Inde (Fluss)

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Inde
Die Rur u. a. mit Verläufen von Inde, Merzbach und Wurm

Die Rur u. a. mit Verläufen von Inde, Merzbach und Wurm

Daten
Gewässerkennzahl DE: 2824
Lage Wallonien (Belgien)
Nordrhein-Westfalen, (Deutschland)
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rur → Maas → Hollands Diep → Nordsee
Flussgebietseinheit Maas
Quelle bei Raeren (B)
50° 39′ 12″ N, 6° 8′ 59″ O
Quellhöhe ca. 395 m O.P.[1][2]
Mündung bei Jülich (D) in die RurKoordinaten: 50° 53′ 58″ N, 6° 21′ 46″ O
50° 53′ 58″ N, 6° 21′ 46″ O
Mündungshöhe ca. 81 m ü. NHN[3][4]
Höhenunterschied ca. 314 m
Länge 54,1 km[3]
Einzugsgebiet 374,227 km²[3]
Linke Nebenflüsse Saubach, Iterbach
Rechte Nebenflüsse Omerbach, Otterbach, Wehebach, Vichtbach
Großstädte Aachen
Mittelstädte Eschweiler
Gemeinden Inden
Einwohner im Einzugsgebiet 200.000
Umgeleiteter Abschnitt der Inde auf Rekultivierungsgebiet

Umgeleiteter Abschnitt der Inde auf Rekultivierungsgebiet

Verlauf der Inde im 16. Jahrhundert
Inde in Kornelimünster

Die Inde ist ein 54,1 km[3] langer, linker Nebenfluss der Rur in Wallonien (Belgien) und Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Verwaltungstechnisch gehört sie zum Wasserverband Eifel-Rur.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name der Inde ist zuerst belegt in einer für die Zeit 496 bis 506 (Geograph von Ravenna 4, 24) in einer Kopie des 13./14. Jahrhunderts einer Kopie des 7./8. Jahrhunderts. Der Ortsname der Klostergründung der Reichsabtei Kornelimünster im frühen 9. Jahrhundert, der zuerst ebenfalls kurz Inda genannt wurde, bis 855 ein Sancti Corneli ad Indam erscheint. Der Flussname ist keltischer Herkunft zu einer rekonstruierten nominalen Grundform *Indā = „die Leuchtende“ aus einem Präsensstamm aus urkeltisch *ind-o- = „aufleuchten“. Die keltischen Formen leiten sich ab vom urindogermanischen Präsensstamm *h2i-n-dh- des Verbs *h2éi̯dh = „entzünden“. Parallele Benennungen liegen in den Südtiroler Namen der Ortschaft Innichen im oberen Pustertal und des Drau-Zuflusses Sextenbach, dessen ursprünglicher Name im 9. Jahrhundert als India belegt ist.[5]

In den lokalen Mundarten wie im Eschweiler Platt heißt der Fluss „Eng“. Die Inde ist namensgebend für die Gemeinde Inden im Kreis Düren sowie für den Zusatznamen „Indestadt“ für Eschweiler; auch das in Kornelimünster liegende Inda-Gymnasium und der Sportverein FC Inde Hahn sind nach dem Fluss benannt. Sie ist auch namensgebend für das Projekt Indeland. In Stolberg wird die Inde ab der Einmündung der Vicht bachaufwärts auch „Münsterbach“ genannt. Die Reichsabtei Kornelimünster war im Mittelalter der Eigentümer umfangreicher Ländereien, zu denen auch das Münsterländchen gehörte. In alten Karten ist der Bach dort als Münsterbach bezeichnet.[6]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inde entspringt im Naturpark Hohes Venn-Eifel etwa 1,5 km westsüdwestlich der belgisch-deutschen Grenze im Gebiet der belgischen Gemeinde Raeren. Ihre Quelle liegt zwischen dem Raerener Kernort im Nordwesten und dem Ortsteil Petergensfeld im Südosten in der Flur Perschei auf 395 m O.P.[1][2] Höhe. Aus einem etwa 3,5 km² großen Quellgebiet, das in dieser Flur liegt, fließen der Inde kurz unterhalb ihrer Quelle mehrere kleine Bäche zu.

Bereits 2,4 Bachkilometer[3] nach ihrer Quelle trifft die Inde beim Grenzstein 904 auf die Grenze von Wallonien nach Nordrhein-Westfalen und bildet die belgisch-deutsche Grenze auf 1,3 Bachkilometern[3] Länge bis zum Grenzstein 912. Fortan fließt sie in den Gemarkungen Sief und Walheim durch Aachener Stadtgebiet. Anschließend passiert oder tangiert sie die Stadtteile oder Ortslagen Schmithof, Friesenrath, Walheim, Hahn, Kornelimünster, Niederforstbach, Krauthausen und Freund.

Danach passiert oder tangiert die Inde im Stadtgebiet von Stolberg die Stadtteile oder Ortslagen Büsbach, Münsterbusch, Unterstolberg, Atsch, Velau und Steinfurt. Dann fließt sie im Stadtgebiet von Eschweiler vorbei an Eschweiler-Aue, durch die Kernstadt und durch den Stadtteil Weisweiler und unterquert die Bundesautobahn 4, die seit Anfang 1987 pro Fahrtrichtung ein Hinweisschild „Inde“ hat. Hiernach verläuft die Inde im Gemeindegebiet von Inden durch den Ortsteil Frenz und dann zwischen Kernort und durch Lamersdorf hindurch. Anschließend wird sie westlich am Tagebau Inden vorbeigeleitet; dabei gelangt sie nochmals auf Eschweiler Stadtgebiet und passiert im Gebiet der ehemaligen Ortschaft Lohn die Gedächtniskapelle Lohn.

Danach fließt die Inde südlich am Jülicher Stadtteil Kirchberg vorbei, um kurz darauf östlich davon auf 81 m ü. NHN[3][4] in den dort von Südosten heran fließenden Maas-Zufluss Rur zu münden.

Einzugsgebiet und Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Einzugsgebiet der Inde ist 374,227 km²[3] groß. In den Fluss münden – flussabwärts betrachtet – der Fobisbach, Bechheimer Bach, Iterbach, Rollefbach, Vichtbach, Saubach, Finkelbach, Omerbach, Otterbach, Holzheimer Graben und Wehebach sowie zahlreiche Mühlenbäche und weitere Fließe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westlich von Büsbach und Münsterbusch, in der Atsch, dem heutigen Stolberg (bei Aachen) und auf dem Gebiet der damaligen Reichsabtei Kornelimünster, trieben die Wasser der Inde mehrere Mühlen an – unter anderem auch Kupfermühlen, die Elgermühle, Bocksmühle, Haumühle, sowie die Hamm-Mühle[7] und die Buschmühle, deren Gebäude noch erhalten sind. An einem Altarm der Inde im Kreis Düren entdeckten Archäologen im Jahre 2009 Reste einer etwa 2000 Jahre alten Wassermühle,[8] die das älteste entdeckte Bauwerk dieser Art nördlich der Alpen ist. Bei den Funden handelt sich um zwei große hölzerne Achslager, schaufelähnliche Gegenstände sowie um Mühlsteine.[9] Durch in Mühlennähe gefundene Fibeln soll eine Datierung der Funde ermöglicht werden, da sie einem modischen Wandel unterlagen. Die Archäologen gehen aufgrund ihrer Recherchen davon aus, dass es sich bei Mühlenbetreibern um Einheimische handelt, die römische Technologie übernommen haben.

Verunreinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Eintrag von Sickerwasser aus einer alten Industriehalde der Kali Chemie und aus den sogenannten Vegla-Poldern ist die Inde ab Stolberg unter anderem mit Dünnsäure stark verschmutzt. Seit 19. September 2005 liegt ein öffentlich-rechtlicher Vertrag vor, nach dem die huminsäurehaltigen Sickerwässer an den Poldern aufgefangen, über eine Förderleitung auf das Betriebsgelände des Stolberger Unternehmens „Saint-Gobain Glass“ und von dort weiter zur Kläranlage Stolberg-Steinfurt geführt werden sollen. Dieses Projekt wird voraussichtlich 10 Mio. Euro kosten. Es muss mindestens 30 Jahre lang betrieben werden.

Die Kali-Halde der Chemische Fabrik Rhenania AG – sie liegt auf Stolberger Stadtgebiet gegenüber dem Vegla-Polder – ist die größte Altlast der Städteregion Aachen.[10]

2007 wurde eine Behandlungsanlage für Sickerwässer aus den Vegla-Poldern auf dem nördlichen Firmengelände der „Saint-Gobain Glass“ in Betrieb genommen; die Einleitungen in die Inde sind seitdem sauberer.[10]

Neues Flussbett[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1996 wurde im Rahmen der Wiedernutzbarmachung des ehemaligen Tagebaugeländes Inden damit begonnen, ein neues Flussbett für die Inde zwischen den Orten Lamersdorf und Kirchberg anzulegen. Aufgrund der tagebautechnischen Notwendigkeiten wurde die neue Inde in unmittelbarer Randlage zum laufenden Braunkohlentagebau angelegt. Künftig fließt die Inde in einem halbkreisförmigen Bogen nach Westen nahe an Neu-Lohn vorbei. Das neue Gewässerbett wurde unter besonderen ökologischen Gesichtspunkten gestaltet: Statt bisher 5 km begradigtem Flusslauf beträgt die Länge des Teilstücks jetzt 12 km. Die Gewässeraue ist bis zu 300 m breit. Nach den Vorgaben der Planfeststellung aus dem Jahr 1998 soll sich das Gewässer zukünftig eigendynamisch innerhalb der Gewässeraue weiter entwickeln. Nach dem Beginn des Probebetriebes am 20. April 2005 wurde die Wasserführung schrittweise erhöht. Die vollständige Flutung fand am 2. September 2005 statt. Das alte Bett der Inde zwischen Lamersdorf und Kirchberg wurde durch das Fortschreiten des Tagebaus Inden II bereits wenige Wochen später beseitigt.

Wenngleich im Auftrag von RWE Power vor der Trockenlegung des alten Flussbettes Fische abgefischt und umgesetzt wurden, berichtete der Fischerei-Aufseher für den Kreis Düren von „über 10.000 zum Teil großen Fischen“, die infolge der Trockenlegung starben.

Impressionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Géoportail de la Wallonie, Service public de Wallonie (SPW) (Hinweise)
  2. a b Amsterdamer Pegel (Normaal Amsterdams Peil; NAP), bezogen auf eine Peilmarke in Amsterdam
  3. a b c d e f g h Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  4. a b Deutsche Grundkarte 1:5000
  5. Albrecht Greule: Deutsches Gewässernamenbuch. Etymologie der Gewässernamen und der dazugehörigen Gebiets-, Siedlungs- und Flurnamen. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2014, ISBN 978-3-11-019039-7, S. 242 (kostenpflichtig abrufbar bei de Gruyter Online).
  6. Historische Karte: Kornelimünster 1789 Fabricius, Inde kartografiert als Münsterbach, auf commons.wikimedia.org
  7. Die Mühle in der Hamm, auf stolberg-abc.de
  8. Sensationsfund: Wassermühle aus dem Indetal 2000 Jahre alt, vom 25. August 2009, auf rheinischer-fischereiverband.de
  9. Uralte Wassermühle ausgegraben, vom 25. August 2009, auf n-tv.de
  10. a b Jürgen Lange: Kali-Halde erhält ein dichtes Profil. In: Aachener Zeitung. 18. Oktober 2011, abgerufen am 15. Dezember 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inde (River) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien