COVID-19-Pandemie in Rheinland-Pfalz

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Die COVID-19-Pandemie tritt in Rheinland-Pfalz seit 2020 als Teil der weltweiten COVID-19-Pandemie und im Besonderen der COVID-19-Pandemie in Deutschland auf. Die Pandemie betrifft die neuartige Erkrankung COVID-19. Diese wird durch das Virus SARS-CoV-2 aus der Gruppe der Coronaviridae verursacht und gehört in die Gruppe der Atemwegserkrankungen.[1]

Am 29. Februar wurde vom Robert Koch-Institut erstmals eine Infektion aus Rheinland-Pfalz bestätigt. Ab dem 11. März 2020 stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Ausbruchsgeschehen des neuartigen Coronavirus als weltweite Pandemie ein.[2]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Februar 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 26. Februar 2020 bestätigte die Bundeswehr in Rheinland-Pfalz die Infektion eines Soldaten der Flugbereitschaft am Flughafen Köln/Bonn, der zuvor auf einer Karnevalsfeier in Gangelt mit dem erkrankten Ehepaar aus Heinsberg Kontakt hatte; er wurde im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz behandelt.[3][4] Am 27. Februar 2020 wurde im Westpfalz-Klinikum in Kaiserslautern ein infizierter Patient gemeldet, der zuvor im Iran gewesen war.[5][6]

März 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. März 2020 wurde der Soldat der Flugbereitschaft am Flughafen Köln/Bonn, der am 26. Februar positiv getestet wurde, aus dem Krankenhaus entlassen. Er war der erste bestätigte Genesene in Deutschland, dessen Infektionskette nicht nach China zurückverfolgt werden konnte.[7] Am 9. März 2020 wurde ein Student der WHU – Otto Beisheim School of Management in Vallendar positiv auf das Virus getestet.[8] Am 12. März 2020 gab die Stadt Trier bekannt, dass sich ein Einwohner der Stadt mit dem Coronavirus infiziert hatte. Der betroffenen Person gehe es laut Aussage des Gesundheitsamtes gut.[9] Am 17. März 2020 wurden im Landkreis Birkenfeld erstmals zwei Personen auf COVID-19 getestet und labortechnisch bestätigt. Beide hatten sich in Tirol aufgehalten.[10]

April 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab dem 19. April waren in Rheinland-Pfalz mehr als 100 Tote zu verzeichnen. Ende April steigerte sich diese auf 166. Die Zahl der Infizierten stieg bis zum 30. April auf insgesamt 6029, jedoch lag die Zahl der Neuinfizierten zwischen dem 20. und 30. April durchgehend bei unter 100 neuen Fällen pro Tag. In der ersten Monatshälfte hatte diese Zahl an manchen Tagen bei mehr als 200 neuen Fällen gelegen.

Mai 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Anfang Mai lag die Zahl der durchschnittlichen Neuinfektionen pro Tag bei unter 40 Fällen. Nach Mitteilung der Landesregierung vom 5. Mai 2020 lag die aktuelle Todeszahl bei 186 und 5.190 der 6.175 erkrankten Personen waren von Covid-19 genesen.[11]

In der dritten Maiwoche lag die Inzidenz aller Landkreise bei unter 267 Fällen je 100.000 EW. Die Aktivität während der letzten Woche lag unter 10 Fällen je 100.000 Einwohner und sieben Tagen.

Juni 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni verringerte sich die Zahl der Neuinfizierten weiter. An keinem Tag im Monat gab es mehr als 30 neue Fälle. Nachdem sich die Zentrale der Tönnies Holding im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück zu einem Zentrum der Pandemie in Deutschland entwickelt hatte, wurden auch in rheinland-pfälzischen Fleischbetrieben Tests durchgeführt. Diese fielen weitestgehend negativ aus.[12]

Insgesamt wurden im Juni 2020 lediglich fünf Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 bekannt.

Juli 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Juli erhöhte sich die Zahl wöchentlicher Neuinfektionen wieder leicht, blieb jedoch den restlichen Monat stabil zwischen 20 und 40 täglichen Neuinfektionen.

August 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August stieg die Zahl der täglichen Neuinfektionen erheblich an. Am 19. August überschritt sie erstmals seit Mitte April 2020 wieder 100 Fälle. Diese Zahl sank zum Monatsende wieder auf teilweise unter 50 Neuinfektionen. Hingegen blieb die Anzahl der Todesfälle auch im August niedrig.

September 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19. September waren in RLP über 10.000 Infektionen registriert. Die täglichen Neuinfektionen bewegten sich im Bereich von 7–10 je 100.000 EW.

Oktober 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 23. Oktober waren in RLP über 15.000 Infektionen registriert.

November 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der zweiten Welle überstieg am 7. November die Zahl der registrierten Infektionen in RLP 25.000 bei 619 Todesfällen.

Statistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Infektionsfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Infektionen (kumuliert) in Rheinland-Pfalz[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Bestätigte Infektionen (neue Fälle) in Rheinland-Pfalz[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)


Bestätigte Infektionen (7-Tage-Inzidenz) in Rheinland-Pfalz[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Todesfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestätigte Todesfälle (kumuliert) in Rheinland-Pfalz[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

Bestätigte Todesfälle (täglich) in Rheinland-Pfalz[Anm. 1][Anm. 2]
(nach Daten des RKI aus COVID-19-Pandemie in Deutschland)

  1. a b c d e Hier sind Fälle aufgelistet, die dem RKI über den Meldeweg oder offizielle Quellen mitgeteilt wurden. Da es sich um eine sehr dynamische Situation handelt, kann es zu Abweichungen bzw. zeitlichen Verzögerungen zwischen den RKI-Fällen und Angaben anderer Stellen, etwa der betroffenen Bundesländer oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO), kommen.
  2. a b c d e Nach Angaben des RKI wurden am 16. Mai 2020 keine Daten aus Rheinland-Pfalz übermittelt.

Reaktionen und Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungsbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. März verfügte Rheinland-Pfalz eine landesweite Schulschließung ab dem 16. März. Eine Notbetreuung wurde in der Folge für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten, eingerichtet.

Mit dem Schulbeginn nach den Sommerferien gingen die Schulen in Rheinland-Pfalz am 17. August 2020 wieder zum Regelbetrieb ohne Abstandsgebot über. Bei einem Anstieg der Infektionszahlen können als Maßnahmen ein eingeschränkter Regelbetrieb mit Abstandsgebot und weitere Hygienemaßnahmen sowie temporäre Schulschließungen angeordnet werden. Diese Maßnahmen können für einzelne Klassen oder Schulen, für eine Region oder landesweit getroffen werden. Bei einer Schließung wird im Fernunterricht unterrichtet, worauf sich Schulen und Lehrkräfte vorbereiten müssen.[13]

Vergnügungs-, Sport- und Freizeitbereich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Pandemie geschlossene Spielothek in Ludwigshafen am Rhein

Ab dem 18. März 2020 waren in Rheinland-Pfalz Vergnügungs-, Sport- und Freizeitstätten sowie der nicht systemrelevante Einzelhandel geschlossen zu halten. Sofern der Einzelhandel weiter geöffnet werden durfte, mussten über Zutrittskontrollen Warteschlangen vermieden werden.[14] Am 20. März teilte die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer in einer Fernsehansprache mit, dass ab Mitternacht zum 21. März alle Cafés, Eisdielen und Restaurants in Rheinland-Pfalz geschlossen bleiben. Ein Spaziergang an der frischen Luft ist erlaubt, jedoch dürfen nicht mehr als fünf Personen zusammenstehen. Des Weiteren sollen die Behandlungsplätze für Corona-Kranke mit schweren Verläufen erhöht werden. Damit schnell getestet werden kann, seien im ganzen Bundesland Fieberambulanzen eingerichtet und werden weiter ausgebaut.[15] Außerdem wurde der Pendelverkehr aus dem französischen Grenzgebiet reglementiert. Rheinland-pfälzisches Gebiet durfte für Reisende aus Risikogebieten nur für Fahrten zum Ort der Beschäftigung und zurück betreten werden.[16] Am 22. März setzte die Landesregierung das Kontaktverbot um.[17]

Eine förmliche Verschärfung der Einschränkungen gab es an den Ostertagen 2020 nicht. Stattdessen appellierte Ministerpräsidentin Malu Dreyer eindringlich an die Bürger von Rheinland-Pfalz: „Reisen Sie nicht, verzichten Sie auf größere Ausflüge, treffen Sie nicht zusätzliche Menschen“.[18]

Am 20. April erfolgten erste Lockerungen der Beschränkungen. Zoos und Parks durften wieder öffnen. Am 6. Mai gab Ministerpräsidentin Dreyer weitere Lockerungen bekannt. So durften seit dem 13. Mai Gastronomiebetriebe unter Auflagen wieder öffnen. Sie sind allerdings verpflichtet, die Kontaktdaten der Gäste aufzunehmen, um dadurch mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können.[19] Am 10. Juni traten weitere Lockerungen in Kraft. Seit diesem Zeitpunkt dürfen sich wieder maximal zehn Personen aus verschiedenen Haushalten im öffentlichen Raum treffen. Darüber hinaus wurden größere Veranstaltungen zugelassen, die Teilnehmerzahl wurde bei Innenveranstaltungen auf maximal 75 Personen begrenzt (ab dem 24. Juni 150 Personen) und im Außenbereich auf 250 Personen.[20]

Einrichtung von Schwerpunktkliniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um die Anstrengungen in Rheinland-Pfalz zu konzentrieren, wurden fünf Corona-Schwerpunktkliniken eingerichtet. Diese befinden sich in Kaiserslautern (Westpfalz-Klinikum), in Koblenz (Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein), Mainz (Universitätsklinikum), Ludwigshafen (Städtisches Klinikum) und Trier (Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen).

Maskenpflicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. April 2020 gab Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf einer Pressekonferenz in Mainz bekannt, dass ab 27. April im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Geschäften eine Maskenpflicht gilt.[21] Auf der Pressekonferenz sagte sie, sie sei „mehr als verwundert gewesen, dass ausgerechnet diejenigen, die sehr kritisch der Maskenpflicht gegenüber waren zum damaligen Zeitpunkt“ - nämlich bei der Konferenz der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 15. April -, „jetzt in die Vorhand gegangen sind und die Maskenpflicht in ihren Bundesländern eingeführt haben.“[21] Christian Baldauf und Bernhard Braun begrüßten die Einführung der Maskenpflicht in Rheinland-Pfalz.[21] Michael Frisch kritisierte, der Beschluss komme zu spät.[21]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 17. März erteilte die Bundesregierung einen Großauftrag zum Bau von Beatmungsgeräten an das Unternehmen Löwenstein Medical in Bad Ems.[22]

Anfang November 2020 teilte das Mainzer Biotechnologieunternehmen BioNTech SE mit, dass ein zusammen mit dem Pharmakonzern Pfizer entwickelter Coronavirus-Impfstoff eine Impfstoffwirksamkeit von über 90 % zum Schutz vor der Krankheit COVID-19 bietet.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lungenärzte im Netz: Covid-19: Ursachen. Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 4. April 2020.
  2. Tagesschau: "Tief besorgt". WHO spricht von Corona-Pandemie. 11. März 2020. Online unter www.tagesschau.de. Abgerufen am 4. April 2020.
  3. tagesschau.de: Liveblog zum Coronavirus: Erster Infizierter in Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 26. Februar 2020.
  4. Soldat steckte sich mit Coronavirus bei schwer erkranktem Ehepaar an. In: Der Spiegel. Abgerufen am 28. März 2020.
  5. Corona-Fall in Kaiserslautern/Pfalz. 27. Februar 2020, abgerufen am 12. März 2020.
  6. WELT: Coronavirus in Deutschland: 32 neue Infektionen – Hessen und Hamburg betroffen. In: DIE WELT. 26. Februar 2020 (Online [abgerufen am 28. Februar 2020]).
  7. WELT: Kölner Soldat nach Corona-Infektion aus Klinik entlassen. In: DIE WELT. 5. März 2020 (Online [abgerufen am 5. März 2020]).
  8. FAZ: Coronavirus. Hochschule bei Koblenz schließt Campus.
  9. Stadt Trier: Auch in #Trier gibt jetzt es einen ersten Fall einer bestätigten Infektion mit dem neuartigen #coronavirus Der betroffenen Person geht es nach ersten Erkenntnissen des Gesundheitsamtes gut. (1). In: Twitter. 12. März 2020, abgerufen am 12. März 2020.
  10. Zweiter bestätigter Corona-Fall im Kreis Birkenfeld: Idar-Obersteiner kehrte aus Tirol zurück. 17. März 2020. Auf: www.rhein-zeitung.de Abgerufen am 17. März 2020.
  11. Aktuell 6.175 Fälle. Abgerufen am 8. Mai 2020.
  12. Coronavirus-Tests bei Großmetzgerei Sutter bisher negativ. Gezielte Tests in rheinland-pfälzischen Fleischbetrieben. SWR - Aktuell, 30. Juni 2020, abgerufen am 7. September 2020.
  13. Elke Schott: Leitlinien für den Unterricht an Realschulen plus im Schuljahr 2020/2021. In: rlp.de. 30. Juni 2020, abgerufen am 1. Juli 2020.
  14. Erlass zu weiteren kontaktreduzierenden Maßnahmen aufgrund des Aufkommens von SARS-CoV-2 -Infektionen in Rheinland-Pfalz. (PDF) Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz, 17. März 2020, abgerufen am 30. März 2020.
  15. Fernsehansprache in Textform der Landesregierung von Rheinland-Pfalz vom 20. März 2020 (PDF)
  16. Landesregierung beschließt weitere weitreichende Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung. Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, 20. März 2020, abgerufen am 31. März 2020.
  17. Bund und Länder einigen sich auf Erweiterung von Corona-Schutzmaßnahmen. Staatskanzlei Rheinland-Pfalz, 22. März 2020, abgerufen am 31. März 2020.
  18. Dreyer bittet: Keine Reisen über Ostern. SWR aktuell, 1. April 2020, abgerufen am 4. April 2020.
  19. Diese Corona-Lockerungen gelten künftig in Rheinland-Pfalz. swr.de, 6. Mai 2020, abgerufen am 7. Mai 2020.
  20. Neue Corona-Lockerungen: Was ist erlaubt, was bleibt verboten? swr.de, 9. Juni 2020, abgerufen am 19. Juni 2020.
  21. a b c d Maskenpflicht auch in Rheinland-Pfalz. SWR aktuell, 22. April 2020, abgerufen am 4. Mai 2020.
  22. Bundesregierung vergibt Grossauftrag. Apotheke Adhoc, 17. März 2020, abgerufen am 8. Juni 2020.
  23. ORF at/Agenturen red: CoV-Impfstoffstudie: Hersteller versprechen hohe Wirksamkeit. 9. November 2020, abgerufen am 9. November 2020.