Township (Südafrika)

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Siedlungsgebiet von Soweto im Jahr 2005
Siedlungsgebiet von Soweto im Jahr 2004
Siedlungsgebiet von Soweto im Jahr 2008

Als Township bezeichnet man in demografischen Zusammenhängen die während der Rassentrennungspolitik in Südafrika und im südafrikanisch verwalteten Südwestafrika zahlreich eingerichteten Wohnsiedlungen für die schwarze, die farbige oder die indische Bevölkerung. Sie besitzen teilweise die Ausmaße von mittleren und großen Städten. Bekannte Beispiele sind Soweto (South Western Townships), ein Stadtteil von Johannesburg in der Provinz Gauteng, Mdantsane unweit der Industrie- und Hafenstadt East London oder der Stadtteil Cato Manor in Durban.

Entstehung und Zweck[Bearbeiten]

Alle südafrikanischen Städte weisen städtebauliche Strukturen der Townshipbildung auf. Sie waren Teil der so genannten „idealen Apartheidsstadt“, in der alle „Rassen“ durch so genannte „buffer zones“ in Form von physischen Barrieren, Verkehrsanlagen, Industrieeinrichtungen oder unbebauten Landstücken getrennt wurden. Die „weiße Stadt“ ist durch eine sozioökonomische Viertelbildung im Verlauf ihrer Entstehung und ihres Wachstums geprägt worden. Dagegen entstanden Townships ursprünglich aus stadtplanerischen Prozessen auf der Basis formaler gruppenspezifischer Gesellschaftsmodelle und Konzepten rationeller städtebaulicher Flächennutzung. So geschaffene Townshipstrukturen sind das Ergebnis einer fremdbestimmten Siedlungsentwicklung.

Die erste offizielle Rechtsgrundlage für die gezielte Errichtung von Townships für die eingeborene Bevölkerung als Instrument der Rassentrennungspolitik in Südafrika ist ein Gesetz aus dem Jahre 1945. Der Natives Urban Areas Consolidation Act (Act No 25 / 1945) forderte die lokalen Behörden auf, separate Wohngebiete für die „nichtweiße“ Bevölkerung zu schaffen. Ihrem Charakter nach sollten diese Siedlungen immer nur vorübergehende Unterkünfte für die vorrangig schwarze Bevölkerung sein, da man nach der Apartheidsdoktrin deren Heimat in den Homelands sah. In diesem Sinne argumentierte die Bantu Administration 1967 in einer Direktive für die Lokalbehörden: keine „größere, bessere, attraktivere und luxuriöse Bedingung“ zu schaffen; es muss „bedacht werden, dass ein städtisches Bantu-Wohngebiet kein Heimatland, sondern Teil eines weißen Gebietes ist. Wenn diese Bedingungen zur Folge haben, den Bantu nicht nur an einen fremden Geschmack zu gewöhnen, sondern ihm auch einen Luxus aufzwingen, den sein Heimatland nicht bieten kann, und ihn so von dem entfremdet, was das Seinige ist, ...“. In den 1960er Jahren waren die Probleme in den Townships so enorm angewachsen, dass die Regierung Südafrikas mit ihrer Bantustanpolitik den Strom der Wanderarbeiter in die Homelands zu lenken versuchte.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Die ständig wachsende Einwohnerzahl in Townships ist heute noch eines der größten Probleme des Landes. Die Bevölkerung lebt in Großwohnsiedlungen und Squatter-Gebieten, einfachen Hüttenvierteln mit geringer Infrastruktur. So wurde 1927 das Township Langa zwölf Kilometer südöstlich von Kapstadt für 850 Personen gebaut, 1989 umfasste die Siedlung jedoch bereits 16.500 Einwohner. Nach Schätzungen waren es in den 2000er Jahren über 80.000. Rund 74.000 schwarze Familien wohnen in Kapstadt in Squatter Camps oder Hostels. Anfang 1997 fehlten dort über 134.000 Wohneinheiten.

Die Einwohnerzahl eines Townships ist bevölkerungsstatistisch nur schwer erfassbar. Diese Siedlungen liegen meistens an den Stadträndern oder im nahen Umland urbaner Kerne. Die einzelnen Behausungen als unplanmäßig errichtete Wohnstätten, so genannte „Shacks“ (engl. für Baracke, Bretterbude), sind meistens ungeordnet ausgerichtet und erbaut. Nichtsesshafte Bewohner kommen und gehen in diesen Arealen. Aus dem gleichen Grund ist es auch allgemein schwierig, eine Aussage über die Wohnqualität zu treffen.

Häufig wird beim Begriff Township an massenhafte Behausungen aus Wellblechhütten, Pappkartons und eine extrem hohe Bevölkerungsdichte gedacht. Es werden eine hohe Kriminalität, große Armut, Hunger, Krankheiten und hohe Gewaltbereitschaft vermutet. Diese Beschreibung trifft auf einige dieser Großsiedlungen zu; bei anderen hat sich die Lage erheblich verbessert. Auch innerhalb eines einzelnen Township kann es erheblich differenzierte Verhältnisse geben.

Eine Besonderheit stellten die sogenannten „Hostels“ (deutsch etwa: Herberge) dar, welche als einfache Sammelunterkünfte für allein lebende Männer und Frauen dienten, die im „weißen“ Gebiet arbeiteten. Sie bilden Funktionsbauten im Sinne der Politik der getrennten Entwicklung (separate development). Diese Hostels konnten beachtliche Ausmaße annehmen. Beispielsweise lebten 1977/1978 nach offiziellen Angaben in den zehn Hostels von Soweto etwa 38.000 Personen. Schätzungen sprechen jedoch von etwa 60.000 Personen. Im Township Alexandra riss man die kleinen Wohnhäuser der schwarzen Anwohner ab und errichtete große Hostels in Form riesiger Betonblöcke, darunter zehn Gebäudekomplexe für Männer und fünf für Frauen.[2][3]

Nach dem Ende der Apartheid änderten sich die Zustände zwar nur langsam, doch es gibt allmählich Verbesserungen. So wurden beispielsweise gelegentlich zu dicht nebeneinander gebaute Häuser verlegt, um ein effizienteres Straßen- und somit auch Versorgungsnetz aufbauen zu können. Oft findet heute die Nahversorgung durch informelle Kleingeschäfte, den „Tante-Emma-Läden“ ähnliche sogenannte Spaza shops, statt. Nach wie vor gibt es Hostels, etwa in Katlehong.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Sodemann: Die Gesetze der Apartheid. Bonn 1986, S. 50–51 ISBN 3-921614-15-5
  2. Christoph Sodemann: Die Gesetze der Apartheid. Bonn 1986, S. 52–53 ISBN 3-921614-15-5
  3. Berichterstattung in der Rand Daily Mail vom 1. August 1980, zitiert bei Sodemann, S. 53