Johann Michael Hesse

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hesse-Orgel in Possendorf

Johann Michael Hesse (* 13. April 1734 in Molschleben; † 26. September 1810 in vermutlich Dachwig) war ein deutscher Orgelbauer. Er ist der Begründer einer weit verzweigten Thüringer Orgelbauerfamilie aus Dachwig, die über vier Generationen von ca. 1760 bis 1865 Orgeln herstellte.

Leben und Nachfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Michael Hesse erlernte bei seinem Großvater Johann Heinrich Schulze in Nottleben von 1747–1751 das Handwerk des Orgelbaus und ging von 1752–1755 zusätzlich noch beim Mechanikus Fischer nach Erfurt in die Lehre. 1754 begründete und betrieb er seine Werkstatt in Dachwig bei Erfurt. Dort gab es ab 1760 mehrere Orgelbauwerkstätten, darunter auch die von Johann Georg Kummer.

Hesse selbst baute über zwölf kleinere und mittlere Orgeln, u. a. in Eichelborn, Possendorf, Krautheim, Holzhausen, Salomonsborn, Stotternheim, Möbisburg, Haarhausen, Dachwig, Hörselgau, Gispersleben und Schallenburg. Die Instrumente wurden von Zeitgenossen sehr gelobt. So schrieb der Goldbacher Organist Johann Christian Wolfram 1815: „Sie sind mehr als Meisterwerke, sie sind vollendete Kunstprodukte eines Genies.“[1]

Nach Hesses Tod übernahm sein Sohn Ernst Ludwig (1768–1823) und nach dessen Tod dessen 16 Jahre jüngerer Bruder Georg Andreas die Firma.

Ernst Siegfried war der nur fünf Jahre jüngere Neffe von Georg Andreas, der wenig später selbst geschäftlich tätig wurde. Er zeichnete sich verantwortlich für den Bau der Orgeln im Erfurter Dom, der Peterskirche in Riga, sowie in den Dorfkirchen von Löser (Livland), Großfahner, Brüheim, Wahlwinkel, Großvargula, Herbsleben, Ermstedt, Rohrberg, Kalteneber, Wenigenehrich, Frienstedt, Mittelsömmern, Saalfeld (Mühlhausen), Greußen, Eschenberga, Saubach, Korbach und Schwerstedt. Zu Bedeutung gelangte auch noch der 1806 geborene jüngere Bruder von Ernst Siegfried, der wie der Stammvater Johann Michael hieß.

Letzter Orgelbauer der Familie war der 1830 geborene Julius Hesse, Sohn von Johann Michael II. Nachdem dieser für den Umbau der Wender-Orgel der Bachkirche Arnstadt sich wohl übernommen hatte, soll er mit dem erhaltenen Vorschuss 1865 nach Russland geflüchtet sein. Diese These gilt als widerlegt.[2][3]

Werkliste (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen
1760 Salomonsborn St. Dionysius zur Zeit demontiert
1767–1776 Stotternheim Kirche St. Peter und Paul Stotternheim St. Peter und Paul 03.jpg II/P 32 Neubau im historischen Prospekt durch E. F. Walcker & Cie. (1902, II/P22)
1786 Haarhausen St.-Nikolai-Kirche 1972 durch Brandstiftung zerstört
1788 Holzhausen Dreifaltigkeitskirche Holzhausen Dreifaltigkeitskirche 06.jpg II/P 19 nach umfassender Restaurierung im Dezember 2017 wiedergeweiht
1790 (ca.) Possendorf Dorfkirche
Possendorf-org3.jpg
1797–1806 Gispersleben St. Kiliani (Gispersleben) 2 27 renovierungsbedürftig, nur eingeschränkt spielbar
1806 Hörselgau St. Bonifatius
Hörselgau-Kirche-Orgel.JPG
von Ernst Ludwig Hesse
1822 Seebergen St.-Georg-Kirche
Thueringen-Seebergen-Kirche-innen-3.jpg
Größte erhaltene Orgel und das letzte Werk von Johann Michael Hesse. In gutem bespielbaren Zustand nach der im Jahre 2004 abgeschlossenen Restaurierung
1823 Brüheim St. Vitus 2 23 von Ernst Ludwig Hesse; 1.620 Pfeifen
1829 Wahlwinkel St. Gotthard[4] erbaut von Georg Andreas Hesse (Sohn von Johann Michael Hesse), inzwischen restauriert

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Christian Wolfram: Anleitung zur Kenntniß, Beurtheilung und Erhaltung der Orgeln: für Orgelspieler und alle diejenigen, welche bei Erbauung, Reparatur, Prüfung und Erhaltung dieser Instrumente interessirt sind. Gotha 1815.
  2. Gabi Damm in: Stiftung Orgelklang, Hannover 2016 (Memento des Originals vom 30. März 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ekd.de
  3. Gegendarstellung im Kalender Hesse-Orgeln in Thüringen 2018, hg. vom Hesse-Freundeskreis
  4. Website der Fa. Orgelbau Waltershausen (Memento des Originals vom 30. März 2017 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.orgelbau-waltershausen.de