Convair CV-240

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Convair CV-240
CV240 Ruud leeuw.jpg
Convair CV-240
Typ: Passagier- und Transportflugzeug
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller:

Convair

Erstflug: 16. März 1947
Indienststellung: 1948
Produktionszeit: 1947 bis 1958
Stückzahl: 571

Die Convair CV-240 (ursprünglich Consolidated Vultee CV-240, auch als Convair 240 und Convairliner 240 bezeichnet) ist ein Passagierflugzeug für Kurzstrecken des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Consolidated Vultee Aircraft Corporation (ab 1954 Convair). Der Tiefdecker mit einziehbarem Bugradfahrwerk verfügte als erste zweimotorige Linienmaschine über eine Druckkabine. Von 1947 bis 1955 stellte Convair 571 Maschinen her. Nach neuen Forderungen seitens der United Air Lines wurde die CV-240 Anfang der 1950er-Jahre zur Convair CV-340 weiterentwickelt

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oben: Convair 240 der italienischen LAI, unten Convair 340 der niederländischen KLM

Ab März 1945 entwickelte Consolidated Vultee für die zivile Luftfahrt aufgrund einer Ausschreibung der American Airlines die Consolidated Vultee 110. Die Maschine mit 30 Plätzen wurde wegen der beschränkten Nutzlast und der fehlenden Druckkabine nicht in Serie gebaut. Convair baute daraufhin mit stärkeren Motoren die geringfügig größere CV-240 mit 40 Plätzen und Druckkabine. Die Sitzanordnung war 10 Reihen mit je 2 + 2 Sitzen und Mittelgang. Der neue Typ erhielt rechteckige statt runde Kabinenfenster. Zwei Türen mit eingebauter Gangway verringerten die Abhängigkeit von Bodeneinrichtungen und beschleunigten die Passagierabfertigung.

Die beiden 18-Zylinder-Doppelsternmotoren des Typs Pratt & Whitney R-2800 trieben dreiblättrige Verstellpropeller mit fester Drehzahl an („constant speed“). Die Tragflächen wiesen eine Pfeilung von etwa 4° auf, das Leitwerk war konventionell ausgelegt. Die Ruder und die Tragflächenhinterkante wurden aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt. Am 16. März 1947 startete der Prototyp vom Convair-Werksflugplatz in San Diego (Kalifornien) zum Erstflug.

Modifizierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Convair CV-300 – Umbau von CV-240 mit R-2800-CB-17-Triebwerken und Triebwerksgondeln der CV-340

Convair CV-600 – Erstflug 20. Mai 1965

39 Maschinen wurden von 1965 bis 1968 mit Rolls-Royce Dart-Propellerturbinen (Dart RDa.10/1, Mk.542-4 mit 2223 kW/3025 WPS Leistung) versehen und als CV-600 weiter betrieben.[1] Erstkunde war Central Airlines (1949), die insgesamt elf Maschinen betrieb. Trans-Texas Airways (ab 1969 Texas International Airlines) baute 25 Maschinen um.

Zivile Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kabine einer Convair CV-240

American Airlines bestellte 75 Maschinen dieses Typs, um sie ab dem 1. Juli 1948 im Kurzstreckenverkehr einzusetzen. Bald darauf folgten Pan American Airways (20), KLM (12), Western (10), Garuda (8), Sabena (6), Continental (5), Trans Australia (5), Swissair (4), Ethiopian Airlines (3) sowie LOT (2) mit weiteren Bestellungen. Insgesamt 176 Maschinen gingen an Luftfahrtgesellschaften und andere private Eigner. Damit war der Typ wirtschaftlich erfolgreich. Eine CV-240 erlangte Berühmtheit, weil sie von John F. Kennedy während seines Wahlkampfes als VIP-Maschine benutzt wurde.

Zwischen 1957 und 1961 setzte die Deutsche Flugdienst GmbH (ab 1. November 1961 Condor Flugdienst) fünf von der KLM erworbene Maschinen im Charterverkehr ein (D-BELU, D-BEPE, D-BESI, D-BATA, D-BOBA). D-BELU stürzte am 31. Juli 1960 beim Anflug auf den Flughafen Rimini ab. Zwischen September 1960 und September 1961 flog D-BOBA leihweise für die Lufthansa.

Die CV-240 blieben bei den großen Fluggesellschaften bis etwa Mitte der 1960er Jahre im Einsatz, um dann den aufkommenden modernen Kurzstreckenjets wie der Boeing 737 zu weichen. Viele Maschinen wurden an Fluggesellschaften in Asien, Afrika sowie Mittel- und Südamerika verkauft und dort noch bis zum Jahr 2000 eingesetzt.

Militärische Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die United States Air Force (USAF) bestellte 1954 den Typ mit einer großen Ladetür als Frachtflugzeug Convair C-131A Samaritan. Mit diesem Muster, das hauptsächlich für den Verwundetentransport ausgelegt war, konnten bis zu 27 Verwundete liegend oder 37 Verletzte sitzend transportiert werden. Von der C-131A wurden 26 Stück beschafft. Im Jahre 1959 bestellte die USAF 369 Maschinen als Schulflugzeug Convair T-29, der zur Ausbildung von Navigatoren, Bombenschützen und Radar-Bedienern genutzt wurde. Ende der 1970er-Jahre waren fast alle Flugzeuge dieser militärischen Varianten ausgemustert. Die Nationalgarde jedoch nutzte die C-131A bzw. T-29 zum Teil noch bis etwa 1995.

USAF-Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Flugzeug wurde als Trainer T-29 und als Frachtflugzeug C-131 in Serie gebaut.

In der folgenden Tabelle sind nicht nur CV-240, sondern auch CV-340 (C-131B/C/D) sowie CV-440 (C-131D/E) enthalten. Abnahme der T-29/C-131 durch die USAF:[2]

Version 1950 1951 1952 1953 1954 1955 1956 1957 SUMME
T-29A 25 23             48
T-29B   2 59 44         105
T-29C       28 72 19     119
T-29D       7 41 44     92
C-131A         26       26
C-131B         1 35     36
YC-131C         2       2
C-131D         12 15 6   33
C-131E             10 2 12
SUMME 25 25 59 79 154 113 16 2 473

Eine größere Zahl wurde zum VIP-Transporter umgebaut. So entstanden 10 VT-29A aus T-29A und B, 14 VT-29B aus AC-131A, 12 VT-29C aus T-29C, 6 VT-29D aus T-29D und 1 VT-29E aus einer VT-29B. Der Umbau von 18 AC-131A erfolgte aus T-29C. Von diesen wurden 4 für die CT-29A verwendet[3].

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
United States Air Force C-131A und T-29

Bestand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2004 waren noch 14 Maschinen vorhanden, 7 davon flugfähig. 78 gingen durch Unfälle verloren.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1949 bis Anfang 2017 wurden 77 CV-240 zerstört, davon 70 durch Unfälle (der letzte im Jahr 1998). Bei diesen Unfällen gab es insgesamt 343 Todesopfer.[4] Beispiele:

  • Am 2. September 1951 flog eine Convair CV-240-2 der Pan Am (Luftfahrzeugkennzeichen N90662) im Anflug auf den Flughafen von Kingston (Jamaika) so tief, dass mit einem Tragflächenende das Wasser berührt wurde. Die Maschine stürzte in den Hafen. Alle vier Crewmitglieder und dreißig Passagiere überlebten. Das Flugzeug wurde zum Totalschaden.[7][8]
  • Am 14. Januar 1952 setzte eine Convair CV-240-13 der Northeast Airlines (Kennzeichen N91238) rund 1100 m vor der Landebahn des Flughafens New York-LaGuardia in der Flushing Bay auf. Die 3 Besatzungsmitglieder und 33 Passagiere wurden gerettet. Das Flugzeug wurde als Totalverlust verbucht.[9][10]
  • Am 22. Januar 1953 stürzte eine Convair CV-240 der American Airlines (Kennzeichen N94229) im Landeanflug auf den Flughafen Newark 5,5 Kilometer südöstlich des Flughafens auf die Stadt. Alle 23 Menschen an Bord starben, ebenso 7 Personen am Boden.[11]
  • Am 14. Oktober 1953 verunglückte eine CV-240-12 der Sabena (Kennzeichen OO-AWQ) auf dem Flug von Frankfurt nach Brüssel. Kurz nach dem Abheben vom Flughafen Frankfurt stürzte das Flugzeug aus geringer Höhe gut 2000 Meter hinter dem Ende der Startbahn in den Kelsterbacher Wald. Alle 44 Insassen – 40 Passagiere und 4 Besatzungsmitglieder – kamen dabei ums Leben. Die Motoren des Flugzeugs hatten beim Start an Leistung verloren infolge eines starken Bleiansatzes an den Zündkerzen, der Zündaussetzer zur Folge hatte. Die Piloten hatte den Startversuch trotz der mangelhaften Motorleistung fortgesetzt.[12]
  • Am 19. Juni 1954 musste eine Convair CV-240-4 der schweizerischen Fluggesellschaft Swissair (Kennzeichen HB-IRW)auf dem Flug von Genf nach London wegen Treibstoffmangel nahe Folkestone, Großbritannien notgewassert werden. Von den neun Insassen ertranken drei Nichtschwimmer; es gab keinerlei Schwimmwesten oder ähnliches an Bord.[13]
  • Am 15. August 1958 flog eine Convair CV-240-2 der Northeast Airlines (Kennzeichen N90670) bei dichtem Nebel 400 Meter vor der Landebahnschwelle des Nantucket Memorial Airport (Massachusetts) in den Boden. Von den 34 Insassen kamen 25 ums Leben.[14]
  • Am 31. Juli 1960 fielen beim Anflug auf den Flughafen Rimini nacheinander beide Motoren einer CV-240-4 der Deutsche Flugdienst (jetzt Condor) (Kennzeichen D-BELU) aus. Bei der anschließenden Notlandung einen Kilometer vor Beginn der Landebahn kam einer der 30 Passagiere ums Leben. Die vier Besatzungsmitglieder überlebten.[15]
  • Am 20. Oktober 1977 stürzte eine Convair CV-300 (Kennzeichen N55VM), gechartert von der Band Lynyrd Skynyrd, bei Gillsburg, Mississippi, nicht weit vom Flugplatz in McComb (Mississippi) ab. Am Ende des Fluges von Greenville, South Carolina nach Baton Rouge, Louisiana fielen aufgrund Treibstoffmangels beide Triebwerke aus. Ein Jahr später gab ein Gericht menschlichem Versagen der Crew die Schuld.[16] Die beiden Piloten sowie 4 der 24 Passagiere wurden getötet, davon drei Bandmitglieder sowie ein Manager.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Convair C-131D Samaritan der US Air Force
Kenngröße Daten
Besatzung 2 Piloten, 2 Flugbegleiter
Passagiere 40 Passagiere
Länge 22,76 m
Spannweite 27,97 m
Höhe 8,20 m
Anfängliche Steigrate 460 m/min
Leergewicht 11.545 kg
Startgewicht 19.283 kg
Reisegeschwindigkeit 450 km/h
Höchstgeschwindigkeit 507 km/h
Dienstgipfelhöhe 4.880 m
Reichweite 1.935 km
Triebwerke Zwei 18-Zylinder-Doppelsternmotoren Pratt & Whitney R-2800 CB16 18 mit je 1764 kW (2400 PS)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jennifer M. Gradidge: The Convairliners Story. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells 1997, ISBN 0-85130-243-2.
  • Jochen K. Beeck: Verkehrsflugzeuge der Welt 1919–2000. Geschichte – Klassen – Typen. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2000, 1. Auflage, ISBN 3-613-02008-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Convair CV-240 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gradidge 1997, S. 46–47 und 49–50.
  2. Statistical Digest of the USAF 1949, S. 164 f.; 1951, S. 158; 1952, S. 158; 1953, S. 185 f.; 1954, S. 70 f.; 1955, S. 80 f.; 1956, S. 91 f.; 1957, S. 97 f.
  3. Statistical Digest of the USAF 1956, S. 115 ff.; 1961, S. 92 ff.
  4. Unfallstatistik Convair CV-240, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 8. März 2017.
  5. Air-Britain Archive: Casualty compendium part 50 (englisch), September 1993, S. 81.
  6. Unfallbericht CV-240 NC91241, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. November 2017.
  7. Air-Britain Archive: Casualty compendium part 53 (englisch), Juni 1994, S. 94/53.
  8. Unfallbericht CV-240 N90662, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. August 2017.
  9. Air-Britain Archive: Casualty compendium part 53 (englisch), Juni 1994, S. 95.
  10. Unfallbericht CV-240 N91238, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. November 2017.
  11. Unfallbericht CV-240 N94229, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 19. August 2017.
  12. Unfallbericht CV-240 OO-AWQ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Februar 2016.
  13. Unfallbericht CV-240 HB-IRW, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 22. August 2017.
  14. Unfallbericht CV-240 N90670, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 26. November 2017.
  15. Unfallbericht CV-240 D-BELU, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 27. Februar 2016.
  16. Unfallbericht CV-300 N55VM, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 8. März 2017.