Abertamy

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Abertamy
Wappen von Abertamy
Abertamy (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Karlovy Vary
Fläche: 869,6119[1] ha
Geographische Lage: 50° 22′ N, 12° 49′ OKoordinaten: 50° 22′ 7″ N, 12° 49′ 6″ O
Höhe: 900 m n.m.
Einwohner: 1.016 (1. Jan. 2018)[2]
Postleitzahl: 362 35
Kfz-Kennzeichen: K
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Zdeněk Lakatoš (Stand: 2011)
Adresse: Farní 2
362 35 Abertamy
Gemeindenummer: 554979
Website: www.abertamy.eu
Lage von Abertamy im Bezirk Karlovy Vary
Karte

Abertamy (deutsch Abertham) ist eine Stadt im Bezirk Karlsbad in der Karlsbader Region in Tschechien.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtgebiet vom Plešivec (Pleßberg) aus gesehen

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Westböhmen im böhmischen Erzgebirge in einer Höhe von 900 m n.m. über dem Tal der Roten Wistritz. Westlich der Stadt befindet sich das Quellgebiet des Fischbaches (Rybná).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Abertamy besteht aus den Ortsteilen Abertamy (Abertham) und Hřebečná (Hengstererben)[3], die zugleich auch Katastralbezirke bilden.[4]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boží Dar (Gottesgab)
Pernink (Bärringen) Nachbargemeinden Jáchymov (St. Joachimsthal)
Merklín (Merkelsgrün)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpanorama von einer Straße zum Plešivec (Pleßberg) aus gesehen
Kirche der Vierzehn Nothelfer im Stadtzentrum
Innenraum der Kirche

Abertham wurde 1529 von sächsischen Bergleuten, die Graf Stefan Schlick anwarb, gegründet und erhielt 1579 den Status einer königlichen Bergstadt. Die zunächst ertragreichen Zinn- und Silberlagerstätten in der Umgebung der Stadt waren jedoch schon bald erschöpft. 1600 brach die Pest aus, anschließend verursachte der Dreißigjährige Krieg große Zerstörungen. Als Folge der habsburgischen Rekatholisierungspolitik wanderten viele Einwohner in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Kursachsen aus. Die Bevölkerung lebte von bescheidenem Hausgewerbe (v. a. Spitzenklöppelei). Erst 1792 erhielt der Ort das Marktrecht, 1876 erfolgte die erneute Erhebung zur Stadt. Seit 1850 entwickelte sich Abertham zum Zentrum der böhmischen Handschuhfertigung, wobei die weitverzweigte Familie Chiba führend wurde. Aber auch die Blechwarenerzeugung und Kunstblumenmanufakturen siedelten sich an. Ab dem Jahr 1850 war Abertham eine politische Gemeinde im Gerichtsbezirk Platten bzw. ab 1910 Teil des Bezirks Neudek. In den 1860er Jahren wurde die Albrechtsstollen-Silberzeche geschlossen.

Der Bergbau auf Cobalt spielte ebenfalls eine wichtige Rolle in der Geschichte der Stadt.

Mit einem Post-Sonderstempel, der die Silhouette Aberthams und ein Handschuhpaar zeigte, warb die Stadt 1939 und in den Folgejahren bis Kriegsende für ihre „Weltbekannte Lederhandschuhindustrie“.[5] Seit Johann Krakl 1892 seine Fabrik für Glacéhandschuhe gegründet hatte, wurde bereits die Fabrikation von Handschuhen zu einem weltweiten Aushängeschild für die böhmische Stadt Abertham bei Karlsbad im einstigen Österreich-Ungarn entwickelt.[6]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Neudek 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen. Aufgrund des Münchner Abkommens, in dem die Integration des Sudetenlandes in das Deutsche Reich vereinbart wurde, gehörte Abertham von 1938 bis 1945 zum Landkreis Neudek, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm die Tschechoslowakei den Ort; die deutschsprachige Bevölkerung wurde anschließend fast vollständig enteignet und vertrieben. Es wurden Tschechen aus dem Landesinnern sowie Slowaken und Roma angesiedelt. Im Ort besteht noch ein kleiner Friedhof mit deutschsprachigen Grabsteinen. Nach 1945 erfolgte in Abertamy die Förderung von Uran.

Abertamy ist heute ein Wintersportzentrum. Viele Häuser, die nach der Vertreibung leerstanden, wurden abgerissen. In der Stadt befindet sich seit 1946 eine Forstschule, deren Schließung und Zusammenlegung mit dem Beruflichen Schulzentrum in Nejdek im April 2005 beschlossen wurde.

Seit dem 22. Juni 2007 besitzt Abertamy – zum dritten Mal in seiner Geschichte – wieder Stadtrechte.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 1.619 in 232 Häusern[7]
1847 1.842 in 233 Häusern[8]
1869 2.046
1880 2.149
1890 2.256
1900 2.610 (als Gemeinde 4.004) deutsche Einwohner[9]
1910 2.834
1921 2.404
1930 2.600 als Gemeinde 3.512 Einwohner, davon drei Tschechen[10] und 3484 deutsche Einwohner[11]
1939 2.937 [10]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs[12]
Jahr 1950 19611 19701 19801 19911 20011 20111
Einwohner 1.595 1.715 1.145 1.156 1.052 1.197 1.213
1 Abertamy (Abertham) mit Hřebečná (Hengstererben)

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abertamy (Albertham) und sein Stadtteil Hřebečná (Hengstererben) vom Plešivec (Pleßberg) aus gesehen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2004: Ehrenfried Zenker (1934–2016), geb. in Abertham, erwarb sich Verdienste für Erhalt und Renovierung der Kirche

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zum Ort[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abertamy – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/554979/Abertamy
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2018 (PDF; 421 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/554979/Obec-Abertamy
  4. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/554979/Obec-Abertamy
  5. Stempel-Datenbank, Abruf am 4. März 2015
  6. Abertham. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Band 1: A bis Astigmatismus. 6., gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage, neuer Abdruck. Bibliographisches Institut, Leipzig u. a. 1905, S. 30, Spalte 2.
  7. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 200, Ziffer 2).
  8. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 79, Ziffer 1).
  9. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 14, Leipzig und Wien 1908, S. 542.
  10. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Neudek. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)., 2006.
  11. Genealogie-Netz Sudetenland
  12. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. (PDF) Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 21. Januar 2016 (tschechisch).