Zaisenhausen

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Bei den Abschnitten Einwohnerentwicklung und Das ehemalige Schwefelbad
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Zaisenhausen
Zaisenhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zaisenhausen hervorgehoben
Koordinaten: 49° 6′ N, 8° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Karlsruhe
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 10,1 km2
Einwohner: 1686 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 167 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75059
Vorwahl: 07258
Kfz-Kennzeichen: KA
Gemeindeschlüssel: 08 2 15 094
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 97
75059 Zaisenhausen
Webpräsenz: www.zaisenhausen.de
Bürgermeister: Cathrin Wöhrle
Lage der Gemeinde Zaisenhausen im Landkreis Karlsruhe
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Über dieses Bild

Zaisenhausen ist die kleinste Gemeinde im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Zur Gemeinde Zaisenhausen gehören außer dem gleichnamigen Dorf keine weiteren Ortschaften.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fruchtbare Zaisenhäuser Gemarkung ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Eine Reihe von archäologischen Funden aus der Zeit der Bandkeramiker und den folgenden frühbäuerlichen Kulturen belegt dies. Aus der Römerzeit kann eine Villa Rustica im Gewann 'Hesselsee' nachgewiesen werden.

Die erste urkundliche Erwähnung von Zaisenhausen stammt aus dem Jahr 991. Im Güterverzeichnis des Abts Edelin aus dem Kloster Weißenburg im heutigen Nordelsass ist der Ort unter dem Namen Ceisenhusen im Zusammenhang mit dem 'Salischen Klosterraub' durch Herzog Otto von Worms erstmals erwähnt.

Im Mittelalter war das Kloster Maulbronn als der größte Grundherr Inhaber der Ortsherrschaft. Auch der Uzname 'Esel' für die Zaisenhäuser Bevölkerung geht auf die Zugehörigkeit zum Maulbronner Zisterzienserkloster zurück. Der Ort gehörte anschließend zu Württemberg und ab 1747 zur Kurpfalz. 1803 wurde das Dorf badisch.[2][3] Bis 1973 gehörte der Ort zum Landkreis Sinsheim. Nach dessen Auflösung kam Zaisenhausen zum Landkreis Karlsruhe und ist heute die kleinste selbständige Gemeinde dieses Landkreises.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits zur Zeit der Herrschaft des Klosters Maulbronn hatte Zaisenhausen als befestigtes Dorf an der Twerchstraße von Heilbronn nach Strassburg rund 600 Einwohner. Im 30-jährigen Krieg war der Ort zeitweise unbewohnt und zählte dann um 1650 wieder 150 Einwohner. Bis 1900 stieg die Einwohnerzahl auf 1200 an, sank aber bis 1939 auf 996 Einwohner. Durch den Zuzug von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl um rund ein Drittel, so dass im Jahr 1946 rund 1450 Personen im Dorf lebten. 2015 betrug die Einwohnerzahl 1686 Personen.

Das ehemalige Schwefelbad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1713 wurde durch einen Schweizer Seidenwarenhändler eine schwefelhaltige Quelle im Kohlbachtal nahe dem damaligen Fußweg nach Sickingen entdeckt. Der genaue Fundort wurde von einem Zeitgenossen so beschrieben:

„Dieser Heilbrunnen entspringt eine starke Viertelstund von dem Dorf Zaisenhausen zu End eines lustigen Wiesenthals, so gedachtem Flecken zugehöret und also auf Württembergischen Grund und Boden allernächst aber an die Freyherrliche Sickinger Gemarckung stoßend…“

Der Schweizer Händler verabreichte das Wasser einer von Ausschlägen erkrankten Eppinger Frau, die dadurch angeblich von ihrem Leiden vollständig geheilt wurde. Daraufhin wurde die Schwefelquelle in der Umgebung rasch bekannt. Nach kurzer Zeit besuchten bereits mehr als 100 Personen täglich die Zaisenhäuser Schwefelquelle. Die württembergische Herrschaft entsandte deshalb eine Expertenkommission ins Zaisenhäuser Kohlbachtal, um die Qualität des Heilwassers zu überprüfen. Diese Kommission bescheinigte dem Schwefelwasser eine ausgezeichnete Qualität.

Bereits 1714 wurde von Herzog Eberhard Ludwig ein Bad- und Trinkhaus errichtet. Ein Jahr später wurde es um ein Gast- und Wirtshaus erweitert. Durch die Einstellung eines Badearztes wurde ein geregelter Kurbetrieb möglich. Sogar der Herzog Friedrich August von Württemberg und Teck ließ mehrere Male im Zaisenhäuser Bad seine „Engbrüstigkeit“ behandeln.

Nachdem Zaisenhausen 1747 vollständig in den Besitz der Kurpfalz gekommen war, ließ Kurfürst Carl Theodor die Badeanlage renovieren und vergrößern, so dass die Gesamtanlage um 1770 rund 100 Räume und eine weitläufige Kuranlage umfasste. Das Bad hatte sich in der Zwischenzeit zu einem regelrechten Modebad gewandelt, das von allen Bevölkerungsschichten besonders im Sommer gerne besucht wurde. Für Zaisenhausen und seine Bewohner war damit ein großer wirtschaftlicher Aufschwung verbunden. Nachdem Kurfürst Carl Theodor selbst das Bad besucht hatte, schien der endgültige Durchbruch geschafft.

Dann setzte aber unerwartet der Niedergang ein, weil Kurfürst Carl Theodor die Wittelsbacher in Bayern beerbte und seine Residenz ins Münchner Schloss Nymphenburg verlegte. Die Kurpfalz verlor daraufhin das Interesse an der Erhaltung der Badeanlage im Kohlbachtal. Alle Wiederbelebungsversuche in badischer Zeit blieben erfolglos. Heute sind keine Spuren der ehemaligen Badeanlage mehr vorhanden.

Zur Erinnerung an das Zaisenhäuser Schwefelbad ließ die Gemeinde im Jahr 2013 am Ortseingang einen Informationspavillon über die Geschichte des Bades errichten.

Schriften über das Zaisenhäuser Schwefelbad:

  • J. M. Brigelius, Kurze Beschreibung des neuentdeckten Gesund- und Heil-Brunnens bey Zaisenhausen, 1715
  • Dr. Johann Albrecht Gesner, Historisch-Physikalische Nachricht Von Dem Zaysenhauser mineralischen Bronnen und Bad, 1746
  • Dr. Franz Heimhilger, Kurze Beschreibung des Mineralischen Gesundheits- und Heilbonnen bey Zeitzenhausen, 1761
Panoramabild mit dem „Drei Türme Blick“. Der Turm der katholischen Kirche erscheint zwischen den Türmen der evangelischen Kirche

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2014 brachte folgendes Ergebnis:

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Diplom-Verwaltungswirtin Cathrin Wöhrle (geb. Rübenacker) wurde im Dezember 2013 mit 54,7 Prozent der Stimmen zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Vorgänger Wolfgang Bratzel war 32 Jahre lang der Bürgermeister.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein silberner Ring mit waagerechtem Balken.“ Das Ringsymbol symbolisiert ein Sester, eine alte Maßeinheit für Getreide. Die Farben verweisen auf die frühere Zugehörigkeit zur Kurpfalz.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größte religiöse Gemeinschaft ist die evangelische Kirchengemeinde, die seit 2002 mit der Kirchengemeinde Flehingen eine gemeinsame Pfarrstelle bildet. Die römisch-katholischen Gläubigen werden von der Kirchengemeinde im benachbarten Flehingen aus geistlich betreut.[2] Daneben gibt es in Zaisenhausen auch die „Gemeinschaft entschiedener Christen“. In den letzten Jahrzehnten ist auch die Anzahl der Moslems gestiegen, insbesondere durch den Zuzug von zahlreichen Personen türkischer Abstammung.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaisenhausen liegt an der Bundesstraße 293 (HeilbronnPfinztal). Die Bundesstraße führte bis zum Ende der 1980er-Jahre durch den Ort, 1989 wurde die parallel zur Bahnstrecke trassierte Ortsumgehung für den Verkehr freigegeben.[4]

Mit der 1997 eröffneten Verlängerung der Linie S4 der Stadtbahn Karlsruhe (von Karlsruhe nach Heilbronn) ist der Ort mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln zu erreichen. Die S4 fährt auf der Kraichgaubahn, die 1879 in Betrieb genommen wurde. Es gelten die Tarife des Karlsruher Verkehrsverbundes.

Autobahnanschlüsse an die A 6 und die A 8 befinden sich in 25 km Entfernung.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zaisenhausen verfügt über eine eigene Grundschule und einen evangelischen Kindergarten. Seit 2015 gibt es auch ein Familienzentrum (FAZZ) im gemeindeeigenen Kögelhaus.


Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Ortsmitte wurde in nur zwei Jahren von 1834 bis 1836 die doppeltürmige evangelische Pfarrkirche erbaut. Architekt der Kirche „Zu unserer lieben Frau“ war der Architekt und Weinbrenner-Schüler Heinrich Hübsch. Die Kirche nimmt im Ortsbild eine dominierende Stellung ein, da sie von Hübsch mit Absicht auf eine „pittoreske Situation“ hin angelegt wurde. Die beiden in die Fassade integrierten 36 m hohen Türme sollten an die ehemalige Dorfkapelle Zur lieben Frau und an die durch einen Blitzschlag zerstörte St. Peterskirche erinnern. Manche bezeichnen die Kirche heute auch als Dom des Kraichgaus.

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1972 erhielten die Zaisenhäuser Katholiken eine eigene Kirche. Der Neubau entstand am westlichen Rand des damaligen Neubaugebietes. Durch die moderne und eigenwillige Turmkonstruktion wurde die Kirche schnell zum Erkennungszeichen des Dorfes. Im Untergeschoss des Gebäudes befindet sich ein Saal der für Feiern und Veranstaltungen genutzt werden kann.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Margarete Herzer, Rudolf Herzer und Wilhelm Dauth: Ortssippenbuch Zaisenhausen, Landkreis Sinsheim in Baden; Geschichte des Dorfes und seiner Familien. Grafenhausen: Albert Köbele 1972 (= Badische Ortssippenbücher 27), Bearbeiteter Zeitraum 1566–1971

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alle politisch selbständigen Gemeinden mit ausgewählten Merkmalen am 30.09.2016 (3. Quartal 2016) (XLS-Datei, 4,86 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. a b Hartmut Hensgen: 1000 Jahre Zaisenhausen, Aus der Geschichte eines Kraichgaudorfes, Herausgegeben von der Gemeinde Zaisenhausen 1991
  3. Ortssippenbuch Zaisenhausen
  4. Straßenbaubericht 1989 (PDF; 1,9 MB)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zaisenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien