Cessna 172

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Cessna 172 Skyhawk
Cessna 172S Skyhawk SP (2010)
Cessna 172S Skyhawk SP (2010)
Typ: Leichtflugzeug
Entwurfsland:

Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller:

Cessna/Textron Aviation

Erstflug: 12. Juni 1955
Indienststellung: 1956
Produktionszeit:
  • 1956 bis 1986
  • seit 1997 wieder in Serienproduktion
Stückzahl: mehr als 44.000[1]
Cockpit einer Cessna 172 (2010)
Cessna 172 Hawk XP der Fluggesellschaft LFH (2009)

Die Cessna 172 (auch Cessna Skyhawk) ist ein viersitziges, einmotoriges Leichtflugzeug des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Cessna. Sie ist der meistgebaute Flugzeugtyp der Welt.

Technische Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die auf der Cessna 170B basierende Maschine ist ein robustes, gutmütiges, viersitziges Leichtflugzeug, das von 1956 (alleine 1170 Stück) bis 1986 von Cessna und in Lizenz von Reims Aviation in Frankreich gebaut wurde. Danach ruhte die Produktion bis 1997 aufgrund amerikanischer Produkthaftungsgesetze, welche exorbitante Versicherungsprämien vorsahen.[2]

Sie steht in der Reihe einmotoriger Schulterdecker: neben der zweisitzigen Cessna 150/152 gibt es auch die bedingt kunstflugtaugliche Version „Aerobat“, die stärkeren Cessna 177 Cardinal, Cessna 182 Skylane, die sechssitzige Cessna 210 Centurion, die sechs- bis achtsitzigen Cessna 206 und Cessna 207 Stationair und die große Turboprop Cessna 208 Caravan (14-sitzig) bzw. Grand Caravan (16-sitzig). Die 150/152, die 177, die 207, die 210 und die hier ungenannten Modelle werden nicht mehr hergestellt.

Skyhawks gibt es mit 145 bis 180 PS und Reisegeschwindigkeiten von 105 bis 135 Knoten (195–250 km/h), die Mindestgeschwindigkeit ist 45 Knoten (84 km/h). Die Dienstgipfelhöhe liegt bei 13.500 Fuß (4.115 Meter) und damit genau im Bereich der durch BFU empfohlenen maximalen Höhe für das Fliegen ohne zusätzlichen Sauerstoff. Vergleichbar mit der Cessna 172 ist die Piper PA-28 Cherokee. Als Reims FR172 Rocket wurde sie (nur in Frankreich) auch mit einem 210 PS starken Continental-Einspritzmotor gebaut. Am 6. Juni 2017 haben die US-Luftfahrtbehörde FAA und die EASA der 172 JT-A als Neuflugzeug mit einem 155-PS-Continental-Dieselmotor die Zulassung erteilt.[3]

Die Version 172RG Cutlass hat ein Einziehfahrwerk (retractable gear = RG) sowie einen Verstellpropeller. Die Variante R172K Hawk XP mit 195 PS hat ebenfalls einen Verstellpropeller. Für die Cessna 172 wird auch ein Umbau mit Schwimmern für den Einsatz als Wasserflugzeug angeboten.

Einsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cessna 172 wird weltweit als Schulungsflugzeug für die Pilotenausbildung eingesetzt. Aufgrund ihrer Manövrierbarkeit und Langsamflugeigenschaften, in Verbindung mit vergleichsweise geringen Betriebs- und Wartungskosten, wird die C 172 gern als das klassische „Vereinsflugzeug“ angesehen. Betrieben wird es dabei hauptsächlich von Flugschulen, Vereinen und von Privatpersonen. Wegen der gutmütigen und sicheren Flugeigenschaften wird das Muster auch gern zum Verchartern (Vermieten) verwendet.

Die verschiedenen Modelle der Baureihe C 172 werden auch intensiv zu Sonderaufgaben wie Such- und Rettungsdiensten (vor allem in den USA durch die „Civil Air Patrol“), Pipeline und Powerline-Kontrollflügen, sowie zu Luftbildflügen eingesetzt. Die Cessna 172 ist, wie die etwas größeren Cessna 195 und Cessna 206, in USA, Kanada und Europa auch als Wasserflugzeug im Einsatz.

Besondere Einsätze mit Medien-Resonanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Cessna 172 Hacienda, mit der Timm und Cook 1958/59 den Dauerflugrekord aufstellten, im McCarran International Airport (Bild von 2006)

Eine Cessna 172 wurde 1958/59 eingesetzt, um einen Dauerflug-Weltrekord aufzustellen, der nach wie vor besteht. Am 4. Dezember 1958 starteten Robert Timm und John Cook in einer gebrauchten Cessna 172 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen N9172B vom McCarran Airfield in Las Vegas, Nevada. Nach 64 Tagen, 22 Stunden, 19 Minuten und 5 Sekunden landeten sie am 7. Februar 1959 wieder auf dem McCarran Airfield.[4]

Am 28. Mai 1987 flog der damals 18-jährige Mathias Rust mit einer Cessna 172P illegal von Helsinki nach Moskau. Seine Landung nahe dem Roten Platz wurde von einem Touristen auf Video aufgezeichnet und sorgte weltweit für Schlagzeilen.[5]

Motoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Cessna-Baureihe 172 kommen unter anderem folgende Motoren zum Einsatz:

Flugleistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flugleistungen sind stark von der Motorisierung, die zwischen 107 bis 154 kW (145–210 PS) liegt, abhängig. Die Cessna 172 ist ein Reiseflugzeug, das beim Betrieb mit vier Personen und schwachem Antrieb schnell an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit kommen kann. Bei vergleichbaren Flugzeugen verhält es sich ähnlich. Ein vollständiges Befüllen der Tanks ist dann gegebenenfalls nicht mehr möglich, ohne dass das Höchstabfluggewicht überschritten würde. Dies führt zur Absenkung der Reichweite. Ebenso leidet die Steigleistung, was besonders beim Start auf kurzen Bahnen kritisch werden kann und berücksichtigt werden muss. Beim Betrieb mit z. B. zwei Personen und Gepäck ist nicht mit Einschränkungen zu rechnen, jedoch muss wie bei allen Flugzeugen auf die korrekte Gewichtsverteilung geachtet werden.

Im Reiseflug kann eine Geschwindigkeit von 95 bis 120 kn (176–222 km/h) erreicht werden, je nach Flughöhe und Motorleistung. Der Flugbenzin-Verbrauch ist dabei stark vom eingebauten Motor und von der Geschwindigkeit abhängig.

Die in der FR172 Reims Rocket eingesetzten Sechszylinder-Einspritzmotoren der Type Continental IO-360 H, 157 kW (210 PS) verbrauchen bei Reiseleistung von ca. 120 kn (222 km/h) ca. 40–42 Liter Flugbenzin pro Stunde.

Die Sechszylindermotoren O-300 mit 107 kW (145 PS) der früheren Baujahre (bis 1972) verbrauchen, ähnlich wie die neueren Vierzylinder mit 118 kW (160 PS) ca. 32–35 l/h (z. B. O-320 von Lycoming).

Bei vollen Tanks können die Flugzeuge etwa 4 bis 5 Stunden mit Reserve in der Luft bleiben.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cessna 172 H Reims (2011)
172
Erste Basisversion aus dem November 1955 mit luftgekühltem Sechszylindermotor Continental O-300 und einer maximalen Startmasse von 998 kg. Einstiegspreis war 8995 US-Dollar und bis zur Ablösung 1960 durch die 172A wurden 4195 Stück gebaut.[7]
172A
Das 1960er Modell 172A besaß gepfeilte Schwanz- und Seitenruder sowie weitere Verbesserungen. Der Preis betrug nun 9450 US-Dollar. Insgesamt wurden 1015 Stück gebaut.[7]
172D
Die 172D (1963) bekam einen abgesenkten Rumpfrücken und ein großes Heckfenster, wodurch die Sichtverhältnisse deutlich verbessert wurden. Das höchstzulässige Startgewicht wurde gegenüber der 172C um 23 kg auf 1044 kg erhöht. 1011 Stück gebaut.[8]
172RG Cutlass/Turbo Cutlass
Version aus dem Jahr 1980 mit elektrisch einziehbarem Fahrwerk, Verstellpropeller und 145 kW starkem Lycoming O-360-Triebwerk. Sie war als Übergangsversion zur Cessna 182 gedacht und durch ihren Mehrpreis von 20.000 US-Dollar gegenüber dem Standardmodell (das jedoch kaum schwächere Leistungen bot) wenig erfolgreich. Ab 1983 wurde auch eine Turboversion mit Lycoming O-540 mit 175 kW angeboten. Bis zum Ende der Produktion im Jahr 1985 wurden 1191 Maschinen gebaut.
FR172 Reims Rocket
Version mit Sechszylinder-Einspritzmotoren Continental IO-360H mit 210 PS (157 kW) Leistung. Die Rocket-Serie mit 210-PS-Motor wurde ab 1967 ausschließlich bei Reims-Aviation (ehemals Fa. Holste-Aviation mit 51 % Anteil, Cessna 49 % Anteil) in Frankreich gebaut und speziell auf die Bedürfnisse in Europa (Alpenflug und kurze Flugplätze) sowie auf afrikanische Busch-Verhältnisse abgestimmt. Reims stellte von 1967 bis 1978 insgesamt 590 Rockets in den Varianten FR172E bis FR172J her. Der bei der Rocket verwendete Motor Continental IO-360 kam ursprünglich bei der militärischen Variante der Cessna 172, dem US-Militärflugzeug T-41B Mescalero, zum Einsatz und sollte nicht in Konkurrenz zur parallel gebauten Cessna-182er-Serie stehen. Die Europäer setzen sich jedoch mit dem Wunsch nach einer stärkeren Motorisierung gegenüber dem Cessna-Mutterwerk durch. Sogar eigene standardmäßig zugelassene Transportliegen können bei Ausbau der beiden rechten Sitze für die Unfallopferbergung mitgenommen werden. Unter allen gängigen einmotorigen Viersitzern weist die Cessna Rocket in der Statistik wertberichtigt die wenigsten Unfälle auf. Dies verdeutlicht einen Vorteil eines Hochdeckers mit seinem großen Abstand von Flügel zum Boden, der auf unbefestigten Plätzen langes Gras und sogar niedrige Büsche überragt.[9]
172S
Das Modell 172S wurde 1998 eingeführt; es ist das einzige Modell, das derzeit produziert wird.

Militärische Nutzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Cessna 172S der irakischen Streitkräfte landet auf dem Militärflugplatz von Kirkuk (2008)

USAF-Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abnahme der T-41 durch die USAF:[25]

Version 1964 1965 1966 1967 1968 1969 1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977 SUMME
T-41A 1 169   34     7               211
T-41A Peru     26                       26
T-41C       26 19   7               52
T-41D MASF           4 16 8 3           31
T-41D MAP         34 40 8 30 48 5 5   4   174
T-41D El Salvador                           3 3
SUMME 1 169 26 60 53 44 38 38 51 5 5 0 4 3 497

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenansicht
Kenngröße Cessna 172 P[26] Cessna 172 RG Cutlass[27] Cessna 172 S[28]
Besatzung 1
Passagiere 3
Länge 8,20 m 8,36 m 8,28 m
Spannweite 10,97 m 11,0 m
Höhe 2,86 m 2,68 m 2,72 m
Flügelfläche 16,17 m² 16,2 m²
Leermasse 779 kg 815 kg 781 kg
max. Startmasse 1089 kg 1198 kg 1157 kg
max. Landemasse 1089 kg 1198 kg 1157 kg
Reisegeschwindigkeit 210 km/h / 113,4 kn 250 km/h / 135 kn (in 6000 Fuß) 230 km/h / 124 kn (in 8500 Fuß)
Höchstgeschwindigkeit 233 km/h / 125,8 kn 300 km/h / 162 kn 233 km/h / 126 kn (auf Meereshöhe)
Steigrate 223 m/min / 731,6 ft/m 230 m/min / 730 ft/m (auf Meereshöhe)
Dienstgipfelhöhe 4115 m / 13500 ft 5334 m / 17500 ft 4267 m / 14000 ft
Reichweite 1130 km / 610 nm 1910 km / 1031 nm 1182 km / 638 nm
Triebwerke ein Lycoming O-320 mit 119 kW (160 PS) ein Avco Lycoming O-360-F1A6 mit 134 kW (182 PS) ein Textron Lycoming IO-360-L2A 134 kW (182 PS) bei 2700 U/min
Die Cessna 172P des „Kremlfliegers“ von 1987 mit dem Kennzeichen D-ECJB im Deutschen Technikmuseum Berlin (Bild von 2012)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Cessna 172 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Reims F172 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Reims FR172 Rocket – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flight International, 20. Juni 2017 (englisch), S. 24.
  2. 60 Jahre VW Käfer der Lüfte, NZZ, 18. August 2017, Seite 54
  3. FAZ.net
  4. Steven W. Ells: Endurance Test, Circa 1958 - 150,000 miles without landing in a Cessna 172. In: Aircraft Owners and Pilots Association (Hrsg.): AOPA Pilot Magazine. Nr. 3, 2008 (AOPA [abgerufen am 14. Juli 2019]).
  5. Spiegel Online Kreml-Flieger Rust, 6. Juni 2009
  6. Quelle: Geräte-Kennblatt Nr. 539 und 539a vom Luftfahrt-Bundesamt
  7. a b Bill Clarke: The Cessna 172. TAB Books, 1987, ISBN 0-8306-0912-1, S. 31–97.
  8. Rod Simpson: The General Aviation Handbook, Hinckley 2005, S. 83, 96
  9. Motorflugunion Klosterneuburg
  10. a b Andrade 1982, Page 27
  11. Andrade 1982, Page 45
  12. Andrade 1982, Page 57
  13. Andrade 1982, Page 95
  14. Andrade 1982, Page 97
  15. Strategy Page: Iraq Seeks Cessna Solution. February 2008. Abgerufen am 19. Februar 2008.
  16. Andrade 1982, Page 61
  17. Andrade 1982, Page 147
  18. Andrade 1982, Page 151
  19. GoTech
  20. Timor News: Dili aero oferse aviaun ida ba F-FDTL, 25. Mai 2018, abgerufen am 25. Mai 2018.
  21. Andrade 1982, Page 172
  22. Andrade 1982, Page 189
  23. a b Taylor, John: Jane's Pocket Book of Military Transport and Training Aircraft, page 67. MacMillian Publishing Inc, 1974. Library of Congress 73-15288
  24. Andrade 1982, Page 193
  25. Statistical Digest of the USAF 1964, S. 58 f.; 1965, S. 60 f.; 1966, S. 115 f.; 1967, S. 122 f.; 1968, S. 132 f.; 1969, S. 111 f.; 1970, S. 107 f.; 1971, S. 102 f.; 1972, S. 154 f.; 1973, S. 52 f.; 1974, S. 48 f.; 1975, S. 52 f.; 1976, S. 80 f.; 1977, S. 55 f.
  26. Die Privatpilotenschule – Flugzeuge
  27. FliegerRevue September 2009, S. 67, Typenblatt
  28. Skyhawk SP Specification and Description. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Cessna.com. 12. Juni 2007, archiviert vom Original am 7. März 2008; abgerufen am 9. März 2008.