Engelbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Engelbach (Begriffsklärung) aufgeführt.

Koordinaten: 50° 55′ 26″ N, 8° 36′ 31″ O

Engelbach
Wappen von Engelbach
Höhe: 297 m ü. NHN
Fläche: 8,44 km² [LAGIS]
Einwohner: 360
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35216
Vorwahl: 06461

Engelbach ist ein Stadtteil von Biedenkopf im westlichen Hessen, am Übergangsbereich von Mittel- und Nordhessen. Es liegt circa 300 m über NN und hat etwa 360 Einwohner. Der Ort befindet sich in den Sackpfeifen-Vorhöhen, die zu den südöstlichen Ausläufern des Rothaargebirges zählen, am Lauf des Engelbaches.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelbach erstreckt sich in einem Tal zu beiden Seiten des gleichnamigen Baches umgeben von Wäldern. Im Nordwesten erhebt sich die Sackpfeife, mit 674 m die höchste Erhebung im Landkreis Marburg-Biedenkopf und im Südwesten das Aarnest mit 591,5 m, der Hausberg von Engelbach. Die Gemarkung Engelbach ist 843 Hektar groß, davon ist der weitaus größte Teil Waldfläche. In zehn Kilometer Entfernung liegt der Burgwald. Mittelgebirgserhebungen rund um Engelbach sind neben den bereits erwähnten Bergen der Engelberg, die Planke, der Bronkekopf, die Engelbacher Hardt, die Treisbacher Hardt, der Rothskopf, der Große Hardenberg, der Rahnsberg, der Hassenroth und der Kohlenberg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehungszeit des Ortes Engelbach ist nicht bekannt. Es kann aber angenommen werden, dass die Gründung sehr weit zurückreicht, spätestens in die Zeit des in dieser Gegend herrschenden Geschlechts der Grafen Giso, die auf der Burg Hollende saßen und die Vogtei über das Königsstift Wetter innehatten. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass die Bewohner von Engelbach, Pferdsbach, Albertshausen und Dexbach in den versteckten Tälern, im Rücken und Schutz der Hollende, ihrer Arbeit in Feld und Wald nachgehen konnten. Urkundlich wurde Engelbach, früher Engelenbach, auch Engelbach, im Jahre 1237 genannt. Es gehörte um 1534 innerhalb des kleinen Gerichtes Dexbach zum Gericht Dautphe, Amt Biedenkopf, stand im 15. Jahrhundert unter dem Dekanat Kesterburg (Christenberg) und wurde 1577 nach Dexbach hineingepaart.

Engelbach gehörte schon 1318 dem Stadtgericht Biedenkopf an, da damals ein Verkauf Engelbächer Güter vor dem dortigen Gericht beurkundet wurde. Im Jahre 1356 wurde das Untergericht (1495 Haibgericht) Dexbach bekannt, als es vom Landgrafen Heinrich und dessen Sohn als Teil des Amtes Biedenkopf an Wiegand von Sichertshausen und dessen Stiefsohn Johann von Breidenbach verpfändet wurde. Es bestand 1502 aus den Dörfern Dexbach und Engelbach, außerdem gehörte die heutige Wüstung Pferdsbach dazu.

Es wird angenommen, dass das Dexbacher Gebiet ursprünglich zu Wetter gehörte und das Gericht deshalb eingerichtet und nach Biedenkopf ausgerichtet wurde, weil der Weg nach Biedenkopf über die Bergkette für die Bewohner vorgenannter Orte zu beschwerlich war. Es hatte wohl nur örtliche Bedeutung, denn das Schultheißenamt wurde zwischen 1451 und 1472 mit dem des Stadtgerichts Biedenkopf vereinigt. Es wurde noch 1592 und 1630 erwähnt.

Graf Siegfried von Wittgenstein (Widechenstein), seine Ehefrau Ida und ihre Söhne geistlichen und weltlichen Standes überließen dem Zisterzienserinnenkloster Calderin (Caldern) im 13. Jahrhundert einiges Eigentum, unter anderem einige Güter zu Engelbach mit allem Zubehör.

Am 26. Juni 1301 überließen Bertrad, genannt von Rüdigheim (Rutdinkeln) und ihre Tochter Bertrad dem Kloster Caldern zu ihrem und ihrer Vorfahren Seelenheil vor Schöffen und Bürgern von Marburg, Abtissin und Convent des Klosters Caldern unter anderen alle ihre Güter zu Engelbach (Engelbach) mit sämtlichem Zubehör, behielten sich aber lebenslang den Ertrag vor. Auch durften sie sich an die Güter halten, wenn sie in Not gerieten.

Dort, wo der Treisbach entspringt, östlich unter dem Aarnest, am Weg von Engelbach nach Katzenbach, lag vor Zeiten der Ort Albertshausen, (Alberdehusen 1519) bei Engelbach. Er kann im 15. Jahrhundert aber nicht mehr bestanden haben, da er im Diöcesanverzeichnis nicht mehr genannt ist. Seine Einwohner sind wohl nach Engelbach, Dexbach und Treisbach gezogen.

Im Jahre 1788 herrschte in der Gegend unter den Hunden die Tollwut. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang die Verordnung von Ludwig Landgraf zu Hessen vom 31. Januar 1778: „Kein Aussaugen der Wunde! Es ist notwendig, daß gebissener Mensch keine Wärme, aller Gemüts- und Leibesbewegungen enthalte, kein Fleisch, Wein, Gewürz, Alkohol, nur Milch, Obst oder Pflanzenspeisen, folgender Trank mit Nutzen dabey zu gebrauchen: Man nimmt 4 Loth ungerollte Gerste, wäscht sie in lauem Wasser, kocht sie nachhero mit 5 Schoppen Wasser so lange, bis sie durchgehends aufgesprungen ist, seiget sie sohin durch Leinwand und mischet endlich 3 Loth Honig und 2 Loth Weinessig darunter. Von diesem Trank soll Patient nach genügen trinken, und derselbe so oft frisch gemacht werden, als von Nöthen ist. Dieses Heilmittel ist von Hochfürstlicher Regierung dahio zur Vertheilung in sämtliche Hochfürstliche Lande der Hirschapotheke anvertraut und übergeben worden. Dosis von diesem Pulver kosten 6 Kreuzer.“

Nach der Hauptbevölkerungsliste von 1846 des Landratsamtes Biedenkopf hatte die Gemeinde Engelbach „zwei öffentliche Gebäude, 62 Wohnhäuser, 74 Familien, 54 Knaben, 73 Mädchen. Über 14 Jahre 134 männliche und 160 weibliche Seelen. 421 Seelen (Lutheraner), außerdem zwei Staatsdiener, 35 Ackerleute, elf Gewerbeleute, vier Acker- und Gewerbeleute zugleich sowie 19 Tagelöhner männlich und elf Tagelöhner weiblich, ein männlicher Dienstbote, zwei weibliche Dienstboten. Zahl der Ortsansässigen, die sich außerhalb aufhielten: Inland: 10, Ausland 5. Eine Cappelle, ein Backhaus. Keine Personen über 90 Jahre“.

1830 befanden sich im Ort Töpfereien, eine Mahl- und Ölmühle und ein Kupferbergwerk.

Erzfunde wurden bereits 1654 erwähnt. In der „Grube Elisabeth“ wurde Kupfer- und Silbererzbergbau betrieben, der Eingang des Stollens ist noch erhalten.

Am 12. April 1813 erhob der Schulvikar Holzheimer zu Dexbach Klage beim Großherzoglichen Kreisrath in Biedenkopf gegen 21 Engelbacher, weil diese nicht die zu leistenden drei Kronen bzw. einen Laib Brot gegeben hätten. Für Nr. 16 vermerkte er am Schluss, dass dieser wohl das Brot geliefert hatte, aber nach Prüfung durch den Kirchenvorstand als nicht genießbar wieder zurückerhielt. Am 24. Mai 1853 berichtete der Gemeindeeinnahmer Medebach von Dexbach an den Kreisrath, dass er den Entwurf des Pfändungsbefehls an seinen Bürgermeister übergeben habe und dass vier Engelbacher die Mahnzettel zurückschickten und Lieferung von Brot und Geld verweigert hatten.

Der Engelbach, der seinen Namen von dem Ort Engelbach erhielt, führte ursprünglich zwei andere Namen, nämlich Lauternbach und Oh.

Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Engelbach nach Biedenkopf eingemeindet.[1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortswappen

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 3. August 1960 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In Blau über einem erniedrigten silbernen Schräglinksbach ein geflügelter goldener Engelskopf.“

Das Wappen von Engelbach knüpft an den Namen des Ortes an. Ein Engelskopf ist mit einem Bachlauf zum Ortswappen vereinigt worden.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge wurde am 17. September 1962 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

In dem von Gelb und Blau schräglinks geteilten Flaggenfeld oben rechts das Gemeindewappen.

Kultur und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelbach hat eine ganze Reihe von Vereinen: Heimatverein, Männergesangverein, Landfrauen, Freiwillige Feuerwehr, Gymnastikgruppe, Burschenschaft, Jazztanzgruppe und DRK-Zug.

In einer Gemeindeversammlung nach der 750-Jahrfeier in 1987 wurde die Gründung des Heimatvereines beschlossen. Die Versammlung beauftragte den Ortsbeirat mit den vorbereitenden Arbeiten. Die vom Heimatverein betreute Heimatstube ist in den Räumen des ehemaligen Gemeindehauses untergebracht. In den drei Räumen der Heimatstube werden ländliche Kulturgüter aus der Region ausgestellt. Einen Schwerpunkt bilden die Dauerausstellungen zu den Themen bäuerliche Hauswirtschaft und häuslicher Lebensbereich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die ersten Jahre der Nachkriegszeit unter dem Gesichtspunkt der bäuerlichen Selbstversorgung.

Der Männergesangverein wurde im Jahre 1879 gegründet. Das Gründungsprotokoll ist nicht mehr vorhanden. Hingegen ist im Protokoll vom 19. Januar 1929, in dem das Sängerfest zum 50. Vereinsjubiläum im Jahre 1929 ausgerichtet wurde, eindeutig das Jahr 1879 als Gründungsjahr des Vereins genannt. Der Engelbacher Männergesangverein ist regional wie überregional bei Wettbewerben sehr erfolgreich.

Der Ortsverein Engelbach der Landfrauen gehört zum Bezirksverband Biedenkopf im Landfrauenverband Hessen. Die Engelbacher Landfrauen haben es sich zur Aufgabe gemacht, das ländliche Brauchtum zu pflegen, es weiter am Leben zu erhalten und der nachfolgenden Generation zugänglich zu machen. Dies geschieht zum Beispiel durch das Abhalten von Spinnstubenabenden, durch die Pflege alter hessischer Trachten oder durch die Fortsetzung der Tradition des Brotbackens nach herkömmlicher Art im Dorfbackhaus. Darüber hinaus sind die Landfrauen entscheidend an der Pflege der Anlagen innerhalb des Dorfes beteiligt und arbeiten als besonders aktive Gruppe im örtlichen Heimatverein mit. Vornehmlich in den Wintermonaten finden regelmäßige Zusammenkünfte statt, in denen in geselliger Runde Produkte hergestellt werden, die später auf verschiedenen Veranstaltungen (Weihnachtsmärkte usw.) angeboten werden: Gesticktes und Gestricktes, Handarbeiten jeglicher Art, Geschenke, Dekorationsartikel usw.

Die Freiwillige Feuerwehr Engelbach wurde am 16. Juni 1956 aus der Taufe gehoben. Bei einer Gemeindeversammlung, die überraschend gut besucht war, wurde ausführlich über die Schattenseiten der Pflichtfeuerwehren der Vergangenheit berichtet und die Vorteile einer Freiwilligen Feuerwehr mit engagierten Männern herausgestellt.

Ein weiterer Verein im Engelbacher Kultur- und Vereinsleben ist die im März 1982 ins Leben gerufene Senioren-Gymnastikgruppe des Deutschen Roten Kreuzes. Waren es zunächst vorwiegend ältere Frauen aus dem Ort, die sich regelmäßig im Dorfgemeinschaftshaus trafen, so sind es mittlerweile auch eine ganze Anzahl junger Frauen, die regelmäßig einmal in der Woche zu Spiel, Musik und Tanz zusammenkommen, um gesund und beweglich zu bleiben und darüber hinaus fröhliche Gemeinschaft zu pflegen.

Die Burschenschaft „Waldeslust“ Engelbach besteht in fester Vereinsform erst ab dem Jahre 1978. Ziel der damaligen Mitglieder war es, wieder eine Kirmes zu feiern. Nachdem sich nun die Burschenschaft gebildet hatte, begann man mit den Vorbereitungen. Es wurde auch eine Fahne angefertigt, die das Engelbacher Wappen zum Motiv hat. Im Juli 1980 konnte man dann nach langer Zeit wieder eine Kirmes feiern. Seit der Neugründung wurden die Kirmesfeste zunächst jedes Jahr, später dann in größeren Abständen gefeiert. Im Jahre 1998 wurde die Jubiläumskirmes „20 Jahre Burschenschaft Waldeslust Engelbach“ festlich begangen. Die Burschenschaft hat sich aber auch andere Aufgaben zu Eigen gemacht. So sorgt sie zum Beispiel dafür, dass auf Silvester „gewünscht“ wird, und dass zu Fasching ein Strohbär durch das Dorf zieht. Die Burschenschaft besteht aus jungen Burschen und Mädchen (am Anfang waren es nur Burschen), die erst nach der Konfirmation in die Burschenschaft aufgenommen werden können. Man bleibt solange Mitglied, wie man Junggeselle ist.

In den Jahren 1971 und 1973 wurden in Engelbach und Dexbach vom DRK-Kreisverband Biedenkopf Erste-Hilfe-Lehrgänge für die Bevölkerung durchgeführt. Aus diesen Lehrgängen fanden sich 32 Mitglieder bereit, aktiv an der Arbeit im Deutschen Roten Kreuz mitzuwirken. Diese Kameradinnen und Kameraden gründeten den DRK-Zug Dexbach/Engelbach der Bereitschaft Biedenkopf. Vom Kreisverband wurde die Schule in Dexbach von der Stadt Biedenkopf als Unterrichtsraum angemietet und gleichzeitig ein Fahrzeug zur Verfügung gestellt. Von diesem Zeitpunkt an wurden regelmäßig Unterrichtsstunden durchgeführt.

Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelbach, ein Dorf mit ländlichem Charakter, ist immer noch sehr stark geprägt von der Landwirtschaft. Obwohl die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten Jahren sehr stark zurückgegangen ist, sind die Wurzeln des bäuerlichen Lebens noch sehr gut zu erkennen.

Die mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit verknüpften Gewerbebetriebe, wie Schlosserei, Hufschmied, Spenglerei oder auch Milchfuhrbetrieb sind jedoch naturgemäß mit dem Rückgang der Landwirtschaft auch verschwunden.

Vereinzelt haben sich als Ersatz dafür andere Kleingewerbe-Betriebe angesiedelt.

Verschwisterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Engelbach ist seit der deutschen Wiedervereinigung mit Engelsbach in Thüringen verschwistert.

Wandern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die waldreiche Mittelgebirgslandschaft lädt zum Wandern ein. Es gibt in Engelbach einige Rundwanderwege, deren Ausgangspunkt jeweils das Dorfgemeinschaftshaus ist:

  • Kirschblattweg: Rund um den Engelberg; Länge 3 Kilometer
  • Ahornblattweg: Rund um die Blanke; Länge 3 Kilometer
  • Axtweg: Klingelborn / Rothskopf; Länge 4,8 Kilometer

Im benachbarten Treisbach gibt es einen Wanderverein (Wanderfreunde Treisbach), der seine Mitglieder sowohl regional als auch überregional „rekrutiert“. Regelmäßig organisieren die Wanderfreunde Treisbach kleine und große Wandertouren, zu denen auch Wandergäste herzlich eingeladen sind.

Benachbarte Orte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benachbarte Orte sind Treisbach, Dexbach, Eifa, Biedenkopf, Amönau, Warzenbach, Kombach, Eckelshausen, Katzenbach, Breidenstein, Gemeinde Münchhausen (am Christenberg).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon von Kurhessen, Marburg 1926
  • Klosterarchive: Regesten und Urkunden. Die oberhessischen Klöster, Bd. 1, hrsg. von Friedrich Schunder, Marburg 1961
  • Georg W. Justus Wagner: Noch Wüstungen im Großherzogtum, S. 351
  • Karl Kohlberger: Geschichte der Gemeinde Engelbach im Kreis Biedenkopf

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Engelbach (Biedenkopf) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien