Leonard Blavatnik

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Leonard Blavatnik, 2018

Sir Leonard „Len“ Blavatnik, Kt (russisch Леонид Валентинович Блаватник; Leonid Walentinowitsch Blawatnik; * 14. Juni 1957 in Odessa, Sowjetunion) ist ein US-amerikanischer Milliardär sowjetischer Abstammung.[1] Der Unternehmer, Investor und Philanthrop sowjetischer Herkunft wanderte 1978 im Alter von 21 Jahren aus der Sowjetunion in die Vereinigten Staaten von Amerika ein. Er machte ein Vermögen durch verschiedenste Investitionen in eine Vielzahl von Firmen mit seiner Beteiligungsgesellschaft Access Industries. Im April 2015 war Blavatnik mit einem Reinvermögen von 13,2 Milliarden Pfund der wohlhabendste Mensch Großbritanniens.[2] Er lebt in New York und London.[3]

Familie und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blavatnik wurde in Odessa in eine jüdische Familie hinein geboren.[4][5] Er begann ein Studium an der Staatlichen Universität für Verkehrswesen Moskau, beendete es aber nicht aufgrund von Auswanderungsanträgen, die seine Familie gestellt hatte. 1978 wanderte seine Familie aus der Sowjetunion nach Amerika aus.[6] Nach seiner Einwanderung in die USA schloss er an der Columbia University ein Studium mit einem Bachelor of Arts (B.A.) sowie einem Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Im Jahre 1989 schloss er die Harvard Business School mit einem Master of Business Administration (MBA) ab.[7]

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1986 gründete er seine Beteiligungsgesellschaft Access Industries.Das Unternehmen, in dem Blavatnik als Vorstandsvorsitzender und President fungiert, hat seinen Sitz in New York. Access hat langfristig angelegte Beteiligungen in Europa sowie Nord und Süd Amerika. Ursprünglich hatte Blavatnik direkt nach dem Niedergang des Kommunismus auf russische Investments gesetzt. Mit seinem Studienfreund Wiktor Wekselberg gründete er 1991 die Access-Renova Holding. Die beiden schlossen sich schließlich Mikhail Fridman's Alfa Group an und bildeten die AAR (Alfa-Access-Renova).[8] Seit dem hat Access sein Portfolio diversifiziert um auch Investitionen in die Bereiche Öl, Unterhaltung, Kohle, Aluminium, Petrochemikalien und Plastik, Telekommunikation, Medien und Immobilien mit einzuschließen. 1996 wurde Tyumen Oil (TNK), einer der größten russischen Ölkonzerne, übernommen und 2003 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit British Petroleum (BP) eingebracht (TNK-BP). In den 1990er Jahren beteiligten sich Wekselberg und Blavatnik an der russischen Aluminiumindustrie. Im Jahre 1996 bildeten sie daraus die Siberian-Urals Aluminium Company (SUAL), die im Februar 2007 mit RUSAL und Glencore zum größten Aluminiumkonzern RUSAL verschmolzen wurde. Leonard Blavatnik ist zudem über die britische Perform Group Hauptbeteiligter an dem Internet-Streamingdienst DAZN, der seit 2016 betrieben wird.

Im August 2005 beteiligte sich Access Industries am Chemiekonzern Basell Polyolefins von Royal Dutch Shell und BASF mit 5,7 Milliarden Dollar. Am 20. Dezember 2007 vollendete Basell die Übernahme des Chemiekonzern Lyondell mit einem Unternehmenswert von schätzungsweise 19 Milliarden Dollar. Das entstandene Unternehmen LyondellBasell wurde daraufhin, basierend auf den Nettoumsätzen, der achtgrößte Chemiekonzern weltweit.[9] Am 6. Januar 2009 meldete der U.S. Betrieb von Lyondellbasell Konkurs an.[10] Am 30. April 2010 trat LyondellBasell, sich nun in einer deutlich verbesserten finanziellen Position befindend, aus dem Schutz durch Chapter 11 heraus. Als Teil seiner Ausstiegsfinanzierung brachte Lyondellbasell 3,25 Milliarden Dollar seiner Schulden mit oberster Priorität auf sowie ein Bezugsangebot über 2,8 Milliarden Dollar, welches gemeinschaftlich von Access Industries, Apollo Management und Ares Management garantiert wurde.[11] Die Aktienwert von LyondellBasell ist sein April 2010 um 103 % gestiegen. Access besitzt annähernd 14 % von LyondellBasell. Im Mai 2008 wurde ein Anteil von 18,94 Prozent an der Air Berlin übernommen. Diese Aktien wurden im Januar 2009 wieder verkauft.[12] Im Mai 2011 erwarb Access Industries Warner Music Group für 3,3 Milliarden US-Dollar.[13]

Unterhaltungsindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2010 war Blavatnik einer der wenigen Bieter für Metro-Goldwyn-Mayer.[14] Im Mai 2011 erwarb Access Industries die Warner Music Group für 3,3 Milliarden US-Dollar. Außerdem gehört Blavatnik das Unternehmen AI Film, eine unabhängige Film und Produktionsfirma, welche Lee Daniels' Film The Butler und den im Sommer 2015 veröffentlichten Film Mr. Holmes unterstützte.[15]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blavatnik ist ein Mitglied des globalen Beirats des Center for International Business and Management der University of Cambridge, Mitglied des Beirats Dean's Advisors der Harvard Business School und Mitglied des akademischen Beirats der Universität Tel Aviv.

Immobilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2004 ersteigerte Blavatnik gegen ein Gebot des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch für 41 Millionen Pfund Sterling (ca. 100 Millionen US-Dollar) ein Wohnhaus in 15a Kensington Palace Gardens. Das Wohnhaus wurde 1854 von James Knowles gebaut und hat zehn Schlafzimmer, neun Badezimmer, vier Empfangsräume.[16][17][18][19]

Leonard Blavatnik kaufte zahlreiche Immobilien in New York City:[20][21][22] Im Jahre 2005 kaufte er das Ziegler House (2 East 63rd Street) für fast 31 Millionen US-Dollar.[20] Mitte 2007 kaufte er das Bronfman Townhouse für 50 Millionen US-Dollar und ein weiteres Cityapartment für 27 Millionen US-Dollar.[23][24]

Vermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leonard Blavatnik ist Multi-Milliardär und einer der reichsten Menschen der Welt – laut Forbes liegt sein Vermögen bei ca. 20 Milliarden US-Dollar. Damit belegt er Platz 40 auf der Forbes-Liste 2017 der reichsten Menschen der Welt.[25]

Philanthropisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blavatnik, die Blavatnik Family Foundation und Access Unternehmen haben in den vergangenen 15 Jahren eine Vielzahl an kulturellen und philanthropischen Institutionen unterstützt und waren Hauptgeldgeber für zahlreiche größere Kunst- und Kultur-Ausstellungen, auch für das British Museum, die Tate Gallery of Modern Art (welche 2017 einen neuen Flügel Blavatnik Building nannte),[26] das Royal Opera House, die National Portrait Gallery und das Museum of Modern Art.

Seit 2007 unterstützt die Blavatnik Family Foundation zusammen mit der New York Academy of Sciences den Blavatnik Preis für junge Wissenschaftler (Blavatnik Awards for Young Scientists). Der jährlich verliehene Preis ehrt die Leistungen von herausragenden jungen Wissenschaftlern aus den Bereichen Biowissenschaften, Physik und Ingenieurwissenschaften. Alle Finalisten erhalten ein beträchtliches Preisgeld.[27] In den letzten Jahren unterstützt Blavatnik in Israel die Organisation Kolel Chabad, die von ihrem Hauptquartier in Kirjat Mal’achi aus monatliche Lebensmittelpakete an ca. 5.000 arme Familien in 25 Städten des Landes verteilt. An hohen jüdischen Feiertagen werden bis zu 30.000 Familien in 73 israelischen Städten und Dörfern aus Mitteln der Food-Bank unterstützt.[28]

Im Jahre 2010 kündigte Blavatnik die Stiftung von 75 Millionen Pfund an die Universität Oxford an. Dies ist eine der größten Spenden in der 900-jährigen Geschichte der Universität. Blavatnik deutete zudem die Möglichkeit, an die Summe mit der Zeit auf 100 Millionen Pfund zu erhöhen. Die Blavatnik School of Government nahm 2012 ihren ersten Jahrgang auf und die Universität begann einen Neubau unter Einsatz von 26 Millionen Pfund Eigenmitteln. Die Gebäude wurden vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron geplant und im Sommer 2015 fertig gestellt. Erster Dekan der Schule ist die neuseeländische Professorin Ngaire Woods. 2013 verkündete die Harvard University, sie habe eine Spende über 50 Millionen Dollar von der Blavatnik Family Foundation erhalten, um die Gründunge von Unternehmen an der Universität zu sponsern.[29] 2016 unterstützte Blavatnik die Fertigstellung des Eingangsbereichs des Victoria & Albert Museum, der vom Londoner Büro AL_A der Architektin Amanda Levete geplant wurde.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 hat er Barack Obama mit 30.800 US-Dollar unterstützt.[30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Connie Bruck: The Billionaire's Playlist. The New Yorker. 20. Januar 2014.
  2. Music boss Len Blavatnik named as Britain's richest man. In: bbc.co.uk. 26. April 2015, abgerufen am 22. März 2018.
  3. Biografie auf der Seite der Blavatnik School, abgerufen am 25. März 2014.
  4. Russian-born U.S. Billionaire Offers to Buy Ma'ariv. In: haaretz.com. 8. Juli 2008, abgerufen am 22. März 2018.
  5. The world's 50 Richest Jews. In: jpost.com. September 2010, abgerufen am 22. März 2018.
  6. Warner Music Suitor’s Record of Deal-Making. In: dealbook.nytimes.com. 5. Mai 2011, abgerufen am 22. März 2018.
  7. forbes.com
  8. Russian billionaires, and the Kremlin. In: oxfordenergy.org. November 2011, abgerufen am 27. März 2018.
  9. C&EN’s Global Top 50 Chemical Firms For 2014. In: cen.acs.org. 28. Juli 2014, abgerufen am 27. März 2018.
  10. LyondellBasell May Seek Chapter 11 Bankruptcy Protection. In: nytimes.com. 1. Januar 2009, abgerufen am 27. März 2018.
  11. Lyondell restructuring plan includes Apollo role. In: reuters.com. 9. März 2010, abgerufen am 27. März 2018.
  12. Aktienpaket an Air Berlin PLC verkauft
  13. tagesschau.de (Memento vom 9. Mai 2011 im Internet Archive)
  14. Russischer Oligarch will MGM-Filmstudios. In: handelsblatt.com. 15. März 2010, abgerufen am 4. April 2018.
  15. Meet Len Blavatnik, the richest man in Britain. In: businessinsider.in. Abgerufen am 4. April 2018.
  16. theage.com.au
  17. virtualglobetrotting.com
  18. sueddeutsche.de
  19. architekten-haus.ch
  20. a b nytimes.com
  21. nytimes.com
  22. virtualglobetrotting.com
  23. 360oz.wordpress.com
  24. nytimes.com
  25. Forbes Profiles: Len Blavatnik.
  26. Tate Modern names extension after billionaire Len Blavatnik. In: theguardian.com. 4. Mai 2017, abgerufen am 11. April 2018.
  27. Blavatnik Awards for Young Scientists. In: nyas.org. Abgerufen am 11. April 2018.
  28. As Israel’s Channel 10 Has Only Three Months to Live. In: jewishbusinessnews.com. 1. April 2015, abgerufen am 11. April 2018.
  29. Harvard Receives $50 Million Gift To Fund Life Sciences Entrepreneurship. In: thecrimson.com. 29. April 2013, abgerufen am 11. April 2018.
  30. campaignmoney.com/obama-victory-fund. Abgerufen am 3. Mai 2015.