CO2-Bilanz

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Die CO2-Bilanz, auch Treibhausgasbilanz, CO2-Fußabdruck, engl. Carbon footprint, ist ein Maß für den Gesamtbetrag von Kohlenstoffdioxid-Emissionen, der, direkt und indirekt, durch eine Aktivität verursacht wird oder über die Lebensstadien eines Produkts entsteht.[1] Neben Kohlenstoffdioxid werden oft auch andere Treibhausgase, meist angegeben in Tonnen CO2-Äquivalenten (kurz t CO2-eq), bilanziert.[2]

Der CO2-Fußabdruck hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen als ein hilfreiches Mittel, die Klimaauswirkungen von Aktivitäten wie der Bereitstellung oder des Konsums von Produkten und Dienstleistungen für einzelne Personen oder aggregiert für Organisationen und Staaten zu ermitteln. Auf der Basis können gezielt Maßnahmen ergriffen werden, um angestrebte Klimaziele zu erreichen[3] – zum Beispiel die globalen Erwärmung auf unter 2 °C zu begrenzen.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „CO2-Fußabdruck“ ist in den letzten Jahren relativ bekannt geworden. Heute ist eher der englische Begriff Carbon footprint üblich und wird auch von deutschen Behörden und Institutionen verwendet.[4] Der Begriff ist abgeleitet von dem des ökologischen Fußabdrucks, der 1994 von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt wurde. Der ökologische Fußabdruck ist jedoch wesentlich weiter gefasst, er betrachtet die gesamte in Anspruch genommene biologische Kapazität, gemessen in Hektar Flächenbedarf, und berücksichtigt dabei auch CO2-Emissionen als Waldfläche, die zusätzlich notwendig wäre, um einem resultierendem CO2-Konzentrationsanstieg in der Atmosphäre entgegen zu wirken.

Der CO2-Fußabdruck lässt sich auch für Personen, Organisationen, Länder und Events (z. B. eine Urlaubsreise) etc. berechnen. Wer die CO2-Fußabdrücke mehrerer Handlungsalternativen kennt, kann diese Zahlen mit anderen Faktoren abwägen und bei Entscheidungen berücksichtigen. Bei Personen, Organisationen oder Events wird oft auch angeboten, den CO2-Fußabdruck zu kompensieren, indem man z. B., entsprechend dem Ergebnis der Berechnung, in Regenwaldaufforstungen, Erneuerbare Energien oder andere klimafreundliche Maßnahmen investiert (→Kapitel: Das Kompensieren eines CO2-Fußabdrucks).

Daten und Fakten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der CO2-Fußabdruck eines Produkts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der CO2-Fußabdruck von Flaschenwasser

Eine deutschlandweit (nicht international) akzeptierte Definition für den CO2-Fußabdruck von Produkten ist folgende aus dem Memorandum „Product Carbon Footprint“ (PCF) von BMU, UBA und Öko-Institut von 2011:

„Der Product Carbon Footprint (CO2-Fußabdruck von Produkten) bezeichnet die Bilanz der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit.“

– Memorandum Product Carbon Footprint[5]

Der Produktlebenszyklus soll die gesamte Wertschöpfungskette umfassen:

  • Herstellung, Gewinnung und Transport der Rohstoffe und Vorprodukte
  • Produktion und Distribution
  • Nutzung, Nachnutzung
  • Entsorgung/Recycling

Von allen Varianten des CO2-Fußabdrucks ist der CO2-Fußabdruck von Produkten der am detailliertesten untersuchte. Er könnte eine große Zukunft in der CO2-Kennzeichnung von Waren und Dienstleistungen haben.

In Deutschland wurde der CO2-Fußabdruck von Produkten von Bundesministerium für Umwelt, Umweltbundesamt und Öko-Institut zwar diskutiert, laut dem abschließenden Memorandum werden aber keine weiteren Aktionen unternommen, bevor nicht die 'ISO 14067' für die Bilanzierung des CO2-Fußabdrucks von Produkten zur Verfügung steht, da eine zusätzliche Verwirrung der Bevölkerung zu den ca. 400 bereits bestehenden Labeln vermieden werden soll.[5]Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, äußerte sich im Ergebnis ablehnend zu einem PCF-Label als Kommunikationsmittel über Klimaverträglichkeit: Der PCF beschreibe nur die ökologische Kenngröße Treibhausgasemissionen, ein reines PCF-Label insbesondere mit einer CO2-Ziffer habe daher für die Verbraucher keinerlei Aussagekraft hinsichtlich der Umwelt- und Klimaverträglichkeit von Produkten.[6]

In Großbritannien wurde 2008 eine von BSI (British Standards Solutions) erarbeitete Standardisierung der Methodik des CO2-Fußabdrucks von Produkten mit dem britischen Standard 'PAS 2050:2008' abgeschlossen.[7] 2011 kennzeichnete der größte britische Handelskonzern Tesco nach eigenen Angaben über 500 Produkte in Großbritannien und in Südkorea nach diesem Standard.[8] Allerdings wird nicht immer die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen.[9] Auch in Japan und Thailand sind solche Labels zum Teil eingeführt.[10]

Nach der oben genannten Definition liegt der CO2-Fußabdruck einzelner Lebensmittel „in der Größenordnung von einigen Dutzend Gramm bis mehreren Kilo CO2-eq pro Kilo Lebensmittel. Sehr hohe Werte hat beispielsweise Rindfleisch mit rund 13 kg CO2-eq pro Kilo.“[5] Die Werte können je nach Transport, Lagerung und Zubereitungsart stark variieren (→Kapitel: Kritik).

Um einen Eindruck zu bekommen, hier einige Produktkennzeichnungen von Tesco, die nach dem britischen Standard (PAS 2050:2008) gekennzeichnet wurden:

Kategorie und Produkt CO2-Fußabdruck

Gramm CO2-eq per Funktionseinheit (gerundet)

CO2-Fußabdruck geteilt in die Etappen seines Lebenszyklus (%)
Produktion Distribution Lagerung Verwendung/Nutzung Entsorgung
Waschmittel
Tesco nicht-biologische Flüssigkapseln 700 g pro Wäsche 17 % 0,2 % 1 % 72 % 10 %
Tesco nicht-biologische Tabletten 850 g pro Wäsche 32 % 0,1 % 0 % 62 % 5 %
Tesco Super Conc. nicht-bio Flüssigwäsche 600 g pro Wäsche 11 % 0,1 % 0 % 83 % 6 %
Orangensaft
Tesco 100 % reiner, gepresster Orangensaft 360 g pro 250 ml 91 % 1 % 7 % 0,3 % 1 %
Tesco reiner Orangensaft aus Konzentrat 260g pro 250 ml 88 % 2 % 9 % 0,5 % 1 %
Tesco reiner Orangensaft (3×200 ml) 220g pro 250 ml 93 % 1 % 5 % 0,5 % 1 %
Leuchtmittel
60 W-Pearl-Glühbirne 34 kg für 1.000 Std. Gebrauch 1 % <0,1 % <0,1 % 99 % <0,1 %
11 W-Kompaktleuchtstofflampe 6,5 kg für 1.000 Std. Gebrauch 1 % <0,001 % <0,1 % 99 % <0,1 %
100 W-Pearl-Glühbirne 55 kg für 1000 Std. Gebrauch 1 % <0,001 % <0,001 % 99 % <0,1 %
20 W-Kompaktleuchtstofflampe 12 kg für 1.000 Std. Gebrauch 2 % <0,001 % <0,001 % 98 % <0,1 %
Kartoffeln
King Edwards (2,5 kg) 160 g pro 250 g-Portion 1 % 33 % 3 % 56 % 7 %
biologisch Baby Neu (750 g) 140 g pro 250 g-Portion 48 % 1 % 5 % 41 % 4 %
biologisch Neu (1,5 kg) 160 g pro 250 g-Portion 40 % 1 % 4 % 51 % 4 %
Anglian Neu (2,5 kg) 140 g pro 250 g-Portion 34 % 1 % 3 % 58 % 4 %
Quelle: Tesco, Carbon Label Findings,www.tesco.com (PDF; 114 kB)

CO2-Fußabdruck Weinbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Projekt im Traisental (48° 21′ 12″ N, 15° 41′ 42″ O) wurden die Prozesskette analysiert und auf Grund der Ergebnisse jene Bereiche identifiziert, die den größten Einfluss auf den Carbon Footprint hatten.[11] Als funktionelle Einheit wurde 1 Liter Wein festgelegt. Die Untersuchung umfasste die Prozessschritte Weingarten, Weinerzeugung, Verpackung, Abfälle und Vertrieb.[12] Im Laufe der Traubenproduktion im Weingarten, der Weinherstellung im Keller inklusive Entsorgung der Abfälle und der Abfüllung eines durchschnittlichen Weines werden bis zum Verlassen des Weinkellers rund 1,7 kg CO2e emittiert. Für den Transport zum Verbraucher kommen noch rund 0,2 kg CO2e pro Liter dazu.[13]

Das Ergebnis der Gesamtanalyse hat ergeben, dass pro Hektar Weingarten durchschnittlich 2,4 t CO2-Äquivalente emittiert werden. Von dieser Menge stammen rund drei Viertel aus den indirekten Treibhausgas-Emissionen sowie den Verbrennungsemissionen und ein Viertel durch Bodenemission.

→ siehe auch: Weinbau

Der CO2-Fußabdruck einer Person[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der durchschnittliche CO2-Fußabdruck. Deutschland und die Welt im Vergleich in Tonnen CO2 pro Jahr, für 2011.

Ein CO2-Fußabdruck von Personen soll eine Hilfestellung bei der selbstständigen Verringerung des eigenen CO2-Ausstoßes bieten. Erst wird der aktuelle CO2-Fußabdruck errechnet, damit man eine grobe Vorstellung seines eigenen Ausstoßes bekommt. Der nächste Schritt ist, den Ausstoß zu verringern durch z. B. das Umstellen auf energiesparende Geräte, auf Strom aus erneuerbaren Energien und das Verändern von Alltagshandlungen, um Energie zu sparen. Man sollte „stromfressende“ Altgeräte unbrauchbar machen oder verschrotten (oder jemandem geben, dessen Altgerät noch stromfressender ist).

Der international angestrebte für das Klima „noch verträgliche“ Kohlenstoffdioxid-Ausstoß ist 2,5 Tonnen CO2-eq pro Kopf und Jahr.[15] Der durchschnittliche Fußabdruck eines Deutschen, berechnet für alle Treibhausgase, lag 2014 bei etwa 10,5 t CO2-eq pro Jahr und damit mehr als 50 % über dem weltweiten Durchschnitt von 6,9 t CO2-eq, der eines Österreichers lag bei 8,8  t CO2-eq, der eines Schweizers 5,8 t CO2-eq.[16]

Mit sogenannten CO2-Rechnern lässt sich der eigene CO2-Fußabdruck überschlägig errechnen. Die meisten unterscheiden die (Lebens-Bereiche)

  • Wohnen (CO2-Ausstoß durch Heizen und Strom in der Wohnung),
  • Mobilität (CO2-Ausstoß durch Autofahren, Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel und Fliegen),
  • Ernährung (Ess- und Trinkgewohnheiten, Herkunft der Nahrungsmittel),
  • Privater Konsum (Kaufverhalten und Kriterien, auswärts Essen, Hotelübernachtung, Kosten für Kultur, Gesundheit oder andere Dienstleistungen) und
  • Öffentlicher Konsum (Emissionen, die vom Staat verursacht und auf alle Bürger verteilt werden)

Den größten Einfluss hat man auf die Bereiche bzw. Unterbereiche Privater Konsum, Beheizung, Ernährung, PKW-Verkehr, Flugverkehr und Haushaltsgeräte. Der Bereich Öffentlicher Konsum ist vom Individuum wenig bis gar nicht beeinflussbar.[17] Auf die Bereiche Wohnungsbau und Warmwasserzubereitung haben Hauseigentümer unmittelbaren Einfluss; Mieter können mit ihrem Vermieter sprechen und z. B. gegen eine angemessene Mieterhöhung neue Fenster oder eine neue Heizung erhalten. Oft wird auch nach der Berechnung angeboten, durch eine Spende den eigenen CO2-Ausstoß zu kompensieren (→Kapitel: Das Kompensieren eines CO2-Fußabdrucks). Alle Ergebnisse eines CO2-Fußabdrucks sind überschlägige Zahlen.

Der CO2-Fußabdruck eines Haustieres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Was in Klimarechnern bislang keine Rolle spielt ist die CO2-Bilanz von Haustieren. So verursacht eine Hauskatze pro Jahr 2,2 t CO2 und ein Dackel 1,8 t CO2.[18] Ein mittelgroßer Hund ist vom CO2-Fußabdruck durchaus mit einem Geländewagen vergleichbar.[19] Deshalb schlagen die beiden Autoren des Buches „Time to eat the dog“ unter anderem vor, die Haustiere auf vegetarische Kost umzustellen.[20]

Die Kommunikation des CO2-Fußabdrucks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Errechnen des CO2-Fußabdrucks ist die alltagstaugliche Kommunikation eine wichtige Handlungsebene. Basis dafür kann beispielsweise eine fiktive Menge an CO2 sein, die jeder Mensch in einem bestimmten Zeitabstand durch all seine Handlungen ausstoßen darf, um das Weltklima innerhalb der viel zitierten 2 Grad-Leitplanken zu halten. Die Initiative aus Österreich und der Schweiz „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ ([21]) hat einen Ansatz entwickelt, mit dem sich so der Product Carbon Footprint, die globale Tragfähigkeit und Solidarität und der persönliche Lebensstil gemeinsam in einer einfachen grafischen Sprache kommunizieren lassen.

Der CO2-Fußabdruck einer Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vermehrt werden CO2-Bilanzen auch von Unternehmen – freiwillig oder aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen – im Kontext ihres Nachhaltigkeitsberichtes erstellt. Betriebliche Verfahren des Rechnungswesens zur Erstellung einer CO2-Bilanz nennt man Carbon Accounting. Ein Fußabdruck einer Organisation benennt den gesamten CO2- oder CO2-eq-Ausstoß, der durch ihre Aktivitäten pro Jahr entsteht. Der CO2-Fußabdruck der Deutschen Bank, zum Beispiel, betrug im Jahr 2008 nach eigenen Angaben 415.269 Tonnen CO2.[22]

Nationale Treibhausgasbilanzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auch bei den anderen CO2-Fußabdrücken findet man verschiedene Zahlen für den CO2-Fußabdruck eines Landes. Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und des Kyoto-Protokolls müssen jährlich nationale Treibhausgasbilanzen, meist Treibhausgasinventar genannt, erstellen und einen nationalen Inventarbericht beim Sekretariat der UNFCCC einreichen. Im Jahr 2008 emittierte Deutschland rund 988,2 Mio. t CO2-eq (Schweiz 53,4 Mio. t CO2-eq, Österreich 69,3 Mio. t CO2-eq).[23] Dabei werden nach dem Territorialprinzip die im Land liegenden Emissionsquellen berücksichtigt.

Eine andere Herangehensweise ist, die dem Verbrauch eines Landes zugrunde liegenden Emissionen bei der Berechnung eines Fußabdrucks heranzuziehen. So bezog eine Studie an der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens (NTNU) die Emissionen mit ein, die bei der Produktion aller Güter des Gesamtverbrauchs eines Landes auftreten. Wenn ein Land nun einen größeren CO2-Fußabdruck hat, als seine vom UNFCCC berechneten Treibhausgasemissionen, bedeutet dies, dass die Einfuhren des Landes bei der Produktion mehr Kohlenstoff benötigen als seine Ausfuhren. Auch wurde in den Berechnungen des NTNU zusätzlich der internationale Transport in See-und Luftfracht mit einbezogen, die vom UNFCCC nicht mit berücksichtigt wird. Basierend auf den Daten des Jahres 2001 betrug der Fußabdruck ca. 1.238 Mio. t CO2-eq für Deutschland, 112 Mio. t CO2-eq für Österreich und 132 Mio. t CO2-eq für die Schweiz. Dies entsprach einem CO2-Fußabdruck von 15,1 t CO2-eq für jeden Deutschen, 13,8 t für jeden Österreicher und 18,4 t für jeden Schweizer ergibt. Weltweit waren unter den 73 untersuchten Ländern Luxemburg (33,4 t CO2-eq pro Person), die USA (28,6 t CO2-eq pro Person), gefolgt von Australien (20,6 t CO2-eq pro Person), die größten Verschmutzer, während afrikanische Länder wie Mozambique (1,1 t CO2-eq pro Person) und Malawi (0,7 t CO2-eq pro Person) am klimafreundlichsten dastanden.[24]

Das Kompensieren eines CO2-Fußabdrucks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Klimakompensation

Das Kompensieren der eigenen CO2-Emissionen durch eine Spende wird oftmals nach dem Errechnen des CO2-Fußabdrucks angeboten. Damit wird der eigene CO2-Fußabdruck zwar nicht verringert, doch es werden an einem anderen Ort der Welt Treibhausgase reduziert. Dies geschieht durch Klimaschutzprojekte wie z. B. das Errichten von Wind-, Wasser- oder Erdwärmekraftwerken und andere Treibhausgas einsparende Maßnahmen. Die Kompensation geschieht auf freiwilliger Basis. Eine solche CO2-Ausgleichszahlung kostet je nach Anbieter und gewähltem Standard 1–30 Euro pro Tonne CO2.[25] Allerdings ist wichtig, dass die für solche Projekte eingesetzten CO2-Zertifikate von international anerkannten Institutionen wie z. B. dem Gold-Standard[26] stammen.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der größte Kritikpunkt war bislang das Fehlen einer klaren international anerkannten Definition des Begriffs CO2-Fußabdruck. Inzwischen hat jedoch die Organisation für internationale Standards eine einheitliche internationale Standardnorm (ISO 14067) für die Bilanzierung des CO2-Fußabdrucks von Produkten veröffentlicht.[27] Es gibt darüber hinaus selbst ernannte Standards, wie z. B. den „Carbon Footprint Standard“, doch um dieses Kennzeichen benutzen zu dürfen, reicht eine Selbstprüfung, ein Kontrollmechanismus fehlt.[28]

Der britische Standard PAS 2050:2008 ist im Moment der erfolgreichste und unterliegt genauen Kriterien, die von Carbon Trust geprüft werden. Er baut überwiegend auf der Ökobilanznorm ISO 14040 ff. auf, weicht aber auch in einigen wichtigen Punkten deutlich davon ab[29], was ihm international keine große Anerkennung eingebracht hat. So reicht die Breite der Definitionen von nur direkten Kohlenstoffdioxid-Emissionen über zusätzliche Methan-Emissionen bis hin zu der Einbeziehung aller Treibhausgase wie z. B. N2O. Dadurch unterscheidet sich auch die Einheit, in der gemessen wird, zwischen z. B. einfachen Kohlenstoffdioxid-Emissionen (gemessen in Tonnen CO2), Emissionen von CO2-Äquivalenten (gemessen in Tonnen CO2-eq) oder als Fläche (etwa in Hektar). In letzterem Fall „wird die Größe der Waldfläche definiert, die benötigt wird, um alle CO2-Emissionen abzüglich der Emissionen, die von Ozeanen aufgenommen werden, aufzunehmen“.[30]

Weitere Kritikpunkte, speziell am CO2-Fußabdruck von Produkten, zeigen das Öko-Institut, das Bundesministerium für Umwelt und das Umweltbundesamt in dem im Dezember 2009 veröffentlichten Memorandum PCF auf.[31] Kritisiert wird unter anderem die Einseitigkeit des CO2-Fußabdrucks, da bei der Berechnung alle anderen Schädigungskategorien wie Luftschadstoffemissionen, Ressourcenbedarf oder Eutrophierung unberücksichtigt bleiben. Da der CO2-Fußabdruck in der Regel ohnehin mit einer Ökobilanz-Software durchgeführt wird, wird nahegelegt, Ökobilanzen statt der isolierten CO2- oder Treibhausgasbilanzen zu verwenden.

Weiter wird erklärt, dass Verbraucher in der Regel mit dem rein numerischen Wert, also des CO2-Fußabdrucks mit CO2-Ziffer, nicht viel anfangen könnten, da der Vergleichsmaßstab fehle, sich aus den Werten keine Handlungsempfehlungen für die optimale Nutzung unter Klimagesichtspunkten ergäben, andere Umweltaspekte ignoriert würden und so mehr zur Verwirrung als zur Orientierung der Verbraucher beigetragen würde. Es werden eher bewährte Umweltlabels wie „Der Blaue Engel“ empfohlen, die wichtige Produkte auch in Bezug auf Klimaauswirkungen bewerten. Da die Nutzungsphase erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtbilanz hat, wird sie sowohl in PAS 2050, als auch im Memorandum PCF als wichtiger Bestandteil des CO2-Fußabdrucks mit bilanziert. Das konkrete Ausschildern dieser Phase ist jedoch unklar, da es oft enorme Unterschiede in der Art und Weise der Nutzung gibt. Unklar ist, wie z. B. ein T-Shirt ausgewiesen werden soll. Bei der Mitbilanzierung der Nutzerphase hätten langlebige T-Shirts einen kleineren CO2-Fußabdruck als kurzlebige T-Shirts.

Auch das Ausweisen von Lebensmitteln, bei denen es verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten (Beispiel: Mehl, Eier) und Lagermöglichkeiten (Beispiel: Äpfel, Erdbeeren) gibt, ist nicht geklärt und kann so bei ein und demselben Produkt zu verschiedenen Bilanzierungsergebnissen führen.

Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel des CO2-Fußabdrucks von Äpfeln aus dem Memorandum PCF:

„Der Energieaufwand zur Produktion und Lagerung von Äpfeln schwankt von Betrieb zu Betrieb und kann zwischen großen und kleinen Betrieben um den Faktor 2–3 unterschiedlich sein. Die Transportentfernung kann ebenfalls sehr unterschiedlich ausfallen: das Bodensee-Obst wird am Bodensee verkauft, aber auch in Kassel oder Berlin. Die Äpfel können aber auch aus Neuseeland oder Chile importiert werden. Die in Deutschland erzeugten Äpfel werden bis ins späte Frühjahr hinein gelagert und dabei gekühlt. Der PCF steigt damit von Monat zu Monat.“[32]

Nicht zuletzt stellt auch der hohe Datenaufwand ein Problem dar, da z. B. viele Agrarbetriebe in unterschiedlicher Größe, häufig wechselnde Zulieferer, starke Unterschiede in der Art des Anbaus, nach Jahr und Saison schwankende Erträge, und unterschiedliche Verarbeitungstechniken mit einbezogen werden müssen.[33]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Umweltbundesamt und Öko-Institut (Hrsg.): Memorandum Product Carbon Footprint. 2009 (bund.de [PDF; 300 kB]).
  • Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und Bundesverband der Deutschen Industrie (Hrsg.): Produktbezogene Klimaschutzstrategien, Product Carbon Footprint verstehen und nutzen. 2010 (bdi.eu [PDF; 2,9 MB]).
  • Katharina Schächtele und Hans Hertle: Die CO2-Bilanz eines Bürgers. Hrsg.: Umweltbundesamt. 2007 (umweltbundesamt.de [PDF; 4,9 MB]).
  • Thomas Wiedmann und Jan Minx: A Definition of ‘Carbon Footprint’. Hrsg.: ISA UK Research and Consulting (= ISAUK Research Report. Nr. 07-01). Juni 2007, S. 4 (ornl.gov [PDF; 278 kB]).
  • European Commission (Hrsg.): Carbon Footprint: what it is and how to measure it? 2007 (org.uk [PDF; 308 kB]).
  • Intergovernmental Panel on Climate Change (Hrsg.): 2006 Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories. 2006, ISBN 4-88788-032-4 (iges.or.jp).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige CO2-Fußabdruck-Rechner, auf Deutsch:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Wiedmann und Jan Minx: A Definition of ‘Carbon Footprint’. Hrsg.: ISA UK Research and Consulting (= ISAUK Research Report. Nr. 07-01). Juni 2007, S. 4 (ornl.gov [PDF; 278 kB]).
  2. Siehe z. B. die Zusammenfassung zum Product Carbon Footprinting unter Johannes Klockenhoff: Product Carbon Footprinting und der Kohlendioxid-bewusste Konsument. In: Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Band 4, Nr. 2, Mai 2009, doi:10.1007/s00003-009-0489-y.
  3. Glen P. Peters: Carbon footprints and embodied carbon at multiple scales. In: Current Opinion in Environmental Sustainability. Band 2, Nr. 4, Oktober 2010, doi:10.1016/j.cosust.2010.05.004.
  4. Leitfaden des BDI: Produktbezogene Klimastrategien Product Carbon Footprint verstehen und nutzen [1] (PDF; 2,9 MB) Juni 2010
  5. a b c BMU, UBA, Öko-Institut: Memorandum Product Carbon Footprint. www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  6. Franz-Josef von Kempis u.a.: Produktbezogene Klimaschutzstrategien. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), Juni 2011; abgerufen am 2. November 2017.
  7. British Standards Solutions, www.bsigroup.com 4. März 2011
  8. Corporate Responsibility Report 2010, S. 12, www.tesco.com 4. März 2011
  9. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 24ff,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  10. BMU und BDI, Produktbezogene Klimaschutzstrategien, S. 10, www.bdi.eu (PDF; 2,9 MB) 10. März 2011
  11. Weinklim – Viniculture and Climate Change[2]
  12. Eva Burger, Ines Omann: WEINKLIM Carbon Footprint Analyse für Wein, Traisental 2010[3] (PDF; 137 kB)
  13. Gerhard Soja, Franz Zehetner, Gorana Rampazzo-Todorovic, Barbara Schildberger, Konrad Hackl, Rudolf Hofmann, Eva Burger, Sigrid Grünberger, Ines OmannWeinbau im Klimawandel: Anpassungs- und Mitigationsmöglichkeiten am Beispiel der Modellregion Traisental[4] (PDF; 225 kB)
  14. Eva Burger, Ines Omann: WEINKLIM Carbon Footprint Analyse für Wein, Traisental 2010[5] (PDF; 137 kB)
  15. UBA: uba.klimaktiv-co2-rechner.de 4. März 2011
  16. Country GHG Emissions – Per Capita. In: CAIT Climate Data Explorer. World Resources Institute; abgerufen am 5. November 2017 (Gesamte Treibhausgasemissionen ohne Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft, pro Kopf (tCO2e Per Capita), weltweiter Durchschnitt als Mittelwert über alle Länder mit Daten).
  17. UBA,"Die CO2-Bilanz eines Bürgers" S. 8 www.umweltdaten.de (PDF; 4,9 MB) 4. März 2011
  18. TAZ, Klimakiller Katze, 15. 6. 2011
  19. Katrin Blawat in der Süddeutschen Zeitung, Ökologischer Pfotenabdruck – 17. Mai 2010
  20. Amazon, Buch-Besprechung Time to Eat the Dog
  21. http://www.eingutertag.org
  22. www.banking-on-green.com 4. März 2011
  23. UNFCCC, National greenhouse gas inventory data for the period 1990–2008, Tabelle 2 www.unfccc.int (PDF; 265 kB) 1. April 2011
  24. Edgar G. Hertwich und Glen P. Peters: Carbon Footprint of Nations: A Global, Trade-Linked Analysis. In: Environmental Science & Technology. Band 43, Nr. 16, 15. Juni 2009, doi:10.1021/es803496a (Tabelle 2, Gesamtwerte berechnet anhand Spalte 1 und 3 und Nachkommastellen gerundet).
  25. Wolfgang Strasdas, Stefan Gössling, Heike Dickhut: Treibhausgas-Kompensationsanbieter in Deutschland. Verbraucherzentrale Bundesverband, August 2010 (eine Studie der HNE Eberswalde).Online (PDF; 2,2 MB).
  26. Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. www.verbraucherfuersklima.de 21. März 2011
  27. International Organisation for Standardization,www.iso.org 7. Mai 2013. Auch beim Deutschen Institut für Normung als DIN CEN ISO/TS 14067; DIN SPEC 35801:2014-09: Treibhausgase - Carbon Footprint von Produkten - Anforderungen an und Leitlinien für Quantifizierung und Kommunikation. Abgerufen am 5. November 2017.
  28. Carbon Footprint Ltd, www.carbonfootprint.com 4. März 2011
  29. BMU und BDI, Produktbezogene Klimaschutzstrategien, S. 10, www.bdi.eu (PDF; 2,9 MB) 10. März 2011
  30. Global Footprint Network,www.footprintnetwork.org 4. März 2011
  31. Memorandum Product Carbon, Footprint BMU, UBA, Öko-Institut, www.bmub.bund.de (PDF; 300 kB) 7. Mai 2013
  32. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 32,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011
  33. BMU, UBA, Öko-Institut e.V. – Memorandum Product Carbon Footprint, S. 32,www.bmu.de (PDF; 300 kB) 4. März 2011