Theodor Billroth

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Theodor Billroth, Begründer der modernen Bauchchirurgie (Fotografie von 1887).

Christian Albert Theodor Billroth (* 26. April 1829 in Bergen auf Rügen; † 6. Februar 1894 in Abbazia, Istrien) war ein deutsch-österreichischer Mediziner und einer der bedeutendsten Chirurgen des 19. Jahrhunderts. Er wird allgemein als der Begründer der modernen Bauchchirurgie und Pionier der Kehlkopfchirurgie angesehen.

Leben[Bearbeiten]

Gedenktafel für Theodor Billroth in der Domstraße 22 in Greifswald

Billroth war der Sohn des Pastors Karl Theodor Billroth und dessen Ehefrau Christina Nagel. Sein Großvater Johann Christian Billroth war Bürgermeister in Greifswald. Seine Großmutter mütterlicherseits war die Sängerin Sophie Dorothea Willich; ein Onkel väterlicherseits war der Theologe Gustav Billroth (1808–1836).

Seine Schulzeit absolvierte Billroth meistenteils in Greifswald und dort begann er auch sein Studium. Anfänglich auch dem Studium der Musik zugetan, entschied er sich dann aber doch für die Medizin. Später wechselte er an die Universitäten von Göttingen und Berlin; seine Lehrer waren u. a. Johannes Peter Müller, Moritz Heinrich Romberg, Johann Lukas Schönlein und Ludwig Traube.

Nach seiner Promotion 1852 ging Billroth für ein knappes Jahr nach Wien, um dort Vorlesungen von Ferdinand von Hebra, Richard Heschl und Johann von Oppolzer zu besuchen. In dieser Zeit wurde er Mitglied des Akademischen Gesangsvereins Wien, der heutigen Sängerschaft Barden. Vor seiner Rückkehr nach Berlin hielt sich Billroth zu Studienzwecken für kurze Zeit auch in Paris auf.

Als Assistent von Bernhard von Langenbeck wirkte Billroth zwischen 1853 und 1860 an der Charité, wo er die Grundlagen plastischer Chirurgie und die Konstruktion chirurgischer Instrumente erlernte. Bei Langenbeck konnte er sich in den Fächern Chirurgie und pathologische Anatomie 1856 habilitieren. 1858 heiratete Billroth in Berlin Christel Michaelis, eine Tochter des Hofmedikus Edgar Michaelis (1807–1848). Mit ihr hatte er drei Töchter und einen Sohn. Durch seine Ehefrau war Billroth mit dem Schauspieler und Sänger Fritz Eunike verwandt.

1858 lehnte er einen Ruf der pathologischen Anatomie nach Greifswald ab, sondern nahm zwei Jahre später die Berufung auf den Chirurgischen Lehrstuhl nach Zürich an, wo er dann seine bekannten pathologisch-anatomischen Arbeiten schrieb. So schuf er in Zürich die Grundlagen für die „wissenschaftliche Chirurgie“ (später nannte man ihn „Naturforscher im Kittel des Chirurgen“) und hob damit sein Fach auf jene Höhe, auf der er später dann mit Ernst Gustav Benjamin von Bergmann, August Karl Gustav Bier, Ernst Ferdinand Sauerbruch und anderen seine großen Triumphe feiern konnte.

Foto Theodor Billroth 1892
Billroth im Kreise seiner ehemaligen Assistenten

1862 lehnte Billroth ein Angebot der Universität Rostock ab und 1864 ein ebensolches aus Heidelberg. Von Zürich aus wechselte er 1867 nach Wien und übernahm dort die 2. chirurgische Lehrkanzel, welcher er bis an sein Lebensende vorstand. Den Ruf als Langenbecks Nachfolger nach Berlin lehnte er ab. Unterbrochen wurde seine Tätigkeit in Wien 1870/71 durch den deutsch-französischen Krieg. Den überwiegenden Teil wirkte Billroth als Chirurg in den Lazaretten von Weißenburg und Mannheim.

Sofort nach Kriegsende kehrte Billroth nach Wien zurück und widmete sich wieder seiner Berufung als Arzt. Neben seiner Tätigkeit im Allgemeinen Krankenhaus in Wien wirkte er in Lehre und Forschung an der Universität Wien. Die Wiener Medizinische Schule hatte in Billroth einen herausragenden Vertreter gefunden. - Theodor Billroth war 1872 Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Billroth sind direkt eine Reihe von Meilensteinen der Chirurgie zu verdanken, darunter 1871 die erste Ösophagektomie (Entfernung der Speiseröhre) und 1873 die erste Laryngektomie (Entfernung des Kehlkopfs). Am bekanntesten ist jedoch seine – nach vielen fehlgeschlagenen Versuchen – erste erfolgreiche Magenresektion (teilweise Entfernung des Magens), die ihm am 29. Januar 1881 bei einem Magenkrebspatienten gelang.

Billroth im Hörsaal, um 1880

In der Folge wurden zwei Formen der Magenresektion, Billrothresektion (Billroth I und Billroth II) nach ihm benannt. Auch ein wasserdichter Verbandsstoff trägt nach ihm den Namen Billroth-Batist.

Neben seiner Tätigkeit als Chirurg forschte Billroth auch auf dem Gebiet der Mikrobiologie. So beschrieb er Kugelbakterien in Eiterpräparaten, die er allerdings als „Vegetationsformen“ ineinander übergehender Kugel- und Stäbchenformen pleomorpher Algen, von ihm als „Coccobacteria septica“ bezeichnet, auffasste. Allerdings hielt er diese nicht für die Ursache der Infektionen. In einigen Kulturen fand Billroth in Ketten angeordnete Kugelbakterien, die er als Streptokokken bezeichnete.

Billroth, dessen operativen Erfolge nicht zuletzt durch die Einführung der Antisepsis ermöglicht worden waren, war ein Förderer des Krankenhaus- und Krankenpflegewesens. Die Gründung des Rudolfinerhauses 1882, einem Spital mit Krankenpflegerschule, war deshalb nur konsequent. Im Jahr 1883 wurde er zum Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und 1888 der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt.

Zusätzlich zu seinen großen Erfolgen in der Chirurgie war Theodor Billroth auch ein begabter Amateur-Pianist und Amateur-Violinist, der in enger Freundschaft mit Johannes Brahms und Eduard Hanslick stand.

Im Alter von beinahe 65 Jahren starb Theodor Billroth am 6. Februar 1894 in Abbazia (Opatija) und fand seine letzte Ruhestätte in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 14 A, Nummer 7).

Nachleben[Bearbeiten]

Gedenktafel in Kremmen-Staffelde
Marmorbüste im Langenbeck-Virchow-Haus

Die Österreichische Gesellschaft für Chirurgie schreibt alljährlich für die beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Chirurgie und deren Grenzbereiche den Theodor-Billroth-Preis aus.

Das in Alsergrund gelegene Gebäude, in dem die Gesellschaft der Ärzte in Wien ihren Sitz hat, heißt Billrothhaus. Sie verleiht auch die Billroth-Medaille an namhafte Mediziner.[1][2]

Eine Billrothstraße gibt es im 19. Wiener Gemeindebezirk, wo sich das nach Theodor Billroth benannte Billrothgymnasium befindet.

Eine Theodor-Billroth-Straße findet sich in der Hansestadt Bremen. Eine Billroth-Straße findet sich zudem in der Hansestadt Hamburg.

Eine Billrothstraße befindet sich ebenfalls in Zweibrücken, Rheinland-Pfalz und eine Billrothgasse befindet sich in Graz.

In Kremmen-Staffelde gibt es eine Gedenktafel für Theodor Billroth.

In St. Gilgen am Wolfgangsee gibt es ein Hotel Billroth. Es steht an der Stelle der früheren Villa Billroth, in der Theodor Billroth über lange Jahre seine Sommerfrische verbrachte.

In Bergen auf Rügen, dem Geburtsort Theodor Billroths, wurde schon 1896 eine Straße nach ihm benannt. Das Geburtshaus Billrothstraße 17 kaufte 1998 die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und baute das „Billroth-Haus“ zu einer Begegnungsstätte mit Seminarräumen, einer wissenschaftlichen Bibliothek und Cafeteria aus. Seine musikalischen Neigungen würdigt die Stadt mit klassischen Hauskonzerten im „Billroth-Haus“.

Die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie ist auf einem überlebensgroßen Ölgemälde von Ismaél Gentz (1862–1914) im Langenbeck-Virchow-Haus (LVH) in Berlin dargestellt, das heute wieder der Gesellschaft zusammen mit der Berliner Medizinischen Gesellschaft (gegr. 1860) gehört: Hier steht von Langenbeck mit Billroth gegenüber Victor von Bruns (Peiper). Weiterhin wird Billroth mit einer Marmorbüste (1892) von Zumbusch geehrt, die im Foyer des LVH steht.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • De natura et causa pulmonum affectionis quae nervo utroque vago dissecto exoritur. Dissertation, Universität Berlin 1852
  • Historische und kritische Studien über den Transport der im Felde Verwundeten und Kranken auf Eisenbahnen. Wien, 1874.
  • Die Krankenpflege im Hause und im Hospitale. Ein Handbuch für Familien und Krankenpflegerinnen. Wien 1881.
  • Über das Lehren und Lernen der medizinischen Wissenschaften an den Universitäten der deutschen Nation, nebst allgemeinen Bemerkungen über Universitäten. Wien 1876
  • Untersuchungen über die Entwicklung der Blutgefässe, nebst Beobachtungen aus der königlichen chirurgischen Universitäts-Klinik zu Berlin. Habilitation, Universität Berlin 1856
  • Wer ist musikalisch? Wagner, Hamburg 1985, ISBN 3-88979-000-3 (Repr. d. Ausg. Berlin 1896)

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Genschorek: Wegbereiter der Chirurgie. Johann Friedrich Dieffenbach, Theodor Billroth, Hirzel Leipzig 1982
  • Wilhelm Hartel, Hans-Jürgen Peiper: Das Theodor-Billroth-Geburtshaus in Bergen auf Rügen. Ursprung - Lebensweg - Gedenkstätte, Wallstein-Verlag 2010, ISBN 978-3-8353-0645-5
  • Ernst Kern (Hrsg.): Theodor Billroth. 1829–1894; Biographie anhand von Selbstzeugnissen. Urban & Schwarzenberg München 1994, ISBN 3-541-16531-6.
  • Hans-Jürgen Peiper: Das Langenbeck-Virchow-Haus im Spiegel der Geschichte der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie Einhorn-Presse Verlag 2001, ISBN 978-3-88756-821-4
  • Leopold Schönbauer: Billroth, Christian Albert Theodor. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 239 f. (Digitalisat).
  • Helmut Wyklicky: Unbekanntes von Theodor Billroth. Eine Dokumentation in Fragmenten, Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien 1993, ISBN 3-7001-2073-7
  • Felicitas Seebacher: „Der operierte Chirurg“. Theodor Billroths Deutschnationalismus und akademischer Antisemitismus. Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 54, 4 (2006) 317–338.
  • Felicitas Seebacher: „Das Fremde im ´deutschen` Tempel der Wissenschaften“. Brüche in der Wissenschaftskultur der Medizinischen Fakultät der Universität Wien (= Österreichische Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse. Veröffentlichungen der Kommission für Geschichte der Naturwissenschaften, Mathematik und Medizin 65, Wien 2011).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Theodor Billroth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Billrothmedaille im Münzzentrum abgerufen am 28. April 2011
  2. Träger Billrothmedaille abgerufen am 28. April 2011