Hülshof

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Hülshof
Gemeinde Bad Endbach
Wappen von Hülshof
Koordinaten: 50° 46′ 43″ N, 8° 29′ 6″ O
Höhe: 495 m ü. NN
Fläche: 2,41 km²
Einwohner: 19[1]
Bevölkerungsdichte: 8 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35080
Vorwahl: 02776
Hülshof in der Abendsonne
Hülshof in der Abendsonne

Hülshof ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach und zugleich die höchstgelegene Ortschaft im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. Alle Ortseinwohner leben in vier Höfen. Die Einwohnerzahl ist seit ca. 180 Jahren nahezu konstant, 1834 waren es 26; 1925,27; 1967,24 und heute 21. Die Gemarkung umfasst insgesamt 241 ha, davon ca. 40 ha Ackerland, 60 ha Wald und der Rest Wiesen/Weiden.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hülsbach südlich von Hülshof
Herbstwald bei Hülshof

Die Gehöftgruppe Hülshof liegt ca. 3 km (Luftlinie) nördlich von Bad Endbach im Gladenbacher Bergland am Südrand der Bottenhorner Hochflächen, östlich am Oberlauf des Hülsbaches, in einer wechselhaften Mittelgebirgslandschaft zwischen den Städten Marburg und Herborn, im Hessischen Hinterland. Mit seiner Ortslage von 495,2 m ü. NN ist Hülshof die höchstgelegene Siedlung des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Südwestlich von Hülshof, in der Gemarkung von Schlierbach, liegt der 503 m hohe Hülsberg.

Hülshof liegt geologisch im Gebiet der Eiternhöll-Schuppe (Oberdevon, Unterkarbon in Kulm-Fazies), die durch einen Streifen Diabas und Kulmtonschiefer (Wommelshausen und Dernbach) von der Endbacher-Schuppe getrennt sind.

Im Mittelalter führte ca. 400 m nördlich eine ehemals sehr bedeutende Ost-West-Fernhandelsstraße vorbei, die von Leipzig über Köln bis nach Antwerpen führte, daher auch Brabanter Straße genannt.

Direkt am Ort vorbei verläuft die Landesstraße 3049.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hulsbach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gehöftgruppe Hülshof entstand während der Siedlungsperiode der "-bach Orte". Der ursprüngliche Name Hulsbach deutet darauf hin. Vermutlich bestand die Siedlung ursprünglich aus mehreren Anwesen, da erst ab mindestens drei Anwesen alte Siedlungen mit einem Ortsnamen belegt wurden. Die Siedlung verkleinerte sich bis auf einen dominanten Hof, der einem einflussreichen Grundherren gehörte. Er bzw. seine Erben/Verwandten vermachten ihn und große Teile der zugehörigen Ländereien dem neuen Prämonstratenserinnenkloster Altenberg (gegründet 1167). Insbesondere nachdem Gertrud, die Tochter der Hl. Elisabeth, Äbtissin des Klosters (1248–1297) geworden war und in der Folgezeit verschenkten nach und nach auch die restlichen Grundbesitzer ihre dortigen Ländereien an das Kloster. So wurde aus Hulsbach der Klosterhof Hülshof.

Hülshof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hülshof war danach ein Wirtschaftshof des Prämonstratenserinnenkloster Altenberg bei Wetzlar mit zugehörigen Zinsorten.[2] Das Kloster hatte bereits 1192 von Kaiser Friedrich Barbarossa die Reichsunmittelbarkeit erhalten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Hülshof im Jahre 1284. Am 14. November 1284 schenkte der Ritter Kraft von Hatzfeld dem Kloster die Güter zu Hulsbach, die Heinrich Sarrah und dessen Bruder zu Lehen besaßen. Das geschah noch unter der Regentschaft der Äbtissin Gertrud, einer Tochter der Hl. Elisabeth. Ihre Schwester war die Herzogin Sophie von Brabant, die Mutter des Landgrafen Heinrich I. von Hessen. Am 22. Februar 1299 entsagte der Ritter Trudwin von Dernbach „…allen seinen Ansprüchen auf die Güter in Hulsbach gegen das Kloster Altenberg“.

1302 erwarb das Kloster von Konrad genannt Mönch dessen Rechte in der Hülsbacher Mark. 1304 verkauften Hermann und Heinrich von Werdorf und deren Schwester, Heinrich Holzhausen und dessen Sohn, Konrad Weinknecht und dessen Söhne, Rudolf von Weidbach, Heinrich von Roßbach und Heinrich Bottenhorn dem Kloster Altenburg Länder in Holz, Wiesen und Äcker bei Hulsbach.

Der Hülshofer Kuhhirte Johann Georg Pfeifer aus Wommelshausen mit „Ringelstecken“, hinter ihm eine Simmentaler Kuh, Aquarell von Ferdinand Justi 1881

Am 25. Juli 1340 verzichteten Johann und Kuno von Dernbach zugunsten des Klosters auf die „Struth“ (bei Hülshof) und auf Wiesen und Äcker, die dazugehörten. Beurkundet wurde dies vom Gericht Amt Blankenstein; einer der Schöffen war Siegfried von Wommelshausen. 1354 verkaufte Ruprecht von Rachelshausen dem Kloster sein Gut zu Hülshof. Im gleichen Jahr vermachte die Kirche zu Römershausen dem Kloster ihr dortiges Gut gegen einen jährlichen Zins.[3] Johann und Kuno von Dernbach, Ritter, Gebrüder, sowie Johann, Ritter und Volpracht, Wäppner, von Dernbach, Gebrüder, gelobten am 7. Mai 1354: „Den Schaden, den sie dem Kloster Altenberg in seinem Hof zu Hulsbach und in des Hofes Zerstörung getan haben, zu ersetzen und weder das Kloster noch seinen Hof ferner anzugreifen“. 1397 verkaufte Ludwig von Hartenrod dem Kloster sein Gut.

1463 verkaufte das Kloster den Hülshof an den Deutschen Ritterorden in Marburg. Er wurde danach von Verwaltern geführt, u. a. von den von Todenwarth. 1536 war der Hülshof im Besitz derer von Milchling, die ihn aber 1542 kraft Näherungsrechts an den Landgrafen abtreten mussten. Von 1543 bis 1577 war der Hülshof landgräfliches Lehen des Daniel Lynker.

Hülshof wird bis dahin als bei Wommelshausen gelegener Hof bezeichnet. Ab 1629 wird er Dorf genannt, bestand aus zwei Haushaltungen und gehörte zum Amt Blankenstein (Gladenbach). 1630 war er landgräfliches Erblehen des Andreas Matthias und des Heinrich Riemenschneider.

Der Zehnte gehörte bis 1420 den Herren von Falkenstein, später war er virnenburgisches Lehen derer von Bicken; als Aftervasallen zunächst die Rode (Rode von Dernbach, nur Rode genannt), seit 1517 die von Dernbach zu Dernbach und ab 1518 landgräfliches Lehen des Philipp Rode.

Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt übertrug 1713 in einem Erbleihbrief den halben Hülshof an Johann Georg Müller und Johann Jakob Martin und 1718 die andere Hälfte an Heinrich Zimmermann und Felten Cuntz. Die Gemeinde besteht noch heute aus vier Bauernhöfen, davon ist einer noch im Besitz der direkten Nachkommen von Heinrich Zimmermann. Gemäß Erbleihbrief durften die Güter nie weiter geteilt werden.

Die Kinder der Hülshofer gingen bis 1926 in Wommelshausen zur Schule, danach nach Bottenhorn. Hülshof wurde ab 1926 vom Bottenhorner Pfarrer betreut und 1933 endgültig von Hartenrod nach Bottenhorn umgepfarrt.[4]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die Gemeinden Bad Endbach, Bottenhorn, Dernbach, Hartenrod und Hülshof zur erweiterten Großgemeinde mit dem Namen Bad Endbach zusammengeschlossen.[5][6]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Hülshof lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[7][8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1605: 2 Haushalte
• 1742: 5 Haushalte
Hülshof: Einwohnerzahlen von 1830 bis 1967
Jahr  Einwohner
1830
  
27
1834
  
26
1840
  
28
1846
  
26
1852
  
28
1858
  
21
1864
  
30
1871
  
34
1875
  
34
1885
  
31
1895
  
24
1905
  
31
1910
  
32
1925
  
27
1939
  
25
1946
  
51
1950
  
53
1956
  
20
1961
  
25
1967
  
24
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [7]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1830: 27 evangelische (= 100,00 %) Einwohner
• 1961: 25 evangelische (= 100,00 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[7]

• 1867: Erwerbspersonen: 11 Landwirtschaft
• 1961: Erwerbspersonen: 17 Land- und Forstwirtschaft, 1 Handel und Verkehr.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Zimmermann, Werner Vogel: Festvorträge zur 700-Jahrfeier am 7. Juli 1984. In: Mitteilungsblatt der Gemeinde Bad Endbach. Nr. 29/84, S. 2–4 und Nr. 30/84, S. 2–4.
  • Alfred Schmeck: Wo lag Helidorf? (Hülshof). In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde. Band 99, Selbstverlag Kassel 1994, ISSN 0342-3107, S. 205–222.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hülshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Bad Endbach, abgerufen im September 2015.
  2. Thomas Döpner: Das Prämonstratenserinnenkloster Altenberg im Hoch- und Spätmittelalter, Sozial- und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchungen. Dissertation Uni Köln 1995. (Untersuchungen und Materialien zur Verfassungs- und Landesgeschichte, Band 16). Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N. G. Elwert Verlag, Marburg 1999, ISBN 3-7708-1128-3, S. 445, 446, 447.
  3. Historisches Ortslexikon des Landes Hessen. Heft 4: Ulrich Reuling (Bearb.): Biedenkopf, ehemaliger Landkreis. N. G. Elwert Verlag, Marburg 1986, ISBN 3-7708-0837-1.
  4. Schulchronik der Schule zu Wommelshausen 1870–1969.
  5. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 18 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 351.
  7. a b c d e Hülshof, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  9. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books).