Eschollbrücken

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Eschollbrücken
Wappen von Eschollbrücken
Koordinaten: 49° 48′ 40″ N, 8° 34′ 0″ O
Höhe: 94 m ü. NHN
Fläche: 4 km²[1]
Einwohner: 3017 (2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 754 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64319
Vorwahl: 06157

Eschollbrücken (im lokalen Dialekt: Eschollbrigge)[3] ist ein Stadtteil von Pfungstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg mit rund 3000 Einwohnern. Der Stadtteil gliedert sich in den Ort Eschollbrücken und den Ortsteil Eich.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschollbrücken liegt westlich der Pfungstädter Kernstadt, dazwischen verläuft die Bundesautobahn 67. Im Süden schließt sich der Stadtteil Hahn an.

Landschaftlich liegt Eschollbrücken kurz vor dem Hessischen Ried, einem Teil der Oberrheinischen Tiefebene. Durch die Landschaft schlängeln sich einige Gräben, die einst zur Entwässerung des Hessischen Riedes dienten, heute jedoch nur noch gelegentlich Wasser führen. Der Sandbach, ein Nebenarm der Modau, der beim Naturschutzgebiet Kühkopf in den Altrhein mündet, durchfließt die Felder nördlich des Ortes.

Die östliche Grenze der Ortsbebauung bildet ein bereits auf Pfungstädter Gemarkung gelegener Wald.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine endneolithische kupferne Streitaxt wird als Typ Eschollbrücken bezeichnet. Eschollbrücken wurde im Jahre 1122 erstmals urkundlich erwähnt, der Ortsteil Eich im Jahre 1335. Unter wechselten Ortsnamen wie Eschilbruccun, Esselbrukken und Eschelbroicken wird Eschollbrücken dann weiter erwähnt:[1]
1188 und später mit Gütern des Klosters Eberbach im Ort,
1319 als Bischof Gottfried von Würzburg den Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen mit allen Gütern, die er von der Würzburger Kirche zu Lehen hat,
1447 im Würzburgischer Lehnbrief für die Grafen von Katzenelnbogen,
1468 als die Brüder Henne und Walter von Buseckalle ihre Rechte dem Grafen Philipp von Katzenelnbogen verkaufen,
1500 als Wilhelm von Wallborn von Konrad von Frankenstein den Teil der Güter, die bisher sein Bruder Hans besessen hatte zum Erblehen erhält,
1662 als die Frankensteinischen Lehen derer von Walbrunn an Hessen verkauft werden.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Eschollbrücken:

»Eschollbrücken (L. Bez. Bensheim) luth. Pfarrdorf; liegt 312 St. von Bensheim, hat 73 Häuser und 530 Einw., die bis auf 13 Juden lutherisch sind. In der Gemarkung sind Torfstiche. Mit diesem Dorfe waren die Grafen von Katzenellenbogen von Würzburg belehnt. Nach demselben nannte sich eine adelige Familie, von welcher Rupert von Eschollbrücken unterm Jahr 1222 in einer Lorscher Urkunde vorkommt. Die Pfarrkirche hatte 2 Altäre.«[4]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Eich am 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis nach Eschollbrücken eingegliedert. Am 1. Januar 1977 wurde dann Eschollbrücken kraft Landesgesetz in die Stadt Pfungstadt eingemeindet.[5] Für den Stadt Eschollbrücken wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Eschollbrücken lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][7][8]

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschollbrücken gehörte zur Zent Pfungstadt deren Aufgaben ab etwa 1800 durch das Amt Pfungstadt mit wahrgenommen wurden. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde in Eschollbrücken vom Amt Pfungstadt ausgeübt. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Zwingenberg das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Änderungen in der gerichtlichen Zuständigkeit erfolgten[1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1629: 051 Hausgesesse[1]
• 1791: 376 Einwohner[10]
• 1800: 394 Einwohner[11]
• 1806: 370 Einwohner, 67 Häuser[9]
• 1829: 530 Einwohner, 73 Häuser[4]
• 1867: 706 Einwohner, 103 Häuser[12]
Eschollbrücken: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
376
1806
  
370
1829
  
530
1834
  
557
1840
  
621
1846
  
698
1852
  
764
1858
  
701
1864
  
727
1871
  
676
1875
  
670
1885
  
699
1895
  
715
1905
  
640
1910
  
651
1925
  
694
1939
  
722
1946
  
993
1950
  
1.122
1956
  
1.256
1961
  
1.464
1967
  
1.717
1970
  
2.158
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
3.021
2005
  
2.985
2010
  
2.935
2011
  
2.900
2015
  
2.985
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Website Pfungstadt: 2000, 2005, nach 2005[2]; Zensus 2011[13]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1] und Stadt Pfungstadt[2]

• 1829: 517 lutheranische (= 91,55 %), 13 jüdische (= 2,45 %) Einwohner[4]
• 1961: 1080 evangelische (=73,77 %), 253 römisch-katholische (=17,28 %) Einwohner
• 2000: 1629 evangelische (=53,92 %), 679  römisch-katholische (= 22,48 %) Einwohner
• 2016: 1219 evangelische (=40,40 %), 701  römisch-katholische (=12,23 %) Einwohner

Die Einwohner Eschollbrückens und des Ortsteils Eich sind überwiegend evangelisch. Rund 12 % gehören der Katholischen Gemeinde Sankt Antonius in Pfungstadt an.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Eschollbrücken besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Eschollbrücken) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat des Stadtteils Eschollbrücken-Eich besteht aus 9 Mitgliedern.[6]

Bei der Kommunalwahl 2016 erhielten die SPD 38,0 % der abgegebenen Stimmen (3 Sitze), die CDU 29,2 % (3 Sitze), die Freien Wähler 16,2 % (2 Sitze) und die FDP 12,1 % (1 Sitz). Auf Bündnis 90/Die Grünen entfielen 4,5 % der abgegebenen Stimmen, es wurde kein Sitz erreicht.[14] Ortsvorsteher ist seit 2007 Udo Stoye (SPD).[15]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. November 1971 wurde der Gemeinde Eschollbrücken im damaligen Landkreis Darmstadt ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In Blau ein goldener, mit einem roten Halseisen belegter Kleinschild, darunter drei silberne Rauten.[16][17]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Postkarte von 1924 mit altem Rathaus

Das Kirchengebäude wurde im Jahre 1728 erbaut, der Turm stammt sogar aus dem Jahre 1480. In direkter Nachbarschaft der Kirche steht das Historische Rathaus, ein Fachwerkbau aus dem Jahre 1550. Darüber hinaus existiert ein weiteres Fachwerkhaus aus dem Jahre 1678. Westlich des Ortes finden sich Überreste einer mittelalterlichen Wasserburg (die Alte Burg Eschollbrücken), deren Umrisse aber nur schemenhaft aus der Luft beobachtet werden können.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Eschollbrücken gibt es als Sportverein den TSV Eschollbrücken. Der Verein wurde 1899 als Turnverein Eschollbrücken gegründet und umfasst heute acht Abteilungen. Im Jahr 2009 hatte er ca. 700 aktive Mitglieder. Die Frauenfußballmannschaft des TSV nahm dreimal am DFB-Pokal der Frauen teil. Mit Britta Unsleber brachte der Verein eine deutsche Nationalspielerin hervor.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschollbrücken verfügt über eine Apotheke, eine Metzgerei, eine Bäckerei und neuerdings auch wieder über einen Dorfladen. Die Sparkasse Darmstadt und die Groß-Gerauer Volksbank sind mit Filialen vor Ort vertreten, ebenso die Deutsche Post. Darüber hinaus gibt es Fachgeschäfte für Floristik, Fahrräder und Golf-Sport. Autofahrer finden am südlichen Ortsausgang eine Tankstelle vor. Mehrere Handwerksbetriebe und einige kleine Gewerbebetriebe sind in Eschollbrücken beheimatet, daneben existieren mehrere landwirtschaftliche Betriebe. Ein wichtiger Zweig der Landwirtschaft in Eschollbrücken ist der Anbau von Spargel.

Das Bildungsangebot besteht aus der Kindertagesstätte der Evangelischen Kirche und der Grundschule (Gutenbergschule). Das Gebäude der Kindertagesstätte wurde nach aufwändiger Sanierung Anfang 2008 wieder in Betrieb genommen. Weiterführende Schulen gibt es in Pfungstadt und Darmstadt.

Eschollbrücken liegt verkehrsgünstig nahe der Bundesautobahn 67 (Frankfurt–Mannheim). Seit Eröffnung der neuen Bundesstraße 426 gibt es einen direkten Autobahnanschluss. Der Flughafen Frankfurt am Main ist über die Autobahn in weniger als 30 Minuten erreichbar. Der Ort wird von vier Buslinien bedient, welche ihn mit dem Oberzentrum Darmstadt, der Pfungstädter Kernstadt und dem Stadtteil Hahn, Riedstadt, Biebesheim am Rhein und Gernsheim verbinden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hellmuth Gensicke: Untersuchungen zur Genealogie und Besitzgeschichte der Herren von Eschollbrücken, Weiterstadt..., In: Hess. histor. Forschungen, 1963, S. 99–115,
  • Gemeinde Eschollbrücken: Heimatjahrbuch der Gemeinde Eschollbrücken zur 850 Jahrfeier im Jahre 1972.
  • Willi Leichtweiss: Gedichte und Erinnerungen, Hrsg.: Evang. Kirchengemeinde Eschollbrücken, Pfungstadt 1996
  • Wolfgang Roth:
    • Juden in Eschollbrücken, Hrsg.: Verein für Heimatgeschichte Eschollbrücken/Eich 1982 e.V., Eschollbrücken 1996
    • Familienbuch Eschollbrücken 1649–1900, Hrsg.: Verein für Heimatgeschichte Eschollbrücken/Eich 1982 e.V., Eschollbrücken 2003
  • Literatur über Eschollbrücken in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Eschollbrücken – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Eschollbrücken, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b c Einwohnerstatistik. In: Webauftritt. Stadt Pfungstadt, abgerufen im November 2019.
  3. Darmstädter Echo, Montag, 5. November 2018, S. 21.
  4. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 70 (Online bei google books).
  5. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 4 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  6. a b Hauptsatzung. (PDF; 115 kB) §; 5. In: Webauftritt. Stadt Pfungstadt, abgerufen im September 2019.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  9. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806) HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  10. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 120 (Online in der HathiTrust digital library).
  11. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 127 (Online in der HathiTrust digital library).
  12. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 24 (Online bei google books).
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  14. Ortsbeiratswahl Eschollbrücken/Eich 2016. In: Webauftritt. Stadt Pfungstadt, abgerufen im November 2019.
  15. Ortsbeirat Eschollbrücken-Eich. In: Webauftritt. Stadt Pfungstadt, abgerufen im November 2019.
  16. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Eschollbrücken, Landkreis Darmstadt, Regierungsbezirk Darmstadt vom 9. November 1971. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1971 Nr. 48, S. 1917, Punkt (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,7 MB]).
  17. Die Wappen der Stadt. In: Webauftritt. Stadt Pfungstadt, abgerufen im November 2019.
  18. Darmstädter Echo, Montag, 5. November 2018, S. 21.
  19. Darmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20