Ostrov nad Ohří

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Ostrov
Wappen von Ostrov
Ostrov nad Ohří (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Karlovy Vary
Fläche: 5042 ha
Geographische Lage: 50° 18′ N, 12° 57′ OKoordinaten: 50° 18′ 24″ N, 12° 56′ 49″ O
Höhe: 398 m n.m.
Einwohner: 17.079 (1. Jan. 2016)[1]
Postleitzahl: 363 01
Kfz-Kennzeichen: K
Verkehr
Bahnanschluss: Chomutov–Cheb
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 12
Verwaltung
Bürgermeister: Pavel Čekan (Stand: 2010)
Adresse: Lidická 1201
363 01 Ostrov
Gemeindenummer: 555428
Website: www.ostrov.cz
Lageplan
Lage von Ostrov nad Ohří im Bezirk Karlovy Vary
Karte

Ostrov (deutsch Schlackenwerth) ist eine Stadt im Karlovarský kraj in Tschechien.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostrov liegt im Okres Karlovy Vary an der Mündung des Jáchymovský potok (Weseritz) in die Wistritz (Bystřice).

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Ostrov besteht aus den Ortsteilen Arnoldov (Arletzgrün), Dolní Žďár (Unter Brand), Hanušov (Honnersgrün), Hluboký (Tiefenbach), Horní Žďár (Ober Brand), Kfely (Gfell), Květnová (Permesgrün), Liticov (Lititzau), Maroltov (Marletzgrün), Mořičov (Möritschau), Ostrov (Schlackenwerth) und Vykmanov (Weidmesgrün).[2] Grundsiedlungseinheiten sind Arnoldov, Borek (Heidles), Dolní Žďár, Družba, Hanušov, Hluboký, Horní Žďár, Kfely, Květnová, Liticov, Maroltov, Mořičov, Mořičovská, Nad nádražím, Ostrov-střed, Sídliště-jih, U domu kultury, U Škodovky, Vykmanov und Zámecký park.[3]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Arnoldov, Dolní Žďár u Ostrova, Hanušov, Hluboký, Horní Žďár u Ostrova, Kfely u Ostrova, Květnová, Maroltov, Mořičov, Ostrov nad Ohří und Vykmanov u Ostrova.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste nicht ganz gesicherte Erwähnung der Stadt erfolgte im Jahr 1207; schon 1226 wurde Schlackenwerth bei den Besitztümern der Familie von Hrabischitz als Gründung Slaukos des Großen aufgeführt. Als Königsstadt lag Schlackenwerth auf dem Handelsweg von Prag nach Eger und wurde so durch Zolleinnahmen reich.

Nach der Schlacht am Weißen Berg ging Schlackenwerth an das Herzogtum Sachsen-Lauenburg, das hier eine Residenz bauen ließ. Bohuslav Balbín nannte diese einst das achte Weltwunder. Bis 1848 gehörte Schlackenwerth zur gleichnamigen Herrschaft. Schlackenwerth war von 1691 bis 1787 ein Lehen der Markgrafen von Baden, nachdem der Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden am 27. März 1690 die 20 Jahre jüngere Prinzessin Franziska Sibylla Augusta von Sachsen-Lauenburg geheiratet hatte.

Bereits früh betätigte sich Franziska Sibylla Augusta als Bauherrin. In Schlackenwerth baute sie, zusammen mit Ludwig Wilhelm, 1691 das 1697 fertiggestellte Weiße Schloss. Hierbei handelte es sich um eine dreiflügelige Anlage nach Wiener und Prager Vorlagen, die – inmitten einer Parkanlage gelegen –, an böhmische Gegebenheiten angepasst wurde. Baumeister war Johann Michael Sock.

In Schlackenwerth ließ sie 1709 zum Dank für die Sprachfindung ihres Sohnes Ludwig Georg eine Kapelle bauen nach dem Vorbild der Kapelle Maria Einsiedeln in der Schweiz. Eine weitere Kopie dieser Kapelle entstand 1715 in Rastatt.

Nach dem Ersten Weltkrieg kam Schlackenwerth wie ganz Böhmen zur Tschechoslowakei. 1938 fiel es infolge des Münchner Abkommens als Teil des Sudetenlands ans Deutsche Reich. 1945 wurde die Mehrheit der deutschsprachigen Bewohner vertrieben.

Die Stadt Schlackenwerth hatte am 1. Dezember 1930 2958 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 2847 und nach Vertreibung der deutschböhmischen Bevölkerung waren es am 22. Mai 1947 1893 Bewohner.

Vom 17. Mai 1943 bis 19. oder 20. April 1945 existierte im Ort ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 120 Häftlinge Zwangsarbeit für die SS an dem Schloss Schlackenwerth verrichten mussten.[5]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ostrov nach fortschrittlichen städtebaulichen Vorstellungen zur Industriestadt ausgebaut, da Arbeiter für die Uranerzgewinnung in Jáchymov angesiedelt werden sollten. Deshalb wurde versucht, die neue Stadt attraktiv zu gestalten; es entstanden ein großes Kulturhaus mit Theater- und Kinosaal in einem gemäßigten Zuckerbäckerstil, mehrere Schulen und drei Gesundheitsstationen. 1958 stellte die UdSSR den Uranerzbergbau in Jachymov ein. Als Ersatz für die weggefallenen Arbeitsplätze wurde ein Werk von Škoda für Oberleitungsbusse angesiedelt, das 2004 geschlossen wurde.

Rastatt war als Partnerstadt Ostrovs Sponsor bei der Restaurierung der Einsiedelner Kapelle.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[6]
1869 1774
1880 2272
1890 2463
1900 2460
1910 2603
Jahr Einwohnerzahl
1921 2573
1930 2958
1950 2746
19611 16556
19702 18145
Jahr Einwohnerzahl
19803 19450
19913 17872
20013 17451
20113 17859
1 Ostrov mit Arnoldov, Dolní Žďár, Horní Žďár, Liticov, Borek und Vykmanov
2 Ostrov mit Arnoldov, Dolní Žďár, Horní Žďár, Liticov, Borek, Vykmanov und Mořičov
3 Ostrov mit Arnoldov, Dolní Žďár, Horní Žďár, Liticov, Borek, Vykmanov, Mořičov, Hanušov, Hluboký, Kfely, Květnová und Maroltov

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die romanische Friedhofskirche St. Jakob aus dem 13. Jahrhundert zählt zu den ältesten Baudenkmälern in der Karlsbader Region. Unterstützt wurde ihr Bau unter anderem von Bohuslav I. von Hrabischitz. Das einschiffige Gebäude mit einem viereckigen Chor wurde aus Bruchsteinen erbaut. Die Innenfassade ist einfach gehalten, ungegliedert und nicht verziert. Die ursprünglichen Fenster haben durch zahlreiche Umbauten neues Aussehen gewonnen, während das Hauptportal erhalten blieb. Das Hauptschiff ist eben, der Chor mit einem halbrunden spätgotischen Triumphbogen. Die dicken Mauern lassen darauf schließen, dass im Osten ehemals ein Turm stand. Die Kirche wurde 1226 eingeweiht[7].
  • Die gotische Kirche St. Michael in der Nähe des Marktplatzes wurde schon 1384 erwähnt. Sie ist einschiffig und hat einen sechsseitigen Turm. Innen ist sie reich ausgestattet mit einem bemerkenswerten Gewölbe.
  • Vom ehemaligen Schloss Ostrov sind zwei Flügel des Prinzenpalasts sowie ein großer Park erhalten, in dem noch das 1674–1683 gebaute barocke Lustschlösschen Letohrádek steht (Architekten: Abraham Leuthner und Christoph Dientzenhofer). Darin befindet sich heute eine Außenstelle der Karlsbader Kunstgalerie.
  • das historische Zentrum der Stadt ist der Alte Platz, wo sich die Pestsäule aus dem Jahre 1685, das Rathaus von 1599 sowie ein Stadttor befinden.
  • das Areal des Piaristenklosters aus dem 17. und 18. Jahrhundert: Familiengrabkapelle der Hl. Anna, Klosterkirche Mariä Verkündigung, Piaristengymnasium, Kapelle des Hl. Florian und die oben erwähnte Kapelle Maria Einsiedeln.
  • Das alte Rathaus am Alten Platz, ursprünglich gotisch, wurde nach einem Brand im Renaissancestil und später neugotisch umgebaut.
  • Die neuen Teile der Stadt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg im Stil des Sozialistischen Realismus gebaut. Sehenswert ist das Kulturhaus mit malerischem und skulpturalem Schmuck.
  • Der "Rote Turm des Todes" auf dem Gelände des ehemaligen Škoda-Werkes erinnert an die Leiden der politischen Gefangenen, die in den Uranbergwerken von Jachymov und in der Erzaufbereitung arbeiten mussten.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arletzgrün, Fuchsloch, Gfell, Grasengrün, Heidles, Honnersgrün, Lititzau, Marletzgrün, Möritschau, Neudau, Neudörfel, Ober Brand, Permesgrün, Pfaffengrün, Tiefenbach, Unter Brand, Weidmesgrün

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Ostrov unterhält zu folgenden Städten Städtepartnerschaften:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort wirkten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ivan Blecha, Leiter des Instituts für Philosophie an der Universität in Olmütz, besuchte das hiesige Gymnasium
  • Bonifác Buzek, Priester, Volksaufklärer, Philosoph und Pädagoge, lehrte am hiesigen Gymnasium
  • Josef Loschmidt, Physiker und Chemiker, besuchte hier von 1833 bis 1837 die Schule

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  2. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/555428/Obec-Ostrov
  3. http://www.uir.cz/zsj-obec/555428/Obec-Ostrov
  4. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/555428/Obec-Ostrov
  5. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016
  6. Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 16. Februar 2016 (tschechisch).
  7. Wilhelm Sommer: Kurze Geschichte der Stadt Schlackenwerth (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Hubatschek: Schlackenwerth - Böhmen. Arbeitsgemeinschaft Schlackenwerth, Brönner/Daentler-Druck, Eichstätt
  • Josef Kühnl: Schlackenwerth. Kobrtsch/Gschihay-Druck, Eger 1976.
  • Jiří Linhart: Karlsbader Region Schritt für Schritt. Verlag PROMENÁDA, Karlovy Vary 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ostrov nad Ohří – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien