Pete Buttigieg

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Pete Buttigieg (2019)

Peter Paul Montgomery „Pete“ Buttigieg [ˈbuːtəˌdʒɛdʒ][1] (* 19. Januar 1982 in South Bend, Indiana) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Vom 1. Januar 2012[2] bis Ende 2019 war er der 32. Bürgermeister seiner Heimatstadt South Bend.

Buttigieg war im Afghanistankrieg Offizier des Marinegeheimdienstes.[3] Im Januar 2019 gab er bekannt, dass er für das Amt des amerikanischen Präsidenten kandidieren will. Er ist damit der erste offen homosexuelle Kandidat der Demokraten in einem Präsidentschaftswahlkampf.[4]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buttigieg ist der Sohn von Joseph Buttigieg, einem Immigranten aus Malta,[5] und Jennifer Ann Buttigieg (geb. Montgomery), beide Professoren an der katholischen Privatuniversität University of Notre Dame in South Bend.[6] 2000 schloss er als Jahrgangsbester an der katholischen Privatschule St. Joseph High School in South Bend ab.[7] Für einen Aufsatz über den damaligen Kongressabgeordneten Bernie Sanders aus Vermont wurde er von der John F. Kennedy Library im Rahmen eines Aufsatzwettbewerbs ausgezeichnet.[8] Außerdem wurde er als einer von zwei Delegierten aus Indiana für das United States Senate Youth Program ausgewählt. Buttigieg studierte am Harvard College, wo er ein Mitglied der studentischen Vereinigung Phi Beta Kappa war.[9] 2004 erhielt er einen Bachelor of Arts in Geschichte und Literatur. In seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit dem Einfluss des Puritanismus auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten, wie er sich in Graham Greenes Roman Der stille Amerikaner widerspiegelt.[10] Im Anschluss studierte er mit einem Rhodes-Stipendium Philosophie, Politik und Volkswirtschaft am Pembroke College in Oxford.[11]

Berufseinstieg und erste politische Erfahrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seines Studiums absolvierte Buttigieg ein Praktikum in einem NBC-Regionalstudio in Chicago. 2002 war er außerdem Praktikant im Wahlkampfbüro der Kongressabgeordneten Jill Long Thompson und arbeitete danach als Berater für sie.[12]

Von 2004 bis 2005 war Buttigieg in Washington, D.C. für das internationale Strategieberatungsunternehmen des ehemaligen amerikanischen Verteidigungsministers William Cohen tätig. Er arbeitete außerdem mehrere Monate als Recherche- und Strategiespezialist für die Präsidentschaftskampagne von Senator John Kerry.[13]

Nach seinem Abschluss in Oxford arbeitete er von 2007 bis 2010 bei der Unternehmensberatung McKinsey & Company.[14][15]

2010 war er demokratischer Kandidat für das Amt des Indiana State Treasurer, verlor aber gegen den Amtsinhaber Richard Mourdock.[16]

Militärdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buttigieg trat 2009 der United States Navy Reserve (USNR bzw. Navy Reserve) bei, einer Reservetruppe, der er bis 2017 als Teilzeitsoldat angehörte. 2014 – noch während seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister – wurde er für sieben Monate als Offizier des Marinegeheimdienstes in den aktiven Dienst nach Afghanistan versetzt.[17][18] Er schied mit dem Rang eines Kapitänleutnants aus dem Dienst aus.[19]

Bürgermeister von South Bend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buttigieg-Anhänger bei der an der Boston-Pride-Parade 2019.

Am 8. November 2011 wurde Buttigieg als Nachfolger von Steve Luecke mit 74 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von South Bend gewählt.[20] Zum 1. Januar 2012 übernahm er das Amt als jüngster Bürgermeister einer amerikanischen Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern.[21]

2014 bezeichnete die Washington Post Buttigieg als den „interessantesten Bürgermeister, von dem Sie noch nie gehört haben“,[22] und bezog sich auf sein Alter, seine Ausbildung und seinen militärischen Hintergrund. Die New York Times veröffentlichte 2016 einen Leitartikel, in dem sie Buttigiegs Arbeit als Bürgermeister lobte und die Frage in den Raum stellte, ob er irgendwann der „erste schwule Präsident“ werden könnte.[23]

Buttigieg hat Stadtsanierung zum Schwerpunkt seines Amtes gemacht. Ein charakteristisches Programm ist eine Initiative zu leerstehenden und verlassenen Grundstücken, vor Ort bekannt als „1000 Grundstücke in 1000 Tagen“. Damit sollten überall in der Stadt gezielt Immobilien saniert oder abgerissen werden.[24][25] Die Initiative wurde wie geplant im November 2015 erfolgreich abgeschlossen.[26] Während seiner Stationierung in Afghanistan übernahm der stellvertretende Bürgermeister Mark Neal die Amtsgeschäfte.

2014 kündigte Buttigieg an, sich um eine zweite Legislaturperiode zu bewerben.[27] Er gewann die demokratische Vorwahl mit 78 Prozent der Stimmen.[28] Am 3. November 2015 wurde er für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister von South Bend mit über 80 Prozent der Stimmen wiedergewählt.[29] Schwerpunkt seiner Arbeit bis 2017 war sein Projekt „Smart Streets“. Im Rahmen dieser 25-Millionen-Dollar-Initiative wurden über mehrere Jahre hinweg viele Einbahnstraßen in der Innenstadt umgebaut, so dass sie von beiden Seiten befahren werden können. Zusätzlich wurden die Straßen attraktiver für Fußgänger und Radfahrer gestaltet.[30]

Im Dezember 2018 gab Buttigieg bekannt, nicht für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister von South Bend zu kandidieren.[31]

Bewerbung um den Vorsitz des Democratic National Committee 2017[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 5. Januar 2017 gab Buttigieg seine Kandidatur für das Amt des Vorsitzenden des Democratic National Committee bekannt.[32] Er warb dafür, dass die alternde Demokratische Partei ihren Mitgliedern aus den Reihen der Millennials mehr Einfluss gewähren müsse. Er zog seine Kandidatur am Wahltag im Rahmen seiner Nominierungsrede zurück.[33]

Präsidentschaftskandidatur 2020[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem bereits längere Zeit über eine mögliche Kandidatur Buttigiegs für die Präsidentschaftswahl 2020 spekuliert worden war, gab er am 23. Januar 2019 bekannt, ein Sondierungskomitee für eine Kandidatur gegründet zu haben.[34][35][36] Er nahm an der TV-Debatte von zwölf demokratischen Präsidentschaftskandidaten (darunter die Favoriten Joe Biden und Elizabeth Warren sowie Bernie Sanders) am 15. Oktober 2019 teil.[37]

Im Falle eines Wahlsieges bei der Präsidentschaftswahl im November 2020 wäre Buttigieg bei Amtsantritt im Januar 2021 mit 39 Jahren der jüngste und der erste offen homosexuelle Präsident der amerikanischen Geschichte.[38]

Buttigieg erklärte sich bei der ersten Vorwahl im US-Bundesstaat Iowa noch am Wahlabend zum Sieger vor Sanders, obwohl das Endergebnis erst nach einer dreitägigen Verzögerung feststand. Letztlich konnte sich Buttigieg 14 Delegiertenstimmen für die Democratic National Convention sichern und lag damit vor Sanders mit 12 Delegiertenstimmen.[39]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 erhielt Buttigieg eine Rodel-Fellowship des Aspen Instituts.[40] 2015 erhielt er den John F. Kennedy New Frontier Fenn Award.[41]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buttigieg sieht seinen christlichen Glauben als wesentliches Fundament seiner Überzeugungen, lehnt aber die religiöse Rechte ab und spricht sich für eine strikte Trennung von Kirche und Staat aus.[42][43] Er wurde als Katholik getauft und besuchte eine katholische High School, wandte sich aber später dem anglikanischen Glauben zu.[44]

Neben seiner Muttersprache Englisch hat Buttigieg Sprachkenntnisse des Maltesischen, Arabischen, Spanischen, Französischen, Persischen und Norwegischen. Wie weit er diese Sprachen beherrscht, ist allerdings unklar.[45]

Im Juni 2015 machte Buttigieg seine Homosexualität öffentlich.[46][47] Ende Dezember 2017 gab er seine Verlobung mit Chasten Glezman bekannt,[48] den er am 16. Juni 2018 in der Kathedrale des Hl. Jakob, einer episkopalen Kirche in South Bend, heiratete.[49]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Rekrutierung für die Navy Reserve wurde für sein Studium im Nebenfach anstelle von „Arabics“, welches er als besonders von Bedeutung für eine Arbeit im Geheimdienst erachtete, durch ein Missverständnis „Aerobics“ notiert.[50]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Shortest Way Home: One Mayor’s Challenge and a Model for America’s Future. Liveright Publishing Corporation/W. W. Norton & Company, Inc., 2019

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pete Buttigieg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Buttigieg sagt seinen Namen
  2. Secretary of State: Elections Division: Election Foundation Wide. In.gov. Abgerufen am 10. Januar 2012.
  3. Pete Buttigieg, Mayor of South Bend, Ind., Joins Democratic 2020 Race, The New York Times. 23. Januar 2019. Abgerufen im 23. Januar 2019. 
  4. Nikki Schwab: Pete Buttigieg is first openly gay Democrat to run for president. Nypost.com. 19. Januar 2019. Abgerufen am 23. Januar 2019.
  5. A letter from flyover country.
  6. Mayor Pete Gets Married, Then Takes His Husband to a Pride Party.
  7. Indiana State Treasurer Name: Pete Buttigieg.
  8. 2000 Winning Essay by Peter Buttigieg.
  9. Phi Beta Kappa elects 92 seniors to Harvard chapter. Abgerufen am 7. Februar 2020.
  10. Rhodes Scholars announced Six talented students are Oxford-bound.
  11. Ten Years Hence: Pete Buttigieg, Mayor, City of South Bend. Archiviert vom Original am 13. Januar 2014. Abgerufen am 24. Januar 2019.
  12. Pete Buttigieg’s Biography.
  13. Candidate for state office brings campaign to city.
  14. Learn About Pete Buttigieg for South Bend Mayor.
  15. Buttigieg Enters South Bend Mayoral Race - Pete Buttigieg.
  16. Indiana General Election November 2, 2010.
  17. Erin Blasko: Navy Reserve to deploy Buttigieg to Afghanistan.
  18. South Bend mayor back from Afghanistan deployment
  19. The First Gay President?.
  20. The most interesting mayor you’ve never heard of. 
  21. Mayor Pete Buttigieg. City of South Bend.
  22. The most interesting mayor you’ve never heard of. 
  23. The First Gay President?.
  24. Vacant & Abandoned Properties Initiative. Archiviert vom Original am 12. November 2013. Abgerufen am 24. Januar 2019.
  25. ‘1,000 properties in 1,000 days’. 
  26. Progress Update.
  27. Mayor Buttigieg Announces Re-Election Bid. 
  28. Pete Buttigieg winner of Democratic primary for South Bend mayor race.
  29. South Bend Mayor Pete Buttigieg wins re-election.
  30. Smart Streets grand opening Friday. 
  31. Pete Buttigieg will not seek a third term as South Bend mayor. 
  32. Indiana Mayor Running for D.N.C. Chairman
  33. DNC Race: Tom Perez Becomes DNC Chair in Close Election Victory
  34. #2020Vision: Kander and Buttigieg make moves.
  35. Could Pete Buttigieg Become the First Millennial President?. 
  36. Indiana mayor Pete Buttigieg jumps into 2020 race.
  37. zeit.de 16. Oktober 2019: Alle gegen Donald Trump
  38. Lauren Gambino: Pete Buttigieg for president? Long-shot stands out in crowded field. The Guardian, 23. März 2019, abgerufen am 5. Februar 2020 (englisch).
  39. IDP Caucus 2020 Results, abgerufen am 11. Februar 2020
  40. Buttigieg Establishes City Diversity and Inclusion Initiative.
  41. Pete Buttigieg 2015 - Fenn Award Recipient. John F. Kennedy Presidential Library And Museum.
  42. Kirsten Powers: Mayor Pete Buttigieg's countercultural approach to Christianity is what America needs now. usatoday, 4. April 2019, abgerufen am 5. Februar 2020 (englisch).
  43. Sarah Pulliam Bailey: Evangelicals helped get Trump into the White House. Pete Buttigieg believes the religious left will get him out. The Washington Post, 29. März 2019, abgerufen am 5. Februar 2020 (englisch).
  44. Edward Beck: Pete Buttigieg on faith, his marriage and Mike Pence. CNN, 2. April 2019, abgerufen am 5. Februar 2020 (englisch).
  45. Michael Erard: Pete Buttigieg’s Language Magic Is Textbook Polyglot Mythmaking: American culture is far from the first to glorify people who speak several languages. The Atantic, 29. April 2019, abgerufen am 5. Februar 2020 (englisch).
  46. ‘South Bend Mayor: Why coming out matters’.
  47. ‘Pete Butigieg’s announcement creates a buzz’.
  48. South Bend Mayor Pete Buttigieg announces engagement.
  49. Mayor Pete Buttigieg marries partner Chasten Glezman in downtown South Bend. In: South Bend Tribune. 
  50. How Pete Buttigieg went from being a war protester to serving in the Navy. In: The Stars & Stripes Online. 29. Juli 2019, abgerufen am 11. Februar 2020 (englisch).