Cratzenbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Cratzenbach
Gemeinde Weilrod
Wappen von Cratzenbach
Koordinaten: 50° 19′ 32″ N, 8° 23′ 5″ O
Höhe: 385 m ü. NHN
Fläche: 4,5 km² [LAGIS]
Einwohner: 212 (Jan. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Eingemeindet nach: Rod an der Weil
Postleitzahl: 61276
Vorwahl: 06083
Karte
Lage von Cratzenbach in Weilrod
Rathaus und Alte Schule

Cratzenbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Weilrod im südhessischen Hochtaunuskreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cratzenbach liegt im Östlichen Hintertaunus im Naturpark Taunus. Die Gemarkung befindet sich in einer Höhenlage von 320 bis 500 m ü. NN. Nachbarorte sind Hasselbach (nordwestlich), Rod an der Weil (nördlich), Neuweilnau (südöstlich) und Riedelbach (südlich).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahr 1412 als Crassinbach erstmals erwähnt. 1669 wurde das Dorf dem neu gegründeten Amt Usingen zugeordnet. Der größte Teil der Gemarkung war damals ein fürstliches Hofgut. 1770 verkaufte Fürst Carl von Nassau-Usingen das Hofgut mit allem Land und den Gebäuden an das Dorf Cratzenbach. 1827 wurde der erste eigene Friedhof angelegt. Die (heute unter Denkmalschutz stehende) Schule wurde 1862 gebaut und bis 1964 von den Cratzenbacher Kindern besucht. Heute besuchen die Kinder die vom Architekten Bernd Mey entworfene "Grundschule im Weiltal" in Rod an der Weil. Das ehemalige Rathaus neben der Schule ist seit 1957 Dorfgemeinschaftshaus.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich die Gemeinden Cratzenbach, Rod an der Weil sowie weitere Gemeinden am 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis zur Gemeinde Weil an der Rod zusammen, bevor diese Gemeinde am 1. August 1972 mit mehreren bis dahin selbstständigen Gemeinden durch ein Landesgesetz zur Gemeinde Weilrod zusammengeschlossen wurde.[2][3]

Klettergarten Cratzenbach

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Kulturdenkmäler in Cratzenbach

Energie-Erlebnis-Tour Weilrod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zusammenhang mit dem Windpark hat der Wiesbadener Projektentwickler ABO Wind 2015 die Energie-Erlebnis-Tour Weilrod eröffnet.[4] Der fünf Kilometer lange Rundweg beginnt und endet im Ortsteil Cratzenbach. Schautafeln, Spiel- und Quizstationen bieten Informationen zur Geschichte der Energienutzung sowie unterhaltende Elemente.[5]

Klettergarten Cratzenbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Ortseingang liegt der alte Steinbruch des Dorfs. Der Abbau von Taunusschiefer wurde aufgegeben. Heute dient die Anlage als Grillplatz des Naturparks Taunus. Die Steilwand des ehemaligen Steinbruchs wird vom Deutschen Alpenverein als Kletteranlage genutzt. Zu diesem Zweck sind Haken fest eingesetzt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

FFW Cratzenbach Gerätehaus.jpg

Abwehrender Brandschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiwillige Feuerwehr Cratzenbach wurde 1933 gegründet.

Windpark Weilrod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der nordwestlich verlaufenden bewaldeten Feldberg-Langhals-Pferdskopf-Scholle, im Gebiet zwischen Riedelbach (südlich), Dombach (westlich) und Cratzenbach (nordöstlich), seitlich der althistorischen Rennstraße, hat der Projektentwickler ABO Wind 2014 einen Windpark geplant und errichtet.[6] Die Bauarbeiten für die Errichtung der sieben Windkraftanlagen (WEA) des Typ Nordex N117/2400 vom Hersteller Nordex SE mit einer Maximalhöhe von 199 m[7] begannen im Februar 2014. WEA 7 wurde etwa 900 Metern südöstlich des Eichelbacher Hof errichtet. Drei weitere WEA (1–3) wurden westlich in der Nähe des Daubhauses, welches in einem Nebental des Dombachtal liegt, errichtet.[8] Für die Standorte dieser WEA mussten am Sommerberg größere Felsgrauwacken beseitigt werden.

Windpark Weilrod vom Aussichtsturm Aussichtsturm Pferdskopf. Links der Sommerberg (drei WEA), dahinter der Stückelberg und das Kuhbett. Bildmitte Teilortsansicht von Riedelbach

Wie bei solchen Windenergieprojekten in Waldlandschaften üblich, wurden für die 7 WEA größere Waldflächen mit dem Einsatz von Holzvollernter entwaldet und anschließend gerodet. Weiterhin wurde die Rennstraße und seitlich abgehende vorhandene Waldwege für den Transport der Baumaterialien und Anlagenbauteile zu Baustraßen umgewandelt, sowie seitlich der angelegten Baustraßen die Erdkabel zu den einzelnen WEA verlegt.

Der Windpark gehört zu 80 Prozent der Wiesbadener ABO Invest AG, die sich als "Bürgerwindaktie" vermarktet und an der nach eigenen Angaben rund 5.000 Aktionäre beteiligt sind.[9] Die Ertragsdaten des Windparks Weilrod sind im Internet abrufbar.[10] Laut Prognose soll der Windpark in einem durchschnittlichen Windjahr 49 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren. 2015 wurde die Prognose knapp und 2016 deutlich verfehlt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Cratzenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cratzenbach im Internetauftritt der Gemeinde Weilrod, abgerufen am 25. März 2018.
  2. Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen (GVBl. II Nr. 330-18) vom 11. Juli 1972. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 227, § 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  3. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 276
  4. Energie-Erlebnis-Tour Weilrod. Abgerufen am 3. Januar 2017
  5. Eisbär im Taunus , Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Dezember 2015,
  6. Steckbrief Windpark Weilrod, Website der ABO Wind AG. Abgerufen am 8. August 2017.
  7. Präsentation ABO Wind Projekt Windpark Weilrod (PDF-Dokument)
  8. Bürgerinitiative Rennstraße (offizielle Homepage)
  9. Konzept der Bürgerwindaktie ABO Invest AG. Abgerufen am 3. Januar 2017.
  10. Ertragsdaten Windpark Weilrod. Abgerufen am 3. Januar 2017