Groß Twülpstedt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Groß Twülpstedt
Groß Twülpstedt
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Groß Twülpstedt hervorgehoben
Koordinaten: 52° 22′ N, 10° 55′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Helmstedt
Samtgemeinde: Velpke
Höhe: 103 m ü. NHN
Fläche: 36,43 km2
Einwohner: 2653 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 73 Einwohner je km2
Postleitzahl: 38464
Vorwahlen: 05364, 05365
Kfz-Kennzeichen: HE
Gemeindeschlüssel: 03 1 54 009
Gemeindegliederung: 7 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Grafhorster Straße 6
38458 Velpke
Webpräsenz: www.velpke.de
Bürgermeisterin: Heike Teuber (CDU)
Lage der Gemeinde Groß Twülpstedt im Landkreis Helmstedt
Sachsen-AnhaltBraunschweigLandkreis GifhornLandkreis WolfenbüttelWolfsburgBahrdorfBeierstedtBrunsleberfeldDanndorfFrellstedtGevenslebenGrafhorstGraslebenGroß TwülpstedtHelmstedtHelmstedtHelmstedtHelmstedt (gemeindefreies Gebiet)JerxheimKönigslutter (gemeindefreies Gebiet)Königslutter (gemeindefreies Gebiet)Königslutter am ElmKönigslutter am ElmKönigslutter am ElmLehre (Niedersachsen)Mariental (Niedersachsen)Mariental (gemeindefreies Gebiet)Mariental (gemeindefreies Gebiet)Mariental (gemeindefreies Gebiet)QuerenhorstRäbkeRennauSchöningenSchöningen (gemeindefreies Gebiet)Söllingen (Niedersachsen)SüpplingenSüpplingenburgVelpkeWarbergWolsdorfKarte
Über dieses Bild

Groß Twülpstedt ist eine Gemeinde im Landkreis Helmstedt in Niedersachsen und Mitglied der Samtgemeinde Velpke.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Twülpstedt liegt zwischen den Naturparks Elm-Lappwald im Süden und Drömling im Norden. Die Gemeinde liegt im Südwesten der Samtgemeinde Velpke und hat eine Fläche von 36,43 km². Die Einwohnerzahl beträgt rund 2600 (Stand 2013).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortsteile der Gemeinde sind:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Papst Lucius II. bestätigte 1145 dem Kloster Berge in der Nähe von Magdeburg seine Besitzungen. In der Urkunde wird Tiulpstidi erwähnt. 1201 war die erste urkundliche Erwähnung von Groß und Klein Twülpstedt. Die Urkunde vom 22. Februar 1201 handelt davon, welche Naturalien dem kerkenhere, also dem Pfarrer, von den einzelnen Höfen zustehen. Es wird in der Urkunde die Anzahl der Höfe pro Dorf aufgelistet.

„Dartho hefft de kerkenhere up tho nemen von juwelken burhofe edder höffner einen himpten roggen, als tho groten Twulpstidde sin ses höfe, to lutken Twülpstidde achte un twe köther, de ok ein juwelik geven einen himpten roggen, als dat sy darnt geven tein himpten… Düt ist gescreven von her Hinreken kerkenheren to groten Twülpstede, anno Domini MCCI, Cathedra Petri.“

– Abschrift der Urkunde vom 22. Februar 1201 des ehemaligen Missalbuches der St.-Cyriakus-Kirche[2]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Groß Sisbeck, Klein Sisbeck, Klein Twülpstedt, Papenrode, Rümmer und Volkmarsdorf eingegliedert.[3]

Erklärung des Ortsnamens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Bezeichnungen des Ortes sind 1145 Tiulpstidi, 1209 (A. 17. Jahrhundert) villam totam Wilpstede, 1311 Twilpstede Maiori, 1342 to Twlpstidde, 1346 (A. 14. Jahrhundert) to Groten Twelpstide, 1354 Twulpstede, 1367 dorpe to Twelpstede und erstes Viertel 15. Jahrhundert Twlpstede. Der Ortsname wurde mit dem Grundwort „-sted-“ gebildet. Die Wiedergabe einiger Laute im Bestimmungswort bereitete offensichtlich Probleme, es wechseln T-, Tw-, W- und -iu-, -i-, -e-, -ü-, manchmal erscheint gar kein Vokal oder er ist mit dem Halbvokal -w- verschmolzen. Man darf von Tw- und -i- /-ü- ausgehen. Ursprünglich ist -i-, das nach -w- und vor -l- zu -ü- gerundet wurde. Man wird „Twilp-“ am ehesten in zwei Teile zerlegen müssen: „Twil-apa“. „-apa“ ist ein germanisches Wort für „Wasser, Fluss“. Das BW Twil- kann mit altsächsisch twili „zweidrähtig“, mittelniederdeutsch twele „gabelförmig, gegabelt, gabelförmiger Stock“, twil „gabelförmiger Ast oder Stamm“, twillen „sich gabelförmig spalten“, niederdeutsch Twe(e)l(e) „Gabel eines Zweigs, sich gabelförmig teilendes Landstück“ verbunden werden; vergleiche hochdeutsch Zwille. Das Motiv des Gewässernamens ist also ein sich gabelnder Bach. Wir haben also eine Bildung Twil-apa-sted- vor uns.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2016[5]
Wahlbeteiligung: 68,0 %
 %
40
30
20
10
0
38,2
39,2
8,6
14,1
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
 16
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-8,0
-4,0
-1,9
+14,1
Aktuelle Sitzverteilung im Gemeinderat
    
Insgesamt 12 Sitze

Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Groß Twülpstedt. Über die Vergabe der (maximal) 13 Sitze entscheiden die Bürger alle fünf Jahre in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Heike Teuber wurde am 8. November 2011 gewählt. Sie gehört der CDU an.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Groß Twülpstedt
Blasonierung: „Das Wappen der Gemeinde ist der goldene Ring auf grünem Untergrund.“[6]
Wappenbegründung: Das Wappen hält das Andenken an einen berühmten Bürger wach. Der Helmstedter Professor und Universalgelehrter Hermann Conring erwarb 1652 das hiesige Gut. Sein Grabmonument wurde in der Kirche errichtet. Als redende Anspielung auf seinen Namen hatte er einen Ring im Wappen geführt: Golden auf grünem Grund, also in den Farben des reifen Korns und der saftigen Weiden.

Das Wappen wurde am 3. Oktober 1959 vom Gemeinderat angenommen und am 10. Oktober 1960 vom braunschweigischen Verwaltungspräsidenten genehmigt.

Der Wappenentwurf wurde vom Heraldiker Wilhelm Krieg gestaltet.

Ortsteilwappen Groß Sisbeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Groß Sisbeck
Blasonierung: „Im blau-gold schräggeteilten Schild von Groß Sisbeck, seit dem 1. Juli 1972 ein Ortsteil von Groß Twülpstedt, steht eine Wolfsangel, die oben als Barte gestaltet ist, in verwechselten Farben.“
Wappenbegründung: Die Wolfsangel wurde wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Anfangsbuchstaben „S“ für Sisbeck gewählt. Die Barte spielt auf den Namen der Familie von Bartensleben auf der Wolfsburg an, zu deren Herrschaft das Dorf seit 1475 gehörte. Die blau-gelben braunschweigischen Landesfarben dokumentieren die Anhängigkeit an das Land Braunschweig.

Das Wappen wurde am 21. Februar 1961 vom Gemeinderat beschlossen und am 25. April 1961 vom braunschweigischen Verwaltungspräsidenten genehmigt.

Der Wappenentwurf wurde vom Heraldiker Philipp Schmidt gestaltet.

St.-Maria-St.-Cyriakus-Kirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Groß Twülpstedter St.-Maria-St.-Cyriakus-Kirche wurde erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt. Sie hat eine romanische Apsis. Chor und Langschiff stammen aus der Gotik.

Bei Ausschachtungsarbeiten 1912 fand man in 1 bis 1½ m Tiefe, neben der Kirchwand liegend und von Bauschutt verdeckt, eine Steinplatte mit Scheibenkreuzmotiv. Die Platte besteht aus einem quarzitischen Sandstein, wie er etwa als Velpker Sandstein in den 4 km entfernt liegenden, zwischen Velpke und Danndorf befindlichen Steinbrüchen abgebaut wurde. Die Steinplatte besitzt eine Länge von 2,09 m, eine Breite von 88 cm beziehungsweise, je nach dem betrachteten Ende, 81 cm. In der Mitte ist sie, durch die leicht ausgebauchten Längsseiten, 92 cm breit und hat eine Stärke von 33 cm.[7] Die Bildseite zeigt sich, als ursprünglich liegende Schichtfläche, glatt, die Oberfläche ist aber, durch die Lagerung an der Schichtfuge, rötlich oxidiert. Die ursprüngliche Farbe des Sandsteines befand sich in einer grauweißen Farbe, die besonders durch die Eintiefungen des Ornamentes hervortritt. Bei dem Ornament handelt es sich um ein geometrisches Linienmuster mit zwei konzentrischen Kreisen innerhalb eines rechteckigen Rahmens. Ebenso umschließt der Rahmen ein aus der Mitte des Ornamentes hervortretendes Kreuzsymbol. Die Scheibenkreuzplatte bildet ursprünglich eine Grabplatte, auch wenn sie zwischenzeitlich als Stele eines Thingplatzes betrachtet wurde. Die kulturhistorische Bedeutung ist jedoch weiterhin unsicher, eine vorsichtige Einordnung datiert die Grabplatte zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert. Die Achsensymmetrien lassen die Platte zwischen die frühmittelalterliche karolingische und die hoch- bis spätmittelalterliche Zeit fallen. Da Grabplatten dieser Größe nur in Verbindung mit einem kirchlichen Mittelpunkt zu finden sind, wird angenommen, dass jene in Groß Twülpstedt gefundene ursprünglich von St. Ludgeri in Helmstedt stammen könnte.[8]

Die St.-Servatius-Kirche befindet sich im Ortsteil Volkmarsdorf: die erste Kirche in Volkmarsdorf wurde vor rund neun Jahrhunderten auf Veranlassung von Kaiser Lothar von Supplinburg, dem Stifter des Kaiserdoms Königslutter, erbaut. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1896 und weist zwei Türme auf. Dies soll in Erinnerung an Kaiser Lothar und den ebenfalls mit zwei Türmen versehene Kirche in Königslutter erfolgt sein.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klein Twülpstedt war bis 1988 Sitz einer Zuckerfabrik. Bis 1993 konnten hier noch Zuckerrüben angeliefert werden.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Twülpstedt, Klein Twülpstedt und Groß Sisbeck liegen an der Bundesstraße 244, die von Helmstedt nach Wittingen führt. Die anderen Ortsteile liegen etwas westlich (Klein Sisbeck, Rümmer und Volkmarsdorf) oder östlich davon.

Von 1902 bis 1975 bestand in Klein Twülpstedt und Volkmarsdorf Bahnanschluss im Personenverkehr durch die Bahnstrecke Schandelah–Oebisfelde.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Groß Twülpstedt verfügt über eine Grundschule:

  • „Grundschule am See“[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Schmid: „So dull unde dörde weren de bure…“ Geschichte der Holzlanddörfer Groß Twülpstedt, Groß Sisbeck, Klein Twülpstedt, Klein Sisbeck, Papenrode, Rümmer und Volkmarsdorf. Groß Twülpstedt 1993, OCLC 258116765.
  • Peter Steckhan: Groß Twülpstedt, Ev.-luth. St. Maria St. Cyriakus Kirche (= Peda-Kunstführer. Nr. 607). Hrsg. vom Kirchenvorstand der Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Maria St. Cyriakus. Kunstverlag Peda, Passau 2005, ISBN 3-89643-607-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Groß Twülpstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. Peter Wilhelm Behrends: Urkunden nebst historischen Nachrichten, betreffend die Kirchen und Pfarren einiger Orte des Königlich Hannoverschen Amtes Fallersleben und des anliegenden Herzoglich Braunschweigischen Landes, aus Originalen und Copieen der Pfarrarchive dieser Gegend. In: Archiv des Historischen Vereins für Niedersachsen. Neue Folge. Jg. 1849. Hahn, Hannover 1851, ISSN 0179-0641, S. 21–67, hier S. 54 f., urn:nbn:de:bvb:12-bsb10018371-2 (online).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 271.
  4. Ortsnamen – Übersicht für den Buchstaben G (Memento vom 2. Dezember 2016 im Internet Archive). Recherche von Jürgen Udolph. In: ndr.de, abgerufen am 5. Juli 2017.
  5. Wahlergebnis 2016, abgerufen am 5. Juli 2017.
  6. Hauptsatzung der Gemeinde Groß Twülpstedt vom 2. Juli 2012. § 2 Abs. 1. In: verwaltungsportal.de, abgerufen am 5. Juli 2017 (PDF; 27 kB).
  7. Wolf-Dieter Steinmetz: Groß Twülpstedt, frühmittelalterliche Grabplatte mit Scheibenkreuzmotiv an der Kirche. In: Das Braunschweiger Land (= Wolf-Dieter Steinmetz [Hrsg.]: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland – Das Braunschweiger Land. Band 34). Theiss, Stuttgart 1997, ISBN 3-8062-1308-9, S. 229.
  8. Zur Thematik siehe auch Friedrich Karl Azzola: Die Scheibenkreuzplatte von Groß-Twülpstedt. Ein Interpretationsversuch aus denkmalkundlicher Sicht. In: Die Kunde. Neue Folge 23/1972. o. O. 1972, OCLC 315768096, S. 227–231 (auch als Sonderdruck).
  9. Webseite der Grundschule Twülpstedt „Grundschule am See“, abgerufen am 19. Februar 2016