Joachim Wundrak

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Joachim Wundrak (rechts) mit dem US-Botschafter in Mosambik, Dean Curran (links), und Generalmajor der US Air Force Joe Wehrle in Maputo, März 2000
Joachim Wundrak (mittlere Reihe, dritter von rechts) bei einer Konferenz mit dem israelischen Präsidenten Reuven Rivlin in Jerusalem

Joachim Wundrak (* 28. Mai 1955 in Kerpen) ist ein Generalleutnant a. D. der Luftwaffe der Bundeswehr und Politiker (AfD). Die AfD Niedersachsen wählte Wundrak auf Listenplatz 1 und damit zum niedersächsischen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2021.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wundrak trat am 1. Oktober 1974 in die Bundeswehr ein und absolvierte die Grundausbildung im Luftwaffenausbildungsregiment 2 in Budel in den Niederlanden. Die weitere Offiziersausbildung durchlief er an der Offizierschule der Luftwaffe in Neubiberg. Ab 1976 studierte Wundrak Elektrotechnik an der Universität der Bundeswehr München. Er schloss das Studium 1980 als Diplom-Ingenieur ab.

Von 1980 bis 1982 wurde Wundrak bei der Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen zum Transportflugzeugführer ausgebildet und anschließend zum Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf versetzt. Wundrak flog dort Dornier Do 28 und Transall C-160. 1986 wurde er als Hörsaalleiter zur Offizierschule der Luftwaffe versetzt, bevor er ab 1987 wiederum in einer fliegerischen Verwendung, diesmal als Kommandant auf der Transall, beim Lufttransportgeschwader 62 eingesetzt wurde. Von 1988 bis 1990 nahm Wundrak am 33. Generalstabs­lehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg teil.

Dienst als Stabsoffizier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Anschluss an den Generalstabslehrgang war Wundrak bis 1992 Dezernatsleiter A3a im Lufttransportkommando in Münster. Einer Verwendung als Staffelkapitän der 1. Staffel des Lufttransportgeschwaders 63 in Hohn bei Rendsburg folgte ein Einsatz als Referent für den Lufttransport im Führungsstab der Luftwaffe von 1994 bis 1995 und danach eine Verwendung als Adjutant des Inspekteurs der Luftwaffe bis 1998.

1998 kehrte Wundrak nach Wunstorf zurück und führte als Kommodore bis 2000 das Lufttransportgeschwader 62 in Wunstorf. Anfang 2000 leitete er auch das deutsche Kontingent der „Operation Atlas Response/Silent Promise“ in Maputo (Mosambik) während einer Flutkatastrophe. Danach ging er von 2000 bis 2002 als Verbindungsoffizier zum Permanent Joint Headquarters (Northwood Headquarters) der britischen Streitkräfte. Von 2002 bis 2004 war er Referatsleiter im Führungsstab der Luftwaffe. In den Jahren 2004 bis 2006 war er Stabsabteilungsleiter V im Führungsstab der Streitkräfte.

Dienst als General[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 2006 war Wundrak der Deputy Director European Air Group in High Wycombe in Großbritannien und vom 1. April 2008 bis 30. Juni 2009 im Führungsstab der Luftwaffe eingesetzt.[1] Vom 1. Juli 2009 bis 31. März 2012 war Wundrak dann Stellvertreter des Befehlshabers im Luftwaffenführungskommando. Am 1. April 2012 wurde Wundrak Nachfolger von Dieter Naskrent als Kommandeur des Kommandos Operative Führung Luftstreitkräfte in Kalkar sowie in Personalunion des Combined Air Operations Center in Uedem. Mit Ablauf des 30. Juni 2013 wurde das Kommando offiziell aufgelöst und das Zentrum Luftoperationen aufgestellt, dessen erster Kommandeur Wundrak wurde.[2] Diesen Dienstposten übergab er zum 24. September 2018 an Generalleutnant Klaus Habersetzer und trat nach 44 Dienstjahren mit Ablauf jenen Monats in den Ruhestand.

Auslandseinsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Wundrak ist der bislang ranghöchste ehemalige Bundeswehrsoldat, der sich in der AfD engagiert.[3][4] Wundrak, der nach eigenen Angaben früher die SPD gewählt habe und Helmut Schmidt schätzte,[5] trat 2008 in die CDU ein. Er verließ die Partei bereits 2014, nach eigener Darstellung wegen der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Dabei hätten ihn seine dienstlichen Kontakte zur Bundespolizei frühzeitig in seiner Einschätzung der Lage beeinflusst.[4] Im Januar 2018 trat er in die AfD ein.[3] Die Parteimitgliedschaft wurde erst nach seinem Ausscheiden aus den Streitkräften öffentlich bekannt, als er sich im Juli 2019 um den Posten des Oberbürgermeisters in Hannover bewarb. Die Hannoveraner AfD hatte ihn im Sommer 2019 als ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl aufgestellt.[5][6][7]

Wundrak wirft Bundeskanzlerin Angela Merkel vor, ihre Politik sei „antideutsch“, womit er sich nicht allein auf die Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik der Bundesregierung bezieht. In Bezug auf Migranten und Journalisten vertritt er AfD-typische Ansichten. EU-Strukturen bezeichnet er als undemokratisch, das Europaparlament sei ein „Pseudoparlament“, die Europäische Union dränge die Nationalstaaten in den Hintergrund. Wundrak ist allerdings nach eigener Aussage „nicht grundsätzlich gegen die EU“. Deutschland betrachtet er als nur eingeschränkt souverän, wofür er sich auf ein breites Meinungsspektrum von den sogenannten Reichsbürgern bis hin zu Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble beruft, die er in einem Referat vor der Hannoveraner AfD vor seiner Nominierung diesbezüglich beispielhaft nannte.[5] Für besonders gefährlich hält Wundrak die Europäische Zentralbank und den Europäischen Gerichtshof. Deutschland werde durch sie zu einer bloßen Gebietskörperschaft degradiert und habe seine Souveränität bereits „weitgehend aufgegeben“. Rechtsextreme Tendenzen in seiner Partei hält er für nicht real und ein Produkt der Presseberichterstattung: der AfD werde ein „Rechtsextremismus-Problem angehängt“. Die Probleme Hannovers, das er nach dem Rücktritt von Oberbürgermeister Stefan Schostok wegen des Vorwurfs der Untreue in Filz und Abhängigkeit versunken sieht, sieht er im verschmutzten öffentlichen Raum, Schulproblemen und Kriminalität. Er bezeichnet sich als „sehr zukunftsorientiert“ und lehnt eine angebliche „Klimahysterie“ ab. Seiner Ansicht nach müsse eine U-Bahn schon dem Begriffe nach unterirdisch verlaufen, weshalb er die komplette Untertunnelung der Stadtbahn Hannover wieder andenken möchte.

Bei der Wahl zum Oberbürgermeister von Hannover am 27. Oktober 2019 erreichte Wundrak letztlich 4,6 % der Stimmen und wurde damit hinter Belit Onay (Grüne) und Eckhard Scholz (parteilos, Kandidat der CDU; je 32,2 %) sowie Marc Hansmann (SPD; 23,5 %) Vierter.[8]

Der AfD-Landesverband Niedersachsen wählte Wundrak im Dezember 2020 auf Listenplatz 1 und damit zum niedersächsischen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2021.[9] Hier trat er gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Joana Cotar zur AfD-internen Wahl zum Spitzenduo der Bundestagswahl an.[10] Parteichef Jörg Meuthen unterstütze die Kandidatur dieses Duos als Vertreter des sogenannten gemäßigten Teils der AfD.[11] Am 25. Mai 2021 wurde jedoch das konkurrierende Team bestehend aus Alice Weidel und Tino Chrupalla durch eine parteiinterne Abstimmung mit 71 % der Stimmen zum Spitzenduo für den Bundestag gewählt.[12] Bei der Bundestagswahl im September 2021 zog Wundrak für die AfD Niedersachsen in den Deutschen Bundestag ein.[13]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. März 2018 wurde Wundrak das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.[14]

Am 25. September 2018 wurde Wundrak auf dem historischen Marktplatz der Stadt Kalkar mit einem Großen Zapfenstreich als Kommandeur des Luftwaffenstandortes verabschiedet.[15]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wundrak ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Sadlowski (Hrsg.): Handbuch der Bundeswehr und der Verteidigungsindustrie 2011/2012 Bernard & Graefe, 18. Auflage, Bonn 2011, ISBN 3-7637-6289-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Personalveränderungen in militärischen Spitzenstellen. BMVg Presse- und Informationsstab, 4. März 2008, archiviert vom Original am 15. Juni 2008; abgerufen am 4. April 2016.
  2. Bundesministerium der Verteidigung, Presse- und Informationsstab: Personalveränderungen in militärischen und zivilen Spitzenstellen. Bundeswehr, 10. Juli 2013, abgerufen am 11. Juli 2013.
  3. a b Florian Gathmann, Matthias Gebauer, Severin Weiland: Die AfD und ihr Drei-Sterne-General. In: Spiegel Online, 26. Juli 2019, abgerufen am 15. September 2019.
  4. a b Reinhard Bingener: Wie ein General nach rechts abbog. In: FAZ. 15. September 2019, abgerufen am selben Tag.
  5. a b c Peter Burghardt: Der Ex-Offizier, der für die AfD kandidiert. In: Süddeutsche Zeitung. 31. Juli 2019, abgerufen am 15. September 2019.
  6. Ludwig Krause: Ehemaliger Luftwaffengeneral tritt für die AfD an. In: Rheinische Post. 25. Juli 2019, abgerufen am 15. September 2019.
  7. Zehn Bewerber treten zur OB-Wahl an. In: hannover.de, 2. Oktober 2019.
  8. Wahl zur zum Oberbürgermeister 2019 Landeshauptstadt Hannover (27.10.2019), auf wahl.hannover-stadt.de
  9. Wundrak wird AfD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. In: ndr.de. Norddeutscher Rundfunk, 5. Dezember 2020, abgerufen am 6. Mai 2021.
  10. Ludwig Krause: Zuletzt am Niederrhein stationiert: Ex-Generalleutnant Wundrak will die AfD bundesweit führen. In: rp-online.de. Rheinische Post, 5. Mai 2021, abgerufen am 6. Mai 2021.
  11. Severin Weiland, DER SPIEGEL: Kampf um AfD-Spitzenkandidatur: Das Meuthen-Lager testet seine Kräfte. Abgerufen am 26. Mai 2021.
  12. AfD geht mit Duo Weidel und Chrupalla in den Bundestagswahlkampf. Abgerufen am 26. Mai 2021.
  13. Michael Ahlers: Joachim Wundrak: Wir werden noch hart arbeiten müssen. 19. September 2021, abgerufen am 28. September 2021 (deutsch).
  14. Der Bundespräsident: Bekanntgabe der Verleihungen vom 1. März 2018
  15. Anja Settnik: Großer Zapfenstreich für den General. In: Rheinische Post, 26. September 2018, abgerufen am 15. September 2019.