Chandrayaan-2

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Chandrayaan-2-Lander (oben) und -Orbiter
Der Rover „Pragyan“

Chandrayaan-2 (Hindi च्हन्द्रयान ‚Mondfahrzeug‘, Hindi Chandra für Mond, yaan für Wagen, Fahrzeug) ist eine Mondsonde der indischen Raumfahrtbehörde ISRO. Der Start der Sonde war zuletzt für den 14. Juli 2019 geplant, verschiebt sich jedoch wegen eines Helium-Lecks an der oberen Raketenstufe auf einen späteren Zeitpunkt.[1][2] Die Kosten der Mission summierten sich bis Mitte 2019 auf knapp 10 Milliarden Rupien (etwa 130 Millionen Euro).[3]

Bei einer erfolgreichen Landung wäre Indien nach der Sowjetunion (1966), den Vereinigten Staaten (1966) und der Volksrepublik China (2013) das vierte Land, das eine Sonde auf der Mondoberfläche absetzt. Zudem wäre es die erste Landung in der strategisch wichtigen Südpolregion, in der Wassereisvorkommen vermutet werden.

Vorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war Chandrayaan-2 als indisch-russische Kooperation geplant, bei der der Lander von Roskosmos entwickelt werden sollte. Die Mission sollte 2011–2012 starten. Nachdem Ende 2011 jedoch die russische Marsmission Fobos-Grunt fehlgeschlagen war und sich die Entwicklung des Mondlanders dadurch stark verzögert hatte, entschied sich die ISRO 2013 dafür, die Mission alleine durchzuführen.[4][5][6] Seitdem wurde der geplante Starttermin mehrfach verschoben.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sonde besteht aus einem Orbiter und einer Landeplattform namens Vikram mit dem Rover Pragyan. Die Masse der Sonde beträgt 3250 kg, wovon 2379 kg auf den Orbiter und 1471 kg auf den Lander einschließlich des 27 kg schweren Rovers entfallen.[7]

Der Orbiter ist mit acht Instrumenten ausgestattet, darunter je eine Kamera zur hochauflösenden Fotografie und zur Erstellung eines digitalen Höhenmodells der Mondoberfläche. Ein Massenspektrometer soll die dünne Mondatmosphäre analysieren und nach Isotopen wie Helium-3 suchen, während die Ionosphäre mit Radiowellen im Mikrowellenbereich untersucht wird, die von Bodenstationen auf der Erde empfangen werden. Ein Infrarotspektrometer und ein Synthetic Aperture Radar sollen das Vorhandensein von Wasser an und unterhalb der Mondoberfläche bestätigen. Außerdem soll die chemische Zusammensetzung der Oberfläche mit einem Röntgenfluoreszenzspektrometer ermittelt werden.[8][7]

Die Landeplattform verfügt über einen Seismograph zur Aufzeichnung von Mondbeben sowie eine Langmuir-Sonde zur Untersuchung der Plasmahülle des Mondes. Außerdem ist ein Messinstrument für die Wärmeleitfähigkeit der Mondoberfläche vorhanden.[7]

Der Rover soll über Solarzellen mit Strom versorgt werden. Mit zwei Spektrometern soll er chemische Analysen des Mondgesteins vor Ort durchführen. Der Rover kann bis zu 500 Meter mit einer Geschwindigkeit von 1 cm/s (0,036 km/h) zurücklegen.[9][10][7]

Missionsverlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Start soll vom Satish Dhawan Space Centre mit einer GSLV-Mk-III-Rakete erfolgen. Die Sonde wird zunächst in eine hochelliptische Erdumlaufbahn gebracht, deren Apogäum anschließend schrittweise angehoben wird, bis die Sonde sich in einer Transferbahn zum Mond befindet. Gemäß Planungsstand vom Mai 2019 soll sie drei Wochen nach dem Start in eine Mondumlaufbahn in 100 km Höhe einschwenken und am 54. Missionstag landen.[11][7] Der vorgesehene Landeplatz liegt bei etwa 70° südlicher Breite zwischen den Kratern Manzinus C und Simpelius N. Der Anflug dieses Punkts ist technisch anspruchsvoller als alle früheren Landeplätze, weil diese näher am Äquator lagen.[9]

Für den Orbiter wurde eine Missionsdauer von einem Jahr angesetzt. Der Lander und der Rover sind nur für einen Mondtag Betriebsdauer ausgelegt, was etwa 14 Erdtagen entspricht.[7] Danach fällt ihre Solarstromversorgung aus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chandrayaan-2 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Why Chandrayaan-2 launch was postponed .... Get all information here. In: news24online.com. 14. Juli 2019, abgerufen am 15. Juli 2019.
  2. Isro pinpoints Chandrayaan-2 leak to ‘nipple joint’ of cryogenic engine. In: Times of India. 16. Juli 2019, abgerufen am 16. Juli 2019 (Nur die obere Stufe des GSKV Mk III ist kryogen.).
  3. Chandrayaan-2 mission launch called off today due to technical snag. In: Times of India. 14. Juli 2019, abgerufen am 15. Juli 2019.
  4. T.S. Subramanian: ISRO plans moon rover. In: The Hindu. 4. Januar 2007, abgerufen am 10. Mai 2019 (englisch).
  5. R. Ramachandran: Chandrayaan-2: India to go it alone. The Hindu, 22. Januar 2013, abgerufen am 5. August 2014 (englisch).
  6. Chandrayaan-2. Press Information Bureau, Government of India, Department of Space, 14. August 2013, abgerufen am 5. August 2014 (englisch).
  7. a b c d e f ISRO-Broschüre zum Start von Chandrayaan-2, abgerufen am 14. Juli 2019. (PDF; 4,5 MB)
  8. Chandrayaan 2 Payloads. ISRO, abgerufen am 14. Juli 2019.
  9. a b India plans tricky and unprecedented landing near moon’s south pole. In: Science. 31. Januar 2018, abgerufen am 14. Juli 2019.
  10. T. S. Subramanian: Chandrayaan’s rover and the moon rocks from Salem villages. The Hindu, 11. Mai 2014, abgerufen am 5. August 2014 (englisch).
  11. GSLV-Mk III - M1 / Chandrayaan-2 Mission. ISRO, abgerufen am 14. Juli 2019.