Vinsebeck

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Koordinaten: 51° 50′ 54″ N, 9° 1′ 46″ O

Vinsebeck
Stadt Steinheim
Höhe: 159 m
Fläche: 9,32 km²
Einwohner: 1265 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 136 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 32839
Vorwahl: 05233
Karte

Lage von Vinsebeck in Steinheim

Vinsebeck ist ein westlicher Stadtbezirk von Steinheim im Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen. Der Ort hat heute 1265 Einwohner.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vinsebeck liegt am Westrand des fruchtbaren Steinheimer Beckens ca. 25 km nordöstl. Paderborn, ca. 20 km südlich von Detmold und ca. 40 km südöstlich Bielefeld.

Um die Zeitenwende war in der Gegend des heutigen Vinsebeck der germanische Stamm der Cherusker angesiedelt. 'Hermann' der Cherusker vertrieb im Jahre 9 n. Chr. die Römer (Varus-Schlacht im Teutoburger Wald). Zur Zeit der Völkerwanderung um 500 drängten Sachsen von Nordosten in das Gebiet. Westlich der Weser fand sich 'Westfalen' und 'Engern', östl. der Weser 'Ostfalen', zudem kam es zu einer Einteilung in Gaue, um Steinheim war der Weti-Gau = Weizen-Gau, Lößboden. Mitte des 8. Jahrhunderts kamen die Eroberungs- und Christianisierungskriege der Franken auch bei Vinsebeck an, 783 fand die große Entscheidungsschlacht bei Detmold statt. 784 feiert Karl der Große Weihnachten in Schieder (14 km östlich). Die Einsetzung von Grafen als Reichsbeamte führt später zu erblichen Territorialherrschaften. In die Zeit um 800 fiel auch die Gründung von Bistümern, u.a Paderborn. 80 % des Landes war damals Wald.

Die älteste bekannte Erwähnung des Namens Vinsebeck findet sich in einer Urkunde Kaiser Konrads II. vom 3. August 1031: Konrad schenkt der bischöflichen Kirche zu Paderborn das Gut Sannanabiki - das heutige Sandebeck - mit Besitzungen in elf genannten Orten in der Grafschaft Widukinds im Wetigau, darunter Villa Vinsebiki (..., ut predium Sannanabiki dictum in istis villis Hornan, Frodinctorp, Vinesbiki, Rafseti, Knechtahusun, Buckinhusun, Bennanhusun, Scuni, Berchem, Homan, Holthusun situm ...).[2] Die Deutung des Ortsnamens ist unsicher, eventuell (Hof am) Bach des Winno. 1237 existierte in Vinsebeck eine Pfarrei: Henricus plebanus (Pfarrer) in Vinsbike wird als Zeuge in einer Urkunde des Bischofs Bernhard IV. von Paderborn genannt.[3] 1242 wird in einer Urkunde des Grafen Volkwin IV. von Schwalenberg ein Hildeboldus de Vinsbeke erwähnt.[4] Bis ca. 1350 herrschten verschiedene Lehnsherren über das Gebiet. Die Pest führte zur Entvölkerung der Gegend.

Ab 1350 baute das Adelsgeschlecht von der Lippe ein herrschaftliches Haus in Vinsebeck, möglicherweise in der Nähe der Bleiche. Einwohner mit eigenem Ackerland wurden unterteilt in Meier (vier Pferde) und Halbmeier (zwei Pferde); ohne eigenes Land waren sie Kötter (eigenes Haus), Häuslinge und Einlieger (Mieter). Später gab es auch Neubauern (auf Gemeindeland). Der Hofdienst wurde umsichtig in drei Rotten ausgeführt, dieser Begriff kommt noch heute in Schützenverein vor. Auf gewisse Verteidigungsanlagen deuten die Lamwert (= Landwehr) im Norden und die Schanze im Süden hin, letztere auch mit Wall gegen plötzliche Fluten aus dem Siek 'Pleistern'. Ab dem 15. Jahrhundert führten Erb- und Familienstreitigkeiten des Adels und der Ritterschaft zu verheerende Streitigkeiten wie der Eversteinische Fehde und der Soester Fehde. Die Grafen von der Lippe hatten 1587 die Kriminalsgerichtsbarkeit inne (Flurnamen Galgenkämpen, Galgenbusch). In dieser Zeit wurde die Stina Werneke als Hexe verbrannt.

Nach Übertritt des Geschlechtes von der Lippe zum Protestantismus 1605 wurde die jetzige Dorfkirche erbaut mit angebauter Begräbniskapelle (diese 1850 zu Chor umgewandelt). Im Zuge der Gegenreformation 1662 wurde die Herrschaft und damit auch die Dorfbevölkerung sowie Kirche wieder katholisch (St. Johannes). Der Kirchenbau wurde 1668 durch zwei große Kreuzflügel erweitert. Außen schlicht, bietet er innen prächtige Barockaltäre und Renaissance-Epitaphien. Der jetzige Turm folgte 1740. Im Dreißigjährigen Krieg wurden aufgrund der Zerstörungen Dörfer und zum Teil auch deren Rodungen aufgegeben und bewaldeten sich wieder (heute als Wüstungen bezeichnet). Außerdem kam es zu Raubzügen des 'Tollen Christian' von Braunschweig und Truppen Tillys. Kurze Zeit später, 1672, suchten Cholera und Ruhrepidemien das Gebiet heim, in Vinsebeck wird seit Ende der Epidemien eine Lobeprozession (Gelöbnis-Prozession) zum Fest Johannes` Enthauptung, 29. August, veranstaltet.

Prägend für die Entwicklung von Vinsebeck waren die Herren und Freiherren von der Lippe, die 1720 das Wasserschloss als Familiensitz errichteten. Justus Wehmer aus Hildesheim ließ 1721 das Schloss im Spätbarock- bzw. Régance-Stil bauen. Im Siebenjährigen Krieg lagen 1761 11.000 Franzosen auf den Höhen von Nieheim über Vinsebeck bis Horn gegen alliierte Hannoveraner und Engländer, sie zogen jedoch ohne Schlacht ab. Daher stammt vermutlich der Name Frankenberg. Nachdem das Geschlecht von der Lippe 1767 ausgestorben war, fiel die Herrschaft durch Vererbung an Familie Wolff Metternich zur Gracht (Wolff / Hofgeismar eingeheiratet in Metternich / Mittelrhein, nach Bau des Sitzes zur Gracht in Liblar b. Erftstadt jetziger Name). 1779 wird das Dorf Vinsebeck als Bestandteil des Fürstentums Paderborn im Amt Steinheim (Westfalen) beschrieben.[5] Als erster Graf konnte 1796 Reichsgraf Werner Wolff Metternich zur Gracht auf Schloss Vinsebeck einziehen.

An der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert regierte Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte von Kassel aus das Königreich Westfalen. Vinsebeck fiel 1803 zusammen mit dem Fürstbistum Paderborn an das Königreich Preußen, dem es zunächst nur bis 1806 angehörte. 1806 bis 1813 gehörte der Ort zum Königreich Westfalen (Fulda-Departement, Distrikt Höxter, Kanton Steinheim). Während der Befreiungskriege kamen 1813 preußische Truppen mit Kosaken nach Vinsebeck. Von 1813 bis 1815 gehörte Vinsebeck zum Preußischen Gouvernement zwischen Weser und Rhein. 1815 entstand der Regierungsbezirk Minden, weiter wurden die Kreise Höxter und Brakel gegründet, die 1831 zusammengelegt wurden. 1841 wurde das Dorf Bestandteil des Amtes Nieheim Steinheim.[6] Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts nach Auseinandersetzungen mit dem Adel die Leibeigenschaft in Preußen abgelöst worden war, folgte 1850 die endgültige Ablösung aller Dienste und Realabgaben an das Haus von der Lippe.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Abbau in den Steinbrüchen 'Rote und Graue Kuhle' im Vinsebecker 'Buntsandsteindom' (unterirdische Gesteinsanlagen). - Kalksteinbruch, harter Wellenkalk, im 'Flimmick' bis Ab 1876 wurde Gips bei Wintrup abgebaut, zunächst für Düngung im Tagebau, nach 1945 als Zementzuschlag im Untertagebau. Nach dem Einbruch des Untertagebaus wurde der Abbau 1966 aufgegeben. Nach Beginn des Abbaus in den Steinbrüchen im Baumerstal 1870 entstanden erste Bruchsteinhäuser, vorher gab es nur Fachwerk. Ab 1900 wurden erste Backsteinhäuser errichtet. Die alte Schule (heutige Volksbank) wurde 1877 gebaut. Die Große Neuordnung der Flur folgte 1882, viele Wege und unproduktive Flächen wurden dabei der Gemeinde übergeben.

Als 1905 die Förderung von Mineralwasser sehr guter Qualität begann, wurden Pläne für ein Kurbad geschmiedet, die allerdings stecken blieben. 1921 wurde Vinsebeck elektrifiziert, fünf Jahre später wurde die neue Volksschule gebaut. Als erste Straße im Dorf wurde 1939 die Landstraße nach Steinheim geteert. Im gleichen Jahr brannte die Obermühle ab, die zuletzt zentraler Dreschplatz und Sägemühle mit Wasserrad und Dampfmaschine gewesen war. Vinsebeck wurde am 5. April 1945 nach kurzen Kämpfen von amerikanischen Truppen eingenommen. Dabei fiel ein deutscher Soldat, drei wurden verwundet. Die gefangenen deutschen Soldaten standen mit den Händen hinter dem Kopf an der Mauer gegenüber Schneiders Haus. Nach Kriegsende wurde 1950 auch die Hauptstraße geteert. Im gleichen Jahr trat der Spielmannszug Vinsebeck auf dem Schützenfest zum ersten Mal öffentlich auf. Aus einem Brunnen am Elschenberg erfolgte seit 1954 die zentrale Wasserversorgung, Kanalisation und Kläranlage wurden 1961 in der Bülte aufgebaut, diese wurde ca. 1981 aufgegeben und an Steinheim angeschlossen. Für den Straßenausbau fiel 1966 die alte Eichenalle am Ortseingang von Steinheim her.

Am 1. Januar 1964 trat Vinsebeck Gebietsteile an die neue Gemeinde Vordereichholz ab.[7]

Am 1. Januar 1970 wurde Vinsebeck in die Stadt Steinheim eingegliedert.[8] Dabei wurden Straßennamen eingeführt. 1969 wurde zudem die Friedhofskapelle errichtet, vorher gab es nur die Aufbahrung zu Hause. Nach 110 Jahren wurde 1976 das sog. Kloster (Außenstelle des Ordens der Armen Dienstmägde Christi, Mutterhaus in Dernbach/Westerwald) aufgegeben und der Fachwerkbau abgerissen. Die Schwestern unterhielten auch die sog. Spielschule. Vorgängerin vom Kindergarten. Die Kapelle dagegen blieb bestehen. Heute ist auf dem Gelände ein Kindergarten. 1976 wurde auch die Müllabfuhr eingeführt. In den Jahren 1968–76 beendeten die Steinbrüche den Abbau. Für die neue Ortsdurchfahrt wurden 1977/88 sieben Häuser abgerissen, alte Bäume entfernt und die Kirchhof- und Schloßparkmauer zurückgesetzt. Unterirdische Versorgungsleitungen wurden in dieser Zeit angelegt und eine neue Straßenbeleuchtung installiert.

2007 erfolgte der zweizügige Aus- und Umbau der Schule zur Gemeinschaftsgrundschule Steinheim-Südwest An den Linden für Grundschüler aus Vinsebeck, Bergheim, Sandebeck, Grevenhagen und Ottenhausen. Im Jahr 2010 wurde erstmals ein Geburtenstein mit den Namen der im letzten Jahr geborenen Kinder aufgestellt und eine Eiche am Eichholzer Weg gepflanzt. Der Eintrag ist freiwillig, Sponsor ist die Mineralbrunnenfirma Schöttker (Graf Metternich-Brunnen). 2012 wurde der erste Bürgerradweg in Richtung Horn eröffnet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten der Ortschaft gehören die Pfarrkirche sowie das Schloss Vinsebeck der Grafen von Wolff-Metternich, welches im 18. Jahrhundert von den Freiherren von der Lippe erbaut wurde und mit seiner weißen Fassade schon für zahlreiche Spielfilme als Kulisse diente. Hier entstand u.a. 1957 der Hans Albers-Film Der tolle Bomberg. Auch die verstorbene Herausgeberin der Zeit, Marion Gräfin Dönhoff, verbrachte hier einen Teil ihres Lebens, nachdem sie vor der Roten Armee aus Ostpreußen geflohen war. Das Schloss befindet sich weiterhin in Familienbesitz der Grafen von Metternich und dient heute als Wohnsitz eines Angehörigen der gräflichen Familie.

Das Wasserschloss Vinsebeck gilt als eines der schönsten Schlösser Westfalens. Der Barockbau aus dem Jahre 1720 steht auf einer quadratischen Insel, die von einer 17 m breiten, wassergefüllten Gräfte umgeben ist. Zu der terrassenförmigen Fläche vor der Hauptfront gelangt man über eine seitliche Brücke. Der das Schloss umgebende Garten mit Neptunbrunnen und Steinfiguren ist nur noch teilweise in seinen barocken Formen erhalten. Die Innenausstattungen des Italienischen Zimmers, des Driburger Zimmers, des Grünen Zimmers, des Mohrenzimmers und des Chinesenzimmers sind weitgehend bauzeitlich erhalten und machen den Reiz des Schlosses aus. Das Schloss ist Eigentum von Simeon Graf Wolff Metternich.

Regionale Bedeutung und Bekanntheit haben auch die Vinsebecker Graf Metternich Mineralquellen.

Direkt am Ufer des Heubachs steht eine Eiche mit einem Brusthöhenumfang von 7,10 m (2014).[9]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wichtig im Vereinsleben des Dorfes sind der TuS Vinsebeck, der Spielmannszug Vinsebeck, der Musikverein Leopoldstal-Vinsebeck sowie die St.-Josef- und St.-Johannes-Schützenbruderschaften, die im jährlichen Wechsel das örtliche Schützenfest ausrichten. Am 1. Mai eines jeden Jahres findet das traditionelle Königsschießen statt, zu Pfingsten folgt dann das eigentliche Schützenfest.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anton Riesel (* 1917), Heimatdichter und Autor
  • Antonia Klaholz (* 1922; † 2012), Dichterin und Autorin
  • Beatrix Sassen, (* 1945), Bildhauerin

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vinsebeck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.steinheim.de/Stadt-Rathaus/Stadtportrait/Zahlen-und-Fakten
  2. Regesta Imperii (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz): Imbshausen, 1031 August 3
  3. Westfälisches Urkundenbuch (Vol. 4): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom Jahre 1201–1300.
  4. Westfälisches Urkundenbuch (Vol. 4): Die Urkunden des Bisthums Paderborn vom Jahre 1201–1300.
  5. Genealogy.net: Lagerbuch des Bisthums Paderborn 1779
  6. Heinz Gellhaus: Mitteilungsblatt Steinheim, 27. April 2001
  7. Stephanie Reekers: Die Gebietsentwicklung der Kreise und Gemeinden Westfalens 1817–1967. Aschendorff, Münster Westfalen 1977, ISBN 3-402-05875-8, S. 289.
  8. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 109.
  9. Eintrag im Verzeichnis Monumentaler Eichen. Abgerufen am 10. Januar 2017