IP-Suisse

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Schweizerische Vereinigung integriert produzierender Bauern und Bäuerinnen (IP-SUISSE)

Logo
Rechtsform Verein
Gründung 29. Mai 1989
Sitz Zollikofen, Schweiz
Leitung
  • Fritz Rothen (Geschäftsführer)
  • Andreas Stalder (Präsident)
Branche Landwirtschaft
Website www.ipsuisse.ch

Die Schweizerische Vereinigung integriert produzierender Bauern und Bäuerinnen (IP-SUISSE), bezweckt in der Schweiz die Förderung einer umweltschonenden und tiergerechten Landwirtschaft, sprich der Integrierten Landwirtschaft.[1] Ihre Mitglieder erfüllen Mindestanforderungen ans Tierwohl und können je nach Marktgegebenheit an einzelnen Produktionen nach Labelrichtlinien der IP-Suisse teilnehmen.[2] Das Produktelabel, bzw. das Logo von IP-Suisse zeichnet Produkte aus, die nach entsprechenden Richtlinien hergestellt werden und deren Produzenten die Biodiversität auf ihren Bauernhöfen fördern. Die Einhaltung der Richtlinien und die korrekte Vermarktung wird kontrolliert durch ProCert AG.[3]

Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das oberste Organ der IP-Suisse bilden die Delegierten. Diese werden in ihren Wahlkreisen von den Mitgliedern gewählt und müssen selbst auch Mitglied bei IP-SUISSE sein. Die Delegierten haben unter anderem die Befugnis den Vorstand und Präsidenten zu wählen und über die Verwendung des Jahresergebnisses zu beschliessen. Die Delegiertenversammlung findet jährlich statt.

Dem Vorstand obliegt die strategische Führung der IP-Suisse. Er vertritt den Verein gegen aussen, bestimmt den Geschäftsführer, entscheidet über Label-Richtlinien und weitere strategische Geschäfte, die nicht den Delegierten vorbehalten sind.

Der Geschäftsführer leitet die Geschäftsstelle gemäss Pflichtenheft des Vorstands.[1]

Zur IP-Suisse gehören seit 2016 die Viehhandelsfirmen Schneider Vieh und Fleisch, ASF Sursee und IPS-Kuvag.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlass für die Gründung war die Landwirtschaftspolitik des Bundes, die Ende der 1980er Jahre produktionsabhängige Hilfen weitgehend durch flächenbezogene Direktzahlungen ersetzte. Dies führte unter anderem dazu, dass die Mehrleistungen zahlreicher Landwirte (z. B. eingeschränkter Einsatz chemischer Spritz- und Düngemittel, mehr Flächen für Tiere) nicht mehr oder nur noch ungenügend entschädigt wurden.[5]

1989 wurde IP-Suisse am 29. Mai in Schönbühl bei Bern gegründet. Der Präsident des Initiativkomitees Hans Luder wurde dabei auch zum Präsidenten von IP-Suisse gewählt. 1993 vermarktete Hiestand Holding das erste Labelgetreide. 1995 wurden die ersten Tiere mit der Genossenschaft Migros Luzern vermarktet. 1997 übernahm der Migros-Genossenschafts-Bund die ersten Tiere von IP-Suisse. Im gleichen Jahr fand die Gründung des Vereins Pro Pane Natura statt, woraus später NaturaBeck und dann Naturel entstand. 1999 wurde das erste IP-Suisse-Rapsöl hergestellt. 2000 begann die Zusammenarbeit mit IG Dinkel. 2004 startete das Projekt Feldlerche für einen wildtierfreundlichen Getreideanbau, woraus später das Biodiversitätsprogramm entsteht. 2007 lancierte Migros ihr Label TerraSuisse für die IP-Suisse Produkte in ihren Regalen. 2008 fanden die Richtlinien zur Förderung der Biodiversität erste Anwendung. 2010 wurde die erste IP-Suisse-Wiesenmilch produziert.[6] Ab Oktober 2011 wurde die Wiesenmilch von der Migros schweizweit vertrieben, bevor sie wegen des zu geringen Absatzes gut acht Monate später wieder aus dem nationalen Sortiment genommen wurde.[7] Bei der Genossenschaft Migros Aare hat sich die Labelmilch bis heute gehalten.[8] 2012 entstand die Organisation Naturel aus einer Überarbeitung der Kommunikation von NaturaBeck, vormals Pro Pane Natura (1997). 2016 präsentierte Denner die ersten IP-Suisse-Produkte in ihren Läden. 2017 wurde das Logo von IP-Suisse auf den Milchschokoladen von Cailler aufgetragen.[9]

Seit Anfang 2020 wird die gesamte Wiesenmilch der Migros Aare im Diemtigtal abgefüllt. Dazu baute Estavayer Lait und die Migros Aare zusammen mit der Aaremilch AG eine neue Abfüllanlage.[8] Zuvor wurde sie von Emmi AG in Suhr produziert.[10] Um eine Vermarktungsplattform für die Schweineproduktion zu betreiben, gründete IP-Suisse zusammen mit Micarna die Kompis AG.[11] Im Februar 2020 wurde zudem bekannt, dass Coop seine Schweineproduzenten ab 2021 nach den Richtlinien von IP-Suisse zertifizieren lässt.[12] Auch die frei gewordene Wiesenmilch soll den Weg zu Coop finden und Produkte wie Mehl, Rahm und Zucker.[13]

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Der Marienkäfer in verschiedenen Formen ist das Logo und Markenzeichen von IP-Suisse.[14] Er gilt als Glücksbringer und natürlicher Schädlingbekämpfer.[15]

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als IP-Suisse-Produkt darf nur ausgezeichnet werden, was mindestens zu 70 % aus IP-Suisse-Zutaten besteht.[16] Der Verein IP-Suisse vermarktet nur in kleinem Rahmen Produkte direkt an Konsumenten.

Die meisten Produkte aus IP-Suisse-Labelproduktion verkauft Migros[17], allerdings unter dem Namen und Logo Terrasuisse.[18] Bei Aldi Suisse werden die Produkte unter der Eigenmarke Nature Suisse angeboten.[19] Grösster Verkäufer von IP-Suisse-Produkten mit dem IP-Suisse-Logo ist Denner. Auch Volg, Manor Food, Spar und Lidl bieten Produkte aus IP-Suisse-Labelproduktion an.[20]

Produkte mit einzelnen Zutaten in IP-Suisse-Qualität, dürfen diese Zutaten auszeichnen.[16] Weltweite Verbreitung findet das IP-Suisse-Logo auf diese Weise durch Cailler, die für die Verwendung von IP-Suisse-Wiesenmilch seit Juli 2017 ihre Milchschokoladen mit dem IP-Suisse-Logo versieht.[21]

Seit 2018 werden auch Zuckerrüben angebaut, welche sei 2019 als IP-Suisse-Zucker verarbeitet über die Filialen von Landi und Volg vertrieben werden.[22]

Bewertung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Label Ranking 2015 schaffte es IP-Suisse mit 117 von 200 Punkten in die Kategorie «Empfehlenswert». In einer vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau unter 500 Konsumenten durchgeführten Befragung zeigte sich, dass ein Drittel von ihnen davon ausgeht, es handle sich beim Label IP-Suisse (Integrierte Produktion) um ein Bio-Label, was jedoch bei weitem nicht der Fall ist.[23][24]

Bei der Produktion von Kalbfleisch liegt die Sterblichkeitsrate der Jungtiere bei rund 6 Prozent.[25] Mit dem Freiluftkalb-Konzept soll die Sterblichkeitsrate ab 2020 auf 3 % gesenkt werden.[26] Der WWF hat die Nachhaltigkeitswerte von elf Milchproduktionsstandards verglichen. Am besten hatten dabei Bio Suisse und bei Erfüllung aller Zusatzleistungen auch die IP-Suisse-Wiesenmilch abgeschnitten.[27] Allerdings müssen gemäss den IPS-Richtlinien nur 40 von insgesamt 94 möglichen Punkten erreicht werden,[28] womit die durchschnittliche Wiesenmilch wohl weniger gut als die Knospe-Milch abschneiden dürfte.

Zumindest in der Schweinehaltung sind Spaltenböden erlaubt.[29]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Statuten IP-Suisse vom 26. November 2009 (Memento des Originals vom 8. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ipsuisse.ch.
  2. Aufbau der Labelproduktion (Memento des Originals vom 8. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ipsuisse.ch. Abgerufen am 3. August 2017.
  3. ProCert AG. Abgerufen am 3. August 2017.
  4. Schweizer Bauer: IP-Suisse steigt in Tierhandel ein, vom 17. Januar 2016.
  5. umweltnetz-schweiz.ch, vom 31. Januar 2013.
  6. Wiesenmilch. In: ipsuisse.ch. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  7. Migros gibt Wiesenmilch auf nationaler Ebene auf. In: schweizerbauer.ch. 27. April 2012, abgerufen am 28. Februar 2020.
  8. a b Wiesenmilch. In: migros.ch. Abgerufen am 28. Februar 2020.
  9. Schweizer Bauer: 25 Jahre IP-Suisse, Meilensteine, Seite 38, vom 17. April 2014.
  10. Ruth Aerni: Neuer Abnehmer für Aargauer Wiesenmilch. In: bauernzeitung.ch. 27. Februar 2020, abgerufen am 28. Februar 2020.
  11. IP-Suisse und Micarna: Neue Plattform. Schweizer Bauer, 28. August 2019, abgerufen am 27. Februar 2020.
  12. Coop neuer Abnehmer von IP-Suisse. In: schweizerbauer.ch. 28. Februar 2020, abgerufen am 28. Februar 2020.
  13. Von Schweinen bis Wiesenmilch: Neue Zusammenarbeit von Coop und IP-Suisse. In: bauernzeitung.ch. 28. Februar 2020, abgerufen am 28. Februar 2020.
  14. Logo IP-Suisse (Memento des Originals vom 9. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ipsuisse.ch. Abgerufen am 3. August 2017.
  15. Marienkäfer
  16. a b ProCert AG: Factsheet IP-Suisse (Memento des Originals vom 9. August 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/api.procert.ch. Abgerufen am 3. August 2017.
  17. Schweizer Bauer: Die 12 einflussreichsten Landwirte der Schweiz - Andreas Stalder, vom 3. Januar 2017.
  18. Webseite Migros Terrasuisse. Abgerufen am 3. August 2017.
  19. IP-Suisse gibt Aldi den Käfer nicht. In: schweizerbauer.ch, 22. April 2015, abgerufen am 27. Februar 2020.
  20. Bauernzeitung: IP-SUISSE: Der Käfer will hoch hinaus, vom 31. Januar 2017.
  21. Medienmitteilung Nestlé: Mehr Milch, mehr Kakao und mehr Nachhaltigkeit für mehr Genuss: Nestlé lanciert ihre Traditionsmarke Cailler neu und geht Partnerschaft mit IP-Suisse ein, vom 5. Juli 2017.
  22. IP-Suisse-Zucker findet Abnehmer. In: schweizerbauer.ch. 9. Mai 2019, abgerufen am 9. Mai 2019.
  23. Warum wir Bio einkaufen? Die artgerechte Tierhaltung, wenig Schadstoffe und Klimafreundlichkeit machen’s aus. In: fibl.org. 7. Februar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019.
  24. Artgerechte Tierhaltung Hauptgrund. In: schweizerbauer.ch. 8. Februar 2019, abgerufen am 15. Februar 2019.
  25. Barbara Reye: Frische Luft, weniger Antibiotika. In: bazonline.ch. 12. April 2019, abgerufen am 13. April 2019.
  26. Susanne Meier: IP-Suisse setzt auf Freiluftkalb. In: schweizerbauer.ch. 15. April 2019, abgerufen am 19. Mai 2019.
  27. Schweizer Milchproduktionsstandards: Umwelt- und Ressourcenschutz bleiben auf der Strecke. In: wwf.ch. 20. August 2019, abgerufen am 20. August 2019.
  28. https://www.ipsuisse.ch/wp-content/uploads/Richtlinien_Wiesenmilch_d-1.pdf
  29. «Konsumenten wollen Marken». In: schweizerbauer.ch. 12. März 2020, abgerufen am 12. März 2020.