Balch (Provinz)

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بلخ
Balch
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Basisdaten
Staat Afghanistan
Hauptstadt Masar-e Scharif
Fläche 17.248 km²
Einwohner 1.325.700 (2015)
Dichte 77 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 AF-BAL
Distrikte der Provinz
Distrikte der Provinz

Koordinaten: 36° 42′ N, 67° 0′ O

Balch (auch Balkh geschrieben, persisch بلخ, DMG Balḫ) ist eine Provinz im Norden von Afghanistan mit 1.325.700 Einwohnern.[1] Hauptstadt ist Masar-e Scharif. Die größte Bevölkerungsgruppe stellen die Perser, gefolgt von den Paschtunen. Dazu leben Usbeken, Hazara, Turkmenen, Araber, Belutschen sowie nomadisierende paschtunische Kutschi in der Provinz. Persisch wird von etwa 50 % der Bevölkerung gesprochen, gefolgt von Paschtu (27 %), Turkmenisch (11,9 %) und Usbekisch (10,7 %).[2] Gouverneur ist seit 2004 Mohammed Atta.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Region gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten Zentralasiens und ist eine Wiege der iranischen Zivilisation. In der Antike unter dem Namen Zariaspa (Altpersisch: Goldenes Pferd), später Baktra (griech.: Βακτρα) bekannt, war sie Teil Baktriens.

In der Region traf die Seidenstraße auf eine andere Handelsroute, die in nordwestlicher Richtung dem Lauf des Amudarja folgend zum Kaspischen Meer führte, sowie in südöstlicher Richtung über den Khaiberpass nach Vorderindien.

Um das Jahr 500 v. Chr. wurde Baktrien von den Persern erobert und dem Perserreich einverleibt. Bis zur Eroberung Persiens durch Alexander den Großen blieb Baktrien eine der wichtigsten Satrapien der Achämeniden.

Unter der Herrschaft der Seleukiden war Balch fast ausschließlich eine griechische Kolonie. Später war Bactra unter den Sassaniden wieder Teil eines vereinten Perserreichs, bevor die Region von den Arabern erobert und islamisiert wurde.

Im Mittelalter war Balch Teil des Samaniden-Reichs. Nach dem Fall der Samaniden war die Region abwechselnd unter der Herrschaft der Ghaznawiden, Ghuriden, Seldschuken, der Choresm-Schahs, der Mongolen und von Timur-e Lang.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Region von den Afghanen, unter der Führung Ahmad Schah Durranis, erobert und dem neu gegründeten Afghanistan einverleibt.

Danach geriet Balch unter die Herrschaft des expandierenden Russland, bevor sie Mitte des 19. Jahrhunderts – im Verlaufe des Great Game und den darauf basierenden Verträgen zwischen den europäischen Kolonialmächten Russland und Großbritannien – endgültig Afghanistan zugesprochen wurde.

In der Hauptstadt der Provinz Masar-e Scharif wird das Nouruzfest im Frühling nach dem von Omar Chajjam um 1070 korrigierten Sonnenkalender 40 Tage lang als Mela e Gul e Sorch gefeiert.

Aktuelles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Hintergrund des Zerwürfnisses zwischen Gouverneur Atta und Präsident Karzai bei der Präsidentenwahl sowie der weiteren Ausbreitung des Taliban-Einflusses im Norden haben 2009 die ethnischen Spannungen in Balkh zugenommen.[3] Die paschtunische Minderheit in der Provinz kritisiert die Untätigkeit der ISAF gegenüber den fortwährenden Menschenrechtsverletzungen lokaler Milizen.[4]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Provinz ist in folgende Distrikte gegliedert:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Balch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Afghanistan. In: citypopulation.de. Abgerufen am 8. Januar 2016.
  2. http://www.ejpd.admin.ch/content/dam/data/migration/laenderinformationen/herkunftslaenderinformationen/asien/sicherheitslage-AFG-d.pdf , 29. Januar 2011, S. 7, auf Website des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements
  3. http://www.ejpd.admin.ch/content/dam/data/migration/laenderinformationen/herkunftslaenderinformationen/asien/sicherheitslage-AFG-d.pdf , 29. Januar 2011, S. 10, auf Website des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements
  4. http://www.gfbv.de/inhaltsDok.php?id=2057&PHPSESSID=2e368e568e7b1a4b28c958ec5cdb1677 , 29. Januar 2011, auf Website der Gesellschaft für bedrohte Völker