BRICS-Staaten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von BRICS)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die BRICS-Staaten

Die BRICS-Staaten sind eine Vereinigung aufstrebender Volkswirtschaften. Die Abkürzung „BRICS“ steht für die Anfangsbuchstaben der fünf zugehörigen Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – maßgebend waren die Anfangsbuchstaben der englischsprachigen Bezeichnungen Brazil, Russia, India, China und South Africa. Die Zusammensetzung ist fast identisch mit der der O5-Staaten, zu denen Mexiko anstatt Russland gezählt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BRIC-Gipfeltreffen in Jekaterinburg 2009.
Von links nach rechts: Luiz Inácio Lula da Silva, Dmitri Medwedew, Hu Jintao, Manmohan Singh.
BRIC-Gipfeltreffen 2010 in Brasilien.
V. l. n. r.: Dmitri Medwedew, Luiz Inácio Lula da Silva, Hu Jintao, Manmohan Singh.
BRICS-Gipfeltreffen in China 2011.
V. l. n. r.: Manmohan Singh, Dmitri Medwedew, Hu Jintao, Dilma Rousseff, Jacob Zuma.
BRICS-Gipfeltreffen 2012 in Indien.
V. l. n. r.: Dilma Rousseff, Dmitri Medwedew, Manmohan Singh, Hu Jintao, Jacob Zuma.
Die BRICS-Staatschefs am 15. Juli 2014 in Brasilien
V. l. n. r.: Wladimir Putin, Narendra Modi, Dilma Rousseff, Xi Jinping, Jacob Zuma.
BRICS-Gipfeltreffen 2016 in Indien.
V. l. n. r.: Michel Temer, Wladimir Putin, Narendra Modi, Xi Jinping und Jacob Zuma.

Die Abkürzung BRIC wurde von Jim O’Neill geprägt, dem Chefvolkswirt der Großbank Goldman Sachs, welcher sie in seinen Veröffentlichungen verwendete – erstmals Ende 2001.[1] Diese Schwellenländer hatten über einen längeren Zeitraum jährliche Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung von 5 bis 10 %. Von O’Neill stammt auch die Idee der Next Eleven als „Nachfolger“ der BRICS-Staaten.

Am 23. Dezember 2010 erhielt Südafrika offiziell durch China nach Rücksprache mit den anderen BRIC-Staaten eine Einladung[2] und nahm am 14. April 2011 erstmals am jährlichen Treffen dieser Gruppierung teil, die sich seither BRICS nennt.[3]

Wegen wirtschaftlicher Stagnation in den Industrienationen wandte sich das Augenmerk von Investoren auf die BRICS-Staaten, so dass vermehrt Finanzprodukte auf diese emittiert wurden, z. B. Fonds und Zertifikate – und zwar nicht zuletzt von Goldman Sachs, den „Erfindern“ der BRICS-Länder.

Industrielle Entwicklung und wirtschaftliches Gewicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrielle Entwicklung und wirtschaftliches Gewicht sind bei den BRICS-Staaten sehr unterschiedlich.

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

China ist die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Gruppe und hat mit über 1,4 Milliarden Bewohnern auch die größte Bevölkerung aller BRICS-Staaten und der Welt. An gesamter wirtschaftlicher Kraft reicht es inzwischen an die EU oder die USA heran, liegt aber beim BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität innerhalb der BRICS-Staaten nur an zweiter Stelle und auf unter einem Drittel des US-Niveaus, weit hinter Russland und knapp vor Brasilien und Südafrika.

Die chinesische Wirtschaftskraft hat sich seit 2008 mehr als verdoppelt und auch wenn sich das Wachstum in den letzten Jahren etwas abgeschwächt hat, liegt es mit über 6 % jährlich immer noch weit über dem westlicher Industriestaaten (1,5–2 %).[4] Das Land strebt mittelfristig eine führende Rolle in der weltweiten Wirtschaft an und arbeitet bereits daran, auch in Hochtechnologiesektoren (Flugzeugbau, Medizintechnik etc.) zu den westlichen Industriestaaten aufzuschließen.

Prognosen vermuten, dass Chinas BIP im Jahre 2050 ungefähr so groß sein wird wie das der EU und der USA zusammen.

Indien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Indien ist sowohl nach Bevölkerung (ca. 1,38 Mrd.) als auch nach Wirtschaftskraft der zweitgrößte der BRICS-Staaten und nach Kaufkraftparität bereits die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Gleichzeitig ist das Land aber auch der am niedrigsten entwickelte Staat der BRICS-Gruppe, besitzt das niedrigste Pro-Kopf-BIP und die niedrigste Position im Index der menschlichen Entwicklung (Rang 131 im Jahr 2020).[5]

Ebenso wie China hat das Land in den letzten Jahren eine rasante wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht, mit Wachstumsraten, die meist knapp unter denen Chinas lagen, aber dennoch über 6 oder 7 % jährlich (2016: 7,1 %).[6] Langfristig wird Indien wohl das am schnellsten wachsende Mitglied der BRICS-Gruppe sein, auch wenn sich das Wachstum deutlich verlangsamen wird.

Wahrscheinlich wird Indien um das Jahr 2050 den Platz der USA als die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt einnehmen,[7] zu diesem Zeitpunkt 1,7 Milliarden Einwohner haben und damit das bevölkerungsreichste Land der Welt sein.[8]

Russland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russland ist der am höchsten entwickelte aller BRICS-Staaten und liegt beim Index der menschlichen Entwicklung auf dem 49. Platz (zum Vergleich: China liegt auf dem 90. Platz), es hat auch das höchste Pro-Kopf BIP.[9] Nach Fläche ist Russland der mit Abstand größte Staat der Welt, besitzt aber eine Bevölkerung von lediglich 144 Millionen Menschen und liegt damit innerhalb der BRICS-Gruppe auf dem vorletzten Platz.

Das Land profitiert extrem von seinen riesigen Öl- und Gasvorräten; der jüngste Verfall der Weltmarktpreise hat aber zu einer Rezession geführt; 2015 schrumpfte das BIP um fast 3 %.[4] Allerdings ist Russland nach Kaufkraftparität immer noch die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, nominell die zwölftgrößte. Russland ist Mitglied und der mit Abstand größte Staat der „Eurasischen Wirtschaftsunion“.

Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brasilien ist der nach Bevölkerung drittgrößte BRICS-Staat (ca. 214,5 Millionen Einwohner) und die nach Kaufkraftparität achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mitte der 2010er Jahre erlebte Brasilien eine schwere Rezession, die noch durch eine politische Krise begünstigt wurde, deren Verursacher die extrem weit verbreitete Korruption in der politischen Führungsschicht war; das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um nahezu 8 %. Die brasilianische Wirtschaft entwickelte sich recht unbeständig und wuchs im Mittel langsamer als die Chinas oder Indiens.

Südafrika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südafrika ist in nahezu allen Belangen der kleinste der BRICS-Staaten, es hat die mit Abstand geringste Bevölkerung (ca. 55 Mio.)[8] und ist die mit Abstand kleinste Volkswirtschaft (nominelles BIP ca. 300 Mrd. US-Dollar, weltweit Rang 39). Das Land hat aber große Bedeutung als Rohstofflieferant, sowohl von Diamanten und Edelmetallen als auch von Rohstoffen wie Zink, Eisen, Kohle, Mangan und anderen.

Im Vergleich zu den restlichen BRICS-Staaten und auch zu anderen Schwellenländern weist Südafrika niedrige jährliche Wachstumsraten auf (unter 3 %),[4] das Land hat Probleme mit ausufernder Korruption und einer extrem hohen sozialen Ungleichheit. Für das subsaharische Afrika ist Südafrika recht hoch entwickelt, ist aber gleichwohl dasjenige Land der BRICS-Staaten mit dem zweitniedrigsten Rang beim Index der menschlichen Entwicklung (Platz 114).[5]

Anteil an der Weltwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwa 40 % der Weltbevölkerung, knapp über drei Milliarden Menschen, leben in den BRICS-Staaten. Ihr Anteil am nominellen weltweiten Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2016 circa 23 %. Beim BIP nach Kaufkraftparität lag er mit 32 % deutlich höher. (Zum Vergleich: In den G7-Staaten leben etwa 11 % der Weltbevölkerung, kaufkraftbereinigt werden dort 33 % des weltweiten BIP erwirtschaftet)[10]

Land Bevölkerung BIP (nominell) BIP (Kaufkraftparität) Human Development Index 2020
in Mio. in % der Welt in Mio. US$ in % der Welt in Mio. US$ in % der Welt Erzielter Wert Platz
China 1.371,2 18,7 11.218.281 15,1 23.194.411 18,3 0,738 (hoch) 85
Indien 1.311,1 17,8 2.256.397 3,0 9.489.302 7,5 0,624 (mittel) 131
Brasilien 207,8 2,8 1.798.622 2,4 3.216.031 2,5 0,754 (hoch) 84
Russland 144,1 2,0 1.280.731 1,7 3.938.001 3,1 0,804 (sehr hoch) 52
Südafrika 55,0 0,7 294.132 0,4 761.926 0,6 0,666 (mittel) 114
Gesamt 3.089,2 42,0 16.848.162 22,7 40.599.671 32,0 - -
Welt 7.350,0 100,0 74.188.701 100,0 126.687.917 100,0 - -

Stand / Quelle: Bevölkerung im Jahre 2015,[11] nominelles BIP 2016,[12] BIP (KPP) 2017,[13] HDI 2015[14]

Exporte im Jahr 2014 in Mrd. €[15]
China Volksrepublik Volksrepublik China 2.342
Russland Russland 498
Indien Indien 322
Brasilien Brasilien 225
Sudafrika Südafrika 91

Zum Vergleich werden andere führende Exportnationen hier dargestellt:

Export im Jahr 2014 in Mrd. € zum Vergleich[16]
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 1.621
Deutschland Deutschland 1.508
Japan Japan 684
Frankreich Frankreich 583

U. a. bedingt durch spekulative Überhitzung (wie in China) und den Verfall der Rohstoffpreise (Rohöl, Eisenerz, Kupfer, Nickel usw.) setzte von Mitte 2013 bis Anfang 2014 eine Krise der BRICS-Staaten ein, die zu starken Rückflüssen des Kapitals in den Dollar- und Euroraum führte.[17] Nachdem das Investitionspotenzial der BRICS-Staaten ausgereizt war, rief Jim O'Neill zu Investitionen in die (zum großen Teil von Goldman Sachs gemanagten) Finanzprodukte der MIST-Staaten auf – ebenfalls eine Wortschöpfung von ihm für die Ländergruppe Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei.[18] Auch hier breitete sich seit 2015 eine krisenhafte Entwicklung aus.

Bisherige Gipfeltreffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gipfeltreffen am 16. Juni 2009 in Jekaterinburg, Russland
  2. Gipfeltreffen am 15. April 2010 in Brasília, Brasilien
  3. Gipfeltreffen am 14. April 2011 in Sanya, Volksrepublik China
  4. Gipfeltreffen am 29. März 2012 in Neu-Delhi, Indien
  5. Gipfeltreffen am 27. März 2013 in Durban, Südafrika
  6. Gipfeltreffen am 15. bis 17. Juli 2014 in Fortaleza, Brasilien (mit Gründung der New Development Bank und des Contingent Reserve Arrangement)
  7. Gipfeltreffen am 8. bis 9. Juli 2015 in Ufa, Republik Baschkortostan, Russland
  8. Gipfeltreffen am 15. bis 16. Oktober 2016 in Benaulim/Goa, Indien
  9. Gipfeltreffen am 3. bis 5. September 2017 in Xiamen, Volksrepublik China
  10. Gipfeltreffen am 25. bis 27. Juli 2018 in Johannesburg, Südafrika
  11. Gipfeltreffen am 13. bis 14. November 2019 in Brasília, Brasilien
  12. Gipfeltreffen am 17. November 2020 in Moskau, Russland
  13. Gipfeltreffen am 9. September 2021 in Neu-Delhi, Indien
  14. virtuelles Gipfeltreffen am 23. Juni 2022 (Gastgeber China)

Alternative Konstruktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gelegentlich werden die BRIC-Staaten durch die Hinzunahme Südkoreas (mit dem Buchstaben K von Korea) zu den sogenannten BRICK-Staaten erweitert. Denn Südkorea ist zwar schon ein entwickeltes Industrieland, erzielt aber dennoch hohe Wachstumsraten.

Weit seltener ist mit dem „K“ in BRICK Kasachstan gemeint. Der Anlass, Kasachstan hinzuzunehmen, wird durch dessen wachsende Bedeutung als Energielieferant gegeben und seine Lage zwischen den „klassischen“ BRIC-Staaten Russland, China und Indien, wodurch die eurasisch-pazifische Perspektive der Schwellenländer in den Vordergrund rückt. (Wird dabei Brasilien ausgespart, ist von RICK-Staaten die Rede.)

Weitere Varianten sind:

  • BRIICS für die Staaten Brasilien, Russland, Indien, Indonesien, China und Südafrika
  • BRIKT für die Staaten Brasilien, Russland, Indien, Korea und die Türkei
  • BRICSAM für Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika, die ASEAN-Länder (Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam) und Mexiko

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Buser, Emerging Powers, Global Justice and International Economic Law, Springer 2021, https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-030-63639-5
  • Georg Erber, Mechthild Schrooten: BRICS: Deutschland profitiert vom Wachstum in Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika: wie lange noch? In: DIW Wochenbericht. 79, (34), 2012, S. 3–9. (Onlineausgabe des Artikels, pdf, 321,66 kB)
  • Georg Erber: BRICS-Bank: Außer Spesen nix gewesen. In: Oekonomenstimme. 24. Juli 2014. oekonomenstimme.org
  • Rolf L. Langhammer: Die BRICS-Entwicklungsbank: Ein Fonds, aber noch keine Bank. In: Oekonomenstimme. 18. August 2014. oekonomenstimme.org
  • George Magnus: Will Emerging Markets Shape or Shake the World Economy? Wiley & Sons, New York 2010, ISBN 978-0-470-66082-9.
  • Cynthia Roberts, Leslie Elliott Armijo, Saori Katada: The BRICS and Collective Financial Statecraft. Oxford University Press, New York 2017, ISBN 978-0-19-069751-8.
  • Dyrk Scherff: BRIC – eine Erfolgsgeschichte, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 2, 15. Januar 2012, S. 43.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: BRICS countries – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. O’Neill: Building Better Economic BRICs. Goldman Sachs Global Economics Paper No: 66, 30th November 2001 (Memento vom 7. September 2012 im Internet Archive)
  2. Minister Nkoana-Mashabane on South Africa’s full membership of BRICS. (Memento vom 18. Dezember 2013 im Internet Archive) 24. Dezember 2010.
  3. diepresse.com: Aus den BRIC-Staaten werden die BRICS-Staaten. Abgerufen am 15. April 2011.
  4. a b c Weltbank: Daten zum jährlichen Wirtschaftswachstum aller Volkswirtschaften. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  5. a b Bericht über die menschliche Entwicklung 2020. (PDF) 2020, abgerufen am 13. August 2021.
  6. Weltbank: Daten zum jährlichen Wirtschaftswachstum aller Volkswirtschaften. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  7. Prognosen des PwC zur Weltwirtschaft im Jahre 2050. (PDF) Februar 2017, abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  8. a b UN-Voraussagen zur weltweiten Bevölkerungsentwicklung. (PDF) 2015, abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  9. "Human Development Report" der UN. (PDF) 2016, abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  10. Statistisches Bundesamt: Report zu den G7. (PDF) 2015, abgerufen am 1. Juli 2017.
  11. Weltbank: Bevölkerungsdaten aus den Jahren 2000 bis 2015. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  12. IWF: nominelle BIPs aller Volkswirtschaften 2015/16. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  13. IWF: Schätzungen zum kaufkraftbereinigten BIP im Jahre 2017. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  14. Human Development Report der UN. (PDF) 2016, abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
  15. Daten der WTO
  16. Daten der WTO
  17. Die BRICS-Länder sind in der Krise. Sächsische Zeitung online, 11. August 2015 sächsische.de
  18. Diese Anlagestrategie ist MIST. Handelsblatt, 21. August 2012, online: handelsblatt.com