Länderpokal (DFB)

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Länderpokal ist bzw. war der Name verschiedener Pokalwettbewerbe des DFB für Landesverbände.[1] Der erste und einzige Länderpokal mit Vertragsspielern wurde 1949/50 mit Mannschaften aus Ost und West ausgetragen, Sieger war die Mannschaft Bayerns. Der Amateur-Länderpokal wurde 1950 eingeführt und 1996 eingestellt.[2] Er wurde 1996/97 durch den Länderpokal für U19-Junioren abgelöst. In den folgenden Jahren wurde Länderpokale für weitere Juniorenklassen und Juniorinnenklassen eingeführt. Diese werden heute als Sichtungsturniere an einem Wochenende in der Sportschule Duisburg-Wedau ausgetragen. 2014 wurde zudem ein Futsal-Länderpokal (offiziell Futsal-Landesauswahlturnier) eingeführt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer des Länderpokals war der 1908 begründete Kronprinzenpokal mit regionalen Auswahlmannschaften. Dieser wurde nach Abschaffung der Monarchie in Deutschland 1919 in Bundespokal umbenannt. 1934 wurde dieser durch den Reichsbundpokal für die Mannschaften der Gaue bzw. Bereiche abgelöst. Als Vorläufer kann auch der Kampfspielpokal gelten, der von 1922 1934 alle vier Jahre durchgeführt wurde.

In der Saison 1949/50 veranstaltete der DFB den Länderpokal, wobei in jener Saison zum ersten und letzten Mal Vertragsspieler spielberechtigt waren und auch die ostdeutschen Ländervertretungen teilnahmen, aber nicht das Saarland.

Ab 1950/51 wurde der Wettbewerb als "Amateur-Länderpokal" von den Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zwischen den einzelnen Bundesländern ausgetragen.[4] Durchgeführt wird er von 1950 bis 1964 in einfacher Runde und seit 1964/65 mit Hin- und Rückspiel; seit 1996/97 nur für U 19-Mannschaften, seit 2001/02 für U 20-Mannschaften.[5]

Erst im letzten Jahrzehnt ließ das Interesse der Zuschauer und Spieler spürbar nach. Der Grund dafür ist unter anderem auch im häufig geänderten Spielmodus (Altersbegrenzung) und der Einstellung der Amateurnationalmannschaft im Jahre 1979 zu suchen. Auf Spielerseite wird er immer noch als interessante Bühne für die künftige Laufbahn betrachtet. Bitter formuliert dies mit dem Satz, „er dient unter anderem der Sichtung von Talenten.“[6]

Die diversen Sichtungsturniere werden aktuell mit 21 Mannschaften und einer Gastmannschaft ausgetragen. Seit 2005 werden sie nach Schweizer System mit 4 Runden in einer Liga ausgespielt.

Seit 1981 gibt es auch ein Turnier für U21-Frauen-Auswahlmannschaften. Dieses wird in einer Gruppe ebenfalls nach 4-rundigem Schweizer System ausgespielt. Auch hier ist eine Gastmannschaft beteiligt. So nahm 2006 die U-15-Nationalmannschaft teil.

Länderpokal 1949/50[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Runde nahmen 22 Länder-Auswahlmannschaften der künftigen zwei deutschen Fußball-Verbände am Pokalwettbewerb teil (die des Saarlandes nicht). Teilnahmeberechtigt waren auch die Vertragsspieler der Oberligen. Im Viertelfinale trafen am 13. November 1949 folgende Mannschaften aufeinander:

  • Bayern gegen Sachsen in Nürnberg vor 35.000 Zuschauern; Ergebnis: 5:1 für Bayern
  • Pfalz gegen Westfalen in Ludwigshafen vor 45.000 Zuschauern; Ergebnis: 2:1 für die Pfalz
  • Hamburg gegen Nordwürttemberg in Hamburg vor 28.000 Zuschauern; Ergebnis: 2:1 für Hamburg
  • Niedersachsen gegen Südwürttemberg in Osnabrück vor 12.000 Zuschauern; Ergebnis: 7:0 für Niedersachsen

Mit Sachsen, trainiert wurde die Mannschaft von Helmut Schön, schied der letzte Vertreter der kurz zuvor gegründeten DDR aus. Im Achtelfinale waren Brandenburg (2:10) an Hamburg, Sachsen-Anhalt (1:7) an Nordwürttemberg und (Gesamt-)Berlin mit 0:3 Toren an Bayern gescheitert.

Am 22. Januar 1950 wurden die zwei Halbfinalpaarungen durchgeführt. In München setzte sich Bayern vor 30.000 Zuschauern mit 6:2 Toren gegen Niedersachsen durch und die Pfalz gewann vor 60.000 Zuschauern in Ludwigshafen souverän mit 5:0 Toren gegen Hamburg. Das Finale fand am 19. März 1950 vor 89.000 Zuschauern in Stuttgart zwischen Bayern und der Pfalz statt. Ohne den überragenden Spielmacher Fritz Walter verloren die Pfälzer das Endspiel mit 0:2 Toren.

Amateur-Länderpokal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegermannschaften von 1951 bis 1986[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1951 bis 1963 - die Zeit der Oberligen als höchste Spielklasse - werden nachstehend die siegreichen Auswahlmannschaften der jeweiligen Landesverbände mit Angabe aller eingesetzten Spieler aufgeführt. Darunter bekannte Namen von Spielern, die auch für die Amateur-Nationalmannschaft zum Einsatz kamen und in den Oberligen von sich reden machten.

Ab Bundesliga-Start (und den der Regionalligen) 1963/64 sind hier die siegreichen Auswahlmannschaften (Nennung aller eingesetzten Spieler) der jeweiligen Landesverbände bis 1986 aufgeführt:

  • 1964 Mittelrhein: Honnef, Schlebusch, Zimmermann, Apweiler, Lambertin, Bernardy, Eder, Knoch, Gerstner, Nacken, Ackermann
  • 1965 Bayern: Rudolf Netzel, Felbinger, Wittmann, Holzschuh, Josef Parzl, Schwab, Kunstmann, Peter, Glinka, Faltermeier, Manfred Linz
  • 1966 Westfalen: Schulte, Ahmann, Mietz, Wagner, Zorc, Stürz, Waldschmidt, Reismann, Erler, Jahnel, Bradatsch
  • 1967 Nordbaden: Koch, Adolf Luft, Rückert, Rudi Dielmann, Walter Kitter, Kunzmann, Schreiner, Rosner, Burkhäuser, Herbert Layh, Firnkes
  • 1968 Bayern: Hofmann, Ziegelmeier, W. Müller, Kunstwadl, Lamprecht, Pohl, Ritschel, Peter, Mansfeld (Deuerling), Nüssing, Faltermeier
  • 1969 Nordbaden: Wilfried Tepe, Luft, Rückert, Kitter, Rosner, Dielmann, Fecht (Firnkes), Schneider, Ripp, Seifert, Spankowski
  • 1970 Bayern: Adolf Ruff, Heiner Schuhmann (Alwin Fink), Willi Müller, Walter Müller Sohnle, Pohl, Obermeier (Manfred Größler), Mischor, Helgert, Horn, Stegmayer
  • 1971 Bayern: Ruff, Rauh, Sohnle, Alwin Fink, Heiner Schuhmann, Pohl, Horn, Gerling, Manfred Größler (Lindinger), Helgert, Linz (Jörg)
  • 1972 Nordbaden: Kraus, Rohr, Volker Rohr, Luft, Poly, Layh, Sebert, Bartels, Spankowski, Günter Träutlein, Karlheinz Harm
  • 1973 Nordbaden: Seitz, Eugen Ehmann, Rohr, Weidlandt, Halder, Achstätter, Fanz, Renaud (Last), Wink (Bertsch), Gerd Störzer, Träutlein
  • 1974 Mittelrhein: Horst Holubeck, Gelath, Vetter, Eickerling, Willi Rehbach, Schäfer, Büchel, Surbach, Kentschke (Del'Haye), Schumann, Thies
  • 1975 Südwest: Horst Kirsch, Hufsky, Brust, Werner Hösl, Plivelitsch, Alber, Schäfer, Spiekermann, Zacher, Jürgen Wilhelm, Hupp (Bütow)
  • 1976 Niedersachsen: Stein, Eismann, Speh, Vogeler, Otte, Behrends, Rühmkorb, W. Krause, Mrosko, Wallek (U. Krause), Jürgen Dudda (Wegner)
  • 1977 Bayern: Huber, Schenk, Seufert, Markert, Müller (Weißberger), Schrettenbrunner (Augenthaler), Metzger, Wohland, Thaumüller, Kirschner, Helmut Hampl
  • 1978 Westfalen: Scholz, Steinhoff, Pietschock, Mathes, Andree, Sack, Eigenwillig, Kriegler, Peter, Lücke, Andexer (de Vries, Herget, Klaus Wischniewski)
  • 1979 Württemberg: Modick, Seiler, Löbel, Weiler, Huber, Piller, Obermüller, Wolfgang Haug, U. Haug, Weiß, Rahn (Mettang)
  • 1980 Bayern: Meier, Pflügler, Bernhardt, Meßmann, Schweiger (Kindermann), Summerer, Hartmann (Müller), Bayer, Sixt, Ullmann, Dykta
  • 1981 Südwest: Herrmann, Schlieck, Brehm, Karch (Neu), Wilhelmi, Wilhelm, Geiersbach, Gerber, Nebel, Iser, Behr (Graffert)
  • 1982 Südwest: Herrmann, Gerber, Brehm, Hentrich, Geiersbach, Wilhelmi, Iser, Frowein (Balte), Wilhelm, Nebel, Behr
  • 1983 Hessen: Kowarz, Mintgen, Grawunder, Gerber, Allig, Schmidt, Dickkopf, Peukert, Schäfer (Krämer), Ludewig, Wagner (Müller)
  • 1984 Bremen: Busch, W. Zander, Groothuis, Lellek, Fehse, Gentzsch, Herrmann, Wohlers, Dressler, Vico, Ordenewitz
  • 1985 Rheinland: Wahlen, Plath, Brinsa, Jochem, Schömann, Lüders, Fischer (Eimer), Toppmöller, Kartz, Leimig (Knechtges), Kohr
  • 1986 Westfalen: Asche, Brinkmann, Reekers, Ptok, Winskowsky, Heinemann, Dölitzsch, Butz, Spölming, Pache (Knäbel), Winkel (Sagel)

Siegerliste ab 1987[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saison Sieger Herren Sieger Frauen
1987 Niedersachsen Niederrhein
1988 Württemberg Mittelrhein
1989 Bayern Württemberg
1990 Bayern Hessen
1991 Niederrhein Hessen
1992 Hessen Hessen
1993 Westfalen Westfalen
1994 Westfalen Hessen
1995 Niederrhein Hessen
1996 Baden Niederrhein
1997 Westfalen Hessen
1998 Westfalen Hessen
1999 Schleswig-Holstein Hessen
2000 Bayern Hessen
2001 Württemberg Hessen
2002 Mittelrhein Bayern
2003 Südwest Niederrhein
2004 Mittelrhein Niederrhein
2005 Sachsen Niederrhein
2006 Niederrhein Niederrhein
2007 Niederrhein -
2008 Südwest Württemberg
2009 Württemberg Niederrhein
2010 Mittelrhein Brandenburg
2011 - Rheinland

Rekordmeister Herren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mannschaft Titel
Bayern 14
Westfalen 8
Mittelrhein 6
Niederrhein 6
Baden 5
Südwest 5
Württemberg 4
Hessen 3
Niedersachsen 3
Hamburg 2
Bremen 1
Rheinland 1
Sachsen 1
Schleswig-Holstein 1

Rekordmeister Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mannschaft Titel
Hessen 11
Niederrhein 10
Bayern 2
Mittelrhein 2
Württemberg 2
Brandenburg 1
Rheinland 1
Westfalen 1

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball, Das Lexikon, Sportverlag Berlin, 2000, ISBN 3-328-00857-8.
  • Karl-Heinz Heimann, Karl-Heinz Jens: KICKER, Fußball-Almanach ’93, Copress-Verlag, München 1992, ISBN 3-7679-0398-9.
  • JOURPART, im Auftrag des C. J. Bucher Verlages: Lexikon für Fussball-Freunde. Frankfurt/Main 1978. ISBN 3 7658 0260 3.
  • Bernd Rohr, Günter Simon: Fußball-Lexikon. Copress Verlag. München 1993. ISBN 3-7679-0829-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelverweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Als "Landesverbände" wurden vor und bis 1933 die regionalen Mitgliedsverbände des DFB (Süd, West usw.) bezeichnet; Landesverbände im heutigen Sinne gab es nicht. Die zutreffendere Bezeichnung "Regionalverbände" bürgerte sich nach deren Wiedergründung 1948 ff. ein.
  2. Kicker Fußball-Almanach 2016, S. 269
  3. http://www.dfb.de/sichtungsturniere/futsal-landesauswahlturnier/turnier-information/
  4. JOURPART Stuttgart, im Auftrag des C. J. Bucher Verlages: Lexikon für Fussball-Freunde. S. 9
  5. Rohr, Simon: Fußball-Lexikon. S. 49
  6. Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball. Das Lexikon. S. 19