3. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 135

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Das 3. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 135 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufstellung und Friedenszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Reichsgesetz vom 11. März 1887 wurde die Truppenstärke des Deutschen Heeres für die Zeit vom 1. April 1887 bis zum 31. März 1894 auf 468.409 Mann (ohne Offiziere etc.) erhöht, was 1 % der Bevölkerung (Stand 1. Dezember 1885) entsprach. Unter anderem sollten 31 neue Infanteriebataillone aufgestellt werden.

Im Zuge dieser Heeresvermehrung wurde das Infanterie-Regiment Nr. 135 durch Allerhöchste Kabinettsordre (A.K.O.) vom 11. März 1887 (zugleich Stiftungstag) zum 1. April 1887 errichtet. Für die Aufstellung gaben das Infanterie-Regiment Nr. 131 in Metz die 5. Kompanie, das Grenadier-Regiment „König Friedrich I.“ (4. Ostpreußisches) Nr. 5 in Neufahrwasser die 2. Kompanie, das Metzer Infanterie-Regiment Nr. 98 die 3. Kompanie und das Infanterie-Regiment „Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz“ (6. Ostpreußisches) Nr. 43 in Königsberg die 4. Kompanie ab, die das I. Bataillon bildeten. Das II. Bataillon wurde aufgestellt aus der 11. Kompanie des Grenadier-Regiments „König Friedrich der Große“ (3. Ostpreußisches) Nr. 4 in Ortelsburg, der 6. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 128 in Danzig, der 11. Kompanie das Infanterie-Regiments „Graf Dönhoff“ (7. Ostpreußisches) Nr. 44 in Osterode, und der 7. Kompanie des 8. Ostpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 45 in Lyck. Die 10. Kompanie des Infanterie-Regiments „von Boyen“ (5. Ostpreußisches) Nr. 41 in Königsberg, die 10. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 130 in Metz, die 3. Kompanie des Grenadier-Regiments „König Friedrich Wilhelm I.“ (2. Ostpreußisches) Nr. 3 in Gumbinnen und die 12. Kompanie des 4. Magdeburgischen Infanterie-Regiment Nr. 67 in Metz, bildeten das III. Bataillon.

Die Garnison war in Diedenhofen.

Durch A.K.O. vom 11. August 1893 wurde beim Regiment als IV. Bataillon ein sogenanntes Halbbataillon mit zwei Kompanien aufgestellt, das acht Offiziere und 193 Mann umfasste. Da diese Aufstellung sich nicht bewährte, wurden alle IV. Bataillone der Infanterieregimenter abgegeben und dienten zur Aufstellung neuer Regimenter. Das Halbbataillon des Regiments bildete mit dem Infanterie-Regiment Nr. 145 zum 1. April 1897 das II. Bataillon des neuerrichteten Infanterie-Regiments Nr. 174.

Ab 1890 bildete das Regiment, gemeinsam mit dem Infanterie-Regiment Nr. 145 (ab 1902: Königs-Infanterie-Regiment (6. Lothringisches) Nr. 145), die 68. Infanterie-Brigade innerhalb der 34. Division, die dem XVI. Armee-Korps unterstellt war.

Aus Anlass des 43. Geburtstag Kaiser Wilhelms II. erhielt das Regiment am 27. Januar 1902 die landsmannschaftliche Bezeichnung „Lothringisches“ und führte ab diesem Zeitpunkt den Namen 3. Lothringisches Infanterie-Regiment Nr. 135.[1]

Bis zum Jahr 1912 stellte es eine Maschinengewehr-Kompanie auf, wechselte die Unterstellung und bildete mit dem 5. Lothringischen Infanterie-Regiment Nr. 144 die 67. Infanterie-Brigade, die der 33. Division unterstellt war.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs machte das Regiment am 2. August 1914 mobil und nahm im Verbund mit der 5. Armee ab dem 18. August 1914 an den Kämpfen an der Westfront teil.

Im Rahmen der 33. Division:

1914

22. bis 27. August – Schlacht bei Longwy-Longuyon und am Othain-Abschnitt
28. August bis 1. September – Schlacht um die Maasübergänge
2. bis 3. September – Schlacht bei Varennes-Montfaucon
4. bis 5. September – Verfolgung westlich Verdun und durch die Argonnen
6. bis 12. September – Schlacht bei Vaubecourt-Fleury
17. bis 24. September – Schlacht bei Varennes
ab 25. September – Kampf im Argonner Wald

1915

1. Januar bis 31. Dezember – Kampf im Argonner Wald

1916

bis 8. August – Kampf im Argonner Wald
8. August bis 9. September – Schlacht bei Verdun
9. September bis 17. Oktober – Stellungskämpfe vor Verdun
18. Oktober bis 30. November – Kampf im Argonner Wald
ab 1. Dezember – Stellungskämpfe an der Somme

1917

bis 31. Januar – Stellungskämpfe an der Somme
3. Februar bis 30. April – Stellungskämpfe in den Argonnen
4. bis 27. Mai – Doppelschlacht Aisne-Champagne
3. Juni bis 6. Oktober – Stellungskämpfe in den Argonnen
6. Oktober bis 31. Dezember – Stellungskämpfe in der Champagne

1918

1. bis 7. Januar – Stellungskämpfe in der Champagne
8. Januar bis 12. März – Reserve der OHL
12. bis 20. März – Ruhezeit hinter der 18. Armee
21. März bis 6. April – Große Schlacht in Frankreich
7. bis 22. April – Kämpfe an der Avre und bei Montdidier und Noyon
23. April bis 26. Mai – Stellungskämpfe nördlich der Ailette
27. Mai bis 13. Juni – Schlacht bei Soissons und Reims
14. Juni bis 4. Juli – Stellungskämpfe zwischen Oise, Aisne und Marne
5. bis 14. Juli – Reserve der OHL
15. bis 17. Juli – Angriffsschlacht an der Marne und in der Champagne
18. bis 25. Juli – Abwehrschlacht zwischen Soissons und Reims
26. Juli bis 3. August – Bewegliche Abwehrschlacht zwischen Marne und Vesle
3. August bis 25. September – Stellungskämpfe vor Verdun
26. September bis 11. November – Abwehrschlacht in der Champagne und an der Maas
ab 12. November – Räumung des besetzten Gebietes und Marsch in die Heimat

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da nach Kriegsende die Garnison in Diedenhofen aufgrund der Bedingungen des Waffenstillstands nicht mehr zu erreichen war, zogen die Reste des Regiments nach Deutschland. Der Verband wurde vom 3. bis 10. Januar 1919 in Bernburg (Saale) demobilisiert und schließlich aufgelöst.

Teile schlossen sich im Januar 1919 dem III. Bataillon im Freiwilligen-Infanterie-Regiment 166 an. Dieses wurde im Juni 1919 als III. Bataillon des Reichswehr-Schützen-Regiments 50 in die Vorläufige Reichswehr übernommen.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 13. Kompanie des 17. Infanterie-Regiments in Braunschweig.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[2]
Oberst Eduard von Gabain 01. April 1887 bis 20. Juli 1889
Oberst Viktor Pedell 21. Juli 1889 bis 27. Juli 1892
Oberst Ernst Lauer 28. Juli 1892 bis 17. August 1894
Oberstleutnant Hermann Bayer 18. August bis 11. September 1894 (mit der Führung beauftragt)
Oberst Hermann Bayer 12. September 1894 bis 3. Mai 1898
Oberst Max von Rostken 05. Juni 1898 bis 14. Dezember 1900
Oberst Eduard Fritsch 15. Dezember 1900 bis 23. April 1904
Oberst Gustav von Stengel 24. April 1904 bis 17. August 1905
Oberstleutnant Edwin Sunkel 18. August bis 14. September 1905 (mit der Führung beauftragt)
Oberst Edwin Sunkel 15. September 1905 bis 26. Januar 1910
Oberst Erich Freyer 27. Januar 1910 bis 17. April 1913
Oberst Otto Diederichs 18. April 1913 bis 12. Oktober 1914
Oberst Franz von Drygalski 13. bis 28. Oktober 1914
Oberstleutnant Fritz Junge 05. November 1914 bis 2. März 1915
Oberstleutnant Max Schmidt 05. März 1915 bis 27. Dezember 1917
Major Meyer 28. Dezember 1917 bis 1. August 1918
Oberstleutnant Lilie 02. bis 17. August 1918
Oberstleutnant Schulze 18. August 1918 bis 1. Januar 1919
Oberst Felix von Merkatz 02. Januar 1919 bis Auflösung

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul von Abel: Stammliste der Königlich Preußischen Armee. Salzwasser Verlag, Paderborn 2013, ISBN 978-3-7340-0012-6, S. 165 ([archive.org ] – Reprint der 1905 bei E.S. Mittler und Sohn in Berlin erschienenen Ausgabe).
  • Curt Jany: Geschichte der Preußischen Armee vom 15. Jahrhundert bis 1914. Vierter Band: Die Königlich Preußische Armee und das Deutsche Reichsheer 1807 bis 1914. Nachdruck Biblio-Verlag, Osnabrück 1967.
  • Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 219.
  • Rudolf Müller: Das 3. Lothringische Infanterie-Regiment Nr. 135. Stalling, Oldenburg 1922, urn:nbn:de:101:1-201304288463. (Band 29 der Reihe „Ehemals preußische Truppenteile“ in Erinnerungsblätter deutscher Regimenter)
  • Reichsarchiv (Bearb.): Der Weltkrieg 1914–1918. E.S. Mittler & Sohn, Berlin 1925.
  • Günther Voigt.: Die Infanterieregimenter 128–182 der preussischen, sächsischen, badischen, hessischen und württembergischen Armee sowie die Jäger–Bataillone 1–15 und I.–III. See-Bataillon. In: Dermot Bradley, Hans Bleckwenn (Hrsg.): Deutschlands Heere bis 1918. Ursprung und Entwicklung der einzelnen Formationen. Band 5. Biblio-Verlag, Osnabrück 1982, ISBN 3-7648-1199-4.
  • Klaus v. Bredow, Ernst v. Wedel: Historische Rang- und Stammliste des Deutschen Heeres. Band 1,2. Biblio, Osnabrück 1972, ISBN 3-7648-0719-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Militär-Wochenblatt. Nr. 9 vom 28. Januar 1902, S. 221–224.
  2. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1992. ISBN 3-7648-1782-8. S. 343.