Vrbas (Stadt)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Врбас
Vrbas
Wappen von Vrbas (Stadt)
Vrbas (Stadt) (Serbien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Serbien
Provinz: Vojvodina
Okrug: Južna Bačka
(südliche Batschka)
Koordinaten: 45° 34′ N, 19° 39′ O45.56666666666719.65Koordinaten: 45° 34′ 0″ N, 19° 39′ 0″ O
Einwohner: 24.112
Kfz-Kennzeichen: NS
Struktur und Verwaltung
Bürgermeister: Željko Lainović (SRS)
Webpräsenz:
Vrbas mun.png
Evangelische Kirche in Vrbas

Vrbas (serbisch-kyrillisch Врбас, ungarisch Verbász, rusinisch Verbas, deutsch (veraltend) Werbass) ist eine Stadt im Bezirk Južna Bačka der serbischen autonomen Provinz Vojvodina mit 24.112 Einwohnern; sie ist Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit 42.092 Einwohner. Der Ort liegt am Großen Batschka-Kanal.

Name[Bearbeiten]

Der heutige Name geht auf das urslawische Wort „vrba“ = Weidenbaum zurück. Dabei handelt es sich um einen Lokativ des Plurals. Ein Zusammenhang mit dem bosnischen Ort Vrbas, welcher auf das lateinische Grundwort „urb“ zurückgeht und in mehreren Urkunden Urbate, Verbate oder Vrbate genannt wird, ist nach Meinung des Slawisten Franz von Miklosich eher auszuschließen.

Geschichte[Bearbeiten]

Antike und frühes Mittelalter[Bearbeiten]

Die erste Schriftliche erwähnung von Vrbas war im Jahr 1387.[1] Allerdings liegt die Entstehung von Vrbas viele Jahrhunderte zurück. Während archäologischer Ausgrabungen fand man neolithischen Siedlungen.[1] Diese waren teilweise im Wald vergraben und an den Wänden der Häuser fand man Flechtwerke.[1] Haus- und Nutztier wurden ebenfalls dokumentiert.[1] Siedlungen aus der Bronzezeit sind ebenfalls gefunden worden.[1] Mit der Ankunft der Kelten begann in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. der umfangreiche Einsatz von Keramik, sowie die Massenproduktion von Eisenwerkzeugen und Waffen aus der Schmiede.[1] Auf den Gebiet von Vrbas befand sich auch ein keltisches Oppidum, eine befestigte Siedlungen mit Markt- uud Verteidigungsfunktion.[1] Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. gehörte die Region um Vrbas zum Barbaricum, das ans Römisches Reich angrenzente und nach römischer Vorstellung von „Barbaren“ bewohnte war.[1] In der Völkerwanderungszeit stießen Sarmaten und Franken, aber vor allem Awaren, Slawen und Bulgaren in die Region vor, die das Gebiet um Vrbas besiedelten.[1][2] Ihnen folgten finno-ugrische Stämme.[1] Trotz der ersten schriftlichen Erwähnung der Stadt 1387, wird das Jahr 1213 als Gründungsjahr angesehen.[1]

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet von Vrbas siedelten überwiegend Slawen.[1] Zwischen dem 16. Jahrhundert und Anfang des 18. Jahrhunderts waren es hauptsächlich Serben, von denen manche durch Kriege, Überschwemmungen und Krankheiten ihre Heimat verlassen mussten.[1] Hinzu kam es ab 1720 zu große Veränderungen in der ethischen Zusammensetzung, den zahlreiche Serben zogen nach Russland oder ins benachbarte Banat.[1] Hingegen zogen Russinen, Deutschen und später die Ungarn in die Region.[1] Die Russinen besiedelt Vrbas erstmals 1745, und die Deutschen folgten ihnen 40. Jahre später.[1]

Das heutige Vrbas befindet sich auf dem Gebiet des ehemaligen überwiegend serbisch besiedelten Stari Vrbas (Alt-Werbass) und des im Jahre 1785 nach dem Toleranzedikt Josephs II. vornehmlich von deutschen Protestanten neugegründeten Neu-Werbass.

Die Ansiedlung der Deutschen und Gründung von Neu-Werbaß[Bearbeiten]

Am 21. Dezember 1781 wurde das Toleranzpatent für Ungarn verkündet. Die Initiative ist von Joseph II. selbst ausgegangen. Anders als bei Kaiserin Maria Theresia versprach dieses Edikt den Nichtkatholiken auch Zuerkennung der „Ansässigwerdung“, hier das Ansiedlungsrecht sowie die bürgerliche Freiheit und Gleichberechtigung.[3]

Entsprechend der Anweisung der Somborer Administration vom 30. April 1785 war bestimmt worden, dass im Zuge der sogenannten josephinischen Ansiedlungsperiode drei neue Dörfer (Tscherwenka, Palanka und Neu-Werbass) für evangelische Kolonisten gegründet werden sollten.[4] In und um Alt-Werbass waren Sessionalgründe freigeworden, weil Serben (Raizische Kameralinsassen) die Felder, die sie nicht mehr bearbeiten konnten oder wollten, aufgegeben hatten. Dadurch konnten 280 Reichseinwandererfamilien mit jeweils einer halben Session ausgestattet werden. Eine Session umfasste in der Regel 32 Joch à 1100 Quadratklafter (entspricht 18,5 Hektar). Handwerker und Taglöhner (14,3 %) wurden in der Kleinhäuslergasse angesiedelt. Eine administrative Trennung zwischen den beiden Gemeinden Alt-Werbass und Neu-Werbass erfolgte nach geometrischer Vermessung durch den Geodäten Köröskényi mittels neuangelegte Erdhaufen.[5] 1824 wurde die evangelische Kirche fertiggestellt. Davor fanden die Gottesdienste in provisorisch errichteten Bethäusern statt. 1798 wurde die evangelische Schule gegründet. Um 1830 gab es rund 200 deutsche Katholiken in Alt-Werbass. Sie gehörten Anfangs zur Pfarrei Kula. In Alt-Werbass ist seit dem Jahre 1830 eine katholische Schule bezeugt.[6]

Ab dem 19. Jahrhundert wurden der Großer Batschka-Kanal errichtet, der neben Vrbas verläuft und einerseits zur Bewässerung der fruchtbaren Ackerböden, andererseits als Binnenschifffahrtswege zwischen Donau und Theiß diente.

Im März 1883 wurde die Eisenbahnstrecke BudapestSemlin und der Bahnhof Neu-Werbaß eröffnet. Der neuerrichtete Bahnhof war als Umsteigebahnhof von überregionaler Bedeutung gebaut worden, weil sich hier in Neu-Werbass die Strecke Sombor – Senta kreuzen sollte.

Nach dem Einmarsch der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee und Partisanen Ende 1944 wurden die beiden Gemeinden zur Stadt Vrbas vereint, die neugebildete Verwaltung der Stadt nannte sich „Mesni odbor“.

Vrbas im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden alle wehrfähigen Männer des Ortes von der Jugoslawischen Armee zum Kriegsdienst eingezogen. Nach der Kapitulation der jugoslawischen Armee wechselten die deutschen Männer zu der Achsenmächten dazugehörenden ungarischen Armee, waren aber auch aufgerufen, sich freiwillig in die SS zu melden. Da dieser Aufruf praktisch jedoch erfolglos blieb, wurden alle greifbaren Männer der Jahrgänge 1900 bis 1924 zwangsgemustert. Die jüngsten Jahrgänge wurden nach Prag zur Grundausbildung gebracht und danach an die Ostfront befohlen. Viele der älteren Jahrgänge meldeten sich mehrheitlich zur „Hipo“ (Hilfspolizei), um den Kriegsdienst zu umgehen.

Im April 1942 wurde die 7. Gebirgsdivision „Prinz Eugen“ aufgestellt, zu der alle wehrpflichtigen deutschen Männer der Vojvodina vom 17. bis zum 50. Lebensjahr eingezogen wurden, sofern sie nicht in der Landwirtschaft unabkömmlich waren. Mit der Aufstellung der „Prinz Eugen“ wurde von Himmler erstmals die „rassische Auslese“ und das „Freiwilligkeitsprinzip“ für die Waffen-SS fallengelassen. Die Prinz-Eugen-Division operierte hauptsächlich in Bosnien und in Serbien, weshalb deren Soldaten später von der jugoslawischen Regierung zu Landesverrätern erklärt wurden.

Am 8. Oktober 1944 gaben die deutschen militärischen Behörden den Befehl zur Evakuierung. Dieser Befehl sorgte jedoch für Verwirrung. Er kam zu spät und war nicht eindeutig, sodass ein Großteil der deutschen Bevölkerung in ihren Häusern blieb. Am 19. Oktober 1944 rückte die Rote Armee ein, am 6. November 1944 übernahmen die Partisanen das Kommando in beiden Orten.

Im März 1945 wurde die nicht geflohene Bevölkerung von Vrbas von den Partisanen vertrieben und nach Jarek, Gakovo und Kruševlje in die dortigen Straflager gebracht. Nach wenigen Monaten waren die meisten davon dort des Hungertodes gestorben. Unter den 745 Todesopfern des Ortes sind auch die Umgekommenen der von dem Tito-Regime 1944/45 durchgeführten Deportation von Zivilpersonen aus dem Banat und der Batschka in die Sowjetunion mitberücksichtigt.

Sport[Bearbeiten]

Der 1954 gegründete Handballverein RK Vrbas spielt zurzeit in der 1. Serbischen Handballliga. Ein ehemaliger bekannter Spieler des Vereins ist Milan Torbica.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Volkszählung des Königreichs Jugoslawien 1931[Bearbeiten]

Die Volkszählung des Königreiches Jugoslawien im Jahre 1931 ergab für die beiden Gemeinden Stari Vrbas und Neuwerbass folgende Resultate:[7]

Religionszugehörigkeit Stari Vrbas Neuwerbass
Serbisch Orthodoxe 2006 547
Römisch-Katholisch 860 1893
Deutsche Protestanten 1707 5406
Andere Christen 990 323
Muslime 3 3
Keine Angabe 19 189
Gesamtbevölkerung 5585 8361

Anmerkung: Bei „Anderen Christen“ handelt es sich um Altkatholiken und um Orthodoxe aus Ukraine und Bulgarien. Unter den „Römisch-Katholischen“ befinden sich Donauschwaben, Kroaten und Ungarn. Es gab auch Juden in beiden Gemeinden.

Volkszählung der Republik Serbien 2011[Bearbeiten]

Die Bevölkerung in der Gemeinde Vrbas setzte sich im Jahre 2011 hauptsächlich aus Serben (55%) und Montenegrinern (17%) zusammen. Bei der jüngsten Volkszählung 2011 wurden in der Gemeinde 42.092 Einwohner gezählt.[8]

Gemeinde[Bearbeiten]

Serbisch Ungarisch Deutsch
Vrbas (opština) Verbász község Gemeinde Vrbas
Bačko Dobro Polje Kiskér Kleinker oder Klein Keer
Kucura Kucora Kutzura
Ravno Selo Ósóvé és Újsóvé Alt-Schowe und Neu-Schowe
Savino Selo Torzsa Torschau
Vrbas Verbász Werbass
Zmajevo Ókér Altker oder Alt Keer

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Hier geboren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Werbass 1785–1975. Vrbas. Verbás. Zur Geschichte der Doppelgemeinde Alt- und Neuwerbass, hg. V. Werbasser Heimatausschuss, Stuttgart- Fellbach, Selbstverlag 1975

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p ИСТОРИЈАТ ВРБАСА (serbisch)
  2. Zur Völkerwanderung vgl. den aktuellen Überblick von Halsall (2007).
  3. Friedrich Lotz: Die deutsch-protestantische Besiedlung der Batschka in: Auslandsdeutschtum und evangelische Kirche, Jahrbuch 1938, München
  4. Magyar Országos Levéltar (Ungarisches Staatsarchiv Budapest), E 67, 11. cs., Fol. Seite 160 ff
  5. Oskar Feldtänzer, Donauschwäbische Geschichte, „Das Jahrhundert der Ansiedlung“, München 2006, Seite 425
  6. Josef Berauer: Die Geschichte der röm.kath. Volksschulen des Erzbistums Kalocsa, Kalocsa 1896, Seite 279
  7. Werbass 1785–1975. Vrbas. Verbás. Zur Geschichte der Doppelgemeinde Alt- und Neuwerbass, hg. V. Werbasser Heimatausschuss, Stuttgart- Fellbach, Selbstverlag 1975
  8. Population by ethnicity – Vrbas. Statistical Office of the Republic of Serbia (SORS). Abgerufen am 8. Januar 2013.