Kohren-Sahlis

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Kohren-Sahlis
Stadt Frohburg
Wappen von Kohren-Sahlis
Koordinaten: 51° 1′ 7″ N, 12° 36′ 16″ O
Höhe: 233 m
Fläche: 36,8 km²
Einwohner: 998 (4. Jan. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 27 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2018
Postleitzahl: 04654
Vorwahl: 034344
Kohren-Sahlis (Sachsen)
Kohren-Sahlis

Lage von Kohren-Sahlis in Sachsen

Ortsansichten
Kohren-sahlis, general view - saxony.JPG
Blick über Kohren-Sahlis
KohrenBurgaussicht.JPG
Blick von der Burgruine
Fotothek df roe-neg 0006347 016 Ortsansicht.jpg
Ortsansicht anno 1952

Kohren-Sahlis ist ein Ortsteil der Stadt Frohburg im Süden des Landkreises Leipzig in Sachsen. Sie war bis zum 31. Dezember 2017 eine eigenständige Stadt, die vor allem durch das Töpferhandwerk bekannt wurde. Sie bildete das Zentrum des Kohrener Landes.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohren-Sahlis liegt etwa in der Mitte zwischen Leipzig und Chemnitz. Es grenzt im Norden an Frohburg, im Nordosten und Osten an die Stadt Geithain und im Süden an die Stadt Penig im Landkreis Mittelsachsen. Im Westen grenzt Kohren-Sahlis an die thüringischen Gemeinden Langenleuba-Niederhain und Windischleuba. Das Flüsschen Wyhra sowie die drei sagenumwobenen Bäche Maus, Ratte und Katze fließen durch Kohren-Sahlis.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Kohren-Sahlis gehörten die folgenden dreizehn Gemeindeteile:

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohren wurde erstmals um 974 in einer Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg urkundlich erwähnt. 1190 erschienen die edelfreien Herren von Kohren als reichsfreie Eigentümer der Burg Kohren. Diese bauten sich im Zuge der deutschen Ostexpansion in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Kohren ihre Herrschaft auf. 1220 wurde die Burg zerstört, die um 1240 wieder aufgebaut wurde. Die reichsunmittelbare Herrschaft der Herren von Kohren war Anfang des 14. Jahrhunderts zu Ende. 1303 wurden sie letztmals urkundlich erwähnt. Verschiedene Geschlechter, wie die von Schönburg, Leisnig oder die Vögte von Plauen waren in der Folgezeit Eigentümer der Burg. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren die Herren von Einsiedel Eigentümer der Burg. Diese nutzten aber die Burg Gnandstein als Wohnsitz, weshalb die Burg Kohren aufgegeben und zur Gewinnung von Baumaterial nach und nach abgebrochen wurde. Nur die beiden Turmruinen sind von der Burg erhaltenen geblieben und prägen bis heute die Stadtsilhouette. 1453 erhielt Kohren das Stadtrecht.

Sahlis wurde bereits im Jahr 1350 als Herrensitz genannt. Im Jahr 1445 ist Sahlis als Rittersitz und 1551 als Rittergut erwähnt. 1602 verkauften es die von Einsiedel, zusammen mit Kohren. Der Textilkaufmann Crusius erwarb 1754 das Rittergut und ließ zwei Jahre später die Gutsanlage erneuern. 1776 entstand ein Neubau des Herrenhauses, der 1858 umgebaut wurde. Der Rokoko-Park mit vielen Wasserspielen und Skulpturen wurde 1771 erbaut, die Orangerie im Jahr 1891. Die Familie von Crusius blieb bis zur Enteignung im Jahr 1945 im Besitz des Ritterguts Sahlis.[2]

Die Stadt Kohren und das Dorf Sahlis gehörten um 1445/47 zur Pflege Altenburg. Nachdem diese 1554/57 durch den Naumburger Vertrag an die Ernestiner kam, verblieben Kohren und Sahlis bei den Albertinern[3] und unterstanden bis 1856 dem kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Borna.[4] Ab 1856 gehörten beide Orte zum Gerichtsamt Frohburg und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Borna.[5]

Nach Jahrzehnten der Bemühung erhielt Kohren mit der Eröffnung der Wyhratalbahn am 30. April 1906 einen Bahnanschluss. Die Strecke führte nach Frohburg an die Bahnstrecke Neukieritzsch–Chemnitz. Sie wurde 1967 stillgelegt und später abgebaut. Der am 24. Juni 1928 eingeweihte Töpferbrunnen gilt als Wahrzeichen der Stadt. Entwurf und Modellierung gehen auf Kunstkeramiker Kurt Feuerriegel zurück. 1934 wurde Kohren mit dem Dorf Sahlis zur Stadt Kohren-Sahlis vereint.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kohren-Sahlis befand sich vom 1. November 1942 bis zum 14. April 1945 das Kinderheim „Sonnenwiese“, das von der SS-Organisation Lebensborn betrieben wurde. Hier wurden vor allem Tyskerbarn, aus Norwegen stammende Kinder (norwegische Mütter, deutsche Soldaten als Väter) untergebracht, bevor sie vor 1945 und auch danach an Familien zur Adoption weitergereicht wurden.[6][7][8]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Altmörbitz[9] 01.01.1996
Dolsenhain[9] 01.01.1996
Gnandstein[9] 01.01.1996
Jahnshain[9] 01.01.1999
Kohren[10] 01.07.1934 Zusammenschluss mit Sahlis zu Kohren-Sahlis
Linda[11] 01.07.1950 Eingemeindung nach Jahnshain
Meusdorf[11] 01-07.1950 Eingemeindung nach Jahnshain
Neuhof[10] 01.07.1895 Zusammenschluss mit Pflug und Rüdigsdorf zu Rüdigsdorf-Neuhof
Pflug[10] 01.07.1895 Zusammenschluss mit Neuhof und Rüdigsdorf zu Rüdigsdorf-Neuhof
Rüdigsdorf[10] 01.07.1895 Zusammenschluss mit Neuhof und Pflug zu Rüdigsdorf-Neuhof
Rüdigsdorf(-Neuhof)[11] 01.07.1950
Sahlis[10] 01.07.1934 Zusammenschluss mit Kohren zu Kohren-Sahlis
Terpitz[11] 01.10.1948
Walditz[11] 01.10.1948
Wüst-Eckartsberg 1948 Umgliederung von Geithain, Ortsteil Theusdorf
Wüstenhain[11] 01.10.1948 Eingemeindung nach Gnandstein

Zwischen 1895 und 1950 wurde die Gemeinde Rüdigsdorf-Neuhof in Rüdigsdorf umbenannt.

Am 1. Januar 2018 wurde Kohren-Sahlis in die Stadt Frohburg eingegliedert.[12]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kohren-Sahlis liegt in einem traditionell lutherischen Gebiet. Zum Kirchspiel Kohrener Land der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens gehören die Sankt-Gangolf-Kirche in Kohren-Sahlis, die Christuskirche in Rüdigsdorf, die Dorfkirchen in Altmörbitz und Gnandstein sowie die Burgkapelle Gnandstein. Des Weiteren gibt es eine Kirchgemeinde in Jahnshain, die zum Kirchspiel Geithainer Land gehört. Von überörtlicher Bedeutung ist die Heimvolkshochschule Kohren-Sahlis, die als Evangelisches Zentrum Ländlicher Raum bezeichnet wird.

Die wenigen Katholiken in Kohren-Sahlis gehören zur Pfarrei St. Joseph in Borna, Bistum Dresden-Meißen.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Blau auf einen goldenen Schildfuß eine goldene Mauer mit zwei gezinnten Türmen, darüber fliegen sieben schwarze Vögel (3:4 gestellt).

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[13]
Wahlbeteiligung: 54,6 %
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
63,3 %
13,9 %
16,2 %
6,6 %

Der Stadtrat bestand aus vierzehn Stadträten. Nach der letzten Kommunalwahl im Mai 2014[14] ergaben sich für die

  • CDU 9 Sitze (63,3 %)
  • SPD 2 Sitze (16,2 %)
  • LINKE 2 Sitze (13,9 %)
  • FDP 1 Sitz (6,6 %)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der letzte Bürgermeister Siegmund Mohaupt (CDU) wurde im Juni 2015 mit 94 % der Stimmen wiedergewählt.[15]

Ortspartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Töpferbrunnen in Kohren-Sahlis
St.-Gangolf-Kirche in Kohren

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Töpfermuseum
  • Museum Hoffmann’sche Sammlung
  • Museum Burg Gnandstein

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Attraktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sommerrodelbahn Kohren
  • Minigolfanlage am Lindenvorwerk
  • „Irrgarten der Sinne“ am Lindenvorwerk

Parks und Gärten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rokoko-Park Sahlis
  • Landschaftsgarten Rüdigsdorf
  • Burggarten Gnandstein

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • alljährlicher Topf- und Krügemarkt auf dem Kohrener Markt am Wochenende nach Himmelfahrt
  • alljährlicher Kunstmarkt an der Lindigtmühle
  • Sonderführung „Gnandstein im Mondschein“
  • Sonderführung „Gnandsteiner Geheimnisse“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gebiet von Kohren-Sahlis verläuft die Staatsstraße 51 BornaPenig. Der Leipzig-Altenburg Airport liegt zehn Kilometer entfernt.

Kohren-Sahlis liegt im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Der nächste Bahnhof ist Frohburg an der Bahnstrecke Leipzig-Borna-Geithain, etwa acht Kilometer nordwestlich von Kohren-Sahlis. Zum Bahnhof Frohburg sowie nach Altenburg und Geithain verkehren Busse der Thüsac von Kohren-Sahlis aus.

Bis 1967 gab es eine Bahnstrecke Frohburg–Kohren-Sahlis. Das Bahnhofsgebäude Kohren-Sahlis ist noch gut zu erkennen, auf dem Bahndamm verläuft heute allerdings ein Radweg.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe sowie mittelständisches verarbeitendes Gewerbe

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Louis Schlegel (1858–1929), geboren in Terpitz, Politiker (SPD), Reichstagsabgeordneter, Landtagsabgeordneter in Württemberg

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kohren. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 5. Band. Schumann, Zwickau 1818, S. 43–46.
  • Richard Steche: Kohren. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 15. Heft: Amtshauptmannschaft Borna. C. C. Meinhold, Dresden 1891, S. 65.
  • Richard Steche: Sahlis. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 15. Heft: Amtshauptmannschaft Borna. C. C. Meinhold, Dresden 1891, S. 109.
  • Eckhart Leisering: Acta sunt hec Dresdene - die Ersterwähnung Dresdens in der Urkunde vom 31. März 1206, Sächsisches Staatsarchiv, Mitteldeutscher Verlag (mdv), Halle/Saale und Dresden 2005, Seiten 96, ISBN 978-3-89812-320-4. Erläuterungen zur kleinen civitas Kohren und zu Henricus de Chorun, S. 13/61–63.
  • Heinz Reich, Helga Reich: Tausendjähriges Kohren-Sahlis 974–1974, Verlag Rat der Stadt Kohren Sahlis, 1. Auflage (1974), 102 Seiten
  • Henriette Krahnstöver: Zwischen Rüben und Güldengossa, aus den Lebenserinnerungen des Schlossgärtners Reinhold Hofmann im Leipziger Raum, Verlag Pro Leipzig, 2012, ISBN 978-3-936508-78-9, S. 67–71. Rokokogarten Kohren-Sahlis.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kohren-Sahlis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Kohren-Sahlis – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnermeldeamt, veröffentlicht in den Frohburger Nachrichten Nr. 1/2018
  2. Das Rittergut Sahlis auf www.sachsens-schlösser.de
  3. Buch "Das Vaterland der Sachsen, S. 138
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 62 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Borna im Gemeindeverzeichnis 1900
  6. Lebensbornheime in Deutschland, gesichtet am 2. Januar 2013.
  7. Das ist wirklich bodenlos, Von Mascolo, Georg und Schumacher, Hajo, in SPIEGEL, Heft 25/1997.
  8. Staatsarchiv Leipzig, (Memento vom 2. November 2012 im Internet Archive) Eintrag 20050 – Kinderheim Sonnenwiese, Kohren-Sahlis.
  9. a b c d Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  10. a b c d e Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  11. a b c d e f Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  12. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2018
  13. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  14. Wahlergebnisse Mai 2014. Abgerufen am 3. August 2014 (PDF).
  15. https://www.statistik.sachsen.de/wpr_alt/pkg_s10_bmlr.prc_erg_bm?p_bz_bzid=BM151&p_ebene=GE&p_ort=14729230