Max Bill

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Max Bill 1970
unendliche Schleife (1974), ausgeführt in Tranås – einem schwedischen Granit, Stadtgarten Essen (an der Hohenzollernstraße)
Kontinuität (1983–1986) vor der Hauptverwaltung der Deutschen Bank in Frankfurt am Main
Rhythmus im Raum (1947–1948), Außenalster Hamburg
Drei Bildsäulen auf dem Kunstpfad Universität Ulm (1977)
Ulmer Hocker. Frühes Exemplar, das in der Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG) genutzt wurde
Junghans Küchenuhr
Gebäude der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm (1953–1955)

Max Bill (* 22. Dezember 1908 in Winterthur; † 9. Dezember 1994 in Berlin) war ein Architekt, vielseitiger Künstler mit Schwerpunkten in bildender und angewandter Kunst – einschließlich Bildhauerei, Grafik, industrieller Formgestaltung, Malerei (Vertreter der Zürcher Schule der Konkreten) und Typografie –, Hochschullehrer und Nationalrat der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Berufsausbildung, Studium und künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Max Bill machte von 1924 bis 1927 eine Lehre als Silberschmied an der Kunstgewerbeschule Zürich. Im Alter von 17 Jahren wurde er 1925 mit seinen Schülerarbeiten an die Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris eingeladen, wo ihn besonders die Werke von Le Corbusier, Konstantin Stepanowitsch Melnikow und Josef Hoffmann beeindruckten. 1927–1928 studierte er in Dessau am Bauhaus, wo zu dieser Zeit Josef Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Oskar Schlemmer lehrten.

Ab 1929 war Bill sowohl praktisch als auch theoretisch als Architekt, seit 1932 auch als Bildhauer, Grafiker und Maler tätig. Von 1932 bis 1937 war er Mitglied der Künstlerbewegung Abstraction-Création in Paris. 1936 definierte er in einem Ausstellungskatalog des Kunsthauses Zürich seine Vorstellung von „Konkreter Kunst“ und wurde zu einem ihrer wichtigsten Vertreter in der Zürcher Schule der Konkreten – einer von der Kunstgewerbeschule Zürich ausgehenden Kunstströmung der Malerei – sowie der davon inspirierten, 1937 gegründeten Vereinigung moderner Schweizer KünstlerAllianz. Seit 1936 war er auch als Publizist aktiv und gründete 1941 den Allianz-Verlag. 1938 wurde er Mitglied des Congrès International d’Architecture Moderne.

Bill schuf zahlreiche Skulpturen und stellte vielfach in Galerien und Museen aus. Er war Teilnehmer der documenta 1 (1955), der documenta II (1959), und auch der documenta III (1964) in Kassel. Seine erste Ausstellung in den USA fand 1963 in der Galerie von George William Staempfli in Manhattan, New York, statt, Retrospektiven 1968-1969 im Kunsthaus Zürich, 1974 in der Albright-Knox Art Gallery in Buffalo und im Los Angeles County Museum of Art sowie 1988 im Solomon R. Guggenheim Museum in New York.

Als Leiter des Bereichs „Bilden und Gestalten“ war er von 1961 bis 1964 Architekt für die Expo64 – die Schweizerische Landesausstellung in Lausanne.

Lehr- und Vortragstätigkeit, Buchautor[Bearbeiten]

1944/1945 erhielt Bill seinen ersten Lehrauftrag an der Zürcher Kunstgewerbeschule. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Georges Vantongerloo und František Kupka. Von 1951 bis 1953 war er Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung (HFG) und entwarf ihr Schulgebäude. Von 1953 bis 1956 war er deren erster Rektor. 1957 kehrte er nach Zürich zurück. Zwischen 1967 und 1974 hatte Bill den Lehrstuhl für Umweltgestaltung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg inne. 1973 wurde er assoziiertes Mitglied der Königlich Flämischen Akademie für Wissenschaften und Künste Belgiens in Brüssel und 1976 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit verfasste er zahlreiche Bücher und hielt Vorträge über Kunst, Architektur, Design und trat auf Tagungen rund um den Globus auf. Zu seinen Büchern zählen insbesondere solche über Le Corbusier, Wassily Kandinsky, Ludwig Mies van der Rohe, und Theorie der Kunst.

Politisches Leben[Bearbeiten]

In seinen jungen Jahren war Bill – wie auch sein Kollege Richard Paul Lohse – ein engagierter Antifaschist, protestierte gegen kalten Krieg, atomare Aufrüstung, Vietnamkrieg und setzte sich bereits in den 1950er Jahren für Belange des Umweltschutzes ein. Er wurde ein halbes Jahrhundert vom schweizerischen Staatsschutz observiert, beginnend im Oktober 1936, nachdem er den in Nazideutschland verfolgten Journalisten Alfred Thomas bei sich versteckte. Thomas wurde im Mai 1936 des Landes verwiesen; sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Für die Unterbringung wurde Bill mit einer Geldstrafe belegt, da er den Flüchtling nicht bei der Einwohnermeldebehörde gemeldet hatte. Weitere prominente politische Flüchtlinge aus dem faschistischen Italien und Deutschland kamen nach ihrer Flucht in die Schweiz zuerst bei ihm unter.[1]

Von 1961 bis 1968 war Bill Mitglied des Zürcher Gemeinderates und von 1967–1971 des Schweizer Nationalrates. Portiert vom Landesring der Unabhängigen, war er als Parteiloser politisch aktiv.

Privates Leben[Bearbeiten]

Nach einer Beziehung mit der Schauspielerin und Varietékünstlerin Nusch Éluard heiratete Max Bill 1931 die Cellistin und Fotografin Binia Spoerri, die 1988 verstarb. Aus dieser seiner ersten Ehe ging als einziges Kind Jakob Bill (* 1942) hervor. Der Sohn gründete 1996 die schweizer max, binia + jakob bill stiftung und realisierte so die Idee seines Vaters, die dieser, nach dem Tod seiner ersten Ehefrau, hatte. Der Zweck der Stiftung ist die Sammlung und Pflege von Werken der Familie Bill, die Förderung der wissenschaftlichen Forschung sowie die Verbreitung und Veröffentlichung für Interessierte.

Bill war seit 1974 mit der Kunsthistorikerin Angela Thomas liiert, die ihn zwanzig Jahre lang auf vielen Reisen begleitet hatte und in dieser Zeit die wichtigste Gesprächspartnerin für sein Werk war. Seit 1991 war er in zweiter Ehe mit ihr verheiratet [2].

Am 9. Dezember 1994, während er auf dem Flughafen Berlin-Tegel auf einen Flug nach Zürich wartete, brach Max Bill infolge eines Herzanfalls zusammen und verstarb auf dem Transport in ein Krankenhaus. Seine Witwe wollte die Urne, gemäß einem Wunsch Bills, in der von ihm entworfenen Pavillon-Skulptur in Zürich beisetzen. Als die Stadt dies ablehnte, ließ sie diese exhumieren und verstreute die Asche an der Skulptur.[2]

Da Bill die Stiftungsvorschläge seines Sohnes zurückgewiesen hatte, wurde nach seinem Willen der Nachlass zwischen dem Sohn und der Witwe, Angela Thomas, aufgeteilt. Sie gründete die max bill georges vantongerloo stiftung und lebt heute mit dem Filmemacher Erich Schmid, mit dem sie seit 1998 verheiratet ist, in Bills Wohn- und Atelierhaus in Zumikon.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Max Bill wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen für seine Werke bedacht:

Werke[Bearbeiten]

Zu Max Bills berühmtesten Werken gehört der Ulmer Hocker. Dieser kann als Sitz, Beistelltisch, Rednerpult, Teil eines Regals, Tablett und Tragehilfe verwendet werden. Das Möbel wird heute in einer lizenzierten Re-Edition von der Zürcher Firma WB Form analog zum Original hergestellt, das Fichten- und Buchenholz stammt aus der Schweiz. Eine andere bekannte Designarbeit sind die betont schlichten Zifferblätter für Junghans Armband-, Küchen- und Wanduhren, die als Re-Edition wieder erhältlich sind.

  • Unendliche Schleife. Gips auf Stahlgerüst mit oberflächlichem Alu-Spritzverfahren, 1935–1937, am Zürichsee 1948 zerstört
  • 15 Variationen eines Themas, 1938
  • Rhythmus im Raum. Granit, an der Kennedy-Brücke der Hamburger Außenalster, 1947–1948
Rhythmus im Raum (1994), Europäisches Patentamt, München

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Bill: Funktion und Funktionalismus. Schriften 1945–1988. Benteli, Bern 2008, ISBN 978-3-7165-1522-8.
  • Max Bill, Retrospektive. Skulpturen Gemälde Graphik 1928–1987. (Texte Christoph Vitali, Eduard Hüttinger, Max Bill.) Katalog Schirn Kunsthalle, Frankfurt/Zürich/Stuttgart 1987 ISBN 3-922608-79-5.
  • Thomas Buchsteiner und Otto Lotze:max bill, maler, bildhauer, architekt, designer. Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1641-6.
  • Luciano Caramel, Angela Thomas: Max Bill. Pinacoteca Communale Casa Rusca, Locarno / Fidia Edizione d'Arte, Lugano 1991, ISBN 88-7269-011-0.
  • Jürgen Claus: Das Energiefeld der Farbe: Max Bill, in: Jürgen Claus: Kunst heute, Rowohlt Verlag 1965
  • Gerd Fischer: Der Koloss von Frankfurt: Die „Kontinuität“ von Max Bill. In: Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Heft 4/1999, S. 22–23.
  • Eduard Hüttinger: Max Bill. abc Verlag, Zürich 1977, ISBN 3-85504-043-5.
  • Eduard Hüttinger: Max Bill. Edition Cantz, Stuttgart 1987 (erweiterte Ausgabe) ISBN 3-922608-79-5
  • Gregor Nickel und Michael Rottmann: Mathematische Kunst: Max Bill in Stuttgart. In: Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, Band 14, Heft 3/2006, S. 150–159.
  • Arturo Carlo Quintavalle: Max Bill. Università Commune Provincia di Parma, Quaderni 38, 1977.
  •  Frank Raberg: Biografisches Lexikon für Ulm und Neu-Ulm 1802–2009. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm im Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2010, ISBN 978-3-7995-8040-3, S. 43.
  • Thomas Reinke und Gordon Shrigley: Max Bill: HfG Ulm: Drawing and Redrawing: Atelierwohnungen, Studentenwohnturm. marmalade, 2006, ISBN 978-0-9546597-1-4.
  • Emil Schwarz: Im Wissen der Zeit oder Der Sinn, den die Schönheit erzeugt, Hommage à Max Bill, ein dichterischer Nachvollzug mit dem Essay Wirklichkeit oder Realität. NAP Verlag, Zürich 2010, ISBN 978-3-9523615-4-2.
  • Werner Spies: Kontinuität. Granit-Monolith von Max Bill. Deutsche Bank, 1986, ISBN 3-925086-01-3.
  • René Spitz: hfg ulm. der blick hinter den vordergrund. die politische geschichte der hochschule für gestaltung ulm 1953–1968. Stuttgart/London 2002. ISBN 3-932565-16-9. (Zur Geschichte der HfG Ulm von der Gründung 1953 bis zur Schließung 1968.)
  • Angela Thomas: Max Bill und seine Zeit. 2 Bände. Scheidegger & Spiess, Zürich:
  • Jakob Bill: Max Bill am Bauhaus. Benteli, Bern 2008, ISBN 978-3-7165-1554-9.
  • Udo Weilacher: Kontinuität (Max Bill). In: Udo Weilacher: Visionäre Gärten. Die modernen Landschaften von Ernst Cramer. Basel/Berlin/Boston 2001, ISBN 3-7643-6568-4.
  • Roberto Fabbri: Max Bill in Italia. Lo spazio logico dell'architettura, Bruno Mondadori Editore, Milano 2011, ISBN 978-88-6159-606-1.
  • Da Silva Paiva, Rodrigo Otávio: Max Bill no Brasil, 2011, ISBN 978-3-943347-13-5.

Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Max Bill – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Erich Schmid: Der politische Bill. In: maxbillfilm.ch, 21. November 2007.
  2. a b Max Bill – das absolute Augenmass. In: maxbillfilm.ch (Film von Erich Schmid).