Calau

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Dieser Artikel befasst sich mit der Kleinstadt Calau in Brandenburg. Für weitere Bedeutungen siehe Calau (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Calau
Calau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Calau hervorgehoben
51.74583333333313.95083333333393Koordinaten: 51° 45′ N, 13° 57′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberspreewald-Lausitz
Höhe: 93 m ü. NHN
Fläche: 162,59 km²
Einwohner: 8152 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 50 Einwohner je km²
Postleitzahl: 03205
Vorwahlen: 03541, 035435 (Gollmitz, Groß-Mehßow, Radensdorf, Schrakau), 035436 (Settinchen), 035439 (Groß Jehser, Zinnitz), 035752 (Werchow)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: OSL, CA, SFB
Gemeindeschlüssel: 12 0 66 052
Stadtgliederung: Stadt Calau und 11 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Platz des Friedens 10
03205 Calau
Webpräsenz: www.calau.de
Bürgermeister: Werner Suchner (parteilos)
Lage der Stadt Calau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Sachsen Cottbus Landkreis Dahme-Spreewald Landkreis Elbe-Elster Landkreis Spree-Neiße Landkreis Teltow-Fläming Altdöbern Bronkow Calau Frauendorf (Amt Ortrand) Großkmehlen Großräschen Grünewald Guteborn Hermsdorf (bei Ruhland) Hohenbocka Kroppen Lauchhammer Lindenau (Oberlausitz) Lübbenau/Spreewald Luckaitztal Neupetershain Neu-Seeland Ortrand Ruhland Schipkau Schwarzbach (Lausitz) Schwarzheide Senftenberg Tettau (Brandenburg) Vetschau/SpreewaldKarte
Über dieses Bild
Ortsansicht von Calau 1952
Kirche im Ortsteil Buckow
Calau 1758

Calau (ältere Schreibweise: Kalau), niedersorbisch Kaława, ist eine Kleinstadt im südbrandenburgischen Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Sie liegt südlich des Spreewaldes. Calau wird auch als Heimat der Kalauer bezeichnet.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt liegt mitten in der Niederlausitz, ungefähr 25 Kilometer westlich von Cottbus am östlichen Rand des Naturparks Niederlausitzer Landrücken sowie am südlichen Rand des Spreewaldes.

Die unmittelbare Umgebung Calaus wird bezeichnet als die Calauer Schweiz mit wertvollen Rückzugslebensräumen für Tiere und Pflanzen. Im nordwestlich angrenzenden Naturpark, er entstand zum Teil nach der Rekultivierung eines Braunkohletagebaus, werden viele Bereiche der Natur überlassen, die Heinz-Sielmann-Stiftung hat zahlreiche Flächen übernommen, andere werden durch die Landesforstverwaltung naturnah und schonend bewirtschaftet. Die Förster bieten auch Wanderungen auf den Flächen an. Besonders sehenswert ist der Geologische und Naturlehrpfad Luttchensberg.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Calau, ursprünglich slawisch Carlowe, erinnert an die slawischen Wurzeln der Stadt.

10. bis 17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Markgraf Gero eroberte zwischen 932 und 963 das Gebiet von den Lusitzi. Um 970 wurde es dem Bistum Meißen unterstellt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Calau im Jahre 1279 in einem Dokument Heinrich des Erlauchten. Von 1319 bis 1368 befand es sich im Besitz derer von Ileburg und gelangt von 1370 bis 1635 in den Besitz der Habsburger. Im 13. Jahrhundert entstand der Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche. Im 15. Jahrhundert baute man – von der Herrenheide ausgehend – eine Wasserleitung aus Holzrohren, um die Stadt mit Trinkwasser zu versorgen. Das Wasser gelangte in acht Röhrkasten, von denen heute noch zwei erhalten geblieben sind. Einer davon dient am Rathaus als Springbrunnen. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden mehrfach Niederlausitzer Landtage in Calau abgehalten.[2] Zwei Stadtbrände in den Jahre 1565 und 1573 führten zu großen Zerstörungen. Eine leerstehende Burg diente ab 1576 als Steinbruch für den Wiederaufbau der Stadt. Eine weitere Zerstörung erfolgte im Dreißigjährigen Krieg durch die Truppen Wallensteins. In den Jahren 1635 und 1658 brannte die Stadt erneut und wieder fiel auch das Rathaus den Flammen zum Opfer. Es wurde 1681 aufgebaut.

18. und 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Während der Koalitionskriege belasten die Kontribution sowie die Einquartierung französischer Truppen die Stadt schwer. Napoleon Bonaparte kommt auf seinem Weg nach Sachsen am 21. Juli 1813 durch Calau und legte eine Rast am Cottbuser Tor ein. 1815 wurde die Niederlausitz preußisch und durch den Beschluss des Wiener Kongresses löst man das Markgrafentum auf. Ein Jahr später vergrößert sich der Kreis Kalau um 85 Orte zum Landkreis Calau. In diese Zeit fällt auch das Wirken des Politikers und Apothekers Carl Anwandter, der seit 1848 Mitglied der preußischen Nationalversammlung war und ein Jahr später zum Bürgermeister der Stadt gewählt wurde. Er wanderte 1850 nach Chile aus und gründete dort die Kolonie Valdivia. 1879 entstand ein Neubau des Rathauses. Im Zuge der ersten Industriellen Revolution entstand in Calau 1892 eine Schuhfabrik von Robert Schlesier. Dort wurde zunächst nur auf mechanischem Wege Schuhwerk produziert. Dies änderte sich jedoch mit dem Bau eines Elektrizitätswerks, das ab 21. Januar 1897 erstmals Strom für die Straßenbeleuchtung Calaus lieferte.

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

1925 entstand das Finanzamt, das im 21. Jahrhundert als Polizeistation genutzt wird. Im Zweiten Weltkrieg starben 130 Bürger, teilweise durch Freitod, Erschießung oder bei Kampfhandlungen. Die Rote Armee plünderte in den Tagen des 19. und 20. April 1945 eine Vielzahl an Geschäften; es kommt zu Brandschatzungen. Im Zuge der Verwaltungsreform 1952 umfasste der neue Kreis Calau insgesamt 81 Gemeinden, einschließlich Vetschau und Lübbenau. Vier Jahre später, am 30. Januar 1956 weihte man die Poliklinik an der Karl-Marx-Straße ein. Am 24. Dezember 1958 wurde erstmals das erste Programm des Deutschen Fernsehfunks vom Vorgängerbau des heutigen Fernmeldeturms ausgestrahlt. Im Juli 1959 gründete sich die Arbeitsgemeinschaft Junge Brandhelfer, der Vorläufer der heutigen Jugendfeuerwehr. In den 1960 und 1970er Jahren herrschte eine rege Bautätigkeit in der Stadt. Ab 1961 begannen die Arbeiten für den Bau der Neustadt in der Otto-Nuschke-Straße; in den Jahren 1977 und 1978 für das Wohngebiet Sonnenseite in der Innenstadt. Bis 1980 entstanden 402 neue Wohnungen. Am 14. September 1985 gab man den Startschuss für den Bau des Fernsehturms, der im April 1987 in Betrieb genommen wurde. Im Zuge der Wende kam es zu zahlreichen Beratungen und Friedensgebeten in der Stadtkirche. Die Bürger wählten Herbert Dönau als ersten Bürgermeister nach der Wende. Die am 6. Februar 1990 aufgenommenen Kontakte nach Viersen führen am 3. Oktober 1991 zum Abschluss eines Städtepartnerschaftsvertrages. Mit der Kreisgebietsreform 1993 verlierte Calau mit Wirkung zum 31. März 1993 ihre Funktion als Kreisstadt. Seit diesem Datum gehört sie zum Landkreis Oberspreewald-Lausitz. 1996 benannte man das zuvor namenlose Gymnasium in „Carl-Anwandter-Gymnasium“ um.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

2002 belegte Calau zusammen mit dreizehn weiteren Städten den 3. Platz im Bundeswettbewerb Stadtumbau Ost. 2003 wurde Calau als Sportlichste Stadt in Brandenburg ausgezeichnet. Zur 100-Jahr-Feier der Grundschule erhielt sie am 17. Oktober 2008 den Namen „Carl-Anwandter“. Am 29. August 2009 feiert das Freibad seinen 100. Geburtstag und führt ein Stundenschwimmen durch. 120 Schwimmer legen dabei eine Distanz von 219,1 Kilometer zurück. Vom 20. bis 22. August 2004 feierte die Stadt ihren 750. Geburtstag. 2008 schloss das Gymnasium in Calau. Neue Impulse gelangen durch die erste Tourismusfachmesse in die Region, die am 31. März 2010 in der Sporthalle in Calau durchgeführt wurde. Am 21. August 2010 weihte man das Haus der Heimatgeschichte mit einer Ausstellung über das Leben Anwandters ein.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 2001 wurden fünf ehemalige Gemeinden eingegliedert.[4] Am 26. Oktober 2003 folgten sechs weitere Orte.[5]

Bereits in den Jahren 1926, 1950, 1957, 1965 und 1974 fanden Eingemeindungen auf dem Gebiet der jetzigen Stadt Calau statt.[6]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Bathow 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zinnitz
Bolschwitz 26. Oktober 2003
Buckow 31. Dezember 2001
Cabel 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Werchow
Craupe 31. Dezember 2001
Erpitz 1. Januar 1926 Eingemeindung nach Groß Jehser
Gliechow 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Groß Jehser, devastiert (Braunkohlentagebau)
Gollmitz 31. Dezember 2001
Groß Jehser 31. Dezember 2001
Groß Mehßow 26. Oktober 2003
Kalkwitz 1. Februar 1974 Eingemeindung nach Saßleben
Kemmen 26. Oktober 2003
Klein Mehßow 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Groß Mehßow
Mallenchen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Gliechow
Mlode 1. Januar 1926
1. Januar 1969
1. Juni 1987
26. Oktober 2003
Eingemeindung nach Seese,
Umgliederung nach Bischdorf,
Ausgliederung aus Bischdorf,
Eingemeindung
Pademagk 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zinnitz, devastiert (Braunkohlentagebau)
Plieskendorf 15. Juli 1965 Eingemeindung nach Werchow
Radensdorf (Calau) 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Craupe
Reuden 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Saßleben
Rochusthal 1. Januar 1926
1. Januar 1969
1. Juni 1987
Eingemeindung nach Seese,
Umgliederung nach Bischdorf,
Umgliederung nach Mlode
Säritz 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Kemmen
Saßleben 26. Oktober 2003
Schadewitz 1. Januar 1926 Eingemeindung nach Kemmen
Schrackau[7] 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Craupe
Settinchen 1. Januar 1926
1. Januar 1957
Eingemeindung nach Cabel,
Umgliederung nach Gollmitz
Tornow 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zinnitz, devastiert (Braunkohlentagebau)
Werchow 26. Oktober 2003
Zinnitz 31. Dezember 2001

Bevölkerung[Bearbeiten]

Heute ist die sorbische Sprache in Calau fast verschwunden, während die Sorben im Jahre 1843 noch einen Anteil von 30,8 Prozent der Gesamtbevölkerung stellten. In den folgenden Jahrzehnten sank die Zahl der Sorben bedingt durch Assimilation rapide; im Jahre 1900 bekannten sich nur noch 3,5 Prozent als Sorben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung im aktuellen Gebietsstand und Prognosen[8]
Bevölkerungsentwicklung Calau.pdf
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen seit 1875
Bevölkerungsprognosen Calau.pdf
Prognosen der Bevölkerungsentwicklung
Altersstrukturentwicklung Calau.pdf
Prognose der Altersstruktur
Calau:
Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
[9]
Jahr Einwohner
1875 7359
1890 7266
1925 7942
1933 8028
1939 8303
1946 11148
1950 11045
1964 11155
1971 11378
1981 10496
Jahr Einwohner
1985 10638
1989 10842
1990 10710
1991 10536
1992 10495
1993 10400
1994 10393
1995 10317
1996 10218
1997 10156
Jahr Einwohner
1998 10066
1999 9961
2000 9809
2001 9680
2002 9557
2003 9429
2004 9335
2005 9222
2006 9072
2007 8939
Jahr Einwohner
2008 8813
2009 8666
2010 8522
2011 8315
2012 8152

Politik[Bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[10][11]
Wahlbeteiligung: 52,53 % (2003: 46,35 %)
 %
40
30
20
10
0
32,98 %
23,99 %
14,69 %
9,81 %
7,78 %
5,49 %
2,69 %
2,56 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
 18
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+16,67 %p
-13,76 %p
-5,55 %p
+0,54 %p
-0,82 %p
+1,46 %p
-1,11 %p
+2,56 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
a 2003: PDS
h Einzelwahlvorschlag Philipp Tursch

Die Stadtverordnetenversammlung besteht aus 18 Stadtverordneten sowie dem hauptamtlichen Bürgermeister.

  • LINKE: 6 Sitze (+3)
  • CDU: 4 Sitze (–3)
  • SPD: 3 Sitze (±0)
  • Ländliche Wählergemeinschaft: 2 Sitze (±0)
  • GRÜNE: 1 Sitz (±0)
  • FDP 1 Sitz (±0)
  • DSU 1 Sitz (±0)

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Wappen[Bearbeiten]

Stadtflagge

Das Wappen wurde am 15. Dezember 1992 genehmigt. Im Februar 2012 erfolgte ein genehmigungsfreies Redesign des Stadtwappens durch den Heraldiker Uwe Reipert (Beeskow).

Blasonierung: „In Silber eine rote Burg, mit bezinntem und gequadertem Mauerwerk sowie mit offenem schwarzem Tor und hochgezogenem goldenem Fallgitter. Die zwei bezinnten runden Türme sind mit spitzen blauen goldbeknauften Helmen und einem schwarzen Fenster versehen. Zwischen den Türmen schwebt ein von Gold und Blau geteilter Schild, oben wachsend ein schwarzer beschwänzter Löwe mit roter Zunge und Bewehrung, unten drei (2:1) sechsstrahlige silberne Sterne.“[12]

Stadtflagge[Bearbeiten]

Die Stadt Calau führt seit März 2012 eine Stadtflagge. § 2 Absatz 3 der Hauptsatzung: Die Stadt Calau führt folgende Flagge: Dreistreifig in den Farben Blau-Gelb-Blau (Blau-Gold-Blau) und im Verhältnis 1:5:1 mit dem Stadtwappen in der Mitte.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Calau unterhält eine Städtepartnerschaft mit dem nordrhein-westfälischen Viersen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Calau und in der Liste der Bodendenkmale in Calau stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler.

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Evangelische Stadtkirche

Die Stadtkirche Calau ist – wie sie sich heute darbietet – ein spätgotischer, mehrfach umgebauter Backsteinbau. Der Baubeginn ist in das Ende des 13. Jahrhunderts zu setzen. Um 1400 muss die Kirche in ihrer jetzigen Gestalt vollendet gewesen sein.[13]

Besonders bemerkenswert ist die Kirche zu Kemmen, die im 17. Jahrhundert gebaut wurde. Hier befindet sich auf dem Taufdeckel eine in den Jahren 1649 bis 1652 aus Holz geschnitzte Figurengruppe Die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer. Als Künstler sind Andreas Schulz aus Calau und Martin Heber aus Cottbus genannt.[14]

Rathaus Calau[Bearbeiten]

Das im Stil der Neorenaissance gehaltene Rathaus wurde von 1879 bis 1870 an Stelle eines 200 Jahre alten Vorgängerbaus nach Plänen von Seeling errichtet. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Gebäude aus, wurde aber in den Jahren 1946 bis 1948 in vereinfachter Ausführung wiederaufgebaut und steht heute unter Denkmalschutz. Am Eingangsportal befindet sich ein Briefkasten für die Witzpost. Dort eingeworfene Kalauer werden im Amtsblatt der Stadt abgedruckt.[15]

Geschichtsdenkmale[Bearbeiten]

  • Denkmalsanlage an der Karl-Marx-Straße/Ecke Parkstraße, 1928 ursprünglich für den ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert gewidmet, von den Nazis 1933 zerstört, 1948 den Opfern des Nationalsozialismus gewidmet, 1989 wiederum umgewidmet für die Opfer des Faschismus und des Stalinismus
  • Gedenkstätte für den Schauspieler Joachim Gottschalk, dessen jüdische Frau Meta und ihr gemeinsamer Sohn Michael zur Vernichtung deportiert werden sollten, worauf die ganze Familie am 6. November 1941 den Freitod wählte. Die 1967 von Theo Balden geschaffene Bronzefigur , die an den Schauspieler erinnert, stand ursprünglich im Park und wurde aufgrund des Neubaus der örtlichen Sparkasse in den 1990er Jahren in eine Gedenkwand am ehemaligen Wohnhaus in der Joachim-Gottschalk-Straße 35 eingefügt

Witzerundweg[Bearbeiten]

Schusterjunge am Springbrunnen

Der Witzerundweg ist ein touristischer Lehrpfad in Calau, der auf 25 Tafeln durch die Innenstadt führt. Die Tafeln sind an historisch bedeutsamen, in der Regel denkmalgeschützten Bauwerken, touristisch interessanten Punkten, aber auch privaten Gebäuden aufgestellt. Die Tafeln werden von einem Schusterjungen begleitet, der an die vergangene Tradition der Schuhherstellung im Ort erinnern soll und als Maskottchen der Stadt dient. Die bronzenen Figuren schuf der Rheiner Bildhauer Werner Bruning. So befindet sich beispielsweise eine Tafel mit einem Schusterjungen vor dem Springbrunnen des Rathauses. Sie erinnert an die historischen Wasserleitungen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, als die Stadt mit Hilfe von hölzernen Rohrleitungen das Wasser in acht Röhrkasten leitete, aus denen sich die Bürger mit Trinkwasser versorgten. Sie wurden mit dem Bau einer Eisenrohrleitung im Jahr 1888 überflüssig, blieben aber als Löschwasserreserve am Marktplatz erhalten. In den Jahren 2000 und 2001 erfolgte ein Umbau als Springbrunnen. Der Kalauer lautet: „Wo gibt es den größten Marktplatz der Welt? Natürlich in Calau, denn er reicht vom Keller bis zur Sonne! (Ratskeller an der Südseite, Hotel zur Sonne an der Nordseite)“ (des Rathauses).

Museen[Bearbeiten]

Calau verfügt über zwei Museen: Das 1789 nördöstlich der Stadtkirche errichtete Fachwerkhaus beherbergte von 1887 bis 1908 zwei Mädchenklassen und erhielt daher im Volksmund die Bezeichnung Mädchenhaus. Seit 1935 ist es Sitz des Heimatmuseums der Stadt. Daneben existiert seit 2006 ein Oldtimermuseum, die Mobile Welt des Ostens. Dort werden rund 150 Fahrzeuge – vom Fahrrad bis zum Personenkraftwagen – gezeigt, die in der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur Wende in der DDR, in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn sowie der Sowjetunion produziert wurden.

Mädchenbrunnen[Bearbeiten]

In der Cottbuser Straße befindet sich seit 1984 der vom Dresdner Bildhauer Ernst Sauer geschaffene Mädchenbrunnen. Er bekam seinen Namen nach den dort aufgestellten Figuren dreier Frauen mit den Namen Die Schöne, Die Keusche und Die Kesse. Sie entstanden in einer Bildgießerei im benachbarten Lauchhammer.

Findling der Partnerstadt Viersen[Bearbeiten]

Neben der Sparkasse steht seit dem 11. Oktober 2003 ein rund 10 Tonnen schwerer, etwa zwei Meter hoher Findling. Er ist ein Geschenk der Partnerstadt Viersen, stammt aber geologisch gesehen aus der Lausitz. Der Stein wurde vom Bildhauer Anatol Herzfeld anlässlich eines Partnerschaftstreffens gemeinsam mit einem seiner Schüler zum Kunstobjekt gestaltet. Zum Bestehen der 20-jährigen Städtepartnerschaft stellte man am 17. Juni 2011 eine Tafel mit weiteren Informationen neben dem Findling auf.[16]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Vom Sender Calau der Deutschen Telekom werden mehrere UKW- und Fernsehprogramme des rbb für Brandenburg abgestrahlt. Darunter wird von Calau aus die Frequenz 93,4 MHz (Inforadio) für die Programme des Sorbischen Rundfunk bereitgestellt. Als Antennenträger fungiert ein 190 Meter hoher Stahlbetonturm, der so genannte „Lange Calauer“, im Südwesten der Stadt bei 51° 44′ 30″ N, 13° 56′ 31″ O51.74166666666713.941944444444, der 1982 errichtet wurde. Bei einem Brand am 26. April 2011 wurden die Sendeanlagen zerstört.[17] Der ursprüngliche Zustand wurde im Februar 2012 wiederhergestellt.[18]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Calau (Niederlausitz) – das alte Bahnhofsschild in deutsch und niedersorbisch.

Calau liegt an den Bahnstrecken Halle–Cottbus und Lübbenau–Kamenz. Es verkehren Züge der Relationen (Halle (Saale)–)Falkenberg (Elster)–Cottbus sowie Berlin-Schönefeld Flughafen–Lübbenau (Spreewald)–Senftenberg

Durch Calau führen keine Bundesstraßen, die Autobahnanschlussstelle Calau befindet sich etwa sieben Kilometer nordwestlich an der A 13.

Bildung[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

  • Grundschule Calau, seit 2008 mit dem Namen Carl-Anwandter-Grundschule und feierte ebenfalls 2008 den 100 Jährigen Geburtstag von Carl-Anwandter – an der Carl-Anwandter-Grundschule gibt es außerdem niedersorbischen Grundschulunterricht[19]
  • Oberschule, seit 2007 mit dem Namen Robert-Schlesier-Schule

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Gedenkstätte für Joachim Gottschalk vor seinem Wohnhaus

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Carl Anwandter (1801–1889), bedeutende Persönlichkeit der deutschen Migration nach Chile und Gründer der Deutschen Schule in Valdivia (Chile), war Stadtkämmerer und Bürgermeister von Calau
  • Ernst Dohm (1819–1883), deutscher Redakteur, Schriftsteller und Übersetzer, verhalf dem Kalauer in seiner Zeitschrift Kladderadatsch zu überregionaler Bekanntheit

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard Moderhack: Die ältere Geschichte der Stadt Calau in der Niederlausitz, Dissertation 1932
  • Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor): Topographia Superioris Saxoniae. Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 33. (Digitalisat des Artikels Calau bei Wikisource)

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Heinrich Gottfried Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 457–459.
  3. Stadt Calau (Hrsg.): Gemeinsam leben in Calau ...kerngesunde Stadt mit Witz, Informationen für Einwohner. S. 34, Broschüre, ohne Datumsangabe
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  6. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  7. damalige Schreibweise des Ortes Schrakau
  8. Die Quellen der Daten, die Grundlage der Darstellungen sind, finden sich detailliert in den Wikimedia Commons.
  9. Gebietsstand 1. Januar 2013
  10. Ergebnisse der Wahlen am 28. September 2008 im Landkreis Oberspreewald-Lausitz abgerufen am 23. Januar 2014 auf www.statistik-berlin-brandenburg.de
  11. Wahlen zu den Gemeindevertretungen: Endergebnis der Gemeinde: Calau (Oberspreewald-Lausitz), Stand: 18. Dezember 2003 abgerufen am 23. Januar 2014 auf www.wahlen.brandenburg.de
  12. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  13. Herbert Schulze, Die Stadtkirche zu Calau, in: Amtsblatt für das Amt Calau, Calau, Nr.3 2002, S. 13
  14. Flyer zu einer Ausstellung „Johannes der Täufer – christliche Wurzeln und Brauchtum in Süd-Brandenburg“ (Sommer 2008)
  15. Holger Kreitling: Witz komm‘ raus, Du bist von Kalauern umgeben. In: Die Welt, 3. Juni 2011, abgerufen am 6. Juli 2014.
  16. Stadt Calau (Hrsg.): Gemeinsam leben in Calau ...kerngesunde Stadt mit Witz, Informationen für Einwohner. S. 34, Broschüre, ohne Datumsangabe
  17. Rundfunk Berlin-Brandenburg, Brandenburg aktuell, 26. April 2011
  18. rbb-Sendermast in Calau sendet wieder, rbb-online.de, 10. Februar 2012
  19. Carl-Anwandter-Grundschule – Niedersorbischer Grundschulunterricht: witaj-sprachzentrum.de (PDF; 6,3 MB)
  20. Heinz Schmitt: Naboth (Nabod, Nabut, Nobotensis), Alexius. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 29, Bautz, Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6, Sp. 965–973.
  21. Hermann Cremer: Greifswalder Studien. Gütersloh: Bertelsmann, 1895, S. 27.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Calau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Calau – Reiseführer