stargard: 800 Jahre Geschichte – 650 Jahre Stadtrechte. Ausstellungskatalog. Westpreußisches Landesmuseum, Münster 1998

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 12. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 12. Dezember 2013.
  3. a b c d e f g h Udo Arnold (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten: Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981 (unveränderter Nachdruck der von Erich Weise herausgegebenen Erstauflage von 1966), ISBN 3-520-31701-X, S. 181.
  4. a b c d e f Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 62–63.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 388–389, Nr. 21.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Westpreußen, Kreis Preußisch Stargard (2006).
  7. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 18, Leipzig und Wien 1909, S. 857.
  8. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 15, Leipzig 1933, S. 114.
  9. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ – STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2010 (WebCite)