Eissen

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Eissen
Koordinaten: 51° 34′ 18″ N, 9° 10′ 0″ O
Höhe: 212 m
Fläche: 8,09 km²
Einwohner: 718 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 89 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 34439
Vorwahl: 05644
Karte
Lage von Eissen in Willebadessen

Eissen ist ein westfälisches Dorf mit 718 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zur Stadt Willebadessen, Kreis Höxter im Regierungsbezirk Detmold.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eissen liegt am nördlichen Rand der Warburger Börde, an einer leicht ansteigenden Stelle. Während der Bahnhof Eissen auf einer Höhe von etwa 221 m ü. NN liegt, erhebt sich im Norden die Eisser Höhe zwischen Eissen und Peckelsheim auf 247 m, um nach Peckelsheim hin wieder abzufallen, südlich vom Bahnhof fällt das Gelände bis zur Kirche noch weiter ab, um dann im Unterdorf noch ein Stück tiefer zu liegen. Im Südwesten von Eissen wiederum erhebt sich ein etwa 250 m hoher Vulkanberg, der Hüssenberg.

Im Nordwesten von Eissen liegt Peckelsheim, im Norden Schweckhausen, Willegassen und Schönthal, im Osten Borgentreich, im Südosten Lütgeneder. Im Süden Großeneder, im Südwesten Engar und Deppenhöfen im Westen Löwen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kath. Pfarrkirche St. Liborius, Ostportal
  • Zwischen 1001 und 1010 n. Chr. erstmalige Erwähnung des Namens Aieshusun im Schenkungsregister der freien Reichsabtei Corvey.
  • Um 1080 wird in einer Heberolle des Klosters Corvey ein Klosterhof in Eissen aufgeführt.
  • Zwischen 1000 und 1100 wird eine dem Hl. Liborius geweihte Steinkirche erbaut. Dies ging auf eine Initiative des Bistums Paderborn zurück, welchem diese auch unterstellt war. Die Kirche wurde zur Pfarrkirche und Eissen zum Kirchspiel.
  • 1447 vernichten böhmische Söldner auf ihrem Rückzug von der Belagerung Soests das östlich zwischen Eissen und Borgentreich gelegene Dorf Sunrike (Wüstung).
  • 1632 plündern hessen-kasselsche Truppen alle Orte im Bereich Borgentreich, darunter auch Eissen.
  • 1640 beziehen die kaiserliche Hauptstreitmacht, sowie Erzherzog Leopold Wilhelm und Fürst Octavio Piccolomini Winterquartier im Fürstbistum Paderborn, was in der ganzen Gegend Hungersnöte, Krankheiten, Seuchen und Tod zur Folge hat.
  • Von 1641 bis 1647 ist das Warburger Land durchgehend von plündernden hessen-kasselschen Truppen besetzt.
  • Ab 1756 finden im Verlauf des Siebenjährigen Krieges immer wieder Kampfhandlungen im Warburger Raum statt.
  • Vom 1. Dezember 1758 bis Ostern 1759 sind im Rahmen des Siebenjährigen Krieges vier Eskadrons hessischer Dragoner in Eissen und den Nachbarorten untergebracht.
  • Vom Herbst 1760 bis zum Frühsommer 1761 sterben in Eissen 42 Menschen (12 % der Einwohner) an den Nebenwirkungen des Krieges.
  • 1812 kommen vier zwangsrekrutierte Einwohner Eissens mit Napoleonsgroßer Armee“ in Russland um.
  • 1871 kehrt ein Eissener nicht aus dem Deutsch-Französischen Krieg zurück, drei weitere sterben später, wahrscheinlich an ihren Verletzungen.
  • Ab dem 1. Oktober 1876 ist Eissen über die Strecke ScherfedeHolzminden an das Eisenbahnnetz angeschlossen und erhält einen eigenen, 1875 fertiggestellten, Bahnhof.
  • Am 6. Mai 1879 fallen innerhalb von 20 Minuten 47 Häuser einem Großbrand zum Opfer. Das Feuer wurde durch die Unachtsamkeit eines zwölfjährigen Schülers ausgelöst, der in einem Ziegenstall heimlich einen gefundenen Zigarrenstummel probiert hatte.
  • Am 18. Dezember 1898 gründen 41 Bürger den Eissener Spar- und Darlehnskassenverein eGmbH, welcher 1962 mit der Spar- und Darlehnskasse Peckelsheim fusioniert und 1973 von der Volksbank Paderborn übernommen wird, welche die Filiale aber 2001 schließt.
  • Am 12. April 1911 wird von 32 Personen die Freiwillige Feuerwehr Eissen gegründet.
  • 1898 wird auf Grund eines preußischen Gesetzes auf dem Bahnhof ein Kornhaus gebaut.
  • Von 1912 bis 1914 wird die Kirche umgebaut und vergrößert.
  • Zwischen 1914 und 1918 fallen 30 Eissener im Ersten Weltkrieg.
  • Im Zweiten Weltkrieg fallen 71 Eissener.
  • Am 1. April 1945 verschanzt sich eine Infanteriekompanie der Wehrmacht am südlichen Dorfrand, woraufhin anrückende amerikanische Verbände von Hohenwepel aus kommend das Dorf sturmreif schießen. Dabei werden Kirche und Kornhaus stark beschädigt und 47 Anwesen komplett zerstört. Ganz Eissen wird stark beschädigt, jedoch werden nur zwei Einwohner verletzt und kein Zivilist findet den Tod. Am Ende sind 14 deutsche und drei amerikanische Soldaten gefallen, 65 Wehrmachtssoldaten geraten in Gefangenschaft, der Rest setzt sich entlang der Bahnlinie in Richtung Borgholz ab.
  • Am 1. Januar 1975 wird Eissen im Zuge der Gebietsreform nach Willebadessen eingemeindet und verliert somit seine Eigenständigkeit.[1]
  • Am 2. Juni 1984 wird der Personenzugverkehr in Eissen eingestellt.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie fast alle Orts- und Landbezeichnungen hat auch der Name von Eissen ein lange Entwicklung durchlaufen. Beginnend im Frühmittelalter mit Aieshusun (die Endung -husun weist auf sächsische Zeit hin), über die hochmittelalterliche Bezeichnung Heisten, bis zur heute noch gültigen Form Eissen.

  • Aieshusun
  • (Villa) Aeissun, Agissun, Agissen
  • Heisten
  • Eysne, Eyessen, Eisne, Eisenen, Eyhsen, Eihsen, Eißen
  • Eissen

Die vielen unterschiedlichen Bezeichnungen/Schreibweisen ergeben sich einfach aus der früher nicht vorhandenen genormten Sprache. Jeder schrieb, wie er es für richtig hielt und wie er es gehört hat. Zur Bedeutung des Namens gibt es verschiedene Theorien, die jedoch allesamt nicht wissenschaftlich belegt sind:

  • Aeissun soll von Asigsheim abstammen. Asig sei dabei ein Anlehnung an das germanische Göttergeschlecht der Asen, somit sei Eissen eine Ortschaft gewesen, in der ein Heiligtum existiert haben soll. Dafür spricht, dass der Flurname Hibbeke von Hillige-Bicke kommen soll. Allerdings kommt die Bezeichnung Asigsheim/Eissen in keiner einzigen Urkunde vor, dazu stammt die Endung -heim aus fränkischer Zeit, des Weiteren wurden noch keine archäologischen Hinweise in diese Richtung gefunden.
  • Ey (Ei) bezeichnet im altsächsischen ein Gelände, welches an einem feuchten, gewässerreichen Gebiet liegt, bzw. aus einem solchen als trockene Landmasse hervorsticht. Eissen ist nördlich eines Feuchtgebietes am Quellteich/Hibbeketeich und Siek, westlich der Niederungen der Eggel und südlich der Wasserläufe des Mühlgrabens entstanden. Somit würde der Name bedeuten, dass Eissen aus einem Feuchtgebiet heraussticht. Allerdings ist auch diese Variante rein theoretischer Natur und wissenschaftlich nicht untermauert.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eissen ist mit 718 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2007) die drittgrößte Ortschaft der Stadt Willebadessen. Im Jahr 1760 betrug die Einwohnerzahl etwa 360. Zwischen 1818 und 1890 verließen etwa 110 Einwohner ihre Heimat und wanderten aus, die meisten in die Vereinigten Staaten von Amerika und in das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland, aber auch nach Schweden und Westindien.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stärkste Religionsgruppe ist die 649 Mitglieder zählende katholische St. Liborius-Kirchengemeinde, die zum Pastoralverbund Willebadessen-Peckelsheim gehört. Sie ist Teil des Dekanats Höxter im Erzbistum Paderborn. Bis Anfang 2009 fand in der Liborius-Kirche am ersten Mittwoch im Monat abends eine Messe im Tridentinischen Ritus, die einzige lateinische Messe im Kreis Höxter und Altkreis Warburg. Die tridentinische Messe ist mit der Messe in Paderborn, eine der beiden Messen im tridentinischen Ritus im ehemaligen Hochstift Paderborn.

Evangelische Christen sind in der evangelischen Kirchengemeinde Peckelsheim organisiert.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglieder im Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Gebietsreform von 1975 ist Eissen keine eigenständige Gemeinde mehr. Seitdem ist Eissen durch ein direktes Ratsmitglied im Rat der Stadt Willebadessen vertreten. Seit der letzten Kommunalwahl (25. Mai 2014) sind insgesamt zwei Eissener im Stadtrat vertreten (CDU: Petra Engemann-Ludwig, SPD: Paul Arens). Ortsvorsteherin ist Petra Engemann-Ludwig.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eissener Wappen

Das Wappen wurde 1996 neu entworfen und eingeführt. Die Anregung dafür ging vom St. Liborius Schützenverein aus. Im Wappen selbst sollten das sogenannte Taufsteinwappen und Symbole, die den Eissener Patron St. Liborius zur Geltung bringen, vorhanden sein.

Das Taufsteinwappen ist der Schwerpunkt im unteren Teil, darüber findet man die Beschriftung „1080“, da für dieses Jahr erstmals ein Klosterhof des Klosters Corvey in Eissen nachgewiesen ist. Die sich im unteren Rand befindenden, lateinischen Worte „Villa Aeissun“ beziehen sich auf die im Kloster Helmarshausen verfasste Urkunde, in der Eissen so benannt wird. In der Mitte sind drei grüne Bögen angebracht, diese deuten auf den Kranz von Linden hin, der die Eissener Kirche umsteht. Heute findet man das Wappen fast ausschließlich auf der Dorffahne im grün-weißen Grund.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windpark zwischen Peckelsheim und Eissen

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eissen ist landwirtschaftlich und handwerklich geprägt. Im Ort sind einige Handwerks-, Dienstleistungs- und Handelsbetriebe aus den Bereichen Metallverarbeitung, Bau, Holz und Lebensmittel angesiedelt. Im nördlichen Außenbereich der fruchtbaren Warburger Börde gelegen, spielt in Eissen die Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Gegenden noch eine leicht herausgehobene Rolle, wobei sich die Konzentration in der Landwirtschaft auch in Eissen fortsetzt; Höfe werden aufgegeben, weiter geführte Höfe vergrößern sich. Einen überdurchschnittlich hohen Anteil an der bewirtschafteten Fläche hat der ökologische Landbau, der in arbeitsintensiven Bereichen weitere Arbeitsplätze bereitstellt.

Die meisten Einwohner arbeiten jedoch nicht im Ort selbst, sondern in den Städten Warburg, Brakel, Höxter und Beverungen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die durch Eissen führende L763 erreicht man in Richtung Peckelsheim die B 252. In der anderen Richtung führt sie nach Borgentreich, wo man Anschluss an die B 241 hat. In Warburg und Paderborn befinden sich Bahnhöfe mit Fernverkehrshalt, außerdem in Willebadessen ein Nahverkehrshalt und in Brakel ein Nahverkehrssystemhalt. Eissen selber hatte von 1876 bis 1984 einen Bahnhof an der ab dann stillgelegten Bahnstrecke Holzminden–Scherfede. Der nächstgelegene Verkehrsflughafen ist Paderborn-Lippstadt in Büren in ca. 50 km Entfernung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Osterfeuer am Karsamstag eines jeden Jahres
  • Sportfest des SV Germania Eissen 1920 e.V. Anfang Mai eines jeden Jahres
  • Schützenfest des St. Liborius-Schützenvereins Eissen am 3. Juliwochenende eines jeden Jahres
  • Hüssenbergfest der KLJB Eissen Mitte August eines jeden Jahres
  • Messe im Tridentinischen Ritus, St. Liborius, jeweils erster Mittwoch im Monat abends

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • EGV-Wanderverein Eissen, gegründet 1986, aufgelöst 2015
  • Elterninitiative Hüssenbergnest e.V. gegründet 1993
  • Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) Eissen, vormals Mütterverein, gegründet etwa 1930
  • Freiwillige Feuerwehr Eissen, gegründet 1911
  • Gesangverein Eintracht Eissen, gegründet 1893 bis 1953, wiedergegründet 1989
  • KLJB Eissen, gegründet 1953, wiedergegründet 1967
  • Motorradfreunde Eissen
  • SV Germania Eissen 1920 e.V.
  • TC Blau Weiß Eissen, gegründet 1976
  • VEK - Vereinigte Eissener Karnevalisten, gegründet 1984, aufgelöst 2005
  • St. Liborius Schützenverein Eissen, gegründet 1953

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Derenthal: Aieshusun - Aeissun - Eysnen - Eissen Bild unserer Heimat. Herausgegeben vom St. Liborius-Schützenverein Eissen. Selbstverlag/NEWSPOINT-Medienservice Uwe Rottkamp, Bad Salzuflen 2003.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eissen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 328.