Stellwerk

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mechanisches Stellwerk Bauform Jüdel 1910, 1990
ehemaliges Zentralstellwerk auf dem Gleisvorfeld des Frankfurter Hauptbahnhofs

Ein Stellwerk ist eine ortsfeste Bahnanlage der Eisenbahn, die zur Netzinfrastruktur gehört. Es unterstützt den Lokführer bei der sicheren Abwicklung von Zug- und Rangierfahrten, indem Fahrwegelemente wie Weichen, Signale und Schrankenanlagen in den Zusammenhang von Fahrstraßen zentral bedient eingestellt werden und die Signale in Signalabhängigkeit für den Lokführer nach Prüfung der Rückmeldungen der Elementstellungen und -belegungen gestellt werden. Die Fahrten können dann auf räumlich sicher getrennten Fahrwegen abgewickelt werden.

Mechanische, elektrische oder elektronische Abhängigkeiten zwischen diesen Elementen kennzeichnen die technisch-historischen Entwicklungsstufen der Stellwerke. Die im Stellwerk tätigen Mitarbeiter sind die Fahrdienstleiter, in älteren Bauarten werden auch Weichenwärter als für Teilbereiche zuständige Helfer eingesetzt.

Bedingungen[Bearbeiten]

Stellwerk im Bahnhof Schleusingen an der südlichen Ausfahrt nach Themar
Ehemaliges mechanisches Reiterstellwerk in Konstanz
Reiterstellwerk aus Konstanz, wiederaufgebaut als Museum am Bahnhof Blumberg der Wutachtalbahn
„Standardstellwerk“ im Ilmenauer Bahnhof (Stellwerk Süd), errichtet 1881
Brückenstellwerk Brügge

Die Abhängigkeiten der Stellwerke und der Fahrstraßenelemente untereinander sorgen für einen gesicherten Betriebsablauf.

Ein Signal kann erst auf Fahrt gestellt werden, wenn sich alle Einrichtungen des Fahrweges in der für die Fahrt erforderlichen Stellung befinden und in diesem Zustand verschlossen (festgehalten und überwacht) sind, sowie alle Gleisfreimeldungen im Fahr- und Durchrutschweg diese von Fahrzeugen frei melden (in Österreich ist bei neuen Anlagen die „Freistellung“ der Signale auch bei besetzten Gleisabschnitten dokumentationspflichtig möglich - der Durchrutschweg kann immer besetzt sein). Durch diese hochwertigste Bedingung des Stellwerkes, das Fahrtstellen des Signales, wird die sogenannte Signalabhängigkeit hergestellt. Solange sich das zugehörige Startsignal in Fahrtstellung befindet, sind alle die Fahrstraße bildenden Einrichtungen in der für die Fahrt erforderlichen Stellung verschlossen. Die festgelegte Fahrstraße kann nur fahrtbewirkt bzw. mit Hilfsvorrichtungen dokumentationspflichtig wieder aufgelöst (verändert) werden.

Stellwerke regeln darüber hinaus mit Hilfe des Streckenblocks Folge- und Gegenzugfahrten auf der freien Strecke. Züge folgen einander im „Raumabstand“, auch Blockabstand genannt, Gegenzugfahrten werden ausgeschlossen. Die freie Strecke kann in einzelne mit Blocksignalen begrenzte Blockabschnitte oder -strecken unterteilt sein.

Durch geeignete Ausgestaltung der technischen Einrichtungen der Stellwerke wird dafür gesorgt, dass sich etwa auftretende Fehler zur sicheren Seite hin auswirken. Signale dürfen durch einen Fehler nicht von der Halt- in die Fahrtstellung gelangen oder von einem niedrigeren zu einem höheren Fahrtbegriff wechseln, Weichen nicht umgestellt werden.

Das Euro-Interlocking Projekt der UIC erarbeitet einen internationalen Standard zur Projektierung von neuen Eisenbahn-Stellwerken.

Bauformen[Bearbeiten]

Stellwerke werden – je nachdem mit welcher Technik sie die Einrichtungen im Fahrweg stellen und sichern – wie folgt unterschieden:

Mechanisches Stellwerk[Bearbeiten]

Hauptartikel: Mechanisches Stellwerk
  • Die Bedienung erfolgt über Weichen-, Riegel-, Gleissperren-, und Signalhebel, teilweise auch Kurbeln (Signalwinden und Schrankenanlagen). Für Bahnhofsblock und Streckenblock sind elektromechanische Apparate vorhanden.
  • Die mechanische Kraftübertragung zu den Außenanlagen erfolgt mittels zwei verschiedener Systeme:
    • über Drahtzugleitungen, z. B. in Deutschland, der Schweiz und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern;
    • über Gestänge (System Saxby), z. B. in Frankreich, der Schweiz, Großbritannien, USA. Mischsysteme sind möglich und üblich. Typisch für altbritische Stellwerke sind Gestängeleitungen für Weichen und Drahtzugleitungen, in der Regel Einfachdrahtzugleitungen für Signale.
  • Im Stellwerk erfolgt die Herstellung der Abhängigkeiten durch mechanische Mittel. Systembedingt erfolgt die Prüfung der Erfüllung der Bedingungen für die Signalabhängigkeit nur punktförmig beim Einstellen von Fahrstraßen.

Elektromechanisches Stellwerk[Bearbeiten]

  • Die Bedienung erfolgt mit kleinen Stellhebeln, Drehschaltern und einzelnen Drucktasten.
  • Die Außenanlagen (Weichen, Schranken, Formsignale) werden elektrisch angetrieben; als Signale sind Form- und Lichtsignale vorhanden.
  • Im Stellwerk erfolgt die Herstellung der Abhängigkeiten überwiegend durch mechanische Mittel.

Mechanische und elektromechanische Stellwerke sind in der Regel hoch stehend gebaut, um dem Bediener einen möglichst vollständigen Überblick über seinen Stellbereich zu geben. Diese Stellwerke müssen wegen der begrenzten Länge der Übertragungswege zu den Außenanlagen innerhalb ihres Stellbereichs aufgestellt sein. Diese Notwendigkeiten bestehen bei Gleisbildstellwerken nicht mehr: Hier übernimmt die Gleisfreimeldeanlage das Besetztmelden des Zugfahrweges im Rahmen der vor jeder Zugfahrt obligatorischen Fahrwegprüfung. Außerdem lassen sich hier die Übertragungswege theoretisch unbegrenzt ausdehnen. Jedoch ist die Stellentfernung, das heißt die Distanz zwischen Stellwerk und gestelltem Element, auf etwa 2 km je nach Übertragungstechnik beschränkt. Dennoch wurden auch diese Stellwerke noch lange Zeit nach den herkömmlichen Kriterien nahe am Zuständigkeitsbereich gebaut.

Relaisstellwerk[Bearbeiten]

Hauptartikel: Relaisstellwerk
  • Die Bedienung erfolgt mit Drucktasten und/oder Zugtasten.
  • Die Bedien- und Anzeigeelemente sind in einem Stellkasten, auf einem Stelltisch oder Stelltafel so angeordnet, dass ihre Lage schematisch jenen in der Wirklichkeit entspricht. Teilweise erfolgt die Bedienung auch über Bildschirmarbeitsplätze mit Monitor, Tastatur und Maus.
  • Die Außenanlagen sind durchgängig elektrisch angesteuert.
  • Die Herstellung der Abhängigkeiten erfolgt durchgängig elektrisch durch Relaisschaltungen (daher auch der Name).

Die Stellentfernung (= Distanz zwischen Stellwerk und gestelltem Element) ist aufgrund der Übertragungstechnik auf etwa 6,5 km beschränkt.

Elektronisches Stellwerk[Bearbeiten]

Hauptartikel: Elektronisches Stellwerk
  • Die Benutzerführung erfolgt durch schematische grafische Darstellung der Elemente der Außenanlage auf einem Monitor, bei größeren Anlagen auch auf Projektionswänden (In Deutschland nicht üblich).
  • Die Bedienung erfolgt mit Tastatur (erste Generation, heute nur noch als Rückfallebene), Grafiktablett, Lichtgriffel (beides mittlerweile technisch überholt) oder Maus.
  • Die Außenanlagen sind durchgängig elektrisch angesteuert (Relaistechnik, heute auch Leistungselektronik).
  • Die Herstellung der Abhängigkeiten erfolgt über Software in redundanten Rechnersystemen.

In Deutschland werden Relaisstellwerke und elektronische Stellwerke auch Gleisbildstellwerke genannt, weil sie mit Bedienelementen bedient werden, die auf einem Stelltisch, einer Stelltafel oder auf Monitoren in einem schematischen Gleisbild angeordnet oder dargestellt sind. Dabei wurde weitgehend Übertragungstechnik zum Stellelement aus der Relaistechnik eingesetzt, wodurch Stellentfernungen bis zu 6,5 km möglich waren, später führte Scheidt&Bachmann den Datenbus (Basis CAN) und Bombardier führte 2007 IP-basierte Netzwerke in der Stellebene ein, die (ohne Repeater) Stellentfernungen bis 90 km über LWL erlaubt, wenn eine gesonderte Stromversorgung am Stellelement vorhanden ist.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Stellwerke ist eng verknüpft mit der Geschichte der Betriebsvorschriften in den jeweiligen Ländern, mit den Techniken zur Sicherung durch Streckenblock, mit den fortschreitenden betrieblichen Anforderungen (z.B. bzgl. Zuglängen und Fahrtgeschwindigkeiten), mit der Geschichte der Signalanlagen sowie mit Fortschritten in der Mechanik und Elektrotechnik, insbesondere bei Gleisfreimeldungen und Achszählern bis hin zu hochgeschwindigkeitstauglichen wirbelstromfesten Geräten.

Die Eisenbahn-Stellwerke wurden im Wesentlichen in der oben angegebenen Reihenfolge der Bauformen entwickelt.

Mechanische Stellwerke[Bearbeiten]

Das erste mechanische Stellwerk wurde 1843 (nach anderen Quellen 1841[1]) an der Abzweigung Bricklayers' Arms Junction in England installiert. Die wesentlichen Entwicklungen wurden von John Saxby in den Jahren ab 1855 durchgeführt. Die ersten mechanischen Stellwerke in Kontinentaleuropa waren von englischen Stellwerken abgeleitet (z. B. Gestängeleitungen statt später üblicher Drahtzugleitungen, Drehpunkt der Hebel unterhalb des Fußbodens). In Deutschland wurde das erste mechanische Stellwerk, von dem aus Weichen und Signale ferngestellt und zentral gesichert werden konnten, im Jahre 1867 von der englischen Firma Saxby & Farmer in Stettin in Betrieb genommen. In Österreich stand das erste Stellwerk 1876 in Rekawinkel[1], in der Schweiz 1880 in Bern[2].

Eine wichtige Erfindung gelang 1870 Carl Frischen mit dem Blockfeld, durch das eine sichere elektrische Übertragung von Informationen über längere Strecken möglich war. Sicherungsanlagen im deutschsprachigen Raum verwendeten diese Technik bald sowohl für die Sicherung von Fahrten auf der Strecke (Streckenblock) als auch von Fahrten im Bahnhofsbereich (Bahnhofsblock).

Im 19. Jahrhundert waren die Stellwerke (und auch die Signalanlagen) von Hersteller zu Hersteller verschieden. Um die Wende zum 20.Jahrhundert wurden in den deutschen Ländern und in Österreich vereinheitlichte Regelbauarten eingeführt. In Deutschland war das die Bauart »Einheit«, die in Preußen zwischen 1911 und 1915 entwickelt wurde. In Österreich wurde schon um 1880 die Bauart 12SA nach Regelzeichnungen von mehreren Signalbaufirmen gebaut. Ab 1909 war das Stellwerk 5007 (nach der Zeichnungsnummer der Gesamtzusammenstellung) neues österreichisches Regelstellwerk. In der Schweiz gab es, wegen der vielen privaten Eisenbahngesellschaften, keine Regelbauarten.

Elektromechanische Stellwerke[Bearbeiten]

Gegen Ende des 19.Jahrhunderts wurde versucht, den elektrischen Strom für den Antrieb von Weichen zu verwenden (aber weiterhin die Abhängigkeiten zwischen Stellelementen mechanisch zu sichern). 1894 wurde das erste elektromechanische Stellwerk in Prerau in Mähren (heute in Tschechien) in Betrieb genommen[3]. Das erste elektromechanische Stellwerk in Deutschland ging 1896 in Berlin Westend in Betrieb[4]. Meilenstein der Entwicklung der elektromechanischen Stellwerk war die Bauart Siemens 1912, die die Grundlage fast aller elektromechanischen Stellwerke im deutschsprachigen Raum wurde.

Relaisstellwerke[Bearbeiten]

In den dreißiger Jahren wurde mit ersten Versuchen begonnen, vollständig elektrische Stellwerke zu bauen, wo auch die "Logik" der Abhängigkeiten über Relaisschaltungen erreicht wurde. Nach Vorläuferbauarten etwa von Ericsson in Schweden oder Integra in der Schweiz entstanden schließlich Anfang der fünfziger Jahre die ersten Gleisbildstellwerke. Nach freien Schaltungen in den ersten solchen Stellwerkstypen wurden bald genormte Relaisgruppen konstruiert, was Fertigung und Prüfung von Stellwerksanlagen erleichterte. In den sechziger Jahren wurden schließlich die Spurplanstellwerke konstruiert, bei denen der Zusammenbau fast ausschließlich durch die Verbindung vorgefertigter Relaisgruppen mit ebenfalls vorgefertigten Spurkabeln gemäß dem Gleisplan und Ringleitungen zwischen gleichartigen Gruppen erfolgt.

Elektronische Stellwerke[Bearbeiten]

1978 ging das erste Stellwerk auf Computerbasis in Göteborg in Betrieb. Der große Vorteil elektronischer Stellwerke, die freie Programmierung, musste durch komplexe Hardware- oder Softwarelösungen erkauft werden, die die notwendige Sicherheit gegen Ausfälle herstellen. Während die anderen Typen in Deutschland nicht mehr weiterentwickelt werden, schreitet die Entwicklung der elektronischen Stellwerke in Richtung weiterer Zentralisierung und neuer Betriebsmöglichkeiten weiter voran. Strecken des Hochgeschwindigkeitsverkehrs müssen für Linienzugbeeinflussung oder ETCS mit Informationen versorgt werden, die nur elektronische Stellwerke oder Spurplanrelaisstellwerke der mit sogenannten Hochgeschwindigkeitsblockbaugruppen ertüchtigten Bauformen SpDrL60 oder SpDrS600 liefern können.

Verbreitung[Bearbeiten]

Heute (Stand 2013) sind im Netz der Deutschen Bahn in Betrieb:[5]

  • 978 mechanische Stellwerke
  • 375 elektromechanische Stellwerke
  • 1511 Relaisstellwerke
  • 415 Elektronische Stellwerke

Nach anderen, eigenen Angaben verfügt die Deutsche Bahn über 3397 Stellwerke, die Ende 2013 im Durchschnitt 47 Jahre alt waren.[6] Bei etwa einem Drittel der Anlagen gilt die technische Lebensdauer bei Weitem als überschritten.[7] Insgesamt betrieb die Deutsche Bahn im Jahr 2013 130 verschiedene Typen von Stellwerken.[8]

Im Netz der Deutschen Bahn waren 2003 rund 250.000 Stelleinheiten installiert. Davon entfielen etwa 80.000 auf Weichen und 170.000 auf Signale (einschließlich Zusatzsignale). Anfang 2006 hingen an einem mechanischen Stellwerk der Deutschen Bahn im Durchschnitt 14 Stelleinheiten (Signale, Weichen, Gleissperren usw.), an einem elektromechanischen Stellwerk 31, an Relaisstellwerken 77 sowie an ESTW 236.[9]

Gebäudeformen[Bearbeiten]

Die von Außenstehenden oft benutzte Einteilung von Stellwerken nach der Gebäudeform hat mit Funktion und Technik des Stellwerkes nur wenig zu tun, zumal diese Unterscheidung nur bei Altanlagen mit mechanischer oder elektromechanischer Stelltechnik benutzt wird, die einen Überblick über die vom Stellwerk beaufsichtigten Bahnanlagen zwecks Freimeldeprüfung „durch Augenschein“ erfordern. Hier werden unterschieden:

  • Stellwerkstürme, auch Weichentürme, die an der Seite einer Bahnanlage errichtet wurden und einen erhöhten Bedienraum über den Spannwerken besitzen[10]
  • Brückenstellwerke, die ihren Bedienraum in einer Brücke quer über den betreuten Bahnanlagen haben (z.B. Stellwerk Bingerbrück Kreuzbach), und
  • Reiterstellwerke, deren Bedienraum erhöht in Längsrichtung über den Bahnanlagen liegt.

Bei modernen Stellwerken in Relaistechnik oder elektronischen Bauarten werden ausschließlich selbsttätige Gleisfreimeldeanlagen eingesetzt, die eine Übersicht über die Gleisanlage aus dem Fenster erübrigen.

Fernstellung und Fernsteuerung[Bearbeiten]

Als ferngestellt gilt eine Betriebsstelle, wenn es am Ort dieser Betriebsstelle kein Stellwerk gibt und die Weichen und Signale an ein Stellwerk einer benachbarten Betriebsstelle angeschlossen sind. Fernstellung ist nur innerhalb der Stellentfernung eines Stellwerkes möglich (etwa 6,5 km). Ferngesteuert sind Betriebsstellen, die ein eigenes örtlich nicht besetztes Stellwerk besitzen, das von einem anderen Stellwerk oder einer Betriebszentrale (BZ) aus mithilfe von speziellen Fernsteuertechniken bedient wird. Ferngestellt wird ein Stellwerk, wenn es vor Ort vollständig vorhanden und auch ortsbedienbar ist, die im Regelbetrieb genutzte Bedieneinrichtung sich jedoch an einem anderen Ort, in der Regel im benachbarten Bahnhof, befindet.

Bei elektronischen Stellwerken gibt es recht häufig neben den zentralen Komponenten in der ESTW-Zentrale (ESTW-Z) auch sog. abgesetzte Stellrechner bzw. sog. ESTW-Außenstellen (ESTW-A), die mit unterschiedlichen Formen von Kommunikationsmedien an die ESTW-Z angeschlossen sind. Diese ESTW-A sind von der Funktion her bei den meisten Typen von elektronischen Stellwerken keine eigenständigen Stellwerke im eigentlichen Sinn mit eigener Sicherungslogik. Nur bei einigen Typen/Generationen von elektronischen Stellwerken der Fa. Siemens sind Teile der Sicherungslogik im ESTW-A integriert. Dennoch hat sich unter Fachleuten einheitlich eingebürgert, bei ESTW-A von einer Fernsteuerung durch eine ESTW-Z zu sprechen.

Bediener[Bearbeiten]

Stellwerker 1949
Gleisbildstelltisch Bauform GSII (WSSB) 1975
Fahrdienstleiterstellwerk als Zentralstellwerk

Der Bediener eines Stellwerkes wird in Deutschland Wärter genannt. Ein Wärter, der die Durchführung der Zugfahrten eigenverantwortlich nach den Vorgaben des Fahrplanes leitet, heißt Fahrdienstleiter. Wärter, die keine Fahrdienstleiter sind, heißen Weichenwärter. Sie bedienen ihr Stellwerk eigenverantwortlich beim Rangieren und wirken bei Zugfahrten im Einzelauftrag des Fahrdienstleiters mit. Die dazu erforderlichen technischen Abhängigkeiten schaffen die Einrichtungen des Bahnhofsblocks.

Aufgaben[Bearbeiten]

Fahrdienstleiterstellwerk[Bearbeiten]

Stellwerke, die mit einem Fahrdienstleiter besetzt sind, heißen Fahrdienstleiterstellwerke oder Befehlsstellwerke. Sie steuern und disponieren den Zugverkehr im örtlichen Bereich eines Bahnhofs oder einer anderen Betriebsstelle. Der Fahrdienstleiter ist in der Regel alleiniger Bediener des Fahrdienstleiterstellwerks. Ihm können aber zum Bedienen der Weichen in großen mechanischen und elektromechanischen Stellwerken ein oder mehrere Weichenwärter zugeteilt sein. In großen Relaisstellwerken können ein oder mehrere Helfer den Fahrdienstleiter unterstützen. Die Aufteilung in mehrere Fahrdienstleiterbezirke – auch im selben Gebäude – ist auf großen Bahnhöfen möglich und üblich. Im Regelfall sind dann alle Bediener gleichberechtigt. Bei elektronischen Stellwerken sind aufgrund der Größe der Stellbereiche mehrere meist gleichberechtigte Bediener der Regelfall.

Im Bereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn erkennt man Fahrdienstleiterstellwerke oder Befehlsstellwerke meist an außen am Stellwerksgebäude angebrachten Kurzbezeichnungen, die mit einem kleinen „f“ enden, im Bereich der Deutschen Reichsbahn dagegen meist am Großbuchstaben "B" vor der Stellwerksnummer.

Bei Stellwerken ohne Gleisfreimeldungen (also überwiegend bei mechanischen und elektromechanischen Stellwerken) wurden die Arbeitsbereiche von Fahrdienstleitern oder Weichenwärtern daraus bestimmt, welche Gleisbereiche vom Arbeitsplatz eingesehen werden können, um deren Freisein einwandfrei überprüfen zu können. Zwecks Rationalisierung ihrer Arbeit wurden Gleisfreimeldungen oder Freimeldemerker eingeführt.

Wärterstellwerk[Bearbeiten]

In Bahnhöfen mit mechanischen oder elektromechanischen Stellwerken wird der Bahnhofsbereich häufig in Stellwerksbezirke eingeteilt. Außer einem Fahrdienstleiterstellwerk sind dann auch ein oder mehrere Wärterstellwerke, die von einem Weichenwärter bedient werden, vorhanden. Weichenwärter agieren beim Rangieren selbstständig, bei Zugfahrten im Einzelauftrag des Fahrdienstleiters.

Sie sind an dem kleinen "w" in der Kurzbezeichnung erkennbar, das im Bereich der ehemaligen Deutschen Bundesbahn auch die Lage des Stellwerkes nach der Himmelsrichtung (= west) bedeuten kann.

Befehlsstelle[Bearbeiten]

Häufig wollte man den Fahrdienstleiter von dem Stellen der Weichen und Signale sowie dem Rangierbetrieb entlasten, damit er sich auf seine anderen Aufgaben konzentrieren konnte. Außerdem sollte er als Ansprechpartner gut erreichbar im Bahnhofsgebäude untergebracht werden. Daher wurden teilweise separate Befehlsstellen eingerichtet, von denen der Fahrdienstleiter nur die Befehle zum Bilden der Zugfahrstraßen an die Wärterstellwerke an den beiden Bahnhofsköpfen abgeben konnte, aber keine Weichen oder Signale zu stellen hatte.

Verbreitet waren Befehlsstellen vor allem in Süddeutschland, Sachsen und Österreich. In Deutschland sind Befehlsstellen nur noch selten anzutreffen, in Österreich dagegen findet man diese noch an vielen Bahnhöfen.

Rangierstellwerk[Bearbeiten]

Wärterstellwerke, die ausschließlich dem Rangieren dienen und nicht an Zugfahrten beteiligt sind, nennt man Rangierstellwerke. Sie sind z. B. in großen Rangierbahnhöfen zu finden. Eine Spezialform des Rangierstellwerkes ist das Ablaufstellwerk. Typischerweise bestehen auf Rangierstellwerken keine Zugstraßen.

Ablaufstellwerk[Bearbeiten]

Ein Ablaufstellwerk ist eine Spezialform des Rangierstellwerkes, wenn sie für die Durchführung des Ablaufbetriebes an einem Ablaufberg zuständig sind. Sie sind ebenfalls oft in großen Rangierbahnhöfen zu finden. Die Besonderheiten des Ablaufbetriebes bedingen einige grundlegende Unterschiede zu übrigen Stellwerksanlagen. Signalabhängigkeit im üblichen Sinn besteht nicht, das Abdrücksignal ist ohne vorher eingestellten Fahrweg stellbar und Weichen werden unmittelbar vor anrollenden Wagen umgestellt - deswegen sind sogenannte Schnellläufer mit Umstellzeiten von etwa zwei Sekunden hier eingesetzt, während normale Weichen etwa sechs Sekunden bis zum Erreichen ihrer Endlage benötigen. Ablaufstellwerke gibt es in jeder möglichen Bauform, zur Entlastung des Bedieners automatisierbar sind sie nur als Relais- oder elektronische Stellwerke.

Zentralstellwerk[Bearbeiten]

Große Fahrdienstleiterstellwerke mit speziellen Einrichtungen und Aufgaben bezeichnet man als Zentralstellwerke. Zentralstellwerke stellen die Weichen und Signale im örtlichen Bereich, etwa in einem großen Bahnhof und außerdem oft auch ein oder mehrere ferngestellte oder ferngesteuerte Betriebsstellen – das sind meist nahegelegene weitere (kleinere) Bahnhöfe und Abzweigstellen.

Streckenstellwerk[Bearbeiten]

Als Streckenstellwerk bezeichnet man eine Form des Zentralstellwerkes, das (überwiegend) für einen Streckenabschnitt (oder eine Teil davon) zwischen zwei Knotenbahnhöfen zuständig ist und die Betriebsstellen auf diesem Abschnitt fernstellt oder fernbedient.

Knotenstellwerk[Bearbeiten]

Ein Knotenstellwerk ist wie das Streckenstellwerk eine andere gebräuchliche Bezeichnung für ein Zentralstellwerk.

Kennzeichnung[Bearbeiten]

Stellwerke sind in Deutschland außen am Stellwerksgebäude als solche gekennzeichnet. Zur Unterscheidung der Aufgaben der Stellwerke wählte man im ehemaligen Preußen Buchstabenkürzel. Danach wurde diese Kennzeichnung in allen norddeutschen Direktionsbezirken und schließlich weiträumig bei der damaligen Deutschen Bundesbahn sowie in der Nordhälfte des Netzes der damaligen Deutschen Reichsbahn und in Thüringen eingeführt.

Spezifisch in Deutschland gibt der erste Großbuchstabe den Anfangsbuchstaben des Bahnhofsnamens (meist der Ortsname) an. Der folgende klein geschriebene Buchstabe bezeichnet die Lage des Stellwerks innerhalb eines Bahnhofs nach der Himmelsrichtung Norden („n“), Westen („w“), Süden („s“) und Osten („o“). Die Funktion eines Stellwerks wird durch die Buchstaben „f“ für Fahrdienstleiter- oder „b“ für Befehlsstellwerk sowie „p“, „g“ und „r“ für die Zugehörigkeit zu einem Personen-, Güter- oder Rangierbahnhof. Weil viele Orte nur über ein Fahrdienstleiterstellwerk verfügen, werden die zusätzlichen Kennungen nur in größeren Bahnhöfen verwendet.

In Sachsen und den süddeutschen Direktionen wurden die Stellwerke in Richtung der Kilometrierung einfach durchnummeriert. Später kennzeichnete man die betriebliche Funktion zusätzlich durch die Kennbuchstaben „B“ für Befehlsstellwerk bzw. -stelle (Fahrdienstleiterstellwerk), „W“ für Wärterstellwerk und „R“ für Rangierstellwerk (an Zugfahrten nicht beteiligt). Im DR-Netz wurden Zentralstellwerke ohne abhängige Stellwerke meist „B1“ genannt.

In Österreich (und daher in den meisten Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns) und in der Schweiz werden Stellwerke innerhalb eines Bahnhofs in Richtung der Kilometrierung durchnummeriert.

Betriebszentrale[Bearbeiten]

Hauptartikel: Betriebszentrale (DB Netz)

Eine Betriebszentrale (BZ) ist per Definition kein Stellwerk, da in ihr keine technischen Abhängigkeiten und Sicherungen des Fahrweges hergestellt werden, sondern sie in erster Linie zur Lenkung und Steuerung des Bahnbetriebes, insbesondere für die großräumige Disposition weit über den Bereich der einzelnen Stellwerke hinaus, dient.

Wenn die Stellwerke im Einzugsbereich der Betriebszentrale entsprechend "bz-fähig" ausgerüstet sind, können in dieser zusätzlich zu den dispositiven Aufgaben auch die Bedienoberflächen von Stellwerken integriert sein. Für eine bz-fähige Ausrüstung eignen sich Elektronische Stellwerke sowie neuere Relaisstellwerke in gleichem Maße.

Lehrstellwerk[Bearbeiten]

Zur Ausbildung von Fahrdienstleitern und sonstigem Stellwerkspersonals errichteten die Bahnverwaltungen Lehrstellwerke. An den dort vorhandenen mechanischen Stellwerkseinrichtungen werden Grundlagen der Technik vermittelt und Betriebsstörungen auf einer fiktiven Eisenbahnstrecke simuliert. Die Deutsche Bahn musterte diese Einrichtungen weitgehend aus. Nur wenige DB Trainingszentren verfügen daher noch über entsprechende Ausbildungseinrichtungen.

Der Stadt Kornwestheim gehört das historische und denkmalgeschützte Lehrstellwerk Kornwestheim. Es wurde von einem Förderverein restauriert und wieder in Gang gesetzt. Im Rahmen der Ausbildung neuer Fahrdienstleiter stellte die Deutsche Bahn fest, dass viele mechanische Stellwerke, teilweise noch aus der Zeit der Länderbahnen, noch in Betrieb sind. DB Netz bildet daher in Kornwestheim ergänzend zu den Stellwerksimulationen elektronischer Stellwerke der DB Trainingszentren wieder aus.

Zu Forschungszwecken, zur Ausbildung von Studenten und Vermittlung von Grundwissen im Rahmen einer Weiterbildung an Führungskräfte im Eisenbahnbereich betreiben die Verkehrswissenschaftliche Institute der RWTH Aachen und der TU Dresden jeweils ein Signallabor.

Museumsstellwerke[Bearbeiten]

Museumsstellwerk in Norden

Neben den Museumsbahnen entstanden in den letzten Jahren auch einige Museumsstellwerke, die der interessierten Öffentlichkeit die Funktion der Sicherungstechnik der Eisenbahn näherbringen soll.

Solche Museumsstellwerke befinden sich zum Beispiel in Lehrte, Mühldorf und Rheine, sowie am Bahnhof Blumberg der Wutachtalbahn.

Ein sehr großes und sehenswertes Museumsstellwerk befindet sich in Berlin. Es gehört den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) und befindet sich im Berliner U-Bahn-Museum. Es ist ein altes elektromechanisches Stellwerk, das durch ein Spurplanstellwerk der Bauart SpDrS-U abgelöst wurde.

Das historische im ehemaligen Triebwagen VT 137 137 untergebrachte Lehrstellwerk der Bundesbahndirektion Hamburg befindet sich im Bahnmuseum Lokschuppen Aumühle. Es wird an Besuchertagen vorgeführt.

Im Bahnhof Děčín hlavní nádraží (Bahnstrecke Dresden–Děčín, Tschechien) ist das elektromechanische Stellwerk (DR-Bauart) von 1941 seit 2003 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich.

In der Schweiz wird das mechanische Stellwerk von Kerzers museal erhalten.[11]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stellwerke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Stellwerk – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Christian Hager: Eisenbahnsicherungsanlagen in Österreich, Band 1: Stellwerke. Verlag Pospischil, Wien 1984.
  2. Karl Oehler: Eisenbahnsicherungstechnik in der Schweiz - Die Entwicklung der elektrischen Einrichtungen. Birkhäuser Verlag, Basel, Boston, Stuttgart 1981, ISBN 3-7643-1233-5.
  3. Lexikon der gesamten Technik, Eintrag "Stellwerke"
  4. Berliner Stellwerke. Abgerufen am 24. November 2012.
  5.  Schalthilfe für alte Stellwerke. In: DB Welt. Nr. 5, 2013, S. 10.
  6.  Christian Schlesinger, Reinhold Böhmer: "Zu Unrecht am Pranger". In: Wirtschaftswoche. Nr. 48, 25. November 2013, ISSN 0042-8582, S. 54 (unter anderem Titel online).
  7.  Nikolaus Doll, Steffen Fründt, Ernst-August Ginten, Thomas Heuzeroth, Birger Nicolai, Andre Tauber und Daniel Wetzel: Bodenlos. In: Welt am Sonntag. Nr. 19, 12. Mai 2013, S. 13, ZDB-ID 1123516-0 (ähnliche Version online).
  8.  Dieter Fockenbrock, Thomas Tuma: "Bei der Bahn muss man kämpfen". In: Handelsblatt. Nr. 240, 14. Dezember 2013, ISSN 0017-7296, S. 22.
  9.  Jörg Bormet: Anforderungen des Betreibers an den Life-cycle in der Fahrwegsicherungstechnik. In: Signal + Draht. 99, Nr. 1+2, 2007, ISSN 0037-4997, S. 6–16.
  10. Freiherr von Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 10. Berlin, Wien 1923, S. 318., Weichenturm
  11. Website