Huaorani

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Stammesführer der Huaorani

Die Waorani oder Huaorani (Eigenname, gesprochen Wao-Rani, auch Wao oder Huao, bedeutet Volk oder Mensch) sind eine indigene Volksgruppe, die in den Regenwäldern des Amazonasbeckens zwischen den Flüssen Napo und Curaray im Osten Ecuadors lebt. Man nimmt an, dass sie die ursprünglichen Bewohner des dortigen Yasuní-Regenwaldes sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Waorani vermieden sehr lange jeglichen Kontakt nach außen und begegneten Eindringlingen feindselig, weshalb sie von den Inkas, den Spaniern und bis ins 20. Jahrhundert auch den Ecuadorianern nicht unterworfen wurden. Deswegen wurden sie von den Inkas und anderen quechua- bzw. kichwasprachigen Ethnien (Quechuas/Kichwas) mit dem Schimpfwort Awqa bzw. Awka (hispanisiert Auca) belegt, das „Feind“ oder auch einfach „Wilder“ oder „Barbar“ bedeutet.

Im September 1955 begannen US-amerikanische Missionare von den Wycliff-Bibelübersetzern, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, das Evangelium zu den bisher unerreichten Waorani – damals noch als Auca bekannt – zu bringen, aus einem Flugzeug Geschenke über dem Siedlungsgebiet der Waorani abzuwerfen. Am 3. Januar 1956 errichteten sie am Fluss Curaray im Regenwald ein Lager („Palm Beach“), doch wurden alle fünf Missionare – Jim Elliot, Nate Saint, Ed McCully, Peter Fleming und Roger Youderian – am 8. Januar 1956 von Waorani-Kriegern mit Speeren umgebracht. Trotzdem setzten Jim Elliots Witwe Elisabeth Elliot und Nate Saints Schwester Rachel Saint in Kooperation mit SIL und den Wycliff-Bibelübersetzern ihre missionarischen Bemühungen fort, und tatsächlich gelang es ihnen, das Vertrauen der Waorani zu gewinnen. Auch einige der am „Massaker von Palm Beach“ Beteiligten nahmen den Glauben an Jesus an.

Bis dahin waren die Huaorani praktisch unbekleidet. Seitdem sind die ehemals nomadischen Jäger und Sammler weitgehend sesshaft geworden. Fünf Gemeinschaften, die Tagaeri, die Huiñatare, die Oñamenane und zwei Gruppen der Taromenane leben noch immer ohne Kontakt zu Nicht-Huaorani, weshalb sie sich immer weiter ins Amazonastiefland zurückgezogen haben, wo 2007 eine sog. zona intangible für sie eingerichtet wurde, in die Erdölfirmen und Holzfäller keinen Eintritt haben. Ihr Schicksal ist nicht genau bekannt, es wurde u.a. darüber spekuliert, dass alle Tagaeri von den Taromenane umgebracht wurden.

Als Ergebnis der Tätigkeiten der Wycliff-Übersetzer erschien 1992 erstmals eine Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache der Waorani.[1]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Huaorani ist es üblich, dass sich Frauen die gesamte Körperbehaarung entfernen.[2] Dazu reiben sie sich die Stellen, an denen sie keine Haare wünschen, mit Asche ein, um die Haare anschließend leichter entfernen zu können. Eine weitere charakteristische Eigenschaft sind die von den Huaorani getragenen Ohr-Piercings aus dem Holz des Balsabaums.

Blutrache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stamm der Huaorani wies eine der höchsten internen Tötungsraten auf, die jemals in einer menschlichen Gesellschaft beobachtet wurde. Gründe dafür waren meist in intratribalen Konflikten zwischen Clans des Stammes zu suchen, die auf einer Tradition der Blutrache basierten. Schätzungen zufolge gingen etwa die Hälfte der Todesfälle unter Huaorani-Männern und ein Drittel der Todesfälle unter Frauen auf intratribale Tötungen zurück. Ebenso aggressiv treten einige Huaorani-Gruppen gegenüber Fremden auf, wobei dieses Verhalten von Beobachtern eher auf historisch bedingte Ängste vor externem Kannibalismus oder Missionierung, aber auch auf aktuellen Ereignissen wie Konflikte mit Holz- oder Ölförderarbeitern zurückgeführt wird. Der Blutrache-Zyklus scheint jedoch durch das Sesshaftwerden gebrochen worden zu sein.

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sprache der Waorani, das Wao Terero oder Wao Tiriro, ist eine isolierte Sprache.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die letzten Jäger in Ecuador, Deutschland, 2012, 43 Minuten, MDR
  • Durch den Tod versöhnt ("The end of the spear"), USA, 2005, 102 Minuten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephen Beckerman u.a.: Life histories, blood revenge, and reproductive success among the Waorani of Ecuador. In: PNAS. Band 106, Nr. 20, 2009..
  • Matt Finer u.a.: Ecuador's Yasuni Biosphere Reserve: A Brief History and Conservation Challenges. In: Environmental Resources Letters. Band 4, 2009 (iop.org).
  • Flora Lu: The Common Property Regime of the Huaorani Indians of Ecuador: Implications and Challenges to Conservation. In: Human Ecology. Band 29, Nr. 4, 2001..
  • Laura Rival: Trekking through History. The Huaorani of Amazonian Ecuador. Columbia University Press, New York City 2002, ISBN 0-231-11844-9.
  • Laura Rival: The Growth of Family Trees: Understanding Huaorani Perceptions of the Forest. In: Man. Band 28, Nr. 4, 1993, S. 635–652..

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Huaorani – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wængonguï nänö Apæ̈negaïnö, ante näni yewæ̈mongainta. New Testament in Waorani. 1. Ausgabe Sociedad Bíblica Internacional, 1992, 2. Ausgabe Wycliffe Bible Translators, Inc. 2009.
  2. http://www.informaworld.com/smpp/content~content=a723915615~db=all