Balgach

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Balgach
Wappen von Balgach
Staat: Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Rheintalw
BFS-Nr.: 3232i1f3f4
Postleitzahl: 9436
UN/LOCODE: CH BAL (Balgach)
CH HEE (Heerbrugg)
Koordinaten: 763730 / 252969Koordinaten: 47° 24′ 26″ N, 9° 36′ 29″ O; CH1903: 763730 / 252969
Höhe: 404 m ü. M.
Fläche: 6,52 km²
Einwohner: 4650 (31. Dezember 2017)[1]
Einwohnerdichte: 713 Einw. pro km²
Website: www.balgach.ch
Karte
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Über dieses Bild
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Blick auf das Zentrum von Balgach. Im Hintergrund die Rebberge, der Kirchenwald und das Nonnenbommert
Eichholz-Brunnen mit dem Relief Im Eichenwald geschaffen von Bildhauer Mädy Zünd
Das Bad Balgach war Teil der Weinkellerei Nüesch
Weinbau hat eine lange Tradition in Balgach
Das «alte Rathaus», Ortsmuseum
Historisches Luftbild von Swissair Photo AG von 1947
Felder in Balgach

Balgach ist eine politische Gemeinde in der Kulturlandschaft St. Galler Rheintal im Kanton St. Gallen in der Ostschweiz. Balgach gehört politisch zum Wahlkreis Rheintal. Die Gemeinde besteht aus dem gleichnamigen Dorf und einem Teil der Ortschaft Heerbrugg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balgach liegt an der Hauptstrasse 13, am Fuss des westlichen Hang des St. Galler Rheintals, zwischen den Gemeinden Au nördlich, und Rebstein südlich. Östlich grenzt Widnau, Oberriet und Diepoldsau an die Grenzen von Balgach. Westlich erstreckt sich Balgach bis auf den Kamm des "Hümpeler"-Berges, an die Gemeindegrenzen von Berneck (SG), Reute (AR) und Oberegg (AI).

Der Wald, der den Ausläufer des Appenzeller Vorderlandes (Hümpeler) bedeckt, heisst im Süden Vogelwald, in der Mitte Kirchenwald und im Norden Hümpelerwald. Am Hümpeler befindet sich die Hauptwasserfassung der Hümpelerquelle, welche einen grossen Teil der Gemeinde mit Wasser versorgt. Der höchste Punkt, der dem Hümpelerberg zugerechnet wird, trägt den Namen Nonnenbommert 641 m ü. M. Unterhalb der Wälder, auf dem Boden (Bodenstrasse), befindet sich das Quartier Boden, welches mit einigen Villen bebaut ist.

Die exklusive Lage am Fuss der Rebberge bietet einen Ausblick über das Rheintal vom Bodensee bis zum Säntis. Südlich davon, auf einer weiteren Anhöhe, die durch ein Tobel vom Boden getrennt ist, befindet sich das Schloss Grünenstein. Nördlich davon befinden sich, im Ortsteil Heerbrugg auf dem nördlichen Ende des Hümpeler, das Schloss Heerbrugg und die Villa Schmidheiny. Am Hang unterhalb des Quartier Boden ist der historische Dorfkern zu finden, welcher im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung der Schweiz (ISOS) aufgeführt ist.

Die Hauptstrasse 13 am Fuss des Hanges teilt die Ortschaft in zwei Hälften. Auf der östlichen Seite liegen das alte Quartier Mühlacker und die erst in neuerer Zeit erstellten Industrie- und Blockbauten, die sich östlich bis zur Bahnlinie der SBB erstrecken. Östlich der Bahnlinie befinden sich die Sportanlage Riet sowie das Naturschutzgebiet Höchstern. Weiter östlich, in den Mädern, welche zum Teil als Überflutungsflächen ausgewiesen sind, befinden sich die Landwirtschaftsbetriebe Lärchenhof, Erlenhof, Lindenhof, Sonnenhof und Rietmüli. Mitten hindurch von Süden nach Norden verläuft die Ländernaach, ein künstlicher Entwässerungskanal, welcher die zahlreichen Bäche, die die Hänge des Rheintals von Marbach bis Heerbrugg entwässern, in den Rheintaler Binnenkanal leitet. Die meisten dieser Bäche sind über weite Strecken durch Tunnelierung unter den Dörfern hindurchgeführt. Die Tunnels beginnen jeweils bereits am Hang oberhalb des Dorfkerns und enden meist erst kurz vor oder nach der SBB-Linie. Auch die Ländernach wird in Heerbrugg in einen Tunnel geleitet, welcher unter Widnau hindurch bis kurz vor der Einmündung in den Binnenkanal verläuft. Das soll die Hochwassersicherheit erhöhen, weil dadurch die Bäche und die Aach in vorgegebene Überflutungsflächen, in den Mädern, über die Ufer treten.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[2][3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ebene gegen den Rhein hinaus sind einige Landwirtschaftsbetriebe angesiedelt und oberhalb des Dorfes erstrecken sich Weinberge bis zum Waldrand hinauf. Abgesehen von der Industrie im Ortsteil Heerbrugg und der stark gewachsenen Industrie-Zone 'Wegen' an der Rietstrasse ist die Gemeinde Balgach ländlich geprägt. Wegen der in den letzten Jahren erfolgten Wohnbauten in verdichteter Weise entwickelt sich Balgach zum vorstädtischen Quartier von Heerbrugg.

Aus Teilen der früheren Firma Wild Heerbrugg sind mehrere neue Firmen entstanden, welche teilweise noch in Balgach/Heerbrugg tätig sind, jedoch heute zu ausländischen Muttergesellschaften gehören. Neben den Firmen Leica Geosystems, Safran Vectronix AG, SwissOptic AG, Polymeca AG und Escatec Electronics[4] (alle mit Bezug zur früheren Firma Wild) sind auch unabhängige Firmen in Balgach ansässig, wie Heule Werkzeuge AG, Microsynth AG, HEMAG AG, WZW OPTIC AG.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Balgach wird durch die Autobuslinie 301 der RTB Rheintal Bus bedient. Diese ist Nachfolgerin des 1977 eingestellten Trolleybus Altstätten–Berneck, der wiederum 1940 die 1897 eröffnete Strassenbahn Altstätten–Berneck ablöste. Die Einfahrt Widnau der Autobahn A13 ist knapp 6 km vom Dorfkern entfernt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft wurde 890/891 erstmals als Palgaa erwähnt und gehörte im 14. Jahrhundert den Freiherren von Sax, welche es 1347 dem Stift Lindau verkauften. 1510 erwarb das Stift St. Gallen die Gerichtsbarkeit.[5] Der in Balgach aufgewachsene Otto Oesch-Maggion (1864–1941), nebenamtlicher Ortsgemeindeschreiber in Balgach, dann Verwalter der Ziegelei Bruggwald St. Gallen (Ziegelei J.Schmidheiny & Co.), erarbeitete über viele Jahre eine Chronik von Balgach.[6][7] Von Oesch stammt auch ein genealogisches, handschriftliches Werk, worin er Geschlechter Balgachs über viele Generationen bis ca. 1934 erfasste.[8]

Kunst, Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein geschichtsträchtiges Gebäude ist das Alte Rathaus an der Steigstrasse, in dem heute das Ortsmuseum untergebracht ist.[9] Es ist auf der Liste der Kulturgüter von nationaler Bedeutung (KGS-Nr.: 8092).

Auf dem Gemeindegebiet sind 22 Brunnen registriert, die der Kontrolle des Wasserwartes unterstehen. Davon befinden sich 17 allein im Dorfkern und den angrenzenden Quartieren. Viele von ihnen sind mit einem künstlerischen Schmuck ausgestattet.[10]

Bekannt ist auch die durch ihre rote Farbe erkennbare Rebenschutzhütte, genannt "Rebenhüttli" an der Rebengasse in Balgach. Ihre Erbauung geht auf das Jahre 1904 zurück. Geplant wurde die Hütte auf Anweisung der Ortsgemeinde. Die Planung der Schutzhütte übernahm Günther Grüner, ein lokaler Künstler. Ende 2012 brannte die Hütte aufgrund unbekannter Ursache ab und wurde darauf neu errichtet.[11]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Rudolf Galliker, Michael Köhler: Ortsgeschichte Balgach, Vom Rebendorf zum High-Tech-Standort. Band 2. Ortsgemeinde, Balgach 2010, ISBN 978-3-03302415-1, S. 167.
  • Walther Baumgartner, Christoph Egli, Therese Eschenmoser, Werner Kuster, Werner Ritter, Christoph Rohner, Peter Schaps: Rheintaler Köpfe, Historisch-biografische Porträts aus fünf Jahrhunderten. Rheintaler Druckerei und Verlag AG, Berneck 2004, ISBN 3-03300265-X, S. 451.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Balgach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2018, abgerufen am 30. September 2018.
  2. STAT-TAB: Die interaktive Statistikdatenbank, Bevölkerungsentwicklung nach Region, 1850–2000. Schweizerische Eidgenossenschaft, abgerufen am 21. Juni 2015.
  3. STAT-TAB: Die interaktive Statistikdatenbank, Bevölkerungsstand. Schweizerische Eidgenossenschaft, abgerufen am 21. Juni 2015.
  4. escatec.com: ESCATEC Electronics, Heerbrugg, Schweiz@1@2Vorlage:Toter Link/www.escatec.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Zugriff am 9. März 2010.
  5. Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 1: Aa – Emmengruppe. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1902, S. 128 f., Stichwort Balgach  (Scan der Lexikon-Seite).
  6. Otto Oesch-Maggion: Der Hof Balgach. Rheinthaler-Druckerei, Altstätten 1930.
  7. Alois Oehler-Zeddel: Otto Oesch-Maggion. Eine Biographie und ein geschichtlicher Überblick über Balgach. In: Unser Rheintal. 28 (1971), S. 150–156.
  8. Otto Oesch-Maggion: Geschlechterbuch der Hofgemeinde Balgach. Staatsarchiv des Kantons St. Gallen, 1934
  9. Bernhard Anderes: Das alte Rathaus in Balgach SG. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 467). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1990, ISBN 978-3-85782-467-8.
  10. Gemeinde Balgach Foto-Album
  11. Ernst Nüesch: Zur Geschichte des Rebenhüttlis. Hrsg.: Gemeinde Balgach, Balger Ziitig. Balgach, S. 12–15.