Wallau (Lahn)

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Wallau
Das Wappen von Wallau
Koordinaten: 50° 55′ 43″ N, 8° 28′ 27″ O
Höhe: 295 m ü. NHN
Fläche: 14,82 km²[1]
Einwohner: 3600 (30. Jun. 2009)
Bevölkerungsdichte: 243 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35216
Vorwahl: 06461
Ansicht aus Osten
Ansicht aus Osten
Evangelische Kirche

Wallau ist nach der Kernstadt der größte Stadtteil der Stadt Biedenkopf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf mit etwa 3600 Einwohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Grenze zu Nordrhein-Westfalen gelegen, ist Wallau im Verlauf der Lahn der erste Ort in Hessen und liegt in den südöstlichen Ausläufern des Rothaargebirges.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1289 wurde Wallau erstmals urkundlich erwähnt – das 725. Jubiläum dieser Erwähnung ist im Jahre 2014 gefeiert worden.[2] Am 1. Juli 1974 wurde Wallau in die Stadt Biedenkopf eingemeindet.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Wallau unterstand im Überblick:[4][1]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1967 sind:[1]

• 1577: 0045 Hausgesesse
• 1630: 0046 Hausgesesse (1 dreispännige, 13 zweispännige, 15 einspännige Ackerländer, 20 Einläufige).
• 1677: 0036 Männer, 4 Witwen, 9 Jungmannschaften, 21 ledige Mannschaften
• 1742: 0083 Haushalte
• 1830: 0698 evangelische, 3 römisch-katholische Einwohner
• 1867: 0748 Einwohner. Erwerbspersonen: 105 Landwirtschaft, 2 Forstwirtschaft, 30 Bergbau und Hüttenwesen, 23 Gewerbe und Industrie, 11 Verkehr, 3 Kirche und Gottesdienst, 4 Gemeindeverwaltung.
• 1885: 1202 Einwohner.
• 1925: 1883 Einwohner
• 1939: 2315 Einwohner
• 1950: 3165 Einwohner
• 1961: 3424 (2803 evangelische, 444 römisch-katholische) Einwohner. Erwerbspersonen: 222 Land- und Forstwirtschaft, 982 produzierendes Gewerbe, 255 Handel und Verkehr, 170 Dienstleistungen und sonstiges.
Wallau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
748
1840
  
773
1846
  
798
1852
  
880
1858
  
842
1864
  
891
1871
  
929
1875
  
1.011
1885
  
1.202
1895
  
1.291
1905
  
1.607
1910
  
1.733
1925
  
1.883
1939
  
2.315
1946
  
3.126
1950
  
3.165
1956
  
3.229
1961
  
3.424
1967
  
3.624
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen und die Flagge wurden am 29. Oktober 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.[7]

Wappen
Wappen von Wallau (Lahn)
Wappenbeschreibung: „In Silber über grünem Dreiberg ein roter, schreitender Fuchs mit weißglühenden Augen.“
Wappenbegründung: Das Ortswappen zeigt einen roten Fuchs über drei grünen Bergen. Der sogenannte „Heckelches Fuchs“ ist aus einer alten Überlieferung übernommen. Die grünen Berge symbolisieren die Lage Wallaus in einer waldreichen Gegend.
Flagge

Flaggenbeschreibung: „In einem von grün und weiß geteilten Flaggenfeld das Wappen der Gemeinde Wallau, das in Silber über grünem Dreiberg einen roten, schreitenden Fuchs mit weißglühenden Augen zeigt.“

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelische Kirche des Orts ist ein Kulturdenkmal, siehe Liste der Kulturdenkmäler in Wallau.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Backhausgemeinschaft Hinterland, die am Weifenbacher Weg eins der ehemals zwei genossenschaftlich erbauten und unterhaltenen Wallauer Backhäuser betreibt[8]
  • Burschenschaft Eintracht 1895, organisiert u. a. jährlich eine Kirmes[9]
  • CVJM Wallau, 1910 gegründeter Ableger des christlichen CVJM mit ca. 100 Mitgliedern[10]
  • Fischereiverein Surbach e. V.[11] – Der 1975 gegründete Verein betreibt eine 1987–1988 künstlich angelegte Fischteichanlage an der B 253,[12] gelegen „Auf der dürren Wiese“ neben dem Klärwerk. Der Fischteich wird nach dem Verein auch „Surbachsee“ genannt.[13]
  • FV 1913, ein 1913 gegründeter Sportverein mit heute 650 Mitgliedern und den Abteilungen Fußball, Leichtathletik und Tennis[14]
  • Heimatmuseum Wallau, stellt die Dorfgeschichte zwischen Tradition und Fortschritt dar, häufig mit Sonderausstellungen[15]
  • Obst- und Gartenbauverein Wallau/Lahn, ein 1906 gegründeter Verein für Gartenbau[16]
  • TV 04 Wallau, ein 1904 gegründeter Turnverein[17]
  • Verkehrs- und Gewerbeverein Wallau, ein 1965 von Wallauer Geschäftsleuten gegründeter Gewerbeverein[18]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überregionale Bekanntheit erreichen seit vielen Jahren die Wallauer Modell- und Maschinenbaufirmen mit hohem Exportanteil wie beispielsweise Modell + Formenbau Müller GmbH, gegründet durch Georg Müller 1922.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallau verfügt mit dem Bahnhof Wallau (Lahn) über einen Bahnanschluss. Dieser liegt am 1883 eröffneten Abschnitt der Oberen Lahntalbahn. Mit der Einbindung der Scheldetalbahn im Jahre 1911 wurde die Station zum Trennungsbahnhof.

1987 wurde der Personenverkehr auf der Scheldetalbahn eingestellt, seitdem dienen nur noch einige Teilstücke der Scheldetalbahn dem Güterverkehr. Von den ursprünglich drei Bahnsteiggleisen ist nur noch eines[19] vorhanden. Das 1944 bei einem Luftangriff beschädigte Empfangsgebäude wurde in den 1950er Jahren durch einen partiellen Neubau[20] ersetzt. 2010 wurde das Empfangsgebäude abgerissen.[21] Heute wird der Haltepunkt Wallau (Lahn) montags bis freitags im Stundentakt nach Marburg und Bad Laasphe bedient. Alle zwei Stunden sind die Züge über Bad Laasphe hinaus nach Erndtebrück durchgebunden, dort besteht Anschluss an die Rothaarbahn nach Bad Berleburg und nach Siegen. An Wochenenden und Feiertagen findet ganztägig ein 2-Stunden-Takt auf der gesamten Strecke von Erndtebrück nach Marburg statt. Der Bahnhof Wallau (Lahn) gehört zum Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Eltern von Fritz Henkel, dem Gründer des Düsseldorfer Henkel-Konzerns, stammten aus Wallau; er selbst wurde in Vöhl (Kreis Waldeck-Frankenberg) geboren und wuchs dort auch auf. Nach ihm wurde die Fritz-Henkel-Straße (Hauptstraße des Ortes) sowie die örtliche Veranstaltungshalle benannt (Fritz-Henkel-Halle).
  • Dessen Enkel Konrad Henkel wurde 1990 zum Ehrenbürger der Gemeinde Wallau ernannt.[22]
  • Der Filmregisseur Rudolf Thome ist in Wallau geboren und aufgewachsen.
  • In Wallau aufgewachsen – wenn auch nicht geboren – ist die Liedermacherin Ulla Meinecke.
  • Elsa Blöcher war eine deutsche Lehrerin, Historikerin und Buchautorin. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sie sich in der Erforschung der Geschichte des Hessischen Hinterlandes.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Wallau, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 22. Juni 2016)
  2. 725 Jahre Wallau/Lahn – Unsere Webseite zum Jubiläum. 725 Jahre Wallau/Lahn e. V., abgerufen am 20. November 2014.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 u. 351.
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 7 (bei google books).
  6. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books).
  7. Staats-Anzeiger für das Land Hessen 1955, Amtsblatt Nr. 46, S. 1137
  8. Adolf Menges: Geschichte und Kulturkunde des Dorfes Wallau an der Lahn, Band 1. Gemeinde Wallau, Wallau 1936, S. 111. (Online auf der Website des Hinterländer Backhauses.)
  9. Webseite der Burschenschaft Eintracht 1895
  10. Über uns auf der Website des CVJM Wallau.
  11. Website des Fischereivereins Surbach e. V.
  12. Geographische Lage des Fischteichs: 50° 55′ 37,5″ N, 8° 29′ 47,9″ O
  13. Chronik des Fischereivereins. Fischereiverein Surbach e. V., abgerufen am 20. November 2014.
  14. Website des FV 1913 e.V.
  15. Website des Heimatmuseums auf der Homepage vom Museumsverband des Landkreises Marburg-Biedenkopf e.V.
  16. Geschichte des Obst- und Gartenbauvereins auf der Vereinswebsite.
  17. TV 04 Wallau – geschichtlicher Überblick (Memento vom 12. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) auf der Vereinswebsite
  18. Geschichte des Verkehrs- und Gewerbevereins Wallaus auf der Vereinswebsite
  19. Scheldetalbahn: Abschnitt Breidenbach–Wallau – rostendeschienen.de (Memento vom 18. September 2012 im Webarchiv archive.is)
  20. Einfuhrung obere-lahntalbahn.de (Memento vom 6. September 2012 im Webarchiv archive.is) (abgerufen am 6. Juli 2011)
  21. Das Ende des Wallauer Bahnhofs – 01.10.2010 (Memento vom 21. Dezember 2010 im Internet Archive) Das Ende des Wallauer Bahnhofs (abgerufen am 7. Juli 2011)
  22. Trauer um Dr. Konrad Henkel, Pressemitteilung der Henkel-Unternehmenskommunikation vom 25. April 1999