Altpreußisches Infanterieregiment No. 2 (1806)

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Regiment zu Fuß & Regimentsinhaber

neupreußisch: Grenadier-Regiment Nr. 1

Preussen No. 2 Gudenus 1734.jpg

Grenadier des Regiments im Polnischen Erbfolgekrieg 1734 – zeitgenössische Gudenus-Handschrift
Aktiv 1655 bis überlebte die Koalitionskriege im Reserve-Corps wurde Grenadier-Regiment Nr. 1
Land Preußen
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung I. Armee-Korps
Historische Stationierungsorte bis 1756 Rastenburg, Gerdauen; 1763–1765 Rastenburg, Angerburg, Nordenburg, Drengfurt, ab 1765 Königsberg/Pr.
Herkunft der Soldaten kantonsfrei, aus der restlichen Armee und Werbung
Inhaber 1655 Bogislaw von Schwerin, 1668 Friedrich von Dönhoff, 1696 Otto Magnus von Dönhoff, 1717 Erhard Ernst von Röder, 1743 Samuel von Schlichting, 1750 Hans Wilhelm von Kanitz, 1768 Joachim Friedrich von Stutterheim, 1783 Heinrich Wilhelm von Anhalt, 1786 Viktor Amadeus Henckel von Donnersmarck, 1793 Wilhelm Magnus von Brünneck, 1805 Ernst von Rüchel
Stammliste Altpreußische Infanterieregimenter
Stammnummer No. 2 (1806)[1] - dann Grenadier-Regiment Nr. 1
Kriege und wichtige Schlachten Großer Türkenkrieg, Spanischer Erbfolgekrieg, Zweiter Nordischer Krieg, Polnischer Erbfolgekrieg

Österreichischer Erbfolgekrieg, Siebenjähriger Krieg, Koalitionskriege – 1656 Warschau, 1697 Zenta, 1745 Hohenfriedberg, 1757 Groß-Jägersdorf, 1759 Zorndorf, 1759 Kay, 1759 Kunersdorf, 1760 Torgau, 1762 ReichenbachSchlacht bei Tannenberg (1914), Schlacht an den Masurischen Seen, Schlacht um Łódź, Schlacht um Verdun

Eine der Fahnen des Regiments

Das Altpreußische Infanterieregiment No. 2 war ein Regiment zu Fuß, das seit dem 17. Jahrhundert unter verschiedenen Bezeichnungen in der brandenburgischen bzw. preußischen Armee bestand. Nach der verheerenden Niederlage von Jena und Auerstedt wurde die Preußische Armee von Scharnhorst von Grund auf neu aufgestellt. Er fand das Infanterieregiment No. 2 noch weitgehend intakt vor und gliederte es in die neue preußische Armee ein. Es führte zunächst die Bezeichnung 1. Infanterie-Regiment (1. Ostpreußisches).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Regiment wurde laut Anordnung des Kurfürsten Friedrich Wilhelm vom 20. Dezember 1655 durch Boguslav von Schwerin in Pommern und der Neumark errichtet und erstmals in der Schlacht bei Warschau eingesetzt. Die Quartiere des Regiments befanden sich 1657 zu (Rastenburg und Gerdauen) in Ostpreußen. Die Einheit kämpfte für das Kurfürstentum Brandenburg im Krieg gegen die Franzosen und Schweden. Als Teil der Reichsarmee kämpfte der Verband 1697 bei Zenta und nahm als preußischer Heeresverband am Spanischen und Polnischen Erfolgkrieg, am Ersten und Zweiten Schlesischen Krieg sowie am Siebenjährigen Krieg teil.

Während der Teilnahme an den Koalitionskriegen wurde die Einheit in ihren Namen 1. Ostpreußisches Infanterie-Regiment umbenannt. Nach den Kämpfen der Koalitionskriege (u. a. als Teil der Grande Armée) wurde das Regiment 1849 nach Danzig und 1855 nach Königsberg in die Defensionskaserne Kronprinz (wo es verblieb) verlegt. 1866 nahm man am Krieg gegen Österreich, 1870/71 gegen Frankreich teil. Zum Andenken an den ehemaligen Chef erhielt das Regiment am 21. Juni 1888 den Namen Grenadier-Regiment „König Friedrich III.“ (1. Ostpreußisches) Nr. 1. Am 6. Mai 1900 erhielt es den alten Beinamen „Kronprinz“ wieder, den der Verband seit dem 22. April 1864 geführt hatte. Dazu schrieb Wilhelm II. in seiner Order:

„Ich will dem Grenadier-Regiment König Friedrich III. (1. Ostpr.) Nr. 1 an dem heutigen Tage, an welchem Ich meinen Sohn, den Kronprinzen Kaiserliche und Königliche Hoheit, à la suite des Regiments gestellt habe, den in den Kriegen von 1866 und 1870/71 mit Auszeichnung geführten Namen „Grenadier-Regiment Kronprinz (1. Ostpr.) Nr. 1“ wieder verleihen. Zugleich bestimme Ich, daß das Regiment 1. an den Helmen den Gardeadler ohne Stern 2. auf den Kragen und Ärmelplatten a. der Offiziere die Stickerei, welche von ihm in früheren Zeiten als Regiment von Kaniz getragen worden ist. b. der Mannschaften weiße Litzen, anlegt. Ich hege zu dem Regiment das zuversichtliche Vertrauen, daß es aus diesem Beweisen Meiner besonderen Königlichen Gnade einen erneuten Ansporn entnehmen wird, Mir, Meinem Hause und dem Vaterlande bis in die fernste Zukunft mit der gleichen Treue und Hingabe zu dienen, die es während seines nunmehr fast 250 jährigen Bestehens bei allen Gelegenheiten betätigt hat.“

Berlin, den 6. Mai 1900. Wilhelm R. [2]

Am 6. Mai 1904 wurde Kronprinz Wilhelm von Preußen à la suite des Regiments gestellt, nachdem er sein 18. Lebensjahr vollendet hatte.

Für die Schlachten des Ersten Weltkriegs siehe die 1. Division, dem auch das Regiment zugeordnet war. Nach Kriegsende wurde das Regiment ab 4. Dezember 1918 in Königsberg demobilisiert und am 1. Juni 1919 schließlich aufgelöst.[3]

Die Tradition führte in der Reichswehr die 9. und 12. Kompanie des 9. (Preußisches) Infanterie-Regiments fort. Mit der Bildung der Wehrmacht im März 1935 wurde die Tradition in den genannten Kompanien des nunmehr Infanterieregiment 9 genannten Verbandes weitergeführt.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stellung des Regiments in der Armeeorganisation 1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chefs des Regiments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regimentschefs waren:

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandeur war unter anderem:

Dienstgrad Name Datum[4]
Oberstleutnant/
Oberst
Rudolf von Stengel 09. Juni 1817 bis 17. Juni 1825
Oberstleutnant/
Oberst
Wilhelm von Knobelsdorff 15. März 1873 bis 11. Februar 1876
Oberstleutnant Eduard von Stocken 12. Februar bis 10. März 1876 (mit der Führung beauftragt)
Oberstleutnant/
Oberst
Eduard von Stocken 11. März 1876 bis 11. März 1878
Oberstleutnant Gustav von Wedel 12. März bis 12. April 1878 (mit der Führung beauftragt)
Oberstleutnant/
Oberst
Gustav von Wedel 13. April 1878 bis 14. April 1882
Oberst Georg Ludwig von Etzdorff 15. April 1882 bis 13. Februar 1888
Oberst Alfred von Scholten 14. Februar 1888 bis 18. September 1888
Oberst Ferdinand von Stülpnagel 19. September 1888 bis 15. Mai 1891
Oberst Albrecht von Cramer 18. Mai 1891 bis 14. November 1894

Kapellmeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dirigent der Regimentskapelle war der Afrodeutsche Gustav Sabac el Cher.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bleckwenn: Die friderizianischen Uniformen: 1753–1786. Harenberg, Dortmund 1984 (= Die bibliophilen Taschenbücher Nr. 444), Lizenz des Biblio-Verlags Osnabrück als: Das altpreussische Heer. Teil 3, Band 3–5, ISBN 3-88379-444-9, Band I: Infanterie I. S. 57 ff.
  • Johannes Gallandi:
Geschichte des königlich preussischen ersten ostpreussischen Grenadier-Regiments Nr 1 Kronprinz. 1855–1869. Mittler, Berlin 1869.
Geschichte des Grenadier-Regiments Kronprinz (1. Ostpreussischen) Nr 1. 1869–1882. Mittler, Berlin 1883.
Geschichte des Grenadier-Regiments Kronprinz (1. Ostpreußischen) Nr 1. 1882–1900. Mittler, Berlin 1901.
  • Alexander Carl von der Oelsnitz: Geschichte des königlich preussischen Ersten Infanterie-Regiments seit seiner Stiftung im Jahre 1619 bis zur Gegenwart. Mittler, Berlin 1855. Digitalisat
  • Adolph von Menzel: Die Armee Friedrichs des Großen in ihrer Uniformierung: 100 Tafeln in farbiger Faksimile-Reproduktion / gezeichn. und erl. von Adolph Menzel. [Hrsg. von Franz Skarbina und Curt Jany] Reprint des gleichlautenden, wahrscheinlich 1908 bis 1912 im Verl. Oldenbourg, Berlin, erschienenen Taf.-Werks, Sonderausg. Augsburg: Weltbild 2002, ISBN 3-8289-0523-4, S. 98 f.
  • Franz von Gottberg (Hrsg.): Das Grenadier-Regiment Kronprinz (1. Ostpreußisches) Nr.1 im Weltkriege. (Erinnerungsblätter deutscher Regimenter: Truppenteile des ehemaligen preußischen Kontingents, Band 217). Zwei Bände, Kolk, Berlin 1927–1929.
  • Alexander Bernhard Ernst von der Oelsnitz: Das Grenadier-Regiment Kronprinz ‹1. Ostpreußisches› Nr. 1 von seiner Errichtung bis zur Gegenwart. 1655–1904. Selbstverl. d. Reg., Königsberg in Preußen 1904.
  • Friedrich Hopp: Das Grenadier-Regiment Kronprinz '(1. Ostpreussisches)' Nr. 1, jetzt Grenadier-Regiment König Friedrich III. '(1. Ostpreussisches)' Nr. 1 im Kriege gegen Frankreich 1870/71. Hartungsche Verlagsdr., Königsberg 1894.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: 1. Ostpreußische Grenadierregiment Nr. 1 „Kronprinz“ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Liste der Infanterieregimenter der altpreußischen Armee#Erläuterung der Systematik
  2. Alexander Bernhard Ernst von der Oelsniz: Das Grenadier-Regiment Kronprinz (1. Ostpreußisches) Nr. 1 von seiner Errichtung bis zur Gegenwart 1655-1904. Kurze Darstellung der Geschichte des Regiments und seiner Fahnen. Königsberg 1904. Volltext 1855, ohne gefaltete Seiten
  3. Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914-1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 36–37.
  4. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 35–38.