Kärcher (Unternehmen)

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Alfred Kärcher GmbH & Co. KG
Kaercher Logo 2015 CO.jpg
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 2. Januar 1935[1]
Sitz Winnenden, Deutschland
Leitung Hartmut Jenner
Mitarbeiter 11.138 (31. Dezember 2014)[2]
Umsatz 2,12 Mrd. EUR (31. Dezember 2014)[3]
Branche Produzierendes Gewerbe
Website www.kaercher.com/de
Hochdruckreiniger

Die Alfred Kärcher GmbH & Co. KG, kurz Kärcher, ist ein Hersteller von Reinigungsgeräten und -systemen mit Hauptsitz in Winnenden, Baden-Württemberg. Das Familienunternehmen beschäftigt weltweit mehr als 11.000 Mitarbeiter (2014) und gilt als Weltmarktführer.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1935 von Alfred Kärcher (1901–1959) in Stuttgart-Bad Cannstatt gegründet. 1939 erfolgte der Umzug nach Winnenden.

Anfangs wurden elektrische Industrieöfen z. B. für Salzschmelzen, zum Anlassen von Stahl oder zum Härten von Leichtmetall hergestellt. Mit der Entwicklung des ersten europäischen Heißwasser-Hochdruckreinigers DS 350 im Jahre 1950 verschob sich der Schwerpunkt auf das Gebiet der gewerblichen und privaten Reinigungsmaschinen. Seitdem ist Kärcher maßgeblich an der Entwicklung von Hochdruckreinigern beteiligt und besitzt 460 Patente (Stand Ende 2012[5]). Das Produktsortiment umfasst heute den Bereich Reinigung (Kehrmaschinen, Reinigungsmittel, Scheuersaugmaschinen, Nass- und Trockensauger, Akkubesen, Dampfreiniger, Trockeneisstrahlen, Teilereiniger, Wasseraufbereitungsanlagen, Fahrzeugwäsche sowie Abwasserrecycling). Außerdem bietet Kärcher Laubbläser, Kettensägen,[6] Pumpen und Bewässerungssysteme an.

Im Jahre 1974 erfolgte ein Wechsel der Firmenfarbe von blau nach gelb. Ab diesem Jahr konzentrierte sich das Unternehmen unter der Leitung von Irene Kärcher (1920–1989), der Witwe von Alfred Kärcher, auf die Herstellung von Hochdruckreinigern. 1984 erschien mit dem HD 555 der erste Hochdruckreiniger für den privaten Gebrauch.

Ende 2011 kaufte das Unternehmen das angrenzende Gelände der ehemaligen Ziegelei Pfleiderer. Durch die Erweiterung hat sich die Betriebsfläche fast verdoppelt.[7] Im September 2012 begannen die Bauarbeiten für die Erweiterung mit dem Abbruch der Ziegelei. Im September 2014 wurde ein neues Bürogebäude für 700 Mitarbeiter und ein Veranstaltungsgebäude für bis zu 800 Personen in Betrieb genommen. Noch im Bau ist das neue Kundenzentrum. Der Komplex ist mit einer Brücke über dazwischenliegende Zuggleise mit dem seitherigen Standort verbunden.[8]

Im Jahr 2014 erreichte der Umsatz 2,12 Milliarden Euro bei 12,72 Millionen verkauften Geräten[5] (Vorjahr: 12,48 Millionen).[9] Kärcher ist mit 100 Gesellschaften in 60 Ländern vertreten.[5]

Kärcher Futuretech[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem zivilen Bereich produziert Kärcher in der 2005 gegründeten Tochterfirma Kärcher Futuretech GmbH in Schwaikheim „Systeme für Friedenskräfte“.[10] Dies umfasst Dekontaminationsgeräte und Dekontaminationsmittel für den ABC-Schutz, daneben Anlagen für mobile Wasseraufbereitung und Trinkwasserabfüllung, Feldlagersysteme, ABC-Schutzbekleidung, mobile Verpflegung, Feldkochherde und Materialerhaltung. Die Firmentochter beschäftigt über 100 Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von 75 Mio Euro.[11]

Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen seines Kultursponsorings unterstützte Kärcher viele Reinigungsarbeiten an weltweit herausragenden Bauwerken wie der Space Needle in Seattle (2008), den Präsidentenköpfen am Mount Rushmore National Memorial (2005), den Memnonkolossen in Luxor (2003), den Kolonnaden am Petersplatz in Rom (1998), dem Brandenburger Tor in Berlin (1990) oder der Christusstatue in Rio de Janeiro (1980). Im Jahr 2011 wurden die Freilichtbühne der Loreley und der N Seoul Tower gereinigt.[12]

Am 17. September 2009, dem 50. Todestag von Firmengründer Alfred Kärcher, wurde im einstigen Fabrikgebäude das Kärcher Museum eröffnet. Im Mittelpunkt der Präsentation befinden sich Dokumente zum Leben von Alfred und Irene Kärcher. Weiterhin werden unterschiedliche Felder der Reinigungstechnik dargestellt.[13]

Kärcher ist außerdem Partner der Organisation SOS-Kinderdörfer und Mitglied des UN Global Compact Netzwerkes.[5] Von 1994 bis 1997 war Kärcher Trikotsponsor des FC Schalke 04. Seit dem Jahr 2012 ist Kärcher Hauptsponsor des Handball-Bundesligisten TVB 1898 Stuttgart.[14]

Der Begriff kärchern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Begriffe Kärcher und kärchern sind inzwischen in die deutsche Umgangssprache übergegangen; Kärcher ist zum Gattungsbegriff (Deonym) für Dampfdruckreinigungsgeräte geworden. Das dem Verb kärchern entsprechende nettoyer au Karcher ist nach Angabe des Le Petit Robert bereits seit 1992 im französischen Sprachschatz verankert,[15] auch wenn dieser Ausdruck erst durch den Gebrauch des damaligen französischen Innenministers Nicolas Sarkozy im Zusammenhang mit den landesweiten Unruhen von 2005 weithin bekannt gemacht wurde: „Der Ausdruck kärchern ist der Ausdruck, der sich aufdrängt, weil man das reinigen muss („Le terme 'nettoyer au karcher' est le terme qui s'impose, parce qu'il faut nettoyer cela.“).“

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Saubermacher – Kärcher in Winnenden. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 29:40 Min., Buch und Regie: Cornelia Andelfinger, Produktion: SWR, Reihe: made in Südwest, Erstsendung: 30. September 2015 bei SWR, Inhaltsangabe von ARD, online-Video verfügbar bis 28. Juni 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kärcher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unternehmensregister (27. Juli 2010)
  2. Alfons Deter: Kärcher: Höchster Umsatz in der Unternehmensgeschichte. In: topagrar.com, 17. März 2015.
  3. Über Kärcher. In: Kärcher, aufgerufen am 7. Januar 2016.
  4. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards-Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  5. a b c d Daten und Fakten zum Geschäftsjahr 2014. In: Kärcher, aufgerufen am 7. Januar 2016.
  6. Laubbläser und Kettensäge von Kärcher. In: Beschaffungsdienst GaLaBau, 14. Januar 2016.
  7. Dirk Herrmann: Kärcher in der Heimatregion auf Expansionskurs. In: Stuttgarter Nachrichten, 2. November 2011.
  8. Thomas Schwarz: Kärcher zieht in einen komplett neuen Bautenkomplex. In: Stuttgarter Zeitung, 1. September 2014.
  9. Westfalenpost Hagen, Wirtschaftsteil, 10. Januar 2013.
  10. Broschüre: Systeme für Friedenskräfte. In: Kärcher Futuretech GmbH, 13. April 2011, (PDF; 16 S., 1,3 MB).
  11. Über Futuretech. In: karcher-futuretech.com, aufgerufen am 7. Januar 2016.
  12. Kultursponsoring. In: Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH. Abgerufen am 9. März 2016.
  13. Museum. In: Inside Kärcher - Unternehmen. Alfred Kärcher Vertriebs-GmbH, abgerufen am 9. März 2016.
  14. Kärcher neuer Hauptsponsor des TV Bittenfeld. In: TVB 1898 Stuttgart, aufgerufen am 7. Januar 2016.
  15. Antoine Latham: Kärcher veut nettoyer le discours politique. (Memento vom 13. Februar 2013 im Webarchiv archive.is) In: Les Échos, 8. März 2007.