Der nasse Fisch. Gereon Raths erster Fall

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Der nasse Fisch ist ein historischer Roman des deutschen Autors Volker Kutscher, der 2008 im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschienen ist. Es handelt sich um den ersten Kriminalroman in der Serie um den Kriminalkommissar Gereon Rath und spielt 1929 zur Zeit des sogenannten Blutmais in Berlin.

Das Buch zeichnet sich neben der vordergründigen Kriminalhandlung, die in der Tradition der amerikanischen Hardboiled detectives steht, durch sein anschauliches Sittengemälde der Goldenen Zwanziger in Berlin sowie die Darstellung der politischen Entwicklungen in der späten Weimarer Republik, einschließlich des aufkommenden Nationalsozialismus aus, der für den Leser klar erkennbar, aber für die handelnden Personen in seiner Tragweite noch nicht erfassbar ist. Neben fiktiven tauchen auch Personen der Zeitgeschichte und historische Ereignisse auf, die aus der Sicht der Hauptfigur geschildert werden.

Der Roman wurde 2016 unter dem Titel Babylon Berlin als deutsche Kriminal-Fernsehserie verfilmt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kölner Kommissar Gereon Rath wird durch die Beziehungen seines Vaters nach Berlin versetzt, nachdem er im Einsatz den Sohn eines einflussreichen Zeitungsverlegers erschossen hat. Dort arbeitet er im Polizeipräsidium Alexanderplatz, auch als „Rote Burg“ bekannt, zunächst für die Sittenpolizei (Inspektion E) unter Leitung des Oberkommissars Bruno Wolter. Sein Ziel ist es jedoch, zur Mordkommission (Inspektion A) zu wechseln, die von dem berühmten Kriminalrat Ernst Gennat geleitet wird, der nach modernsten wissenschaftlichen kriminalistischen Methoden arbeitet und eine der höchsten Aufklärungsraten vorweisen kann. Er sieht seine Chance, als eine unidentifizierte Leiche aus dem Landwehrkanal geborgen wird, und schaltet sich ungefragt in die stagnierenden Ermittlungen der Mordkommission ein.

Bei seinen Nachforschungen stößt Rath auf eine Verbindung zu einem Kreis militanter Exilrussen, die mit geschmuggeltem Gold Waffen kaufen wollen, um einen Putsch vorzubereiten. Auch das organisierte Verbrechen und Paramilitärs wie die SA sind hinter dem Gold und den Waffen her. Er verliebt sich in Charly Ritter, die als Stenotypistin bei der Mordkommission arbeitet, und nutzt ihr Insiderwissen für seine Ermittlungen. Dabei verstrickt er sich immer weiter in den Fall und gerät selbst unter Verdacht, nachdem er einen Mann versehentlich erschossen und dessen Leiche hat verschwinden lassen, wobei diese jedoch wenig später wieder gefunden wird.

Wegen Personalmangel wird Rath zur Mordkommission versetzt, um den von ihm selbst verursachten Todesfall zu bearbeiten. Er nutzt die Gelegenheit, um seine Beteiligung zu vertuschen. Als er herausfindet, dass Bruno Wolter in den illegalen Waffenhandel verstrickt ist und einen jungen Kollegen ermordet hat, der ihm im Auftrag der Politischen Polizei auf der Spur war, Gereon Rath aber den Mord anhängen will, offenbart sich Rath dem Berliner Polizeipräsidenten und kann mit dessen Hilfe Wolter erfolgreich durch eine fingierten Waffenübergabe eine Falle stellen, wobei Wolter tödlich verletzt wird. Offiziell wird dessen Tod jedoch als in Erfüllung seiner Dienstpflicht dargestellt.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Blutmai[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Blutmai (zeitgenössisch auch Mai-Unruhen) werden die Unruhen vom 1. bis 3. Mai 1929 in Berlin bezeichnet, bei denen die Polizei hart gegen ungenehmigte, von der KPD organisierte Demonstrationen vorging und 32 Zivilisten tötete sowie zahlreiche Demonstranten und Unbeteiligte verletzte. Die Bezeichnung Blutmai geht auf den Streikaufruf der KPD vom 2. Mai 1929 zurück, in dem es hieß: „Zörgiebels Blutmai − das ist ein Stück Vorbereitung des imperialistischen Krieges! Das Gemetzel unter der Berliner Arbeiterschaft − das ist das Vorspiel für die imperialistische Massenschlächterei!“ In Folge wurde im November 1930 der damalige Berliner Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Ernst Gennat und die Inspektion A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Ernst Gennats Bemühungen wurde aus dem Mordbereitschaftsdienst eine organisatorisch fest eingerichtete „Zentrale Mordinspektion“ in der Inspektion A, die am 1. Januar 1926 offiziell ihre Arbeit aufnahm und deren Leitung er übernahm. Die Mordinspektion bestand aus einer „aktiven“ und zwei „Reserve-Mordkommissionen“. Zur aktiven Mordkommission gehörten ein älterer und ein jüngerer Kommissar, vier bis zehn Kriminalbeamte, eine Stenotypistin sowie nach Bedarf (am Tatort) ein Hundeführer und der Erkennungsdienst. Sie bearbeitete alle Berliner Mord- und Totschlagssachen.

Hauptpersonen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gereon Rath[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Köln stammender Kriminalkommissar, der in seiner Heimat ein erfolgreicher Mordermittler war, bis ein tödlicher Schuss aus seiner Dienstwaffe und eine daraus resultierende Pressekampagne seine Karriere zerstört. Auf Vermittlung seines einflussreichen Vaters wechselt Gereon Rath im März 1929 in die Reichshauptstadt zur dortigen Kriminalpolizei, wo er der Inspektion E zugeordnet wird.

Charlotte Ritter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stenotypistin bei der Berliner Inspektion A, womit sie ihr Jurastudium finanziert. Danach möchte sie als Kriminalbeamtin arbeiten. In der Mordinspektion lernt sie Gereon Rath kennen, zu dem sie sich zunächst hingezogen fühlt, bis dieser sie hintergeht.

Wilhelm Böhm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkommissar bei der Inspektion A, genannt die „Bulldogge“ und einer der wichtigsten Mitarbeiter von Ernst Gennat. Er pflegt einen sehr ruppigen Umgangston, nicht nur im Umgang mit Verdächtigen und Zeugen, sondern auch mit Kollegen und Untergebenen. Böhm mag Gereon Rath nicht.

Reinhold Gräf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriminalassistent bei der Inspektion A. Er freundet sich mit Gereon Rath an.

Stephan Jänicke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriminalassistent bei der Inspektion E mit geheimen Aufgaben. Er wird ermordet.

Ernst Gennat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kriminalrat und Leiter der Inspektion A, wegen seiner Leibesfülle „Buddah“ oder auch „der volle Ernst“ genannt (historische Figur). Er hat die Mordinspektion aufgebaut und moderne Ermittlungsmethoden eingeführt, was ihn schon zu Lebzeiten zur Legende gemacht hat.

Bruno Wolter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberkommissar bei der Inspektion E und Gereon Raths erster Chef bei der Berliner Polizei, Spitzname: „Onkel“. Er nimmt es mit den Dienstvorschriften und der Wahrheit nicht so genau.

Johann Marlow[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschäftsmann und organisierter Verbrecherboss, auch „Dr. M.“ genannt. Drahtzieher des Ringvereins Berolina, welcher gesetzeswidrige Geschäfte aller Art wie Rauschgifthandel oder illegale Nachtclubs betreibt. Auf seiner Gehaltsliste stehen auch Beamte der Berliner Polizei.

Karl Friedrich Zörgiebel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berliner Polizeipräsident (historische Figur), Spitzname: „Dörrzwiebel“, und Freund von Gereon Raths Vater. Durch das von ihm erlassene Demonstrationsverbot und die Autorisierung des rigorosen Vorgehens der Polizei gegen die kommunistischen Maidemonstranten mitverantwortlich für den sogenannten Blutmai, bei dem 32 Menschen von der Polizei getötet werden. Mitglied der SPD.

Engelbert Rath[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gereon Raths Vater und Kriminaldirektor bei der Kölner Polizei. Sein ältester Sohn und Liebling Anno fiel im Weltkrieg, der Zweitälteste, Severin, ging kurz vor Ausbruch des Krieges in die USA und wird seitdem von Engelbert Rath als Fahnenflüchtiger betrachtet. Sein Verhältnis zu Gereon Rath ist angespannt. Duzfreund von Karl Friedrich Zörgiebel.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman erhielt vorwiegend positive Kritiken. So schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung: „An zeithistorischen Krimis besteht derzeit großes Interesse, wie vor allem die Bestseller-Erfolge von Andrea Maria Schenkel zeigen. Zu diesen schmalen Büchern bildet Der nasse Fisch nicht nur hinsichtlich des Umfangs eine Art Gegenpol. In Tannöd wird Zeitgeschichte nur in homöopathischen Dosen verabreicht. Kutschers Projekt, den Untergang der Weimarer Republik im Medium des Kriminalromans darzustellen, ist ungleich ambitionierter und dabei ganz und gar schlüssig. Es bleibt zu hoffen, dass es die verdiente Beachtung findet.“ Und der Der Spiegel attestierte, „Volker Kutscher gelingt in seinem Krimi Der nasse Fisch ein opulentes Sittengemälde“.[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Roman Der nasse Fisch sowie die beiden Fortsetzungen Der stumme Tod und Goldstein erhielt Volker Kutscher 2011 im Rahmen der Reinickendorfer Kriminacht „für herausragende Leistungen“ den Berliner Krimifuchs, einen Literaturpreis für Kriminalromane.[2]

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman wurde unter dem Titel Babylon Berlin als deutsche Kriminal-Fernsehserie verfilmt, die von X Filme Creative Pool in Koproduktion mit ARD Degeto, Sky und Beta Film produziert wird. Regie führten Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten, welche auch die Drehbücher verfassten, wobei auch inhaltliche Änderungen vorgenommen wurden. Hauptdarsteller sind Volker Bruch in der Rolle des Kommissars Gereon Rath und Liv Lisa Fries als Charlotte Ritter. [3]

Fortsetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Reihe um Gereon Rath sind bis zum Herbst 2017 fünf weitere Romane und eine Novelle erschienen:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kriminalkommissar Gereon Rath: Die Presse. Abgerufen am 8. November 2017.
  2. Literaturpreis Gewinner. Abgerufen am 19. Dezember 2017.
  3. Elmar Krekeler: 40 Millionen für Tom Tykwers Fernsehserie. In: Welt Online. Die Welt, 10. Februar 2016, abgerufen am 19. Mai 2016.