Air Zermatt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Air Zermatt AG
Logo
Basis der Air Zermatt in Zermatt
IATA-Code:
ICAO-Code: AZF
Rufzeichen: AIR ZERMATT
Gründung: 1968
Sitz: Zermatt, SchweizSchweiz Schweiz
Unternehmensform: Aktiengesellschaft
Leitung:

Gerold Biner (CEO)

Mitarbeiterzahl: 65 (2016)
Flottenstärke: 10 Hubschrauber
Ziele: national
Website: www.air-zermatt.ch

Die Air Zermatt AG ist eine Schweizer Fluggesellschaft und Flugschule[1] mit Sitz in Zermatt. Das Unternehmen verfügt im Kanton Wallis über ein Büro am Aéroport de Sion und je eine Basis in Gampel, Raron und Zermatt. Es beschäftigt ca. 65 Mitarbeiter.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Air Zermatt wurde 1968 gegründet.

1973 führte die Air Zermatt die Medikalisation in der Helikopterrettung ein. Als erstes Rettungsunternehmen in der Schweiz beschäftigt sie festangestellte Ärzte und Anästhesiepfleger, die die Helikopterbesatzungen auf ihren Rettungseinsätzen begleiten.

Ab 2017 können die Notärzte der Air Zermatt, als erste Heli-Luftretter im Alpenraum, Schwerstverletzten mit hohem Blutverlust schon während des Transportes Universalspenderblut der Blutgruppe „Null negativ“ transfundieren. Bei langen Flügen zu Spezialkliniken wie Bern oder Lausanne hat der Patient so eine höhere Überlebenschance. Das Spitalzentrum Oberwallis (SZO) stellt am Standort Visp die Blutkonserven bereit und kann sie bei Bedarf auf der Landeplattform des Spitals an das Rettungsteam der Air Zermatt übergeben.[3]

Dienstleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Air Zermatt führt mit ihren Hubschraubern Rettungs-, Transport- und Touristenflüge (u. a. Heliskiing[4]) durch und ist als Partner der Kantonalen Walliser Rettungs-Organisation (KWRO) für die Luftrettung im Oberwallis zuständig. Mit zwei Ambulanzen wird zudem der bodengebundene Rettungsdienst im inneren Mattertal abgedeckt.

Weiterhin kommen die Hubschrauber der Air Zermatt bei Naturkatastrophen im Wallis wie zum Beispiel bei den Unwettern im Herbst 2000 zum Einsatz.

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Air Zermatt verfügt über neun Hubschrauber:

  • 5 Eurocopter AS 350 B3 für Rund-, Taxi-, Transport- und Rettungsflüge.
  • 1 Aérospatiale SA-315 B Lama für Rund-, Transport- und Rettungsflüge.
  • 1 Eurocopter EC 135 T3 für Rettungs- und Taxiflüge. Ausgestattet mit moderner Medizintechnik & Seilwinde.
  • 1 Eurocopter EC 130 T2 für Rund- und Taxiflüge.
  • 2 Bell 429 für Rettungs- und Taxiflüge. Verfügt über Suchscheinwerfer, Infrarotkamera, Nachtsichtvorrichtung, 90 Meter Seilwinde, moderne Medizintechnik. Die Maschine ist für den Blindflug zugelassen.

Zwei weitere Aérospatiale SA-315 B Lama wurden jahrelang für Transport-, Rettungs- und Rundflüge genutzt und 2015 & 2016 aus Kostengründen verkauft und durch Maschinen vom Typ AS 350 ersetzt.[5]

Im März 2016 wurde bekannt gegeben, dass die Air Zermatt zu den Erstkunden des Kopter SH09 gehört und sich an dessen Entwicklung mit ihrer über 45-jährigen Erfahrung beteiligt.[6]

Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurocopter AS-350B-3 Ecureuil der Air Zermatt

Besondere Aufmerksamkeit in den Medien erreichten die Einsätze der Air Zermatt im Rahmen des Bergrutsches in Gondo am 14. Oktober 2000 und bei dem Waldbrand oberhalb von Leuk im August 2003.

Die Air Zermatt leistete durch Material- und Personentransporte auch einen grossen Beitrag zum Bau der Luftseilbahn auf das Kleine Matterhorn.

Nach diversen Übungen im Jahr 1970 gelang dem Air-Zermatt-Piloten Günther Amann 1971 als erstes eine Direktrettung mit Hilfe einer Seilwinde aus der gefährlichen Eiger-Nordwand. Er wurde dafür anschliessend in den USA ausgezeichnet.

Im November 2005 leistete die Air Zermatt weitere Pionierarbeit. Im Rahmen des A1 GP in Dubai wurden havarierte Fahrzeuge am Seil einer Lama geborgen.[7] Am 8. März 2011 erhielten der Air-Zermatt-Pilot Daniel Aufdenblatten und Bergretter Richard Lehner für die Rettung von drei Alpinisten im Annapurna-Gebiet im April 2010 den Heroism Award für die bisher höchste Bergrettung in 7'000 Metern Höhe mit einem Hubschrauber. Als letztes hatte Chesley B. Sullenberger diesen Preis für die sichere Notlandung von US-Airways-Flug 1549 erhalten. Aufdenblatten und Lehner befanden sich im April 2010 für eine Rettungsschulung der Air Zermatt in Nepal, als sie einen Notruf erhielten. Sie kamen den Alpinisten zu Hilfe, obwohl bis dahin unklar war, ob eine Rettung in so grosser Höhe mit einem Hubschrauber überhaupt möglich ist.[8]

Nach massiven Schneefällen und Lawinenabgängen die sowohl die Bahn- als auch die Strassenverbindung unterbrochen hatten, flog das Unternehmen Ende Januar 2018 mehr als 2.000 Menschen und ca. 67 Tonnen Material in 90 Rotationen aus dem abgeschnittenen Zermatt aus.[9][10]

Im Mai 2018 kam es bei einem Übungsflug mit einem Feuerlöschsystem zu einem Zwischenfall. Bei der Aufnahme von Wasser aus einem Baggersee wurde ein Kabel touchiert. Nach der Notlandung im Wasser konnte sich der Pilot selbstständig aus dem Wrack befreien und wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.[11]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bell 429 der Air Zermatt auf dem Heliport des Inselspital

Von Juli bis August 2006 drehte das Schweizer Fernsehen DRS eine Doku-Serie namens „Die Bergretter – unterwegs mit der Air Zermatt“ über das Unternehmen und seine Mitarbeiter. Die siebenteilige Serie wurde ab Mai 2007 ausgestrahlt. Im Winter 2007/2008 folgte eine Fortsetzung die im Februar 2007 als „Winterstaffel“ gedreht wurde.

Eine weitere Dokumentation des SRF trägt den Titel „Die Bergretter im Himalaya“ und berichtet über den Aufbau einer Helikopter-Rettungsbasis in Nepal. Im Januar 2017 wurden auf ServusTV Rettungen aus der jüngeren Vergangenheit gezeigt.

Der ehemalige Pilot der Air Zermatt Siegfried Stangier, schrieb ein Buch mit dem Titel Retter, die vom Himmel kommen (Veröffentlichung 1986), das einen Einblick in die Tätigkeit der Air Zermatt in den 1970er bis Mitte der 80er Jahre gibt. Die von ihm 1972 vorgestellte Long Line-Rettungsmethode (ein bis zu 220 Meter langes Seil am Hubschrauber) rettete unzähligen in Not Geratenen das Leben.

2016 erschien auf Netflix die Serie "The Horn", die neben der Arbeitsweise des Unternehmens einzelne Mitarbeiter und Einsätze näher beleuchtet[12].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Stangier: Retter, die vom Himmel kommen. Scherz, München 1986, ISBN 978-3-502-19693-8.
  • Gerold Biner: Fliegen um Leben und Tod, Bergretter zwischen Everest und Matterhorn. Verlag Orell Füssli, ISBN 978-3-280-05525-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Air Zermatt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flugschule Air Zermatt
  2. Wer ist die Air Zermatt?
  3. Medizinische Pionierleistung im Oberwallis – Air Zermatt AG. In: Air Zermatt AG. 5. Januar 2017 (air-zermatt.ch [abgerufen am 19. Januar 2017]).
  4. Stefan Häne: Mit SUV und Helikopter direkt auf die Skipiste. In: bernerzeitung.ch. 12. Februar 2019, abgerufen am 14. Februar 2019.
  5. Die „Papa Juliette“ hat ausgedient, Air Zermatt, Mai 2015, abgerufen am 21. Juli 2015
  6. Marenco Swisshelicopter SKYe SH09 bald im Oberwallis, Air-Zermatt.de
  7. Dino Kessler: Wüsten-Show: Air Zermatt hilft mit ¦. In: Blick.ch. 11. Dezember 2005, abgerufen am 26. Juni 2019.
  8. Heli-Pilot und Bergretter erhalten Heroism Award, 16. Mai 2011, Zermatt.ch
  9. Ausnahmezustand in den Alpen - höchste Lawinenwarnstufe, Spiegel Online, 22. Jan. 2018
  10. „Den Ansturm mit Erfolg bewältigt“, Blog der Air Zermatt
  11. Air Zermatt: Zwischenfall bei Übungsflug In: air-zermatt.ch, 16. Mai 2018, abgerufen am 16. Mai 2018.
  12. The Horn | Netflix. Abgerufen am 5. Juli 2018.