Erzbistum Bremen

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Dieser Artikel behandelt das ehemalige römisch-katholische Bistum Bremen. Mit dem gleichen Namen wird oft auch das weltliche Herrschaftsgebiet der Bremer Bischöfe bezeichnet, siehe Erzstift und Herzogtum Bremen.
Wappen des Erzbistums und des Erzstiftes Bremen

Das Bistum Bremen ist ein ehemaliges Bistum der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Das Bistum Bremen bestand von 788 bis 1648. Es war ein Suffraganbistum des Erzbistums Köln, wurde dann aber selbst Metropolitansitz. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde aus dem weltlichen Besitz des Erzbistums, dem „Erzstift“, das Herzogtum Bremen, welches Teile des Elbe-Weser-Dreiecks umfasste.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bremer Kirchengeschichte

Gründung des Bistums[Bearbeiten]

1200 Jahre Bischofssitz Bremen: Die Briefmarke von 1987 zeigt Karl den Großen und Bischof Willehad neben dem Bremer Dom.

Während der Niederwerfung der Sachsen durch Karl den Großen wurde am 13. Juli 787 Willehad in Worms zum Bischof von Wigmodi, Laras, Riustri. Asterga, Nordendi und Wanga (an der unteren Weser und zwischen der Mündung von Weser und Ems) geweiht.[1] Am 14. Juli 788 errichtete Karl der Große nach altrömischer Sitte in Speyer das Bistum Bremen für den nördlichen Teil Sachsens und verlieh diese neue Diözese im Auftrag des Papstes Hadrian I. und nach Rat des Erzbischofs Lullus von Mainz und der anwesenden Bischöfe an Willehad.[2] Dieser machte Bremen zu seiner Residenz und weihte 789 den ersten Bremer Dom auf den Namen des Apostels Petrus.

848 beschloss die Synode von Mainz, das Bistum Bremen dem Erzbischof von Hamburg zu unterstellen, so dass ein Doppelbistum Bremen-Hamburg entstand. Dies löste heftige Proteste des Erzbischofs von Köln Hilduin aus. Auch sein Nachfolger Gunthar von Köln wehrte sich dagegen, das Bistum an die Kirchenprovinz Hamburg abzutreten. So stand das Bistum Bremen theoretisch bereits seit 848 unter der Administration des Erzbischofs von Hamburg, praktisch jedoch erst seit zirka 870, als Papst Nikolaus I. bestimmte, dass das Bistum Bremen dem Erzbistum Hamburg zuzuführen sei. Erzbischof Adalgar (888–909) erlangte von Papst Sergius III. nochmals eine Bestätigung der Zusammenlegung, jedoch unter der Vorgabe, dass Hamburg keine Suffragane erhalte. 1224 bestätigte Papst Honorius III. das Doppelbistum mit Sitz in Bremen endgültig, wobei jedoch das Domkapitel von Hamburg bestehen bleiben sollte und zur Bischofswahl den Propst, den Dekan und den Scholaster nach Hamburg entsenden sollten.

Bereich der Erzdiözese[Bearbeiten]

Da das Bistum und dann Erzbistum Bremen Zentrum der Skandinavienmission war, gewannen die Erzbischöfe zeitweise die Kontrolle über die über Bistümer des Nordens. Erzbischof Adalbert bemühte sich während seines Episkopates, 1043 bis 1072, um die Erlangung einer Patriarchenwürde. Der Versuch, zum Patriarchen des Nordens aufzusteigen, misslang jedoch. Stattdessen wurde 1104 die Kirchenprovinz Lund aus der Metropolie Bremen-Hamburg ausgegliedert, wodurch Bremen die meisten seiner Suffragane verlor. Noch im selben Jahrhundert wurde das Erzbistum Lund geteilt: 1158 entstand das Erzbistum Nidaros für Norwegen einschließlich der nordatlantischen Inseln. Schweden bekam 1164 ein eigenes Erzbistum, das 1179 seinen Sitz in Uppsala nahm.

Bremen-Hamburg verblieben:

1104 Erzbistum Lund:

(Dänemark)

1104 Ebm. Lund, 1158 Ebm. Nidaros:

(Norwegen)

1104 Ebm. Lund, 1179 Ebm. Uppsala:

(Schweden)

Der verbliebene deutsche Rest des Bremer Erzbistums reichte im 12. bis 16. Jahrhundert von Ostfriesland im Westen und der Grafschaft Hoya im Süden bis an die Eider im Norden und nach Mecklenburg im Osten. Die südlich angrenzenden Bistümer Münster, Osnabrück, Minden unterstanden dem Erzbistum Köln, das Bistum Verden dem Erzbistum Mainz.

Landgebiet des Erzstiftes[Bearbeiten]

Das Herzogtum Bremen um 1655. Die Karte gibt die schwedische Rechtsauffassung wieder.

Das mit der Zeit erworbene weltliche Herrschaftsgebiet der Erzbischöfe wird heute zumeist als Erzstift bezeichnet. In mittelalterlichen Dokumenten wird das niederländisch-niederdeutsche Wort „sticht“ verwendet. Es steht für die Verwaltung durch das Domkapitel. Die eigentlich genauere Bezeichnung Fürstbistum ist für Bremen unüblich. Zu Zeiten der (erz-)bischöflichen Herrschaft war man mit der begrifflichen Unterscheidung ungenau. Da wurde auch die Landesherrschaft gerne als „Archiepiscopatus“ oder „Dioecesis“ bezeichnet.

Im Lauf Jahrhunderte gelang es den Erzbischöfen, ihrem Amt eine ausgedehnte Territorialherrschaft zu gewinnen, welche etwa ein Drittel des Diözesangebietes umfasste. Hierbei kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit benachbarten Fürsten. Das Verhältnis zwischen Erzbischof bzw. Domkapitel und dem Bremer Rat war zwiespältig. Das Gelnhauser Privileg, das die Civitas Bremen der Justitia Imperialis unterstellte, war auf Betreiben eines Erzbischofs erteilt worden, aber etliche Erzbischöfe versuchten die Stadt zu bevormunden. Späterer stadtbremischer Landbesitz wurde zunächst gemeinsam verwaltet, etwa das Vieland. Nicht selten paktierte die Stadt aber mit den Grafen von Oldenburg gegen den Erzbischof. Im eigentlichen erzbischöflichen Territorium hatte die Stadt keine Befugnisse. Schon bevor Bremen mit dem Linzer Diplom von 1646 auch formal eigenständig reichsunmittelbar wurde, regierten Stadt und Stift jeweils ihren eigenen Territorialbesitz. Die Erzbischöfe wählten ihren Aufenthalt zunehmend außerhalb der Stadt, zeitweise in Bücken, schließlich aber definitiv in ihrer Hauptburg Vörde, heute Bremervörde. Innerhalb der Ummauerung Bremens blieb jedoch die Domfreiheit unter erzbischöflicher Hoheit. Seit 1500 gehörten sowohl das Erzstift als auch die Stadt Bremen zum Niedersächsischen Reichskreis.

Ab 1522 fasste die Reformation schnell Fuß, was durch den Einfluss des Bremer Domkapitels, das in seiner Mehrheit protestantisch war. Auch der letzte katholische Erzbischof, Georg von Braunschweig-Wolfenbüttel, im Amt 1558–1566, stellte sich der Reformation nicht entgegen, sondern führte sogar die von Luther genehmigte Bremische Kirchenordnung in seinem weiteren Bistum, Verden ein. Nach seinem Tode wählte das Kapitel mehrere lutherische Administratoren in Folge, so dass man ab 1566 von einem evangelischen Erzstift sprechen kann. Im Gegensatz zum lutherischen Territorium des Erzbistums wurde die Stadt Bremen samt einem großen Teil ihres Landbesitzes um 1680 calvinistisch.

Ein Kuriosum bildete die Rembertigemeinde, die seit ihrer Gründung 1596 sowohl das der Stadt unterstehende Pagentorn als auch die dem Stift angehörenden Dörfer Schwachhausen und Hastedt umfasste, aber bis zur Angliederung dieser Dörfer an Bremen im Jahr 1803 nur von städtischen calvinistischen Pastoren betreut wurde.

Für die Seelsorge der katholisch gebliebener Bevölkerungsteile in den zur Reformation übergetretenen und dann früher oder später erloschenen Bistümern richtete die Römisch-katholische Kirche 1667 das Apostolische Vikariat des Nordens ein. 1824 wurden die Katholiken im seit 1715 zu Hannover gehörenden Gebiet des ehemaligen Bremer Erzstiftes dem Bistum Hildesheim unterstellt, die des Bremer Stadtgebietes dem Bistum Osnabrück, das nach wie vor in Bremen nur die katholischen Gemeinden südlich der Lesum umfasst

Herzogtum Bremen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bremen-Verden

Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde das Erzstift ebenso wie das Bistum Verden endgültig säkularisiert. Beide wurden zu Herzogtümern erklärt und der Krone Schwedens unterstellt. Sie wurden dann gemeinsam als Herzogtum Bremen-Verden verwaltet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Herbert Schwarzwälder: Geschichte der Freien Hansestadt Bremen. Band 1–4. Erweiterte und verbesserte Auflage. Edition Temmen, Bremen 1995, ISBN 3-86108-283-7.
  • Dieter Hägermann, Ulrich Weidinger, Konrad Elmshäuser: Bremische Kirchengeschichte im Mittelalter. H. M. Hauschild, Bremen 2012, ISBN 3-89757-170-6.
  • Hans G. Trüper: Ritter und Knappen zwischen Weser und Elbe. Die Ministerialität des Erzstifts Bremen (Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der Ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden. Bd. 12). Landschaftsverband der Ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, Stade 2000, ISBN 3-931879-05-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Bistum Bremen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urkunden zum 13. Juli 787 = RI I n. 290d, in: Regesta Imperii Online, (Abgerufen am 1. März 2015).
  2. Urkunden zum 14. Juli 788 = RI I n. 295, in: Regesta Imperii Online,(Abgerufen am 1. März 2015).