Kürnbach

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kürnbach (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kürnbach
Kürnbach
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kürnbach hervorgehoben
Koordinaten: 49° 5′ N, 8° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 213 m ü. NHN
Fläche: 12,67 km2
Einwohner: 2330 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 184 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75057
Vorwahl: 07258
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 040
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 12
75057 Kürnbach
Webpräsenz: www.kuernbach.de
Bürgermeister: Armin Ebhart
Lage der Gemeinde Kürnbach im Landkreis Karlsruhe
Karlsdorf-Neuthard Malsch (Landkreis Karlsruhe) Malsch (Landkreis Karlsruhe) Bretten Bruchsal Bruchsal Ettlingen Forst (Baden) Gondelsheim Hambrücken Kronau Kürnbach Marxzell Oberderdingen Östringen Philippsburg Sulzfeld (Baden) Ubstadt-Weiher Walzbachtal Weingarten (Baden) Zaisenhausen Karlsbad (Baden) Kraichtal Graben-Neudorf Bad Schönborn Pfinztal Eggenstein-Leopoldshafen Linkenheim-Hochstetten Waghäusel Oberhausen-Rheinhausen Rheinstetten Stutensee Waldbronn DettenheimKarte
Über dieses Bild

Kürnbach ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe im nordwestlichen Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kürnbach liegt im nordwestlichen Naturpark Stromberg-Heuchelberg im Tal des Humsterbaches, der weiter westlich in den südwestlich von Kürnbach entspringenden Kraichbach mündet. Der Humsterbach wurde östlich des Ortes zum Schlosswiesensee als Rückhaltebecken aufgestaut. Nach Westen hin öffnet sich die Landschaft dem typischen bewirtschafteten Hügelland des Kraichgaus, während nach Osten in rund 1 km Entfernung vom Ort ein großes zusammenhängendes Waldgebiet des Naturparks Stromberg-Heuchelberg beginnt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Kürnbach gehören das Dorf Kürnbach und die Häuser Humstermühle, Klostermühle und Rohrmühle.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kürnbach stand bereits zur Zeit Karls des Großen eine Holzkirche, die später durch einen romanischen Steinbau ersetzt wurde. Die älteste erhaltene schriftliche Überlieferung mit Bezug auf Kürnbach stammt aus der Zeit um 1278. Es handelt sich um ein Güterverzeichnis des Klosters Weißenburg. Aus diesem Dokument geht hervor, dass Kürnbach bereits seit etwa 990 im Besitz des Benediktinerklosters war. Etwa hundert Jahre später taucht erstmals der Name eines Adelsgeschlechts von Kürnbach auf. Dieses benennt sich später nach seinem neuen nahe gelegenen Stammsitz in von Sternenfels um.

1543 erhielt Kürnbach das Marktrecht.

Kondominat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsplan von Kürnbach, erstellt 1748 vom Vogt Hallwachs.
Die hessischen Häuser sind blau koloriert, die württembergischen gelb.
Fachwerkgebäude in der Ortsmitte

Um 1300 wurden zwei Drittel Kürnbachs zum Lehen der Grafen von Katzenelnbogen. Den anderen Teil des Ortes verpfändete Engelhard von Liebenstein, der Enkel der Adelheid von Sternenfels, 1320 an das Herzogtum Württemberg. 1479 wurden die Grafen von Katzenelnbogen durch die Landgrafen von Hessen beerbt. Kürnbach gehörte nun zu zwei Dritteln der Landgrafschaft Hessen und zu einem Drittel dem Herzogtum Württemberg und bildete so ein Kondominium. Im Einzelnen war das aber hoch kompliziert geregelt: Einzelne bebaute Grundstücke waren einer der beiden Herrschaften zugeordnet, konnten diese aber auch wechseln. Es gab in dem Konstrukt deshalb drei unterschiedliche Verwaltungen: eine hessische, eine württembergische (später: badische) und eine kondominale.

Der hessische Anteil kam nach der Landesteilung in Folge des Testaments des Landgrafen Philipp des Großmütigen 1567 an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Der württembergische Anteil kam mit dem Frieden von Schönbrunn 1810 an das Großherzogtum Baden.[3] (Auch Hessen-Darmstadt war inzwischen zum Großherzogtum Hessen avanciert.) Warum das Kondominat nicht wie viele andere in dieser Zeit aufgelöst wurde, ist letztendlich nicht mehr festzustellen, ein „Versehen“ der Bürokratie nicht auszuschließen.[4] Kürnbach bildete nun weitestgehend eine Enklave in Badener Staatsgebiet und grenzte im übrigen an das Königreich Württemberg.

1835 wurde eine eigene Gemeindeordnung erlassen. Es gab zwei Bürgermeister, die auf sechs Jahre gewählt wurden, wobei jeder drei Jahre den Vorsitz im Gemeinderat führte. Jeder Bürgermeister führte sein eigenes Standesamt. Und es mussten drei Gemeinderechnungen geführt werden, eine badische, eine hessische und eine kondominale mit zwei unterschiedlichen Rechnungsjahren auf zwei unterschiedlichen Rechtsgrundlagen.[5]

Den Einwohnern von Kürnbach war der Zustand nur recht: Sie zahlten weniger Abgaben als „echte“ Badener oder Hessen. Im Verhältnis zu ihren beiden Herrschaften galten sie steuerrechtlich als Ausland, weshalb gezahlte Steuern auf importierte Waren zurückerstattet wurden. 1897 betrug die Steuerrückerstattung allein für importiertes Bier 5000 Mark.[6]

Hessen hatte sich während des 19. Jahrhunderts durchgehend gesträubt, seine Rechte in Kürnbach an Baden abzutreten. Nach der Reichseinigung 1871 und der folgenden Rechtsvereinheitlichung erschien das staatsrechtliche Konstrukt Kürnbach aber immer abstruser und die Privilegien des „Steuerparadieses“ waren gegenüber den übrigen Bürgern kaum noch zu vertreten. Trotz heftiger Gegenwehr der Kürnbacher – die ihre Privilegien nicht verlieren wollten – wurde am 11. Mai 1903 in Heidelberg ein Staatsvertrag zwischen beiden Staaten abgeschlossen, nach dem Kürnbach an das Großherzogtum Baden abgetreten wurde. Das Großherzogtum Hessen erhielt im Tausch die Enklave Mittelbuch und knapp 300 ha badischen Wald bei Heddesbach. Nach Zustimmung beider Parlamente trat der Staatsvertrag zum 1. Januar 1905 in Kraft.[7]

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fortan gehörte Kürnbach komplett zunächst zum Bezirksamt Bretten, dann zum Landkreis Sinsheim, der 1973 aufgelöst wurde. Seither ist der Ort dem Landkreis Karlsruhe zugeordnet.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Reformation ist Kürnbach überwiegend evangelisch geprägt. Neben der Gemeinde der Landeskirche gibt es auch eine evangelisch-methodistische und eine neuapostolische Gemeinde. Römisch-katholische Gläubige werden durch die Gemeinde in Oberderdingen-Flehingen geistlich betreut.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus in Kürnbach

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeinderat sind nach der Kommunalwahl 2014 insgesamt vier Wählergemeinschaften vertreten: [8]

  • FWV (35,3 %) vier Sitze
  • Handel, Handwerk und Gewerbe (HHG) (25,1 %) drei Sitze
  • Liste 4 (26,0 %): 3 Sitze
  • Liste 90 (13,7 %) 2 Sitze

Partnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kürnbach unterhält seit 1983 partnerschaftliche Beziehungen zur Gemeinde Ziersdorf in Österreich.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kürnbach verfügt über eine eigene Grundschule. Außerdem gibt es zwei Kindergärten am Ort.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss
Evangelische Michaelskirche
Am Oberen Tor

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Schloss am östlichen Ortsende geht auf eine historische Wasserburg zurück. Von 1181 bis 1227 sind mit den Herren von Kürnbach die Ortsadeligen als Burgherren nachgewiesen. 1266 war die Burg im Besitz der Herren von Liebenstein, vor 1380 die Herren von Katzenelnbogen. Ab 1380 waren Ritter von Balzhofen und nach ihnen die Ritter von Sternenfels auf Burg Kürnbach. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Burg im Familieneigentum der Großherzöge von Hessen, anschließend kam das Anwesen in Privatbesitz. Das Schloss ist von einer parkartigen Grünanlage umgeben. Östlich oberhalb des Schlosses wurde der von einer Naherholungsanlage umgebene Schlosswiesensee angestaut.
  • Die evangelische Michaelskirche geht auf eine bereits um 800 erwähnte Kirche des Klosters Weißenburg zurück und wurde mehrfach umgebaut. Ihre heutige Gestalt erhielt die zeitweilig auch Liebfrauenkirche genannte Kirche durch den Wiederaufbau in den Jahren 1721 bis 1726, nachdem das Bauwerk im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden war. Zu den Kunstschätzen der Kirche zählen das Chorgewölbe, das Kruzifix aus dem 16. Jahrhundert, das aus Sandstein geschaffene, fünf Meter hohe Renaissance-Grabmal für Bernhard von Sternenfels und seine Gemahlin Maria Agatha von Weitershausen sowie die 1834 durch den Heidelberger Orgelbaumeister Wilhelm Jacob Overmann erbaute Orgel.
  • Die historische Ortsmitte von Kürnbach ist reich an historischen Gebäuden, darunter die Badenkelter und die Hessenkelter, die an die einstige Teilung der Grundherrschaft erinnern, außerdem das Deutschherrenhaus bei der Michaelskirche, mehrere historische Gasthöfe sowie zeittypische Wohn- und Wirtschaftsgebäude (z. B. die Häuser Gaisrain 58, Greinstraße 37 und Löwengasse 8) aus verschiedenen Epochen. Am ehemaligen Oberen Tor befinden sich das alte Rathaus und das alte Schulhaus.
Historic-Actien-Museum

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Historic-Actien-Museum in einem historischen bäuerlichen Anwesen beim Oberen Tor zeigt seit 1976 historische Wertpapiere.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Böckle (1922–1993), Bürgermeister von 1964 bis 1984, Ehrenbürger zum Ausscheiden aus dem Amt

Sonstige Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friederica Louise Löffler (* 9. August 1744; † 20. Dezember 1805), Apothekerstochter und bekannte Kochbuchautorin, geboren in Kürnbach, Mutter der ebenfalls als Kochbuchautorin bekannt gewordenen Henriette Löffler
  • Friederike Hauffe (1801–1829), die „Seherin von Prevorst“, lebte von 1821 bis 1826 in Kürnbach
  • John Adam Treutlen (1734–1782), amerikanischer Politiker und von 1777 bis 1782 Gouverneur von Georgia, USA.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heike Drechsler: Kürnbach…einst Marktflecken zweier Staaten. verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2005, ISBN 3-89735-297-4.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 109–110
  3. Drechsler: Kürnbach, S. 104.
  4. Drechsler: Kürnbach, S. 168.
  5. Drechsler: Kürnbach, S. 169f.
  6. Drechsler: Kürnbach, S. 171.
  7. Drechsler: Kürnbach, S. 174–176.
  8. http://www.kuernbach.de/unsere-gemeinde/gemeinderat.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kürnbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien